Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Immer zur Grünen Woche führen wir Agrarpolitiker Gespräche mit Kollegen aus der ganzen Welt. Immer zur Grünen Woche gibt es, ja, auch diese Agrardebatte mit einem gewissen Schlagabtausch. Aber ich stelle mit einiger Freude fest: Die Tonlage gegenüber unseren Bauern hat sich hier quer durch alle Fraktionen, wenn es auch einzelne Ausnahmen gibt, wesentlich verändert. Das ist gut so, und das ist wichtig.
Diese neue Aufmerksamkeit in den Medien, in der Politik und in der ganzen Gesellschaft haben, wenn man fair ist, drei Wörter erzeugt: Land schafft Verbindung. – Gemeinsam haben sich junge, dynamische Bauern – keine Auslaufmodelle, wie sie der Kollege Ostendorff hier bezeichnet hat – zusammengerauft und für ihre Zukunft gekämpft, und sie werden dies auch weiterhin tun. Wir müssen diese Leute sehr ernst nehmen; denn sie haben sehr gute Argumente.
Es ist eine Chance für uns Agrarpolitiker, diesen Schwung aufzugreifen. Reden, ja, ist wichtig. Aber ich sage auch: Wir müssen handeln. Das ist wichtiger denn je; sonst läuft vieles aus dem Ruder.
Und wir brauchen, wenn es nach mir geht, eine einzige Demo für die Bauern und nicht zwei verschiedene, von denen eine gegen die Bauern gerichtet und mit Schuldzuweisungen behaftet ist. Nein, eine Demonstration für einen Berufsstand, der immer schwächer wird und der das Wichtigste macht, was es auf dieser Welt gibt: Mittel zum Leben produzieren.
Zu viel Ordnungspolitik schafft Bürokratie, schafft Frust, schafft verständlicherweise Ärger. Das ist kein Thema ausschließlich zwischen Bauern und Politik; das will ich hier auch ohne Schuldzuweisungen sagen. Wir brauchen Mitspieler. Alle Marktbeteiligten im Handel und alle Menschen draußen in Deutschland müssen ihren Teil dazu beitragen. Mahatma Gandhi hat einen sehr klugen Satz gesagt, den ich zitieren möchte: „Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.“ Das heißt, es hilft gar nichts, am Wochenende für Klimaschutz zu protestieren und Schuldzuweisungen vorzunehmen, wenn man am Montag im Großhandel die billigsten Lebensmittel kauft, die es auf der Welt gibt, und dann beim Rausgehen vielleicht noch drei Tage Flugreise nach Malle bucht.
Darüber müssen sich alle Menschen Gedanken machen.
Ich frage auch ganz offen: Brauchen wir Wein aus Chile? Brauchen wir Rindfleisch aus Argentinien? Brauchen wir im Winter Erdbeeren und Spargel aus Übersee? Ökologisch gesehen ist das ein großer Unsinn. Wir brauchen das nicht. Wenn wir das in den Köpfen der Menschen verankern, dann tun wir Gutes.