Das ist ja eine katastrophale Fehleinschätzung. Das ist eine weitere der grundsätzlichen Fehleinschätzungen von Erich Honecker. Da sind wir doch völlig einer Meinung.
Aber das macht die heutige Forderung doch nicht besser, dass es dort Fehlentscheidungen gegeben hat.
Nur, Herr Kollege Post, Sie müssen eines sehen – das ist noch die Antwort –: Ich habe von den Enteignungen nach 1945 gesprochen, und zwar von den flächendeckenden. Da stimmen Sie mir doch insbesondere als Sozialdemokrat zu, wenn ich das Stichwort „Revolution von 1918 und Ausrufung der Republik“ nenne, woran ja auch Ihre Partei einen gewissen Anteil hatte, wenn man so will.
Wir sind doch einer Meinung, dass das richtig gewesen ist. Wenn Honecker auch da völlig falsch entscheidet, kann ich nichts dafür, aber ich kann feststellen, dass das falsch ist, wenn es so ist, wie Sie sagen. Sorry, so sieht das aus.
Drittens. Gehen wir weiter und nähern uns dem Ganzen juristisch. Es gibt in dem Gesetz von 1994, in dem diese Entschädigungsfragen geregelt sind, folgenden Passus, dass nämlich Entschädigungszahlungen dann ausgeschlossen sind, liebe Kolleginnen und Kollegen, wenn, wie in diesem Fall, die Familie Hohenzollern dem Nationalsozialismus – wörtliches Zitat – „erheblichen Vorschub geleistet“ hat. Dazu gibt es jetzt alle möglichen Gutachten, die dank des Satirikers Böhmermann allgemein zur Verfügung gestellt wurden – da kann man auch einfach mal Danke sagen –, sodass alle das nachlesen können.
Juristisch und politisch stellt sich die Frage: Haben die Hohenzollern und besonders Kronprinz Wilhelm dem Nationalsozialismus Vorschub geleistet? Ich möchte Ulrich Herbert, einen, glaube ich, unumstrittenen, exzellenten Historiker, zitieren, der auf diese Frage Folgendes geantwortet hat:
Ja – gewiss nicht weniger, aber wohl auch nicht mehr als all die anderen hochrangigen Vertreter der vaterländischen Verbände, der deutschnationalen Parteien, der Clubs und „Ringe“ der rechtsradikalen Intellektuellen, der Großagrarier und der Großindustrie, die die Republik zerstören und das neue Reich der Rechten aufbauen wollten, ohne Parlament, ohne Gewerkschaften und ohne Juden – allerdings unter der Voraussetzung, dass sie selbst dabei irgendeine wichtige Rolle spielen durften.
Aber wenn selbst die es nicht waren, die „Vorschub leisteten“, dann war es eben keiner. Wie gehabt.
Das ist der Kern der geschichtspolitischen Auseinandersetzung, die wir führen. Das macht übrigens – entgegen dem ganzen Humbug, der erzählt wurde – noch einmal deutlich, warum die Weimarer Republik zerstört worden ist, nämlich im Bündnis von Großindustrie, von Rechtsradikalen und den deutschnationalen konservativen Parteien. Das hat die Weimarer Republik zerstört. Das möchte ich hier angesichts all des Unsinns, der sonst erzählt wurde, klar aussprechen.
– Ja, das ist die Traditionslinie, in der Sie stehen.
Zum Vierten. Es geht hier natürlich auch ganz schlicht um Geld. Es geht hier nicht um Tradition – oder was weiß ich, was alles erzählt wird – von irgendwelchen Adelshäusern. Es geht schlicht um Kohle. Das kann ich auch belegen. Gucken wir einmal auf die Versteigerung der Hohenzollern im Jahre 2017 im Auktionshaus Sotheby’s.