Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der Meeresschutz ist eines der wichtigsten Themen der Umweltpolitik, und er wird zunehmend immer wichtiger. Weltmeere als Ökosysteme sind in vielerlei Hinsicht bedroht: Überfischung, Erwärmung, Vermüllung, Stichwort „Plastikmüllinseln“, die uns derzeit beschäftigen. Deshalb freue ich mich heute, dass es interfraktionell gelungen ist, einen Antrag zum Schutz des Weddellmeeres in der Antarktis auf den Weg zu bringen.
Das Weddellmeer ist ein einzigartiges Ökosystem und ein Hotspot der Biodiversität. Das vorgeschlagene Schutzgebiet im Weddellmeer wäre mit fast 2 Millionen Quadratkilometern rund fünfmal so groß wie die Bundesrepublik Deutschland und mit Abstand das größte Meeresschutzgebiet der Welt. Das wäre ein großartiger Erfolg für den globalen Meeresschutz.
Wir wollen mit dem vorliegenden Antrag die Bemühungen der Bundesregierung bei der Internationalen Kommission zur Erhaltung der lebenden Meeresschätze in der Antarktis unterstützen. Deutschland ist die treibende Kraft bei der Ausweisung von Meeresschutzgebieten und hat bereits im Oktober vor zwei Jahren einen Vorschlag zum Schutz des Weddellmeeres vorgelegt, der von der EU übernommen und eingebracht wurde. Leider fand er 2016 international keine Mehrheit. Beim nächsten Treffen im Herbst dieses Jahres wird dieser Schutzgebietsantrag wieder gestellt. Wir hoffen, dass wir ihm mit dem heute vorliegenden Antrag den nötigen Rückenwind verleihen können.
Herzlichen Dank für die konstruktive Zusammenarbeit an alle Fraktionen, an alle, die mitgearbeitet haben, auch an die, die mitgearbeitet haben, den Antrag aber leider nicht mit stellen durften. Vielen Dank auch an dieser Stelle an die Forscher vom Alfred-Wegener-Institut, die das wissenschaftliche Fundament für diesen Antrag gelegt haben. Sie stellten fest, dass mit rund 14 000 Tierarten im Weddellmeer eine gleichhohe Artenvielfalt wie auf einem tropischen Korallenriff herrscht. Das Weddellmeer ist eine fast unberührte Region in der Antarktis. Hier hat es nie Fischerei gegeben, zumindest offiziell. Die Eisfläche ist auch in den Sommermonaten noch so groß, dass unter dem Eis immer noch genug Eisalgen und Bakterien leben, dass sie den Anfang der Nahrungskette bilden können für Krill, Fische, Pinguine, Robben und Wale. Der Tisch für Fische und Säugetiere ist hier also immer noch gut gedeckt.
Vielleicht könnten dann als Nächstes auch die Ostantarktis und die Antarktische Halbinsel geschützt werden. Auch sie haben eine hohe Artenvielfalt. Ich könnte mir gut vorstellen, dass der Deutsche Bundestag dieses Vorhaben mit einer breiten Mehrheit unterstützen würde.
Auch wenn es gelingt, das Weddellmeer unter Schutz zu stellen, bleibt ein Wermutstropfen: Dann steht das Weddellmeer zwar formal unter Schutz, wichtig wären aber auch klare internationale Regeln, ein Management, das den Schutzstatus erhält, Monitoringmaßnahmen und Verbote, die auch sanktioniert werden können. Deswegen sollten wir auch als Parlament die Bemühungen der Bundesregierung unterstützen, ein international rechtsverbindliches Durchführungsabkommen zu etablieren.
Lassen Sie uns zusammen artenreiche Schutzgebiete als Rückzugsräume für Meereslebewesen erhalten. Der Schutz dieser Gebiete ist angesichts des Klimawandels und der Gefahr durch Übernutzung wichtiger denn je.
Herzlichen Dank.