Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Ja, der hier vorliegende Antrag ist umfangreich. Vieles, was drinsteht, ist sicherlich völlig unstrittig, es sind im Grunde Selbstverständlichkeiten. Dass sich der Klimawandel negativ auswirken kann auf die Perspektiven und Chancen von Menschen, ist völlig klar. In diesem so umfangreichen Antrag stehen allerdings auch ein paar Absurditäten wie „Klimapass“ und Ähnliches. Geschenkt!
Ich finde, das Schlimmere an diesem Antrag ist der irreleitende Gesamtduktus, nach dem jetzt endlich etwas begonnen werden sollte. Tatsächlich aber leistet gerade Deutschland in Sachen „Chancen für Menschen trotz Klimawandel“ sehr viel. Wir werden überall in der Welt als Vorreiter anerkannt.
Ich will kurz einige Punkte nennen: Dass sich Menschen woanders Perspektiven und Chancen suchen, liegt doch vor allem daran, dass es dort, wo die Menschen leben, zu wenig Jobs, Chancen und Perspektiven gibt. Es mag ja sein, dass der Klimawandel ein bisschen dazu beiträgt; aber anzunehmen, dass der Mangel an Chancen für Menschen im Senegal oder im Tschad vor allen Dingen am sich wandelnden Klima liegt, ist doch ziemlich absurd.
Es liegt daran, dass dort wegen schlechter Regierungsführung viel zu wenig aufgebaut wird und zu wenig Perspektiven und Chancen für die Menschen vorhanden sind. Natürlich reichen beispielsweise im Tschad bei einer stark wachsenden Bevölkerung die überalterten oder im Wesentlichen fehlenden Wasserspeicherungsmethoden bei Weitem nicht aus, um die vielen Menschen zu versorgen. Deswegen ist es ja gut, dass die deutsche Entwicklungszusammenarbeit gemeinsam mit internationalen Organisationen – ich nenne das World Food Programme im Tschad – viel leistet, damit auch künftig dort ein Leben möglich ist.
Wir waren in der vergangenen Woche auf Delegationsreise in Indien unterwegs. Dort habe ich gesehen: Nicht jeder Wassermangel hat etwas damit zu tun, dass sich das Klima wandelt.
Wenn die Bauern in Indien weiterhin Strom, Elektrizität kostenlos bekommen und ebenfalls kostenlos Grundwasser fördern können, die Pumpen dann 24 Stunden laufen – das wurde beobachtet –, dann ist klar, dass keiner auch nur im Entferntesten daran denkt, Wasser einzusparen. Wenn dann das Grundwasser sinkt und am Ende zu wenig Wasser da ist, ja, meine Damen und Herren, dann müssen wir die Regeln ändern. Wir brauchen international mehr soziale Marktwirtschaft.
Wir brauchen mehr Vernunft in aller Welt.
Und wir brauchen mehr Jobs und Chancen.
Deswegen ist es am Ende im Hinblick auf die Frage „Welche Perspektiven schaffen wir für Menschen?“ mindestens genauso wichtig, über Projekte wie AfricaGrow-Fonds oder AfricaConnect nachzudenken wie über all die anderen Dinge. Wir brauchen mehr Investitionen und mehr Jobs.