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29. Sitzung
Donnerstag, 26. April 201819. Wahlperiode, 29. SitzungBerufsbildungsbericht 2018
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Puh, das war ja ganz schön viel Meinung für keine Ahnung.

Heiterkeitund Beifall bei Abgeordneten der SPD, der CDU/CSU, der FDP, der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Schauen Sie mal in den Spiegel, Frau Fahimi, dann sehen Sie das mit der Ahnung mal richtig!

Sehr geehrter Herr Bundestagsvizepräsident! Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Girls’ Day! Passenderweise reden wir in der Tat hier heute über den Berufsbildungsbericht 2018.

Beifallbei Abgeordneten der SPD sowie der Abg. Beate Walter-Rosenheimer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Wir freuen uns darüber, dass wir bundesweit ein kleines Plus neu abgeschlossener Ausbildungsverträge verzeichnen können. Es sind aber auch knapp 50 000 Ausbildungsplätze nach wie vor nicht besetzt, und manche glauben, das sei ein Problem. Ich sage sehr deutlich: Ich finde nicht, dass das ein Problem ist. Vielmehr ist ein Überangebot, wie manche es nennen, genau richtig; denn es geht um eine Auswahlmöglichkeit für die jungen Erwachsenen. Es geht eben nicht allein um die Frage, welcher Jugendliche zu welchem Ausbildungsplatz passt, sondern auch darum, welcher Ausbildungsplatz eigentlich zu welchem Jugendlichen passt.

Deswegen sind nicht die unbesetzten Plätze das eigentliche Problem, sondern mehr als 80 000 Jugendliche, die nach wie vor auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Diese Zahl der sogenannten unversorgten Jugendlichen legt den Finger in die Wunde; denn das Ausbildungsangebot erreicht sie offensichtlich nicht, es ist ihnen nicht möglich, es anzunehmen, oder sie sehen keine Perspektive darin. Das betrifft vor allem Hauptschulabsolventen, die es gerade mal zu 50 Prozent direkt in eine Ausbildung schaffen. Wir brauchen also noch viel mehr aktive und aufsuchende Berufsberatung und Ausbildungsbegleitung, um erfolgreiche Abschlüsse zu sichern.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Die Abbrecher- und Wechselquoten zeigen auch eines, wie hier richtigerweise angemerkt worden ist, nämlich dass wir noch viel zu wenig gute Arbeit haben. 20 Prozent der Erwerbstätigen mit einer erfolgreich abgeschlossenen Berufsausbildung verdienen weniger als 10 Euro pro Stunde. Das ist unhaltbar. Ich verstehe im Übrigen auch nicht, warum es eigentlich immer wieder so zäh ist, wenn wir darüber verhandeln, dass wir daran etwas verbessern. Aber gut, wir haben einen Sozialtarifvertrag und eine Mindestausbildungsvergütung in den Koalitionsvertrag hineingebracht, und darauf sind wir verdammt stolz.

Beifallbei der SPD

Ich will an dieser Stelle aber auch ausdrücklich sagen: Es wird in den kommenden Jahren auch auf die Arbeitgeber ankommen. Sie haben eine Wahl. Sie können die selbstgewählte Tarifflucht stoppen und sich endlich wieder an unseren erfolgreichen Prinzipien der Marktwirtschaft beteiligen und damit verhindern, dass wir gezwungen sind, zukünftig noch mehr und deutlicher gesetzgeberisch einzugreifen, um gute Löhne und gute Ausbildungsbedingungen zu sichern.

Sehr geehrte Damen und Herren, der digitale Wandel ist – das will ich hier auch noch einmal deutlich sagen – nicht allein eine technische Lernaufgabe.

Beifallder Abg. Birke Bull-Bischoff [DIE LINKE]

Es geht vor allem auch um interdisziplinäres Arbeiten, soziale Kompetenzen, Sorgearbeit. Die erste Frage, die wir stellen müssen, ist daher nicht: Was müssen wir für morgen lernen? Die erste Frage ist: Wie und was wollen wir morgen arbeiten? Was ist die Rolle des Menschen in der zukünftigen Arbeitswelt?

Beifallbei der SPD sowie des Abg. Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Und dann geht es eben nicht allein um Technik und Informationsverarbeitung, sondern es geht auch um soziale Arbeit und um das Miteinander. Wir müssen angesichts der Veränderung alle in ein neues digitales und soziales Zeitalter mitnehmen.

Jungen Auszubildenden mangelt es oft an den realen Voraussetzungen. Damit meine ich nicht ihre Ausbildungsfähigkeit, wie manche hier vielleicht reflexhaft glauben, sondern ich meine: gebührenfreie Mobilität, bezahlbares Wohnen, Mindestausbildungsvergütung und vieles mehr, was wir als Sozialdemokraten durchsetzen wollen. Darüber hinaus müssen wir uns meines Erachtens perspektivisch für eine bessere allgemeine, elternunabhängige Grundsicherung für die Erstausbildung einsetzen sowie eine Ausbildungsgarantie anstreben.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN

Sehr geehrte Damen und Herren, unser Ideenvorrat ist mit dem, was im Koalitionsvertrag steht, noch lange nicht aufgebraucht. Das sozialdemokratische Berufsbildungscredo lautet: Nicht persönliche Netzwerke und Herkunft bestimmen deine Zukunft, sondern Fleiß und Talent. Wir verhelfen dir zum Durchbruch. – Das macht den Unterschied zwischen einer Regierung mit oder ohne Sozialdemokratie.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD
Beifallbei der FDP

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