Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wir haben zu diesem Tagesordnungspunkt ungefähr 20 verschiedene Anträge vorliegen, und es ist schwer, sich zu entscheiden, zu welchem Antrag man hier sprechen will. Ich habe mir natürlich den wichtigsten rausgepickt, er heißt: „Internationale Geberkonferenz für den Wald initiieren“. Zu diesem möchte ich als einziger Förster im Deutschen Bundestag heute sprechen.
Es erfüllt mich mit Stolz, dass das Thema dieser Woche Nachhaltigkeit ist. Das war eine Erfindung der Förster. Sie wollten die Ressourcen, die Energie bereitstellen für eine Schmelzhütte, und das dauerhaft. Von Carlowitz hat eine Art Flächennachhaltigkeit eingeführt. Er hat den Wald eingeteilt in Flächen, und wenn er am Ende angekommen war, war die erste Fläche schon wieder so nachgewachsen, dass er diese nutzen konnte. Aber Waldflächen sind weltweit leider nicht nachhaltig. Wir verlieren jedes Jahr auf dieser Welt 10 Millionen Hektar. Das ist die Fläche des gesamten Waldes in Deutschland – einfach wupp, weg. Und mit diesem Wald verlieren wir die Biodiversität, wir verlieren die Insekten und die Säugetiere, die darin wohnen.
Wachsende Weltbevölkerung, Armut und Klimawandel stellen die gesamte Weltgemeinschaft vor riesige Herausforderungen. Besonders in den Ländern des Globalen Südens schreitet die Waldzerstörung voran. Grund ist die Umwandlung von Wald- in Agrarflächen. Das ist der Hauptgrund. Die Bevölkerung verspricht sich dadurch bessere Einkommen. Diese Waldflächen werden angezündet. Das erleben wir in Brasilien, Bolivien, Indonesien, aber auch in Afrika, zum Beispiel in der Demokratischen Republik Kongo. Meine Damen und Herren, diese Waldbrände und diese Umwandlung von Wald- in Agrarflächen müssen aufhören.
Verheerende Waldbrände beobachten wir aber auch in anderen Staaten: Russland, Australien und jetzt in Kalifornien; Frau Roth hat es beschrieben. Diese Waldbrände sind befeuert durch die höheren Temperaturen und eine enorme Trockenheit. Damit werden weitere Waldflächen vernichtet, die eigentlich für die CO2-Bindung von Bedeutung wären. Wir haben schon heute im deutschen Wald eine Temperatur von nachweislich 1,5 Grad mehr. Wenn Sie das einmal in Relation setzen zu den Pariser Klimazielen, dann wissen Sie, dass es schwierig wird, überhaupt noch dahinzukommen. Es gibt Flächen in Deutschland, auf denen wir wegen der Trockenheit keine Aufforstungen mehr machen können. Sie gelingt einfach nicht mehr, die Böden sind zu trocken. Es kann natürlich helfen, wenn wir wieder ein regenreiches Jahr bekommen.
Aber die Klimaentwicklung ist ein sich selbst verstärkender Prozess. Ganz einfach: Je wärmer es ist, desto mehr Wald stirbt, desto mehr Wald brennt, desto mehr CO2 wird aus Wäldern freigesetzt und desto wärmer wird es. Das ist dramatisch, und auch das muss aufhören.
Aber selbst wenn wir den Verbrauch aller fossilen Energie stoppen, haben wir heute schon zu viel Treibhausgas in der Luft. Das heißt, wir müssen CO2 aus der Luft wieder herausholen. Die einzige Maschine, die das mit solarer Energie macht, ist der Baum. Deshalb brauchen wir mehr Wald für den Klimaschutz.
Wir können nach Berechnungen weltweit 350 Millionen Hektar neuen Wald begründen. Aufforstung und Rehabilitierung – das wurde 2014 schon von der New York Declaration on Forests gefordert. Passiert ist nicht viel. Viele Papiere haben wir gesehen, Bonn Challenge usw., hin und her. Aber on the ground ist nichts passiert. Wir müssen es in den nächsten fünf Jahren schaffen, diese 350 Millionen Hektar hinzukriegen. Wir haben keine Zeit mehr. Das brächte tatsächlich einen stabilisierenden Effekt für das Klima. Deshalb hat die FDP schon im Frühjahr 2019 einen Antrag vorgelegt; er hieß „Weltweit mehr Wald für den Klimaschutz“. Diesen Antrag haben Sie – Grüne, CDU/CSU, SPD – abgelehnt. Das nützt niemandem.
Deshalb fordere ich Sie heute noch einmal auf: Machen Sie mit bei der internationalen Geberkonferenz! Organisieren wir wenigstens eine Geberkonferenz – durch die Bundesregierung –, um die Gelder aufzubringen, um 350 Millionen Hektar aufzuforsten. Wir kassieren auf der einen Seite für CO2-Zertifikate Steuergelder. Warum geben Sie dann nicht auf der anderen Seite den Leuten, die das CO2 wieder aus der Luft herausholen – den Waldbesitzern, den Waldbauern –, etwas zurück? Das ist doch ein Kreislauf. Das wäre nachhaltig.