Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der Beginn der Debatte hat bei mir schon den Eindruck erweckt, dass sie so ein bisschen in einem Paralleluniversum stattfindet. Da haben die Kollegen von FDP und CDU groß erzählt, was man alles Tolles mit Wasserstoff machen kann. Ja, sicherlich kann man viel Tolles mit Wasserstoff machen. Das Knifflige beim Wasserstoff ist doch nicht, ganz viele tolle Projekte mit Wasserstoff zu machen, wenn man ihn hat. Das Knifflige ist doch die Frage: Wo bekomme ich genug Erneuerbare her, um ihn herzustellen?
Wie oft habe ich von Ihnen gehört: Einen Euro kann man nur einmal ausgeben. – Ja, das stimmt. Aber warum verstehen Sie nicht, dass man auch jede Kilowattstunde erneuerbaren Stroms nur einmal verwenden kann?
Deshalb ist es verlogen oder zumindest nicht zu Ende gedacht, wenn gerade die Parteien, die den Ausbau der erneuerbaren Energien entweder verbal oder sogar tatsächlich mit ihren Gesetzen massiv zurückdrängen, die mitverantwortlich sind für die Massenentlassungen in der Windindustrie, sich so gerieren, als könnten sie an der Speerspitze der Wasserstoffbewegung stehen.
Neu ist das Thema ja tatsächlich nicht. Wir Grüne haben schon vor der Sommerpause eine Wasserstoffstrategie vorgelegt; denn, ja, Wasserstoff ist ein unverzichtbarer Baustein der Energiewende. Wir kämpfen für Wasserstoff mit Herz und Verstand; denn es reicht nicht, für ein Modewort zu sein. Wasserstoff muss grün sein. Er muss aus Erneuerbaren sein, sonst wird aus dem Klimaschützer Wasserstoff ganz schnell ein Klimakiller. Deshalb haben wir ein Konzept vorgelegt, wie man Grünen Wasserstoff dann und dort herstellen kann, wo tatsächlich erneuerbarer Strom ist.
– Das Konzept kann ich Ihnen sehr gerne schicken. Ich habe aber nicht die Redezeit, um alles zu erzählen. Sie dürfen zwischenfragen. Dann erzähle ich es Ihnen sehr gerne.
Jetzt noch mal zurück zum FDP-Antrag. Ich gebe ja zu, dass Sie eine gewisse Ehrlichkeit an den Tag legen, indem Sie den Import ganz nach vorne stellen. Ihnen ist wohl selbst bewusst, dass mit Ihrer Energiepolitik in Deutschland kein Grüner Wasserstoff hergestellt werden kann. Also sagen Sie: In erster Linie Import.
Ja, es ist richtig, sich dafür anzustrengen, dass auch die Importfrage endlich beantwortet wird, dass wir herausbekommen, ob es überhaupt möglich ist, Grünen Wasserstoff zu importieren, ob die Transportwegefrage überhaupt geklärt wäre und ob es Länder gibt, die ihn anbieten. Ja, es ist richtig, sich dafür anzustrengen. Aber sich heute schon darauf zu verlassen?
Ich zitiere einen Wirtschaftsexperten, der sich viel mit Wasserstoff beschäftigt hat. Er sagt: Dass andere unsere Probleme lösen, ist eine vage Hoffnung, mehr nicht. – Ein weiteres Zitat ist: Der Wasserstoff wird knapp und teuer sein. – Sie von der FDP hängen die Zukunft der deutschen Industrie, die Zukunft der deutschen Mobilität, ja, die Zukunft der deutschen Energieversorgung an eine vage Hoffnung. Ist das Ihr Verständnis von Versorgungssicherheit?
Wir Grüne haben da ein anderes Verständnis.