Sehr geehrte Damen und Herren! Die zu erwartende wirtschaftliche Krise wird ganz sicher auch die berufliche Ausbildung in schwieriges Fahrwasser bringen. Deshalb brauchen wir schnelles und beherztes Handeln und eben nicht die Maxime der Bundesbildungsministerin, gewissermaßen: „Kommt Zeit, kommt Rat“, so wie in der Aprilsitzung des Bildungsausschusses oder noch am 6. Mai in ihrer Pressemitteilung. Nein, Auszubildende wie auch ausbildende Unternehmen müssen jetzt geschützt und müssen jetzt unterstützt werden.
Der künftige Mechatroniker beispielsweise, dessen Unternehmen in schwierige wirtschaftliche Probleme kommt, was wir alle mit all unseren Mitteln verhindern wollen, genau der muss jetzt die Chance haben, gegebenenfalls seine Ausbildung in einer Verbundausbildung fortzusetzen. Das heißt, mehrere Unternehmen sichern gemeinsam die Qualität der Ausbildung dort, wo es einzelnen Unternehmen nicht mehr möglich ist. Der Zugang muss erleichtert werden, und auch die Finanzierung muss unterstützt werden.
Für die künftige Konditorin beispielsweise, deren Geschäft insolvent wird, muss die Fortsetzung ihrer Ausbildung gegebenenfalls in einem anderen Unternehmen möglich gemacht werden, zum Beispiel durch die Zahlung von Ausbildungsboni an aufnehmende Unternehmen. Dasselbe gilt für die künftige Ergotherapeutin. Ich habe dazu beispielsweise gerade vorgestern eine Mail aus Leipzig von einer jungen Frau bekommen, die in Coronazeiten keinen Praktikumsplatz findet. Sie braucht Krisenszenarien. Da müssen Krisenszenarien entwickelt werden, damit ihre Prüfung und ihr Abschluss dadurch nicht gefährdet werden.
Meine Damen und Herren, was wir nicht brauchen, ist der Versuch, den sechswöchigen Anspruch auf Weiterzahlung der Ausbildungsvergütung für Azubis zu kippen. Das geht gar nicht, meine Damen und Herren.
Die Krise können wir nicht auf dem Rücken der Azubis austragen.
Womit müssen wir rechnen?
Erstens. Wir müssen mit einem weiteren Rückgang der Zahl der ausbildenden Unternehmen rechnen. Deren Anteil liegt schon seit mehreren Jahren unter 20 Prozent. Unser Vorschlag liegt auf dem Tisch, auch das schon seit Langem: die solidarische Umlagefinanzierung.
Wir müssen endlich die kleinen und mittelständischen Unternehmen unterstützen, die ausbilden oder ausbilden möchten. Dazu gibt es schon heute viele gute praxistaugliche Beispiele.
Zweitens. Wir müssen damit rechnen, dass die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Herbst unter die 500 000er-Marke fällt. Das sollte uns besonders umtreiben: Vor allem junge Menschen mit Hauptschulabschluss oder ohne Schulabschluss sind dabei besonders gefährdet. Also müssen wir vorübergehend – ich betone: vorübergehend – die außerbetriebliche Ausbildung weiter öffnen; und wir brauchen einen Zukunftsfonds, der in der Not vielfältige Möglichkeiten und Alternativen schafft, um dem zu erwartenden Mangel an Ausbildungsplätzen zu begegnen.
Die Allianz für Aus- und Weiterbildung hat sich vorgestern zumindest verbal zu einigen Schritten in die richtige Richtung bekannt. Leider sind ordentlich viele Allgemeinplätze und Nebulöses dabei. Vor allem aber, sehr verehrte Kolleginnen und Kollegen: Das Bildungsministerium muss jetzt in die Puschen kommen. Es darf nicht sein wie gestern im Ausschuss, als nahezu allen Fraktionen so richtig klar geworden ist: Sofortprogramme aus dem Hause Bildungsministerium verdienen nahezu jeden Namen, nur keinen, der mit „sofort“ beginnt.
Das muss sich ändern, meine Damen und Herren, und zwar schnell, im Sinne unserer Auszubildenden.