Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte mich bei den beiden direkt vor mir redenden Kollegen ganz herzlich für ihre Ausführungen bedanken. Es ist ja selten so, dass sich das Haus so einig ist
und dass wir uns in dieser Frage, die wir hier mit großer Mehrheit beschlossen haben, wieder gemeinsam dafür aussprechen, damit das, was diese rechtsradikale Truppe rechts von mir zum Besten gibt, nicht wahr wird. Man merkt: Wählen kann entscheiden. Wer diese Herrschaften am äußerst rechten Rand wählt, der weiß, was er kriegt.
Wir hatten heute eine Sitzung des Haushaltsausschusses. Im Haushaltsausschuss hat mir Herr Boehringer zu meiner Ehe gratuliert;
Herr Boehringer gehört ja Ihrer Fraktion an. Ich bin vor zehn Tagen mit meinem Mann verheiratet worden. Wir haben das in der Hauptkirche Sankt Katharinen in Hamburg gemacht. Die Pröpstin und Hauptpastorin hat die Rede gehalten. Sie hat davor gewarnt, dass dieses Land nicht weiter nach rechts rücken darf.
Den einzigen Konflikt, den ich mit meiner Hauptpastorin und meinem Mann hatte, war, ob wir von „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“ alle 15 Strophen singen oder nur sechs. Ich habe nur sechs zugebilligt bekommen. Ich habe verloren.
Ansonsten habe ich durch diese Ehe gewonnen. Ich bin darüber sehr glücklich.
Ich habe keine wirkliche Lust, mich ernsthaft mit dem Unsinn, den Sie hier heute vortragen, zu beschäftigen,
weil das in der Sache etwas ist, was niemandem etwas wegnimmt, was inzwischen mehrtausendfach in dieser Republik geschlossen worden ist und was zum gesellschaftlichen Frieden in diesem Lande beigetragen hat. Ihre Bemerkungen, die gerade zwischendurch bei der Rede des Kollegen von der FDP gekommen sind, waren hinreichend dümmlich.
Ich glaube, dass man sehr aufpassen muss, nicht mit den Gefühlen von Menschen zu spielen. Die Ehe für alle ist ein gesellschaftliches Konsensthema.
Es gibt in der Bevölkerung Zustimmungswerte zwischen 70 und 80 Prozent.
Dass Sie da nicht dazugehören, weiß ich; das ist auch in Ordnung. Verfassungsrechtler sind inzwischen einhellig der Meinung, dass der Ehebegriff in Artikel 6 des Grundgesetzes ein entwicklungsoffener Begriff ist. Und ein von der CSU-Regierung in Bayern in Auftrag gegebenes Rechtsgutachten hat bestätigt, dass das, was wir hier im Deutschen Bundestag gemacht haben, rechtens ist. Wenn das schon die CSU bestätigt, dann kann das ja selbst die AfD vielleicht irgendwann einmal glauben.
Ihre Fixierung auf diese Themen ist am Ende immer peinlich. Sie machen hier im Bundestag immer wieder Themen stark,
die – das muss man ehrlicherweise sagen – mit der Lebensrealität vieler Menschen gar nichts zu tun haben.
Sie kommen mit Gender-Mainstreaming an. Sie kommen mit irgendwelchen Meldeportalen an, wo sich Schüler über Lehrer beschweren können. Sie reden über das Thema Coming-out, indem Sie den ganzen Kirchentag damit in Verruf bringen. Herr Höcke redet über gewollte und ungewollte Sexualpraktiken; das alles möchte ich mir bei Herrn Höcke gar nicht vorstellen.
Da weiß man doch, dass das nicht das ist, was die Menschen interessiert. Das hat weder mit dem Wohnungsbau noch mit einer sicheren Rente noch mit einer vernünftigen Versorgung im Gesundheitsbereich zu tun.
Ich finde, auch als Fraktion kann man ein bisschen loyaler der eigenen Fraktionsvorsitzenden gegenüber sein.
So kann man doch mit seiner eigenen Fraktionsvorsitzenden nicht umgehen. Frau Weidel lebt mit ihrer Frau in einer eingetragenen Partnerschaft und hat die Kinder adoptiert. Wenn Sie als Fraktion Ihrer Fraktionsvorsitzenden hier ihr eigenes Leben vorwerfen und so ihren Lebensentwurf kritisieren, dann ist das unanständig. Aber diskutieren Sie das doch bitte lieber in Ihrer Fraktion, und behelligen Sie weder die anständigen Bürger in diesem Land noch uns damit!
Vielen Dank.