Sehr geehrter Herr Vizepräsident! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Millionen von Kindern einen Schulbesuch zu ermöglichen und die Schlechterbehandlung und oftmals Misshandlung von Mädchen in Entwicklungsländern zu beenden, das sind zweifellos ehrenwerte Ziele, denen man sich wohlwollend nähern muss – umso mehr, als die betroffenen Länder zugleich diejenigen sind, aus denen sich die großen Migrantenströme Richtung Europa in Bewegung setzen.
Fazle Rabbani, wohlgemerkt kein AfD-Politiker, werte Kollegin, sondern ein Experte der Globalen Bildungspartnerschaft, um die es hier heute geht, weist darauf hin, dass die Geburtenrate in Bangladesch durch den vermehrten Schulbesuch von Mädchen halbiert werden konnte. Das ist gut für das betroffene Land, dessen Ressourcen begrenzt sind. Das ist aber auch gut für Deutschland und Europa, weil der Migrationsdruck dadurch nachlässt.
Man könnte jetzt darüber streiten, ob die Summe von jährlich 100 Millionen Euro, auf die die Kollegen von den Grünen den deutschen Beitrag zur Globalen Bildungspartnerschaft aufblähen wollen, wirklich angemessen ist oder ob man nicht zuerst die eigenen maroden Schulgebäude sanieren und die 35 000 fehlenden Grundschullehrer einstellen sollte, bevor man gleich die ganze Welt rettet.
Diesen finanziellen Diskurs kann ich mir hier aber sparen;
denn das Programm der Globalen Bildungspartnerschaft krankt leider schon auf einer viel grundsätzlicheren Ebene. Es ist in Wahrheit ein ideologisches trojanisches Pferd, das die Grünen hier heute ins Parlament gerollt haben.
Die Strategiepapiere der GPE, allen voran die „Gender Equality Policy and Strategy 2016–2020“ sprechen es ganz klar aus: Hinter den wohlklingenden philanthropischen Bildungszielen verbirgt sich – nicht ausschließlich, aber eben in weiten Teilen – ein weltweit angelegter Aktionsplan, um der Genderideologie,
der Inklusionsideologie und der Ideologie des Postkolonialismus im globalen Maßstab zum Durchbruch zu verhelfen.
All diese zutiefst schädlichen, weil an der Wirklichkeit vorbeigehenden Ideologien, unter denen Schüler, Eltern, Lehrer und Studenten – pardon: Studierende – in Deutschland leiden und die zum hiesigen Bildungsnotstand maßgeblich beitragen, sollen nun weltweit in die Bildungssysteme implementiert werden. Am Gender-Wesen soll die Welt genesen, und Deutschland soll dafür bezahlen. Mit der AfD sicher nicht, meine Damen und Herren!
– Ja. Das müssen Sie sich jetzt auch einmal anhören.
Mit dem Gender-Mainstreaming wurde der Geschlechterkampf in unseren Bildungseinrichtungen und Behörden staatlich verordnet auf Dauer gestellt.
Das Verhältnis zwischen den Geschlechtern wurde damit einer permanenten unterschwelligen Vergiftung ausgesetzt.
Wenn dies in den betroffenen Einrichtungen und in der Öffentlichkeit nicht viel mehr thematisiert wird, so nur deshalb, weil eine Gesinnungsdiktatur von allmählich Orwell’schen Ausmaßen
jedem das Karriereende androht, der sich politisch inkorrekt äußert und das Gender-Dogma infrage stellt. Das ist die Realität.
Auch die Praxis der Inklusion hat verheerende Auswirkungen und darf schon jetzt als gescheitert gelten. Sie wird weder den behinderten noch den nichtbehinderten Kindern gerecht, sie zerstört das hervorragende deutsche Förderschulsystem, und sie beruht auf demselben Gleichheitswahn wie die Gender-Ideologie.
Versuchen wir uns doch einmal vorzustellen, was es für die Entwicklungsländer bedeuten würde, einem derartigen Erziehungsprogramm, das ja ein kulturelles Umerziehungsprogramm ist, unterworfen zu werden.
Stellen wir uns den Gender-Beauftragten der Universität Timbuktu, den Diversity Manager von Sanaa vor, und wir ahnen Böses, meine Damen und Herren. Je erfolgreicher dieses Programm arbeitet, desto mehr muss es doch in den oft noch archaischen Gesellschaften dieser Länder massive soziale Spannungen hervorrufen, vor allem zwischen den Generationen.
Unweigerlich wird es dann auch zu Abstoßungsreaktionen gegen die eingeschleusten westlichen Fremdideologien kommen. Das ist dann auch gut so, meine Damen und Herren.
Nicht zuletzt für uns Europäer ist das gut, denn was die GPE unter „transformativer Bildung“ versteht, ist nichts anderes als eine Indoktrination mit postkolonialer Ideologie, und das heißt die Verankerung einer Überlegenheits- und Anspruchshaltung im Globalen Süden gegenüber dem Westen,
während dem Westen ein tiefer Schuldkomplex aufgrund seiner kolonialen Vergangenheit eingeimpft werden soll. Dies alles im Zuge einer sogenannten Global Citizenship Education, die, wie der Name schon sagt, nichts anderes bedeutet als die Schleifung der historisch gewachsenen Nationen
und die ideologische Bodenbereitung für weltweite Migrationsströme. Im Grunde ist das, was Sie machen, eine Form von Kulturimperialismus, aber eine paradoxe Form,
bei der die aufgedrückte Ideologie zum Schaden der Imperialisten ausschlägt, die sich ein humanitäres Mäntelchen umhängen.
Ja, für Bildung für alle wäre die AfD zu haben,
für Ideologie für alle sicher nicht, verehrte Kollegin.
Trotzdem stimmen wir der Überweisung in den Ausschuss zu. Meines Erachtens wäre dieser Antrag im Bildungsausschuss am besten aufgehoben, weil dort diese ideologischen Ladungen diskutiert gehören.