Verehrter Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Multiresistente Keime im Wasser – das ist ein wichtiges Thema, das wir hier auch diskutieren sollten. Aber wir sollten es sachorientiert diskutieren und keine Panik verbreiten, wie es einzelne Redner bereits gemacht haben.
Wir müssen das Schreckensszenario, das hier oft geschildert wurde, einmal ins rechte Licht rücken: Trinkwasser ist in Deutschland das am besten untersuchte Lebensmittel, wesentlich besser als in anderen Staaten dieser Welt. Insofern sollten wir diesen Untersuchungen Glauben schenken, sie ausweiten und unterstützen. Wenn hier die Rede davon ist, dass bereits das Baden gefährlich sei, dann kann ich nur sagen: Wenn Kinder in Badegewässern Probleme haben, dann liegt das meistens daran, dass sie nicht mehr das Schwimmen erlernen, aber nicht an multiresistenten Keimen.
Insofern haben wir hier, glaube ich, andere Hausaufgaben zu machen.
Meine sehr verehrten Damen und Herren, in den letzten Wochen und auch aktuell zieht durch Deutschland eine richtige Erkältungswelle. Ich möchte nicht wissen, wie viel Antibiotika die deutsche Bevölkerung zu sich genommen hat, auch wenn dies vielleicht gar nicht notwendig gewesen wäre. Nach wie vor gilt nämlich die alte Regel: Eine Erkältung dauert mit Antibiotika sieben Tage und ohne Antibiotika eine Woche. Deshalb ist auch der Einsatz von Antibiotika in der Humanmedizin zu hinterfragen.
In dieser Debatte wird aber in erster Linie wieder einmal die große Keule gegen die deutsche Landwirtschaft herausgeholt. Das kann ich so nicht stehen lassen. Die deutsche Landwirtschaft hat in den letzten Jahren, in den Jahren 2011 bis 2016, eine Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes um 56 Prozent geleistet. Ich sage bewusst „geleistet“. Das ist eine große Anstrengung, die unsere Bäuerinnen und Bauern in ihren Betrieben unternommen haben, und das sollten wir mit Respekt zur Kenntnis nehmen.
Was die angesprochene Liste der Antibiotika angeht, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden dürfen, möchte ich sagen: Herr Kollege von der Linksfraktion, Sie haben eine Tierärztin in Ihrer Fraktion. Fragen Sie diese einmal, wie es sich denn mit dem Antibiotikaeinsatz bei Pferden verhält. Hier wird unterschieden zwischen Pferden, deren Fleisch am Ende ihres Lebens in den Lebensmittelbereich kommt, und Pferden, deren Fleisch nicht in den Lebensmittelbereich kommt. Hier haben wir bereits Listen, hier wird bereits eine Unterscheidung getroffen, und auch das sollten wir respektieren.
In meiner Heimatstadt Weißenburg hat der Freistaat Bayern die Installation der sogenannten vierten Reinigungsstufe in der Kläranlage finanziell sehr großzügig unterstützt, und es gibt jetzt auch Versuche, wie sich diese vierte Reinigungsstufe auswirkt. Aber solange der Eintrag durch die Abwässer – da sind wir wieder bei der Erkältungswelle in Deutschland – extrem steigt bzw. extrem hoch ist, hilft uns auch die Investition in eine vierte Reinigungsstufe nicht. Wir müssen das Problem an der Wurzel anpacken. Das heißt: Aufklärung ist in der Humanmedizin wesentlich wichtiger als in der Veterinärmedizin.
Meine Damen und Herren, die deutsche Landwirtschaft hat unwahrscheinlich viel dazu beigetragen, dass der Einsatz von Antibiotika zurückgegangen ist. Wir haben freiwillige Produktionsvereinbarungen getroffen, wir haben kontrollierte Fleischproduktionsprogramme aufgelegt, die diesen Einsatz von Antibiotika reduziert haben. Vor allem dürfen wir nicht vergessen: Der Einsatz von Antibiotika bedeutet für viele Betriebe, gerade unsere klein- und mittelbäuerlichen Betriebe, einen sehr großen bürokratischen Aufwand. Diesen bürokratischen Aufwand müssen die Betriebsleiter, die Bäuerinnen oder die Bauern genauso wie die Tierärzte leisten. Oft dauert die Bürokratie länger als die Tierbehandlung. Das darf es auch nicht sein. Hier sollten wir den Einsatz respektieren, unterstützen und weiterhin fördern.