Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Befragungen zeigen: Etwa 40 Prozent der Beschäftigten in Deutschland möchten zumindest teilweise mobil oder im Homeoffice arbeiten. Vor Corona gemacht haben es aber nur etwa 12 Prozent.
Durch die Coronapandemie haben wir einen Großversuch erlebt: Plötzlich waren Dinge möglich, die vorher für unmöglich erklärt wurden; das Ganze nicht ganz freiwillig, teilweise unter schwierigen Bedingungen, weil plötzlich auch die Kinder, die nicht in die Schule, in die Kita gehen konnten, zu Hause nebenher betreut werden mussten. Und trotzdem – das zeigen aktuelle Umfragen – haben die Beschäftigten dieses Homeoffice überwiegend als positiv erlebt. Leider scheitert Homeoffice in Deutschland zu häufig immer noch am Arbeitgeber. Leider haben wir auch in der Coronapandemie nur Werte erreicht, die andere Länder – der Kollege Vogel hat auf die Niederlande verwiesen – völlig unabhängig von Corona bereits erreicht hatten.
Meine Damen und Herren, das Ziel der SPD heißt: Die Beschäftigten, die wollen, sollen dort, wo es betrieblich möglich ist, die Möglichkeit mobilen Arbeitens nutzen können.
Deshalb wollen wir ein Recht auf mobiles Arbeiten. Wir wollen die Arbeit nach Corona besser machen. Wir wollen die Chancen der Digitalisierung auch und gerade für die Beschäftigten nutzen. Wir wollen ihnen Arbeit ermöglichen, die zum Leben passt.
Meine Damen und Herren, Studien und Erfahrungen zeigen aber ebenso, dass Homeoffice und mobiles Arbeiten auch für Arbeitgeber Vorteile hat; denn die Beschäftigten sind motivierter und produktiver. Gleichzeitig wissen wir, dass mobiles Arbeiten auch Gefahren mit sich bringt: mehr Arbeit und mehr Belastungen. Denn die Arbeit ist schon zu Hause; man kann häufig nicht abschalten. Deshalb müssen wir darauf achten, dass es nicht zur Entgrenzung von Arbeit und Privatleben kommt, dass Beschäftigte eben nicht 24 Stunden rund um die Uhr zur Verfügung stehen müssen.
Wir machen doch die Erfahrung – das zeigen viele Befragungen, die jetzt in den letzten Monaten gemacht worden sind –, dass Homeoffice und mobiles Arbeiten besonders dann gut funktionieren, wenn es vernünftig organisiert ist, wenn es klare Regelungen gibt, auf die sich alle Beteiligten verlassen können. Deshalb wollen wir mehr Tarifverträge und mehr Betriebsvereinbarungen, die diese Verlässlichkeit schaffen können. Und deshalb, meine Damen und Herren, wollen wir nicht nur ein Recht auf Homeoffice, sondern auch mehr Rechte für die Beschäftigten im Homeoffice.
Das heißt, klare gesetzliche Regelungen, zum Beispiel zur Erfassung der Arbeitszeit.
Meine Damen und Herren von der FDP, Ihr Antrag gibt uns die Gelegenheit, hier heute über dieses wichtige Thema zu diskutieren. Ich erkenne in Ihrem Antrag im Vergleich mit dem, was wir vorhaben, durchaus Gemeinsamkeiten: Wir wollen beide mobiles Arbeiten voranbringen. Es gibt auch inhaltlich Gemeinsamkeiten: Fragen zum Erörterungsrecht, zum Unfallversicherungsschutz. Leider, Herr Vogel, haben Sie darüber viel zu wenig geredet.