Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich sage das an dieser Stelle häufiger und auch immer gern: Ich bin ein zufriedener Besitzer eines T5 Diesel.
Mit dem bin ich mit meiner großen Familie unterwegs; da passt viel rein. Dieses Fahrzeug bringt mich auch sicher zu Wahlkreisterminen von A nach B. Vielleicht werde ich mir auch wieder ein solches Fahrzeug kaufen, vielleicht auch wieder einen Diesel.
Aber als Politiker, als Mitglied im Umweltausschuss und als Berichterstatter für Mobilität und Verkehr, aber vor allen Dingen als jemand, der selber aus der Wirtschaft kommt und etwas davon versteht, sage ich: In der Wirtschaft muss man mit der Zeit gehen; sonst geht man mit der Zeit. Ich fände es außerordentlich schade, wenn Antriebe wie der Diesel oder der Ottomotor verschwinden würden. Ich sehe für diese beiden Arten des Antriebs mit synthetischen Kraftstoffen auch weiterhin eine Zukunft.
Aber gerade weil wir das Mutterland der Automobilindustrie, des Automobilbaus sind, können und werden wir uns internationalen Verpflichtungen oder Entwicklungen nicht entgegenstellen können. Wenn wir uns die Automobilwirtschaft anschauen, dann sehen wir, dass sie sehr auf den Export ausgerichtet ist: Drei von vier Fahrzeugen – das haben wir heute mehrfach gehört – werden exportiert.
Ich habe in den letzten Wochen zahlreiche Gespräche geführt, Möglichkeiten genutzt. Ich war zum Beispiel bei MAN; das ist übrigens der Erfinder des Dieselmotors. Sie haben 1893 das Patent angemeldet und trugen sogar bis letztes Jahr das Wort „Diesel“ in ihrem Namen: MAN Diesel & Turbo. – Das ist mittlerweile Geschichte. Sie haben sich umbenannt. Sie heißen jetzt: MAN Energy Solutions.
Sie setzen jetzt voll auf Power to Gas, grünes Methanol oder auf LNG.
Diese Woche hatte ich ein Gespräch mit Shell. Sie haben einen großen Entwicklungsstandort in Hamburg. Sie wollen Weltmarktführer bei CO2-neutralen Kraftstoffen werden. Sie rollen gerade ein Netz von 40 Bio-LNG-Tankstellen in Deutschland aus, wo aus Biogasanlagen gewonnenes CO2 einbezogen wird. Gestern hatten wir bei unserem Frühstück des Küstenkreises der CDU/CSU-Fraktion einen Vertreter von Dow Chemical, einem der größten Chemiekonzerne, zu Gast. Dow Chemical plant die weltgrößte Anlage für grünes Methanol: Über 200 000 Tonnen pro Jahr sollen in Stade, in meinem Wahlkreis, produziert werden, nicht ausschließlich für Deutschland, sondern auch für den Weltmarkt.
Genau das ist der springende Punkt: Wir bauen heute immer noch die weltbesten Diesel; davon bin ich total überzeugt. Aber vor 70 Jahren haben Borsig, Henschel und Krauss die besten Dampflokomotiven gefertigt, und dann kamen die Japaner und haben in den 60er-Jahren den ersten Shinkansen aufs Gleis gesetzt, der TGV kam in den 80er-Jahren aufs Gleis, und wir haben erst zehn Jahre später den ICE aufs Gleis gesetzt.
Bei uns in Deutschland fahren heute – außer vielleicht auf dem Brocken – keine Dampflokomotiven mehr. Beispielsweise in meinem Wahlkreis fahren die ersten mit Brennstoffzellen betriebenen Regionalzüge weltweit.
Das wird die Zukunft sein, natürlich mit Technologieförderung. Genauso wird es eben auch im Automobilbereich kommen. Die Welt dreht sich eben weiter. Wir haben es in Zukunft mit vollkommen unterschiedlichen Antriebssträngen, Antriebskonzepten zu tun. Wir dürfen nur einen Fehler nicht machen: Wir dürfen uns nicht auf eine einzige Technologie versteifen.
Da sind Sie von der AfD mit dem Diesel ideologisch genauso falsch unterwegs wie die Grünen, die ausschließlich auf Elektromobilität setzen. Das sind beides Antriebskonzepte, die wir heute und auch in Zukunft bestimmt noch benötigen werden. Ich glaube, es sind auch gute Antriebskonzepte. Aber wer glaubt, dass eine einzige Technologie der Heilsbringer sein kann, der führt in die Irre.
Deswegen überlassen wir dieses Entweder-oder-Fragespiel gerne der Opposition.
Wir als Union stehen jedenfalls für Technologieoffenheit. Das sind für uns LNG, Wasserstoff, Elektro, synthetische Kraftstoffe wie beispielsweise Care-Diesel oder was sonst noch entwickelt wird. Ich persönlich bin sehr stolz auf Unternehmen bei mir im Elbe-Weser-Raum. Zum Beispiel fertigt FAUN Umwelttechnik – Teil der Kirchhoff-Gruppe – Brennstoff-Lkws, und im Landkreis Harburg werden Umstellungskonzepte erarbeitet.