Frau Präsidentin! Werte Abgeordnete! Deutschland kann sich nicht nur seines per Einheitsgebot gebrauten Bieres rühmen, sondern in ebenso beeindruckender Qualität und Vielfalt seines Weines. Wein ist mehr als ein Getränk. Es ist auch ein Kulturgut, ein Aushängeschild der deutschen Landwirtschaft, allerdings ein Aushängeschild, das im Ausland und leider auch im Inland mit sinkender Nachfrage zu kämpfen hat. Das ist schade. Schon Euripides schrieb: „Wo aber der Wein fehlt, stirbt der Reiz des Lebens.“
Umso erfreulicher ist, dass wir es nach Monaten und Jahren des Bauern-Bashings und der Verächtlichmachung der ganzen Bauernschaft als Umweltverschmutzer und Klimakiller nun einmal mit positiven und konstruktiven Meldungen und Bemühungen aus dem Ministerium von Julia Klöckner zu tun haben. Der deutliche Anstieg der Mittel zur Förderung des Absatzes des deutschen Weins ist ein überfälliges Signal, das hoffentlich seine Wirkung nicht verfehlen wird. Es ist aber auch nicht jedes Problem mit Geld zu lösen. Bei aller Wahrung von Tradition und Qualität müssen auch neue und innovative Winzer in Zukunft die Möglichkeit haben, den deutschen Weinmarkt interessant und vielfältig zu halten. Für die relativ kleinen deutschen Anbaugebiete hat dieser Gesetzentwurf aber durchaus eine gute Zukunftsperspektive zu bieten. Die neue Gewichtung hin zu den Terroirs statt des Fokus auf die Rebsorte hat großes Potenzial.
Die besonderen Eigenarten der verschiedenen Weingebiete bis hin zum individuellen Hang sind ein Qualitätsmerkmal, das Weinkenner schon zu schätzen wissen und in Zukunft hoffentlich auch der einfache Kunde versteht. Das Bewusstsein, dass der soeben genossene großartige Wein seine Charakteristik nicht nur von der Rebe, sondern von Boden, Lage und Anbaukultur – zum Beispiel an der Mosel in meiner saarländischen Heimat – hat, wird den deutschen Weinen hoffentlich zu der Wertschätzung verhelfen, die sie verdient haben. „Je kleiner die Herkunft, desto größer die Qualität“ ist eine Chance und zugleich eine Herausforderung für und an die deutschen Winzer. Wenn ich schon mein Saarland lobe: Probieren Sie gerne mal in der Parlamentarischen Gesellschaft den Grauburgunder von Schmitt-Weber aus meiner Heimat – begeisternd!
Ich wünsche mir, die Bundesregierung hätte in anderen Branchen der Wirtschaft ein ähnliches Vertrauen in die Qualität und Solidarität der heimischen Produktion.
Geben wir den deutschen Winzern eine Perspektive für die Zukunft! Belassen wir es aber nicht nur dabei. Wer heute damit beginnt, Wein anzubauen, der plant nicht für das schnelle Geld, der plant nicht für fünf Jahre, der möchte nicht sein Privatdasein an der Côte d’Azur verbringen. Weinbau ist idealerweise ein Generationenprojekt, und so etwas braucht mehr als nur einen gerade akzeptablen gesetzlichen Rahmen. So etwas braucht eine viel tiefer gehende Verlässlichkeit, die gerade diese Bundesregierung mit ihren ständigen Kurswechseln und unüberlegten Radikalreformen oft vermissen lässt.
Sie haben die Proteste der Bauern hier in der letzten Zeit gesehen. Zeigen Sie Verlässlichkeit, indem Sie auf die Landwirte selbst hören, egal ob Wein oder Weizen, und ihnen Zeit zu Innovation und Anpassung geben, anstatt alle paar Wochen den nächsten demonstrierenden Stadtkindern nach dem Mund zu reden.
Vielen Dank.
– Wir führen jetzt hier keine Debatte. Ich habe einen Hinweis gegeben.
Jetzt geht es weiter mit der Kollegin Isabel Mackensen für die SPD-Fraktion.