Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! „Setzen, fünf!“, so titelte ein angesehenes Wirtschaftsblatt zu Beginn der Woche im Hinblick auf die Digitalisierung der deutschen Schulen. Hintergrund war die schon genannte Studie. 10 Prozent der deutschen Schulen sind zu Beginn der Pandemie und während der Pandemie nur annähernd gut damit zurechtgekommen, ihren Unterricht von analog auf digital umzustellen. Eine parallele Studie, ein Vergleich unter sechs Ländern, ergab: Deutschland liegt bei der Digitalisierung der Schulen auf dem letzten Platz. Nun, diese Erkenntnis ist nicht neu. Wir haben viele Untersuchungen dazu; aber es ändert sich nichts, und zwar seit Jahren. Das ist der eigentliche Skandal.
Der Sommer ist vorbei, die ersten Länder gehen auf die Herbstferien zu, und immer noch sind die wenigsten Schulen in der Lage, ihre Schülerinnen und Schüler digital zu erreichen, geschweige denn, virtuell zu unterrichten. Und was ist passiert? Wochenlang hat man sich während der Pandemie auf dem trägen DigitalPakt ausgeruht. Nach monatelangem Druck hat man ein millionenschweres Paket für die Anschaffung von Schülerendgeräten aufgelegt. Dabei hätte man das Ganze vom Anfang her denken müssen. Was nützen Endgeräte, wenn eine Schule weder einen Breitbandanschluss noch geeignete Hard- oder Software zur Verfügung hat?
Was passiert jetzt? Nun beruft die Kanzlerin zum zweiten Mal einen Bildungsgipfel ein; das wurde erwähnt. Auch Frau Bär hat Bildung inzwischen für sich entdeckt und tagt in großer Runde. Hätten Sie nur, als Sie zuständige Staatssekretärin waren, dafür gesorgt, dass jede Schule einen Glasfaseranschluss hat, dann wären wir jetzt ein gutes Stück weiter.
Und was macht die Bildungsministerin? Wo ist sie?
– Schön, dass Sie da sind!
Frau Karliczek, Sie beschränken sich darauf, Koalitionsbeschlüsse zu verkünden. Wie armselig ist das denn! Dabei haben außer den Ewiggestrigen alle begriffen: Jede Schule braucht eine digitale Grundausstattung.
Was heißt das? Zum einen braucht jede Schule eine technische Grundausstattung, das heißt: Breitbandanschluss, Hardware, Software und vor allem technischen Support. Jede Schule braucht zum anderen organisatorisch eine Basis, das heißt: Mailadressen für alle Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler, Zugang zu einer Lernplattform und eine Bildungs-Cloud.
Lehrkräfte brauchen Fortbildungen, anstatt sich mit einem Medienentwicklungsplan herumschlagen zu müssen, der für die digitale Grundausstattung völlig überflüssig ist.
Außerdem brauchen alle Beteiligten Begleitung. Eine Bundeszentrale für digitale und Medienbildung, deren Einrichtung wir am Anfang des Jahres bereits vorgeschlagen hatten, könnte einen entscheidenden Beitrag dazu leisten. Frau Bär, Sie haben unser Konzept abgeschrieben. Wenn das der Sache dient, soll es uns recht sein, aber wenn Sie schon abschreiben, dann machen Sie es doch bitte richtig. Ihre abgespeckte Version einer Bundeszentrale für digitale Aufklärung greift an dieser Stelle viel zu kurz.