Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Mit der Thematik der Digitalisierung greift der achte Altersbericht Entwicklungen auf, die aktuell die Gesellschaft in vielfältiger Weise und in ganz unterschiedlichen Bereichen verändern. Die zunehmenden Technisierungs- und Digitalisierungsprozesse betreffen dabei auch die Lebenswelt älterer Menschen. Wenn es darum geht, im Alter selbstbestimmt zu leben und an der Gesellschaft teilzuhaben, dann spielt seit einigen Jahren der Einsatz technischer Produkte und Anwendungen eine immer stärkere Rolle. Technische Geräte und digitale Anwendungen haben das Potenzial, alltägliche Aufgaben so zu erleichtern, dass sie auch bei körperlichen oder geistigen Einschränkungen noch selbstständig verrichtet werden können.
Digitalisierung ist außerdem ein Treiber für Forschung und technologische Entwicklungen. Die entsprechenden Produkte und Dienstleistungen sind Wirtschaftsfaktoren mit erheblichem Potenzial. Vor dem Hintergrund dieser verschiedenen Dynamiken und Interessen ist es für die Seniorenpolitik wichtig, zu wissen, inwiefern Technisierung und Digitalisierung ältere Menschen tatsächlich darin unterstützen, selbstbestimmt zu leben und an der Gesellschaft teilzuhaben. Daher gilt mein Dank sowohl unserer Bundesfamilienministerin Franziska Giffey als auch der Bundesregierung, die sich mit dem achten Altersbericht des wichtigen und hochaktuellen Themas „Ältere Menschen und Digitalisierung“ angenommen hat.
Unerlässlich für eine gute Pflege von Seniorinnen und Senioren ist aber eine professionelle Altenpflege durch qualifiziertes Pflegepersonal. Daher möchte ich auch die Serie „Ehrenpflegas“, ein Projekt im Rahmen der Kampagne des Bundesfamilienministeriums für die neue Pflegeausbildung, nicht unangesprochen lassen. Um Jugendliche für eine Ausbildung in der Pflege zu begeistern, hat das Bundesfamilienministerium diese Serie mit Kosten in Höhe von 700 000 Euro in Auftrag gegeben. Die Serie soll auf unterhaltsame Weise über den Pflegeberuf informieren und auf die Chancenvielfalt der neuen Pflegeausbildung aufmerksam machen.
Dies ist dem Bundesfamilienministerium aber leider mehr als missglückt.
Die Darstellung des Berufsbilds der Pflege in dieser Serie ist hochgradig unsachlich und geht an den Realitäten von Ausbildung und Berufspraxis vollständig vorbei.
Die Serie „Ehrenpflegas“ verletzt das berufliche Selbstverständnis unserer Pflegekräfte und ihr Berufsethos. Mehr noch: Sie missachtet die Professionalität unserer Pflegekräfte.
Insbesondere zwei Aspekte empfinde ich als äußerst kritikwürdig:
Der erste Kritikpunkt ist, dass vor allem in der ersten Folge suggeriert wird, dass die Pflegeausbildung für alle Menschen geeignet ist, die sonst keine Perspektive hätten. Aber: Professionelle Pflege können nicht alle leisten!
Wir brauchen junge Menschen, die lernen wollen, die Verantwortung übernehmen wollen und die die Fähigkeit dazu haben, Menschen professionell und respektvoll zu versorgen.
Der zweite Kritikpunkt ist, dass mit der Serie Klischees bedient werden, gegen die unsere Pflegekräfte und der gesamte Pflegebereich seit Jahren ankämpfen müssen.
Eine Entschuldigung der Ministerin bei unseren Pflegekräften für diese diffamierende Serie halte ich daher für längst überfällig.
Die Pflegekräfte in unserem Land leisten täglich Großes – nicht nur während der Coronapandemie –, und dafür haben sie unseren größten Respekt verdient.
Vielen Dank.