Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Nils Bruns, Robert Hartert, Martin Augustyniak: Es ist fast genau zehn Jahre her, dass diese drei Fallschirmjäger aus Seedorf nahe dem Dorf Isa Khel in der Region Kunduz in dem bis dahin härtesten Gefecht in der Geschichte der Bundeswehr im Kampf gefallen sind. Das sogenannte Karfreitagsgefecht steht heute symbolisch für die großen Anstrengungen der Bundeswehr und die großen Opfer, die sie in fast zwei Jahrzehnten des Einsatzes in Afghanistan gebracht hat. Angesichts der voraussichtlich vorletzten Mandatsverlängerung denken wir an sie, in Trauer, Respekt und Dankbarkeit.
Afghanistan hat die Bundeswehr geprägt. Die Afghanistan-Erfahrung hat eine ganze Generation von Soldaten und Soldatinnen definiert, die für die Bundeswehr der Gegenwart stehen, die sie gestalten und die durch Ausbildung und Führung auf die nächste Generation wirken. Und in ihrem Schutz und dem unserer Partner und Verbündeten ist auch eine Generation junger Afghanen und Afghaninnen herangewachsen, auf deren Willen und auf deren Mut zu Frieden und Freiheit wir an der Schwelle einer neuen Phase für dieses gebeutelte Land hoffen dürfen. Denn jeder Krieg geht irgendwann zu Ende, und dieser endet hoffentlich in den kommenden Monaten.
Die Vereinbarung zwischen den Taliban und den USA hat die Lage im Land grundlegend verändert. Der Abzug der amerikanischen Streitkräfte beginnt. Für die Bundeswehr bedeutet das: Auch wir werden im Verlauf dieses Mandats mit der Rückverlegung beginnen. Der Grundsatz „Zusammen rein, zusammen raus“ gilt, sowohl aus politischen wie aus militärischen Gründen und aus Gründen der Sicherheit.
Dass wir notwendige Schritte auf der Grundlage eines unveränderten Mandats einleiten werden, ist ein Gebot der Vernunft.
Denn es gibt keine Garantie, dass der Friedensprozess im Sinne der Vereinbarung ohne Rückschläge verlaufen wird oder dass er überhaupt den angestrebten Erfolg bringen wird. Der unveränderte Rahmen des Mandats gibt der Bundeswehr die notwendige Flexibilität und Handlungsfreiheit, um auf unerwartete Lageänderungen angemessen reagieren zu können.