Frau Präsidentin! Liebe Kollegen! Wenige Minuten vor Anpfiff der Fußball-WM in Russland beglücken uns zwei Fraktionen mit ihren Anträgen dazu.
Der Lieblingssport der Deutschen ist eben verführerisch für Altparteien im Selbstfindungsmodus. Zweifellos ist die Lage der Menschenrechte in Russland nicht vorbildlich; aber Ihre Kritik kommt reichlich spät.
Wenige Minuten vor dem Eröffnungsspiel riecht das ja wohl nach Populismus.
Während die sportlichen Großereignisse immer teurer werden, geht es seit Jahren in Politik und Medien ziemlich billig zu. Spät entdecken die einstigen FIFA-Bejubler moralische Fragen.
Die von Anfang an suspekte Doppelvergabe an Katar und Russland blieb damals, vor acht Jahren, fast ohne kritisches Echo.
– Danke, Frau Künast, für Ihre Unterstützung in meine Richtung. – Vieles, was die FDP schreibt, ist gar nicht so falsch. Vieles taugt allerdings auch zur Binsenweisheit des Jahres. Und die Grünen? Auf der nach unten offenen Oliver-Bierhoff-Phrasenskala sind die Grünen mal wieder schwer zu unterbieten.
Dieser missratene Besinnungsaufsatz für Zwölfjährige ist handwerklich blamabel. Mal gehört Russland zu Europa, kurz vorher aber nicht: Da ist Russland nur ein Nachbar Europas. – Bitte entscheiden Sie sich, liebe Grüninnen und Grüne!
Das ganz große deutsche Thema kommt aber in beiden Anträgen überhaupt nicht vor: Das deutsche Team steht gar nicht mehr für Freude am Sport. Es steht für kommerzielle Inszenierung und allzu billige Moralparolen – leere Parolen; getan wird das Gegenteil.
Ausgerechnet dem türkischen Gewaltherrscher Erdogan werfen sich zwei formell deutsche Nationalspieler an den Hals: Özil und Gündogan.