Sehr geehrte Frau Präsidentin, mit Verlaub! Werte Kolleginnen und Kollegen! Herr Minister Müller! Zur Coronapandemie in Afrika noch mal der Hinweis: Es werden weit mehr Menschen an den Folgen des Lockdowns sterben als am Virus.
Wie meine Kollegen bereits dargelegt haben, lehnen wir Ihren Haushalt ab. Ich möchte noch einmal mit einem Hilfsmittel erklären, warum. Das Hilfsmittel, das ich benutze, ist Ihr letztes Buch, Herr Minister: „Überlebensfragen der Menschheit“. Es behandelt also nicht Antworten auf die Überlebensfragen der Menschheit, sondern nur Fragen.
Kennen Sie Lucy? Nein? Wer dieses Buch liest, wird sie auf Seite 18 kennenlernen dürfen. Sie ist eine Urfrau, die in Addis Abeba im Nationalmuseum steht. Der Herr Minister schätzt sie – so weit, so gut. Die Frage, die aber über dem Kapitel steht, lautet: „Wie viel Mensch erträgt die Erde?“ – Die zentrale Frage überhaupt für alles, was es zu erdenken und zu handeln gibt. Herr Minister, wie viel Mensch erträgt die Erde, und unter welchen Bedingungen? Antwort auf die Frage: keine.
Nach dem Teil mit Lucy liest sich alles wie ein Reisebericht, gepaart mit ständigen Wiederholungen, dass pro Jahr 80 Millionen Menschen dazukommen. Dann die richtige Feststellung: Das Wasser wird knapp, die Nahrungssicherheit muss man angehen, jeder Mensch braucht Strom. – Wie das gelingen soll: keine Antwort.
So möchte der Minister, dass jedes Haus in Afrika eine Steckdose bekommt. 600 Millionen Afrikaner leben derzeit ohne Strom, also ungefähr so viele, wie es Menschen in Europa gibt, und das auf einer Fläche 100-mal so groß wie Deutschland. Aber wie genau kommt jetzt der Strom in diese Steckdose, Herr Kekeritz, damit er da auch rauskommen kann? Für die Grünen kommt er bekanntlich einfach nur aus der Steckdose. Was soll in die Steckdose überhaupt gesteckt werden? Und wer kann sich das kaufen, was daran betrieben werden soll? Antworten in dem Buch: keine. Wichtig ist nur die Feststellung: Es muss klimaneutral sein.
Kosten, Dauer, wer macht es? Keine Antworten.
Dann Seite 184 – ich zitiere –:
Der Belastungsdruck auf die natürlichen Ressourcen des Planeten steigt gewaltig an. Der Wasserverbrauch hat sich in den letzten 5 Jahren verdreifacht, der CO2-Ausstoß vervierfacht und die Weltwirtschaftsleistung hat sich verzehnfacht. Der Planet hat Grenzen, und seine Ressourcen sind endlich.
„Richtig!“ – Aber alles hat direkt etwas mit dem rasant steigenden Bevölkerungswachstum und mit dem Konsum zu tun. Unter diesem Blickwinkel betrachtet, könnten die 17 Nachhaltigkeitsziele übrigens auch mehr Druck auf die Ressourcen der Welt ausüben. Haben wir mal darüber nachgedacht?
Wir müssen endlich feststellen, dass die extreme Bevölkerungsentwicklung allen Vorhaben – mögen sie auch noch so gut gemeint sein – die Luft rauslässt. Hier sind eben und gerade auch die Entwicklungsländer in Selbstverantwortung gefragt.
Auf Seite 183 kann man dann zur Kenntnis nehmen, dass Sie die Bevölkerungsentwicklung, Herr Minister, als gegeben hinnehmen, wohl wissend, dass es ein Zuwachs in Hunger und Armut ist.