Herr Kollege Sarrazin, auf Ihre Frage will ich gerne zwei Dinge sagen. Erstens. Was den Sportausschuss angeht, geht es uns einfach darum, dass uns dieser Antrag am Dienstagabend zugegangen ist. Keine Fraktion hatte mehr die Möglichkeit, darüber zu reden.
Die Fraktionssitzungen waren vorbei.
– Ich antworte dem Kollegen. – Wir haben diese Anträge zu einem Zeitpunkt bekommen, wo eine Beratung in den Fraktionssitzungen objektiv nicht mehr möglich war. Das halte ich für problematisch, und das kritisiere ich.
Der zweite Punkt. Ich weiß nicht, was die Rente mit der Fußballweltmeisterschaft zu tun hat. Ich finde es schwierig angesichts der Tatsache, dass während Ihrer Regierungszeit, also als die Bündnisgrünen mit in der Regierung waren, die Renten in Deutschland nach oben gesetzt worden sind. Wir stehen nicht für Rentenerhöhung; aber Sie haben es in Deutschland durchgeführt.
– Richtig, Herr Wendt, ich meinte natürlich das Renteneintrittsalter. – Wenn Sie die Erhöhung des Rentenalters in Russland jetzt kritisieren, teile ich Ihre Kritik daran;
aber ich kann nicht anders, als Ihnen zurückzugeben, dass Sie das ebenfalls getan haben.
Auf dieser Grundlage, dass wir die Anträge nicht vorberaten konnten – weder im Ausschuss noch in der Fraktion –, ist eine seriöse Befassung aus meiner Sicht nicht wirklich gewollt, und auch aus diesem Grund lehnen wir die Anträge ab.
Was mich zusätzlich ärgert – das war in den Reden etwas anders; das will ich gerne einräumen –, ist der Umstand, dass in beiden Anträgen die Chancen eines solchen Events für politische Entspannung, Völkerverständigung, Begegnung von Menschen weitgehend ausgeblendet werden.
Das Fußballteam des FC Bundestag war letzten Freitag zu Gast in Moskau und hat dort gegen eine Mannschaft der russischen Duma gespielt.
Wir haben zwar knapp verloren, dennoch meine ich, sind und bleiben solche Treffen wichtig. Sie bleiben gerade in Zeiten, wo die Beziehungen schwierig sind, notwendig. Natürlich spricht man dort auch unbequeme Themen an. Vizepräsident Thomas Oppermann hat das getan. In den Gesprächen mit Duma-Vertretern sind Differenzen und kritische Fragen angesprochen worden. Das ist völlig richtig. Trotzdem müssen wir im Interesse der Lösung internationaler Konflikte auch gute Kontakte zu Russland aufrechterhalten.
Dazu kann der Sport einen wertvollen Beitrag leisten, wie nicht zuletzt die Aktivitäten des DFB um den symbolträchtigen 8. Mai dieses Jahres in Wolgograd gezeigt haben, wo es nicht nur ein U18-Länderspiel gegen Russland gegeben hat, sondern auch gemeinsame Begegnungen und Kranzniederlegungen an den Gedenkstätten für die Opfer der Schlacht um Stalingrad. Ich finde, das sind die Zeichen, die wir dringend brauchen.
Ein letzter Satz: Es ist ja in den vergangenen Wochen immer auch von „Putins Spielen“ die Rede gewesen. Darauf finde ich, hat unser Ex-Nationaltorwart Toni Schumacher gestern in der ARD bei „Maischberger“ eine erfreulich klare Antwort gegeben, indem er sagte: Ich habe bei großen Turnieren immer für die Zuschauer gespielt und nicht für irgendwelche Regierungschefs. Die Sportler dürfen nicht instrumentalisiert werden.
Ich finde, das ist eine richtige Aussage.
Ich wünsche uns eine spannende und friedliche WM und unserer Mannschaft viel Erfolg in Russland.