Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Kolleginnen und Kollegen! Zum Anfang vielleicht etwas Positives über den Antrag von CDU/CSU und SPD und über den Antrag der FDP: Da, wo diese Parteien den Ansätzen der AfD folgen, ist alles richtig: deutsche Sprache forcieren, private Wirtschaft fördern.
Weiter so, es geht in die richtige Richtung! Aber danach scheitert es kläglich: Es wird wieder von Multilateralität gesprochen, von inklusiver Bildung, die in Deutschland krachend gescheitert ist, und von Gleichstellung anstatt von Gleichberechtigung.
Bevor ich nun ins Detail gehe, ein Wort vorab. Am Montag, nach der Lockdown-Regelung der Kanzlerin mit Ihren Ministerpräsidenten, die wie immer am Parlament vorbei getroffen wurde, habe ich eine Nachricht bekommen. Darin stand:
Erstens. Welchen Sinn macht es, in diesen Wochen und Monaten über Entwicklungspolitik zu reden, wenn Deutschland von der eigenen Regierung vor die Wand gefahren wird und selber zu einem Entwicklungsland gemacht wird?
Zweitens. Warum redet ihr über Bildung und Ausbildung in der Entwicklungspolitik, wenn in Deutschland Bildung und Ausbildung gerade zu Grabe getragen werden?
Drittens. Welches Geld wollt ihr noch verteilen, wenn in Deutschland bald keines mehr vorhanden ist?
Ja, es stimmt: Deutschland braucht eine bessere, eine andere Politik. Bildungsnotstand, Ausbildungsnotstand, Perspektivennotstand – diese Regierung hat endgültig fertig.
Nun, auch in Krisenzeiten darf man die Armen der Welt nicht vergessen. Daran erkennen wir den wahren Menschen. So sagte der CSU-Abgeordnete Nüßlein in einer Rede, dass es geradezu Christenpflicht ist, in Coronazeiten zu helfen, den Mantel zu teilen, wie der barmherzige Samariter. Hätten die Zuhörer damals gewusst, dass er mit dem Teilen des Mantels, der komplett überzogenen Politik der Regierung und der Not der Menschen mutmaßlich zusätzlich Geld verdient hat: Unfassbar! So viel zur abnehmenden christlichen Ausrichtung einer untergehenden Union.
Aber zur Sache. Das zentrale Problem der zu entwickelnden Länder ist der Bildungs- und Ausbildungsnotstand. Perspektiven fehlen genauso wie lebenssichernde Arbeit. Faktum: Gebildete Mädchen und Frauen werden später verheiratet und bekommen später und weniger Kinder. Gebildete Frauen suchen sich Partner, die auch gebildeter sind. Richtige Bildung sichert die demografische Dividende, ist Freiheit und stärkt kulturelle Identität.
Wenn Deutschland Bildung und Ausbildung in den zu entwickelnden Ländern eine hohe Priorität einräumen will, dann kann das nur bilateral und nur mit ausgesuchten Partnern erfolgen. Dazu braucht es die Kooperation mit der Privatwirtschaft, die auch ein entsprechendes Ausbildungs- und Arbeitsangebot sicherstellen muss. Damit schaffen wir Nachhaltigkeit, Perspektive und einen wachsenden, eigenständigen Binnenmarkt in Afrika.
Dazu kommt, dass die deutsche Sprache in Kombination mit der Herstellung und Nutzung deutscher Produkte – und jetzt aufpassen – in Afrika für Afrika Nachhaltigkeit und Akzeptanz für „Made in Germany“ schafft. Das ist der Grundpfeiler unseres Erfolges. Digitalisierung kann hier helfen, eine ganz neue Geschwindigkeit aufzunehmen; aber das Thema, werte Kollegen, sollten wir in Deutschland erst einmal selber lösen. Deutschland ist absolutes digitales Bildungsentwicklungsland.
Der zunehmende Verlust von Bildungszugangsmöglichkeiten durch einen völlig fehlgeleiteten Lockdown und der Zusammenbruch von Lebensrealitäten weltweit führen auch in diesem Bereich zu einer Katastrophe, deren Ende wir noch gar nicht absehen können. Was wir jetzt sofort machen müssen: Schauen wir endlich mehr und genauer nach Deutschland. Unsere Kinder sind in ihrer Entwicklung bedroht. Es war ein verlorenes Jahr. Mehr Kinder denn je sind in unserem Land Bildungsverlierer. Schützen wir unsere Bildung, öffnen wir die Schulen, geben wir unseren Kindern wieder Perspektive, damit Deutschland nicht zu einem Bildungsentwicklungsland wird.
Danke.