Entschuldigung! – Frau Präsidentin!
Also noch mal: Es ist alles beantragt worden, bloß halt nicht von jedem. Und dieses Mal kommt die FDP mit einem Thema, das hier schon mehrfach diskutiert wurde, unter anderem auch in einem Antrag meiner Fraktion. Aber dadurch, dass wir vielfach darüber diskutiert haben, und dadurch, dass Sie jetzt hier die Wäsche voll kriegen, ist der Antrag – das will ich auch klar sagen – noch lange nicht schlecht.
Ich finde, das ist eine gute Idee in einer solchen Krisensituation. Ich würde sie allerdings erweitern, so wie damals auch in unserem Antrag. Es gibt verschiedene Studierende unterschiedlicher Studiengänge – Studierende der Bildungswissenschaften, Studierende der sozialen Arbeit –, die das durchaus tun und übernehmen könnten.
Was aber wieder für die FDP typisch ist – und das kann ich Ihnen leider nicht ersparen –, ist der Versuch, das gleichzeitig mit einem Konjunkturprogramm für die Nachhilfeindustrie zu verbinden. Meine Damen und Herren, ich kann da nur sagen: Aktion Mövenpick lässt grüßen.
Nein, liebe Kolleginnen und Kollegen, nicht die Nachhilfewirtschaft braucht ein Konjunkturprogramm, sondern das alte System Schule braucht eine Generalüberholung, und zwar jetzt:
fächerübergreifendes Lernen statt 45-Minuten-Sitzen in Fächersilos, Lernen im eigenen Tempo statt nach Plan und im Gleichschritt – alle machen zur selben Zeit dasselbe –, selbstorganisiertes Lernen statt Bulimie-Büffeln, andere Formen von Prüfungen, durchaus orientiert an dem, was Schülerinnen und Schüler interessiert – warum auch nicht? –, kollaboratives Lernen,
gemeinsam recherchieren, sich auseinandersetzen, systematisieren und das Ganze dann auch präsentieren. Das wäre in der Regel dann auch noch mit Spaß verbunden, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Wir müssen endlich frische Luft an das Bildungssystem ranlassen. Neue Schule braucht das Land! Aber wenn ich ehrlich bin, traue ich weder der Bildungsministerin noch der KMK zu, überhaupt zu nennenswerter Innovation in der Lage zu sein. Ich finde, deshalb braucht es „Systemsprenger“, zum Beispiel viel mehr externe professionelle Fachkräfte, Handwerkerinnen, Wissenschaftler, außerschulische Angebote, die das alte System Schule endlich aufmischen.
Und im Übrigen: Es ist die Mangelwirtschaft in der Bildung, die endlich ein Ende haben muss.
Mehr Lehrkräfte, flächendeckend mehr Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter und mehr Psychologinnen und Psychologen sind nötig. Neue Schule braucht das Land, liebe Kolleginnen und Kollegen. Eine kleine Nummer ist nicht zu haben.