Sehr geehrter Herr Kollege, da gebe ich Ihnen sogar recht. Auch wir wollen und fordern keine Ergebnisgleichheit. Aber wir fordern, dass das, was auf dem Papier steht, nämlich eine Gleichberechtigung, auch in der Realität Wirklichkeit werden kann.
Und wenn es so ist, dass tatsächlich weiterhin 90 Prozent der Führungspositionen von Männern besetzt sind, wenn es so ist, dass Frauen halb so viel Rente bekommen wie Männer,
dann haben wir offensichtlich ein Problem beim Thema Gleichberechtigung, dann müssen wir die Strukturen so ändern, dass das, was auf dem Papier steht, auch in der Wirklichkeit als Ziel erreicht wird. Deshalb brauchen wir nicht über Begrifflichkeiten zu streiten. Unser Ziel ist, dass Frauen gleiche Rechte haben und die auch durchsetzen können.
Wir können das über Gesetze machen. Aber als Union sagen wir auch: Wir wollen das nicht alles über Gesetze machen; wir glauben nicht, dass es gut ist, jedes gesellschaftliche Problem durch ein Gesetz zu lösen; wir glauben nicht, dass man alles vorschreiben, regeln und regulieren kann.
Wir sind der Meinung, dass es besser ist, Vorbilder zu schaffen, voneinander zu lernen, dass es besser ist, die Probleme zu verstehen, zu schauen: Wo sind denn genau die Hindernisse, die dazu führen, dass Frauen eben nicht in die Vorstandsetagen kommen? Woran liegt es, dass die Rente so ungleich verteilt ist? Woran liegt es, dass die Bezahlungen so unterschiedlich sind?
Wenn wir verstanden haben, wo die tiefer gehenden Probleme liegen, können wir auch verschiedene Lösungswege suchen. Es gibt tolle Modelle, wo man sieht, dass Kinder nicht mit Stereotypen groß werden müssen. Es gibt tolle Netzwerke, denen es gelingt, Strukturen zu ändern und aufzubrechen. Es gibt Studien, die sehr genau belegen, warum es gläserne Decken in Unternehmen gibt, und Modelle, wie man sie überwindet.
Als Mutter von zwei Jungen sage ich auch: Lasst uns nicht nur von den Mädchen und Frauen reden, es geht auch um die Jungen und Männer. Auch diese leiden unter Stereotypen. Wir brauchen mehr Männer in Kitas. Und wir brauchen mehr Männer, die Kind und Karriere vereinbaren können; denn das wünschen sich Männer genauso wie Frauen.
Und mit dieser Stiftung wollen wir genau das transparent machen. Wir schaffen damit zum ersten Mal auf der Bundesebene eine Struktur, die sich wissenschaftlich fundiert Fragen der gerechten Partizipation von Frauen und Männern widmet, die sich vorhandene Konzepte anschaut und sie weiterträgt, die Kompetenzen in der Gleichstellungspolitik bündelt und es schafft, dass man voneinander lernt.
Nicht alles mit Gesetzen lösen, nicht alles regulieren und regeln, sondern Vorbilder schaffen, voneinander lernen, die Kreativität unseres Landes nutzen, um die gesellschaftlichen Probleme anzugehen, das ist unsere Herangehensweise an das Thema. Wir unterstützen die Bundesstiftung Gleichstellung sehr, weil sie genau das schaffen soll.
Ich wünsche mir, dass wir nicht nur die bekannten Themen wie „Frauen in Führungspositionen“ und „gleiche Bezahlung“ angehen, sondern uns in dieser Stiftung auch mit den Fragen beschäftigen, welche neuen Herausforderungen auf uns zukommen, wie wir es schaffen, dass Frauen die digitale Welt von morgen mitgestalten. Das ist ein moderner Auftrag, der an diese Stiftung geht. Deshalb bin ich froh, dass wir sie heute auf den Weg bringen.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich freue mich, dass wir heute diese Stiftung in zweiter und dritter Lesung hoffentlich mit einer großen Mehrheit in diesem Haus beschließen werden.