Vielen Dank, Herr Präsident. – Man kann es eigentlich fast gar nicht mehr hören, wie über so ernste Themen immer wieder gesprochen wird. Was soll denn an der Stelle immer das Moralisieren, Kollege Raabe? Sie müssen doch den Leuten da draußen mal erklären, was dieses Lieferkettengesetz eigentlich bedeutet und ist.
Ausschließlich deutsche Unternehmen sollen dazu verpflichtet werden, überall auf der Welt soziale und ökologische Standards durchzusetzen. Das ist eine Verschiebung, weg von den Regierungen der Entwicklungsländer hin zu ausschließlich deutschen Unternehmen. Die sollen wie so eine Art globale Lieferkettenpolizei fungieren. Das muss man sich mal überlegen! Wie soll denn das funktionieren? Das ist doch völlig absurd, was Sie hier heute umzusetzen versuchen, meine Damen und Herren.
Das ist auch ein Angriff auf alle deutschen Unternehmer da draußen, die sich trauen, im Ausland zu investieren, die schon lange die höchsten Standards im Bereich der Ökologie und der sozialen Fragen an den Tag legen. Ich kann nicht nachvollziehen, warum man hier so etwas auf diese Art und Weise kodifizieren will.
Man muss sich doch mal die Frage stellen, wie so was in der Praxis aussieht. Wie soll so was in der Praxis funktionieren? Nehmen wir doch mal einen Unternehmer, der meinetwegen Halbleiterteile herstellt. Der hat 15 oder 20 Mitarbeiter, und als Kunden hat er jetzt ein Unternehmen, das unter Ihr Lieferkettengesetz fällt. Ich hatte die Gelegenheit, mit jemandem darüber zu sprechen, den es betreffen wird. Das Unternehmen, das das Lieferkettengesetz jetzt zu beachten hat, wird natürlich darauf drängen, dass auch die kleinen Zulieferer mit 15, 20, 30 Mitarbeitern in der Lage sind, dieses Lieferkettengesetz mit zu beachten; denn es geht ja nur so, dass das große Unternehmen, das darunter fällt, darauf besteht, dass der Zulieferer in der Lage ist, die Lieferkette transparent zu gestalten.