Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Manchmal finde ich es schwer erträglich, mit welcher Sachlichkeit wir auf der einen Seite und mit welcher Ignoranz, mit welchen Fake News wir auf der anderen Seite hier über die Probleme des Klimawandels reden.
Ich kann schon verstehen, wenn sich einige nicht vorstellen können, welche Verheerungen der Klimawandel schon jetzt in den Städten des Südens auslöst: wenn die Ärmsten der Armen durch Taifune betroffen werden, wenn sie ihr Haus oder gar ihr Leben verlieren, wenn in Äthiopien das Vieh verendet, wenn kein Ackerbau mehr möglich ist und die Menschen in Hunger und Armut fallen. Doch der Klimawandel ist längst bittere Realität, und eben nicht nur im Globalen Süden, sondern längst auch in Deutschland. Deswegen ist es gut, dass die Bundesregierung diesen Bericht vorgelegt hat.
Für mich als Norddeutschen ist es besonders bitter, wenn ich in diesem Bericht lesen muss, dass das Wattenmeer verschwinden wird, und zwar nicht irgendwann in der Zukunft, sondern schon in wenigen Jahren, und dass wir jetzt schon die Situation haben, dass die Mehrzahl der Wälder schwer krank ist; den Thüringer Wald oder den Harz werden wir in ein paar Jahren nicht wiedererkennen können.
Schon jetzt gibt es Sommer für Sommer Landwirte, die Ernteausfälle haben. In vielen Regionen herrscht Wasserknappheit und die Zahl der Hitzetoten steigt.
In dem Bericht steht ganz deutlich: In einigen Jahren wird sich die Zahl der Hitzetoten vervierfachen. Das sind Menschen, die aufgrund des Nichthandelns, auch in diesem Parlament, zu Tode kommen, und das muss geändert werden.
Der Bericht beschreibt die Folgen, die auf jeden Fall kommen werden; denn der Klimawandel ist nicht aufzuhalten, selbst wenn wir es schaffen, die Erderhitzung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Umso wichtiger ist es, dass wir uns nicht damit zufriedengeben, den Klimawandel einzudämmen, sondern nach vorne schauen, eine Vision entwickeln, wo wir mit unserer Gesellschaft hinwollen und – das sage ich gerade in dieser Situation – wie wir soziale Gerechtigkeit und Klimaschutz miteinander verbinden können; denn da hakt es häufig in diesem Parlament.
Deswegen sagen wir als Linke: Wir wollen eine Energiewende der vielen; wir wollen keine Energiewende der Konzerne. Wir wollen eine dezentrale Energiewende in den Händen der Genossenschaften, in den Händen der Kommunen,
in den Händen der Bürgerinnen und Bürger, in den Händen der Bürgerinnen- und Bürgerenergie; denn so geht das mit der Energiewende.
Wir brauchen eine Verkehrswende, mit der wir der Automafia die Stirn bieten,
mit der wir es schaffen, unsere Städte endlich lebenswert zu machen und die Regionen endlich anzubinden.
Wir als Linke wollen auf internationaler Ebene die Möglichkeit schaffen, dass diejenigen, die in Regierungen oder in Unternehmen den Klimawandel entweder ignorieren oder ihre Profite mit unseren Lebensgrundlagen machen, auf internationaler Ebene zur Rechenschaft gezogen werden.
Vielen Dank.