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115. Sitzung
Donnerstag, 26. September 201919. Wahlperiode, 115. SitzungSofortige Einstellung des Programms „Perspektive Heimat“
12 VermerkeReaktionswert: hoch430 Wörter Im Protokoll lesen

Sehr geehrter Herr Präsident! Kolleginnen und Kollegen! Liebe Gäste! Rückkehr von Geflüchteten und Migranten in ihre Herkunftsländer ist seit 2017 zentrales Ziel des Entwicklungsministers. Deshalb begründete er das Programm „Perspektive Heimat“. Von Beginn an ging es um Entwicklungspolitik als Abschottungspolitik. Seehofer sei Dank!

Nein, nein! Ich nicht!

Und das heißt: Rückkehrberatung in Deutschland. Das heißt: unterschiedliche Beratungsangebote in ausgewählten Zielländern. So soll Migration vorgebeugt werden . Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass die AfD genau dieses Programm einstampfen möchte.

Beifallbei der LINKEN

Weil es kein Rückkehrerprogramm ist!

Wir lehnen den vorliegenden Antrag der AfD ab.

Ihre Kritik basiert wie immer auf einer einfachen Kosten-Nutzen-Rechnung. Das Programm sei teuer, habe bisher aber keine messbaren Erfolge bei den zentralen Aufgaben von „Perspektive Heimat“ vorzuweisen. Außerdem – das haben wir ja gerade gehört – kritisieren Sie, dass Entwicklungsgelder für Menschen in und aus Entwicklungsländern ausgegeben werden. Im Ernst? Und der nächste Antrag heißt dann sicher „Entwicklungsgelder nur an Deutsche“.

Doch zurück zu „Perspektive Heimat“. Meine Fraktion und ich – das wissen Sie – zählen seit dem Start zu den schärfsten Kritikern. Und das hat drei Gründe:

Erstens. Es ist nicht hinzunehmen, dass Entwicklungsministerium und GlZ sich zu Erfüllungsgehilfen von Abschottungs- und Rückführungspolitik machen lassen.

Beifallbei der LINKEN

Es ist zynisch, wenn die GIZ im Rahmen des Programms in bayerische AnKER-Zentren geht, um verzweifelten Geflüchteten die Rückkehr in den Nordirak schmackhaft zu machen. Wie müssen die Männer und Frauen sich fühlen, wenn sie in einem Workshop lernen, wie sie den Gefahren durch Sprengfallen oder Blindgänger begegnen? Die Aufgabe der Bundesregierung wäre es, diesen Menschen dauerhafte Bleibeperspektiven in Deutschland zu bieten.

Beifallbei der LINKEN

Zweitens. Wo es keine Perspektiven in den Heimatländern gibt, darf das Programm „Perspektive Heimat“ auch keine vortäuschen.

Beifallbei der LINKEN

Beispiel Afghanistan: Aufgrund der katastrophalen Sicherheitslage konnte die GIZ dort kein Migrationsberatungszentrum eröffnen. Deshalb soll die Internationale Organisation für Migration, IOM, diesen gefährlichen Job übernehmen. Nach Auskunft der IOM ist es aber nicht möglich, in Kabul einen sicheren Ort für ein Büro zu finden. Trotzdem werden immer wieder Menschen nach Afghanistan abgeschoben. Es ist menschenverachtend, Schutzsuchenden Perspektiven vorzugaukeln, um sie dann in die Hölle zu schicken!

Beifallbei der LINKEN

Drittens. Aus unserer Sicht ist es nicht die Aufgabe des Entwicklungsministeriums, individuelle Beratungen für potenzielle Migrantinnen und Rückkehrerinnen zu fördern; das sollten andere machen. Genau dies passiert jedoch im Rahmen von „Perspektive Heimat“. Stattdessen sollte sich das Ministerium an strukturbildenden Maßnahmen beteiligen, wie der Einrichtung legaler Migrationswege, der Stärkung lokaler Arbeitsmärkte und dem Aufbau von öffentlicher Gesundheits- und Bildungsinfrastruktur.

Beifallbei der LINKEN

In der ganzen Welt! Genau!

Wir lehnen das Programm „Perspektive Heimat“ in seiner jetzigen Form ab.

Beifallbei der LINKEN

Wenn es aber darum geht, den Aufbau langfristiger Entwicklungsperspektiven in den Ländern des globalen Südens zu fördern, können Sie mit der Unterstützung meiner Fraktion jederzeit rechnen.

Danke.

Beifallbei der LINKEN

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