Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Mein Sohn soll nicht umsonst gestorben sein. Rassismus soll keine andere Familie mehr zerstören.
Das sind die Worte der Mutter von Ferhat Unvar. Ferhat Unvar wurde vor 22 Jahren in Deutschland geboren und ist einer von neun Hanauerinnen und Hanauern, die beim rassistischen Attentat am 19. Februar ihr Leben verloren haben. Ferhat Unvar hatte gerade seine Ausbildung zum Anlagenmechaniker abgeschlossen; er stand mitten im Leben, hatte Träume und Ziele.
Rassismus, Hass und Menschenfeindlichkeit haben ihn und die anderen Opfer aus diesem Leben gerissen. Der Attentäter hat bewusst auf Menschen mit ausländischen Wurzeln gezielt. Getroffen hat er Menschen, die längst Teil unserer Stadt, unserer Gesellschaft waren. Bei der Beerdigung von Said Nesar Hashemi und Hamza Kurtović brachte es der Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky auf den Punkt: Diese beiden Opfer waren keine Fremden, sie waren Hanauer Buben.
Über unserer Stadt liegt noch immer ein Schleier der Trauer. Wir alle sind fassungslos und entsetzt. Tief berührt haben mich die bewegenden Worte von Freunden und Geschwistern der Opfer gestern Abend bei dem Trauerakt, die Worte von Kemal Koçak, Ajla Kurtović und Saida Hashemi. Ich bin dankbar für die Anteilnahme der Bundeskanzlerin, die bewegenden Worte des Bundespräsidenten, des hessischen Ministerpräsidenten und unseres Oberbürgermeisters Claus Kaminsky. Ihm gilt ein besonderer Dank für seinen Einsatz. Es ist kaum vorstellbar, was er in den letzten Tagen und Wochen geleistet hat.
Ich möchte mich auch bei den vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, allen Helferinnen und Helfern bedanken, insbesondere den Opferbeauftragten, ebenso bei den vielen Einsatzkräften der Polizei, der Rettungsdienste, der Feuerwehr, bei den Ärzten im Krankenhaus, bei allen, die am 19. Februar vor Ort waren. Ihnen allen sage ich von Herzen Danke.
Unser Hanau stand immer für Weltoffenheit, Zusammenhalt und das friedliche Miteinander von Menschen aus 180 Nationen. Ich habe Hunderte von Bannern, Plakaten und Aufklebern mit klaren Botschaften wie „Hanau steht zusammen!“ oder „Die Opfer waren keine Fremden“ in unserer Stadt gesehen. Es sind diese Botschaften, die mir Mut machen. Sie machen uns aber auch die Aufgabe bewusst, vor der wir alle als Gesellschaft stehen.
Hier gilt mehr denn je, und das möchte ich gerade den Hinterbliebenen der Opfer des Attentats in Hanau ganz klar sagen: Wir werden keinen Raum für Hass, Hetze und Rassismus lassen. Wir werden nicht zulassen, dass sich diese Gesellschaft spaltet. Wir werden nicht zulassen, dass Menschen mit Migrationshintergrund in unserem Land Angst haben, und wir lassen uns nicht durch Rechtsextreme in unserem Land terrorisieren.
Auch das Folgende haben die Angehörigen gestern Abend klar gesagt: Es müssen Taten folgen! – Das ist hier schon oft gesagt worden. Wir haben nach Halle reagiert, und wir werden auch nach Hanau reagieren, damit die Mutter von Ferhat Unvar recht behält: Ihr Sohn darf nicht umsonst gestorben sein.
Ich schließe im Gedenken an Ferhat Unvar, Mercedes Kierpacz, Sedat Gürbüz, Gökhan Gültekin, Hamza Kurtović, Kaloyan Velkov, Vili Viorel Păun, Said Nesar Hashemi, Fatih Saraçoğlu und die Mutter des Täters.