Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Lieber Mario Brandenburg, schön, dass du versucht hast, das alles auf einen Bon herunterzubrechen. Aber wir haben inhaltlich eine ganze Kassenrolle geliefert; insofern: Das passt schon.
Durch unsere Verkehrsadern fließt die Energie, die unsere hochkomplexe Gesellschaft am Leben hält, die uns Freiheit und Wohlstand verschafft. Aber die Mobilität von heute hat keine Zukunft: zu viel Abgase, Staus, zu hohe Kosten. Wir brauchen künftig eine bedarfsgerechte Mobilität für alle in Stadt und Land – mit weniger Verkehr und weniger Energieverbrauch, umweltfreundlich und bezahlbar.
Wir haben bereits viele Maßnahmen auf den Weg gebracht, um das zu fördern. Aber wir brauchen mehr, um den Dynamiken und Chancen im Bereich Mobilität gerecht zu werden. Deshalb schlagen wir eine übergreifende Forschungsstrategie vor, um neue, überzeugende Antworten für die Mobilität der Zukunft zu finden.
Ich möchte den Fokus heute auf die Bereiche lenken, die ich für besonders wichtig erachte. Essenziell sind neue Antriebstechnologien und Kraftstoffe im Automobilbereich. In keinem anderen Land der Welt hat die Autoindustrie eine so hohe Kompetenz und einen so großen Anteil an der Wertschöpfung wie bei uns. Weltweit wird das Bedürfnis nach Mobilität mit dem Auto auch weiter ansteigen. Deshalb bleibt unser Geschäftsmodell grundsätzlich richtig. Es wird aber künftig eine Vielzahl von Antriebstechnologien nachgefragt. Dem muss man sich stellen, aller Kolbenromantik zum Trotz.
Ein wichtiges Element ist die Entwicklung von innovativen Elektrofahrzeugen auf Batteriebasis. Wir sind hier gut aufgestellt. Ein Drittel der Patente in diesem Bereich kommt aus Deutschland. Mit der neuen Batterieforschungsfabrik werden wir auch die Entwicklung neuer Batteriesysteme ohne Lithium anstoßen und damit China Paroli bieten.
Aber dabei dürfen wir nicht stehen bleiben. Batteriefahrzeuge sind ein wesentlicher Baustein der neuen Mobilität, aber sie sind nicht für alles geeignet. Gut für die Stadt, gut für kurze Wege. Für längere Strecken brauchen wir auch langfristig Hybridlösungen – und E-Fahrzeuge auf Brennstoffzellenbasis, die den Vorteil haben, dass sie leichter sind, schneller tanken und weiter fahren können. Deshalb eignet sich diese Technologie auch für Busse und Schwerlastverkehr, für Züge und Schiffe.
Um den Rückstand auf Asien aufzuholen, müssen wir die Produktion von Brennstoffzellen schneller industrialisieren. Daran arbeitet zum Beispiel eine Forschungsfabrik in Baden-Württemberg. Deshalb müssen wir unsere Forschungsstrategie auch mit der Nationalen Wasserstoffstrategie verknüpfen.
Für eine längere Übergangszeit sind wir zudem weiter auf Verbrennungsmotoren angewiesen, egal ob Benziner oder Diesel; wir können sie jedoch mit neuen synthetischen, umweltfreundlichen Kraftstoffen betanken, die wir aus Abfällen, Flüssiggas, Wasserstoff oder Methanol gewinnen. An der Wirtschaftlichkeit muss auch hier noch gearbeitet und geforscht werden.
Die Herausforderungen zeigen: Eine einzige Technologie ist nicht die Lösung. Technologieoffenheit ist daher die Grundlage für unsere Forschungsstrategie, und das nicht nur auf der Straße. Neue Antriebssysteme und E‑Fuels sind auch in der Luft- und Schifffahrt ein Muss.
Das Beispiel E-Auto zeigt: Wir müssen künftig noch stärker in Kreisläufen denken, das heißt: problematische Spezialrohstoffe für die Batterien wie Lithium und Kobalt systematisch recyceln – und eine Zweitnutzung der Autobatterien im stationären Bereich. Mit dem Forschungskonzept „Ressourceneffiziente Kreislaufwirtschaft“ unterstützen wir solche Ansätze und Geschäftsmodelle gezielt.
Dafür brauchen wir auch neue, digitale Lösungen. Der Weg vom Abbau in der Mine bis zur Batterie im E-Auto ist lang. Wir können die Batterie nur dann optimal recyceln, wenn wir die Rohstoffkomponenten entlang der gesamten Lieferkette vollständig digital erfassen und alle Schritte von der Batterie bis zu den Recyclingprodukten digital simulieren, zum Beispiel unter Nutzung der sicheren Blockchain-Technologie.
Digital entspannt in die Zukunft, das gilt auch für das autonome und vernetzte Fahren. Die Potenziale dieser Technologie sind riesig. Besonders ältere und behinderte Menschen können dadurch mobiler werden. Automatisierte Busse könnten preiswerter als heute den ländlichen Raum bedienen. Weniger Staus und rationellere Warentransporte sparen Zeit und Geld.
Noch aber sieht fast die Hälfte der deutschen Autofahrer das autonome Fahren skeptisch. Die Akzeptanz der Menschen zu fördern, ist deshalb ebenso wichtig für die erfolgreiche Markteinführung wie die Optimierung der Technik.
Damit das autonome Fahren zuverlässig funktioniert, müssen während der Fahrt ungeheure Datenmengen gesammelt und ausgewertet werden. Deshalb müssen wir dringend den Ausbau von 5G, WLAN oder LTE flächendeckend vorantreiben.
Schnelle Datenautobahnen sind auch der Motor für innovative intermodale Mobilitätskonzepte, die den Verkehr optimal lenken, die die verschiedensten Verkehrsträger, Individualverkehr und ÖPNV effizient vernetzen und die mit bedarfsgerechten Angeboten Stadt und Land enger verbinden.
Wichtige Impulse dafür gibt nicht nur die Förderung des Bundes, sondern auch das House of Logistics and Mobility in Frankfurt am Main.
Alles in allem: Unser Antrag bietet gute Gründe, Lust auf Zukunft zu haben.
In diesem Sinne: Vielen Dank.