Das eine schließt das andere nicht aus.
Natürlich müssen wir den internationalen Markt und den Heimatmarkt bedienen. Ich bleibe mal bei Wind onshore: Wenn wir unsere 30 000 Windkraftanlagen bis zum Jahre 2030 repowert haben, haben wir 70 GW. Die 70 GW, die wir fordern und die auch Sie fordern, haben wir dann, weil die Anlagen über 3,5 MW haben werden. Das ist doch eine gute Regelung. Jetzt haben wir 30 000 Anlagen; bei 70 GW bräuchten wir am Ende nur 20 000 Anlagen. Also: Es ist genügend Platz für den Heimatmarkt. Aber dass es nicht funktionieren kann, hier bei uns in Deutschland am Ende alles alleine schaffen zu wollen, ist Ihnen doch wohl auch klar.
Meine Damen und Herren, sich nur auf Wind und Sonne zu konzentrieren, zeugt natürlich von einem gewissen beschränkten Energiehorizont. Sie sagen ja: Wenn ein Anteil von 65 Prozent erneuerbare Energien ausgerollt ist, ist das Ziel erreicht.
Mitnichten ist es dann erreicht! Mitnichten! Denn es ist erst dann erreicht, wenn die 65 Prozent durch den Zähler geflossen sind, und das ist der kleine, aber feine Unterschied zwischen elektrischer Leistung und elektrischer Arbeit. Da müssen Sie sich noch mal ein bisschen schlaumachen.
Dabei können wir Ihnen aber helfen.
Ein Beispiel: Die benötigte Höchstlast in Deutschland beträgt ungefähr 85 GW. 120 GW erneuerbare Energie sind bereits über das EEG installiert und kosten jährlich über 30 Milliarden Euro. Sie haben gerade auf den Heimatmarkt abgehoben. Da muss man doch sehen: In Deutschland sind es beim Windstrom an Land circa 2 000 Stunden, bei der Sonne 900 Stunden. Aber wenn der Strom in der Menge der Höchstlast, also diese 85 GW, 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr da sein soll, dann macht das 8 760 Stunden. Sie müssen doch sehen, dass da eine Lücke ist, die wir nie alleine nur mit Wind und Sonne füllen können.
Deshalb ist das, was Sie fordern, eine Scheinlösung. Selbst wenn Sie die Anlagenzahl verdreifachen würden, würde es nicht ausreichen, wäre die Verfügbarkeit immer noch volatil. Und das ist das Grundproblem.
Wind und Solar – da gebe ich Ihnen natürlich uneingeschränkt recht – sind ohne Zweifel die wichtigste Säule der Energiewende, aber nicht die einzige; die Zahlen habe ich Ihnen ganz genau genannt. Sie allein können die Versorgungssicherheit nicht gewährleisten.
Was mich, sehr geehrter Herr Kollege Hofreiter, erschüttert, ist, wie Sie und insgesamt das ganze Spektrum hier
wieder mit den Anwohnern in den Windeignungsgebieten umgehen.
Das erschüttert mich aufs Tiefste.
Sie fordern in Ihrem Antrag – ich zitiere –, dass man „auf Pauschalabstände … verzichtet und stattdessen die bestehenden Abstandsregelungen … als sinnvollen Maßstab verwendet“. Sie ziehen da das BImSchG heran. Das BImSchG setzt im Durchschnitt 600 Meter fest. Sind Sie wirklich der Meinung, dass 600 Meter bei einer Anlagengröße von 250 Metern – und es sind Dutzende Anlagen in einem Windpark um die Wohngebäude – die ausreichende Größe ist, ja oder nein? Dann stellen Sie sich hierhin und sagen das den Menschen!
Ich sage Ihnen eins: Wenn Sie das sagen, dann sollten Sie mal bitte Ihr Verständnis von Akzeptanz überprüfen. Zu Recht beklagen das Tausende Bürgerinitiativen. Sie blockieren damit die Energiewende, weil Sie den Menschen die Gelegenheit geben, sich dagegen aufzulehnen.
Das lehnen wir rigoros ab.
Deswegen sagen wir: Wir wollen eine bundesweite Abstandsregelung; die wird jetzt auf den Weg gebracht. Der können Sie zustimmen, oder Sie können nicht zustimmen. Aber Sie müssen den Leuten erklären, dass Sie am Ende auch für die Gesundheit der Menschen zuständig sind.
Das Fazit – das sage ich Ihnen als Letztes versöhnlich –: Steigen wir von dem alten Klepper EEG ab, und steigen wir um auf ein tragfähiges, auf ein solides und ein zukunftsfähiges Gefährt!
Vielen Dank.