Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Verehrte Besucher auf der Tribüne! Was wir bisher gehört haben, klingt gefährlich: Industrienahrung, Gentechnik, Pestizide und Antibiotikarückstände, ja, selbst Zucker und Salz, wie wir eben gehört haben – es scheint wieder einmal, dass wir dem Ende nahe sind.
In meinen langen Berufsjahren als Arzt habe ich viele Ökopaniken erlebt, die meine Patienten in Angst und Schrecken versetzt haben, Frau Kollegin.
Ich erinnere nur an das Waldsterben und an das Ozonloch, bei dem wir knapp der Vernichtung entgangen sind.
Den Wald, Frau Göring-Eckardt, gibt es auch heute noch und das Ozonloch auch.
Aber der Farbige hat seine Schuldigkeit getan; der Farbige kann gehen.
So ist es auch mit allem, was angeblich gesund und ungesund ist: Steinzeitdiät, Hollywood-Diät, Eier-Diät, Hay’sche Trennkost, Low Carb, vegetarisch, vegan und was es alles noch so gibt. Meine Damen und Herren, keine dieser Ernährungsformen hat auch nur annähernd validiert zeigen können, dass sie langfristig irgendwelche Vorteile hat gegenüber einer ganz normalen Mischkost, wie wir sie seit Jahrtausenden zu uns nehmen:
schlicht und ergreifend Obst, Gemüse, Kohlenhydrate und Proteine. Wir sollten genau so essen, wie es uns gerade schmeckt.
Meine Damen und Herren, hören Sie auf, die Menschen zu verunsichern! Natürlich gibt es ernährungsbedingte Erkrankungen. Natürlich müssen diese auch behandelt werden. Natürlich gibt es auch Diäten, die helfen. Aber es geht doch hier um etwas ganz anderes. Es geht hier um den ganz normalen Menschen, dem Sie nicht immer wieder ein schlechtes Gewissen einreden müssen, wenn er so isst, wie ihm der Schnabel gewachsen ist.
Das ist Zwangsbeglückung, und das lehnen wir ab.
Ich gebe Ihnen einmal ein Beispiel: Es ist doch absurd, die Zuckersteuer einzuführen und dann die völlig übersüßten Produkte in den Regalen zu lassen. Es wird doch sowieso alles wieder teurer; das fällt den Menschen doch gar nicht auf; und so soll es wahrscheinlich auch sein. – Nein, meine Damen und Herren, wenn ein Lebensmittel die rote Banderole mit der Aufschrift „Dieses Lebensmittel ist für Kinder ungeeignet“ trägt, dann möchte ich die Mutter sehen, die dieses Produkt aus dem Regal holt
Meine Damen und Herren, die Gefahr liegt doch ganz woanders: Die meisten Menschen haben heute eine sitzende Tätigkeit, und wenn die Arbeit endlich erledigt ist, geht es nicht etwa nach Hause, sondern schnurstracks zur zweiten Arbeitsstelle, meistens für noch einmal vier Stunden. Ich sage Ihnen: Diese Gejagten Ihrer bisherigen Regierung setzen sich abends erschöpft auf das Sofa, trinken zwei Bier und pfeifen auf alle Ihre Regeln für gesunde Ernährung. Recht haben sie.
Ich gebe Ihnen ein zweites Beispiel: Begleiten Sie doch einmal eine alleinerziehende Mutter mit drei Kindern beim Einkauf. Wenn Sie ihr etwas von Bio erzählen, ernten Sie bestenfalls ein müdes Lächeln. 25 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland sind von Armut betroffen bzw. gefährdet. Der Anteil der prekären Arbeitsverhältnisse liegt bei 40 Prozent. Und Sie schwadronieren hier von „Gesunder Ernährung für ein gutes Leben“.
Nein, Frau Connemann, wir haben unser Schicksal nicht in der Hand. Sie und Sie alle, die Sie hier sitzen, haben es in der Hand.
Deutlich bessere Löhne in verlässlicher Vollzeitarbeit würden den Zweitjob überflüssig machen. Das wäre ein wahrhaft gesundes Ziel für ein gutes Leben, wie Sie es ja angeblich erreichen wollen.
Nein, meine Damen und Herren, diese Ökopaniken lassen wir Ihnen nicht mehr durchgehen, sondern werden sie brandmarken, wo immer wir können.
Vielen Dank.
Als nächsten Redner rufe ich den Abgeordneten Alois Rainer für die CDU/CSU-Fraktion auf.