Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Lehrkräfte! Liebe Eltern! Liebe Schülerinnen und Schüler! Denn wir sprechen ja heute über Schule.
Wir sprechen über Zukunft. Der einfachste Weg, die Zukunft vorherzusagen – das Zitat kennen Sie; ich formuliere es einmal anders –, ist, ein Versprechen zu geben und es dann auch zu halten.
Wir haben uns im Sommer alle in die Hand versprochen – lieber Herr Frömming, dazu braucht es Ihre Fraktion nicht –, dass es Schulschließungen nicht geben wird, nicht mehr geben darf. Wir wollen nicht zulassen, dass Familien und dass die Bildungschancen vor allem von Kindern von Gering- und Normalverdienern noch einmal die Verlierer der Pandemiebekämpfung sind.
Denn geschlossene Schulen sind doch nichts anderes als verschlossene Lebens- und Bildungswege für Kinder, die ein Recht auf Chancengleichheit haben.
Geschlossene Schulen bedeuten schwere psychische Belastungen für Kinder und für die Familien eine krasse Überforderung. Viel zu oft sind Schulschließungen auch schlicht gleichbedeutend mit Betriebsschließungen,
weil Väter und Mütter nicht arbeiten können, wenn ihre Kinder nicht betreut sind. Deshalb sage ich es auch heute in aller Klarheit: Die SPD steht zu ihrem Versprechen. Wir wollen keine Schulen mehr schließen.
Aber wir werden nur dann erfolgreich sein, wenn wir auch die Realität der Pandemie anerkennen. Wir haben es mit einem hochaggressiven Virus zu tun, dessen Langzeitschäden wir noch nicht kennen, und das – anders als lange geglaubt – auch Schulkinder nicht verschont, insbesondere die älteren.
Glücklicherweise erkranken sie nur sehr selten schwer. Und doch können sie andere anstecken: nicht nur Mitschülerinnen und Geschwister, sondern eben auch Lehrkräfte, Eltern und Großeltern und damit auch Angehörige von Risikogruppen.
Wir müssen eines begreifen: Bildungsgerechtigkeit und Gesundheitsschutz sind kein Widerspruch, sie sind keine Zielkonflikte. Wir können Sie zusammenbringen. Durch halbierte Lerngruppen und einen Wechsel aus Präsenz- und digitalem Distanzunterricht können wir das Infektionsrisiko massiv senken. Ein solches hybrides Wechselmodell können zumindest die mittleren und die höheren Jahrgänge auch ohne Betreuung der Eltern meistern. Wenn zudem die Schüler im Präsenzunterricht Masken tragen, dann hat das Virus eigentlich nur noch minimale Chancen. Dann können wir unser Versprechen halten, auch unter schwierigen Bedingungen.
Die pädagogischen Konzepte für ein solches Wechselmodell sind bekannt, sie sind erprobt. Im Inverted Classroom, dem umgedrehten Klassenzimmer,
erhalten die Schülerinnen und Schüler den Input zu Hause mit Lernvideos, mit Rechercheaufträgen, während Übung und Vertiefung dann im Klassenzimmer erfolgen. In der halbierten Lerngruppe erhält jeder und jede die individuelle Betreuung, die er oder sie benötigt.
Die Konzepte sind also da, und sie sind erprobt. Wir brauchen jetzt nur noch den Mut, neue Wege zu gehen und diese Möglichkeiten auch zu nutzen. Die Politik in Bund und Ländern braucht den Mut, auf die Kreativität und das Verantwortungsbewusstsein von Lehrkräften, von Eltern und Schülern zu vertrauen und sie mit allem zu unterstützen, was sie dazu brauchen.
Schulen und Lehrkräfte müssen digitale Bildungsangebote organisieren können, und jedes Kind muss die Möglichkeit haben, diese digitalen Bildungsangebote der Schule auch wahrzunehmen. Wir haben deshalb dafür gesorgt, dass das möglich ist. Die Koalition hat im Rahmen des Zukunftspaketes dieses Konjunkturpakets beschlossen, den DigitalPakt um weitere 1,5 Milliarden Euro aufzustocken. 500 Millionen Euro wurden bereitgestellt, um alle Schülerinnen und Schüler mit digitalen Endgeräten zu versorgen, deren Eltern das nicht leisten können. 500 Millionen Euro gibt es für Endgeräte für Lehrkräfte, und weitere 500 Millionen Euro für die Administration dieser Geräte.
Ein großer Gamechanger in den Schulen. Ich finde, das kann sich sehen lassen.
Die Zukunft
– so sagte wiederum Victor Hugo –
hat viele Namen. Für die Schwachen ist sie das Unerreichbare. Für die Furchtsamen ist sie das Unbekannte. Für die Tapferen ist sie die Chance.
Wir müssen zu den Tapferen gehören. Das ist unser Mandat, das ist unsere Pflicht, gerade jetzt in der schwersten Krise, in der gefährlichsten Pandemie seit 100 Jahren. Wir müssen die Chancen der digitalen Bildung erkennen und nutzen. Wenn wir jetzt den Mut haben, in der Bildungspolitik neue digitale Weg zu gehen, dann meistern wir nicht nur diese Pandemie, sondern dann erschließen wir eine ganz neue Zukunft für unser Bildungssystem, und zwar dauerhaft – für die Tapferen und für unsere Kinder.
Vielen Dank.