Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! In diesen Tagen begreifen wohl auch die naturfernsten Biografien, dass sich etwas zu verändern scheint, nämlich das Klima. Das sieht man am deutlichsten in den Wäldern unserer Tage.
An sich ist der Wald ein wahres Multitalent und Diener unserer Gesellschaft. Er bindet CO2, produziert Sauerstoff, reinigt die Luft und das Wasser, stellt Raum für Sport und Erholung und liefert nicht zuletzt den wundervollen Roh-, Bau- und Werkstoff Holz, den wichtigsten nachwachsenden Rohstoff Deutschlands.
Allerdings ist die Situation derzeit durch Stürme, Dürre, Käferkalamitäten, Schadholzanfall und Preisverfall für viele Waldbauern existenzbedrohend. Der gestrige Waldgipfel von Frau Klöckner war ein wichtiger Aufschlag. Ich glaube, wir alle suchen Lösungen und Antworten auf das derzeitige Drama.
Wir sind uns einig, dass wir artenreiche, vielfältige Wälder brauchen, bevorzugt naturverjüngt, standortangepasst und kahlschlagsbefreit. Nur sind dies keine forstlichen Neuigkeiten und schon gar keine Ideen der Grünen in 2019 als Antwort auf den Klimawandel im Wald. Dies alles ist sehr wohl bekannt und seit Jahrzehnten in der Umsetzung.
Lieber Kollege Felser, längst ist das, was Sie gerade als mangelhaft kritisiert haben, gängige Praxis. Wir haben doch aus den Stürmen der vergangenen Jahrzehnte gelernt. Ich frage mich immer wieder, ob Sie in den gleichen Wäldern unterwegs sind wie ich, und als Biolandwirt mit Waldparzelle bin ich wirklich oft draußen.
Liebe Grüne, hören Sie bitte auf, Bilder zu zeichnen, in denen ständig von Kahlschlägen, Pestizideinsatz mit Hubschraubern, Plantagenwirtschaft und Holzfabriken die Rede ist! Die Wahrheit ist doch, dass der Waldumbau seit Jahrzehnten in vollem Gange ist. Die Schwierigkeit ist nur, dass es im Wald nicht die eine Wahrheit gibt.
An dieser Stelle nenne ich ein paar Zahlen: Der Nadelholzanteil in Reinbeständen – Ihre sogenannten Plantagen – beträgt schon jetzt nur noch 27 Prozent. In der nächsten Waldgeneration werden es gerade noch 10 Prozent sein. Wir haben in den letzten Jahrzehnten wirklich gelernt.
Der von Ihnen geforderte Verzicht auf Kahlschlag ist über die Landesverordnungen schon längst gesetzlich umgesetzt. Und zum Pestizideinsatz: In Deutschland werden jährlich nur 15 Tonnen auf weniger als 1 Prozent der gesamten Waldfläche zum Einsatz gebracht. Was ist das im Vergleich zur Landwirtschaft oder zum Landschafts- und Gartenbau, wo wir von 100 000 Tonnen sprechen?
Übrigens sind unsere Wälder die Ökosysteme mit der höchsten Artenvielfalt in Europa. Ich zitiere aus dem jüngsten Bericht zum Indikator „Artenvielfalt und Landschaftsqualität“ des Bundesamtes für Naturschutz:
Bei der Artenvielfalt und Landschaftsqualität der Wälder sah es im Vergleich zu den anderen Lebensraumtypen zuletzt deutlich besser aus: 2015 wurde hier mit 90,1 Prozent des Zielwerts der im Vergleich zu anderen Teilindikatoren höchste Wert erzielt.
Liebe Grüne, die Urwaldoffensive ist jedoch Ihre interessanteste Forderung. Sie fordern einen Nutzungsverzicht auf 5 Prozent der Waldfläche und sogar auf 10 Prozent der Fläche in öffentlicher Hand. Der Wildnisfonds von 500 Millionen Euro lässt vermuten, dass dies noch lange nicht das Ende der Fahnenstange sein soll. Wenn wir aber wissen, dass die höchste CO2-senkende Leistung im vitalen, bewirtschafteten Wald und in der vielseitigen Nutzung des Werkstoffes Holz liegt, dann wundere ich mich doch sehr über diese Forderung.
Holz ersetzt energieintensive und zum Teil problematische Materialien wie Plastik, Stahl, Aluminium und Beton.
Dies ist doch wohl uns allen geläufig, und wir sind dankbar, dass wir diesen wertvollen Werkstoff haben.
Die Holznutzung wird bei Ihnen, wie auch im Antrag zu lesen, ständig mit Einschränkungen und Verboten belegt.