Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Zwei Gedanken zu dieser Debatte vorab. 2017 ist die Weltbevölkerung um 83 Millionen Menschen gewachsen. Das sind in etwa so viele Menschen, wie aktuell in Deutschland leben. Wenn in den kanadischen Great Plains zum richtigen Zeitpunkt einen Tag lang Niederschlag fällt, steigt dort der Ertrag von Raps, und zwar um die Menge, die wir in Deutschland insgesamt produzieren.
Sie merken: Die Welt entwickelt sich rasant, doch die Debatten hier in Deutschland richten sich rückwärts. Das macht leider nicht zuletzt Ihr Sondierungspapier, liebe Kollegen der CDU/CSU und der SPD, deutlich.
Da soll im Fall von Glyphosat die Anwendung eines Mittels beendet werden, das sämtliche Kriterien des EU-Rechts erfüllt. Als Agraringenieurin und Landwirtin kann ich Ihnen eines versichern: Dieser nationale Alleingang ist aus fachlicher Sicht absolut nicht nachvollziehbar. Statt uns mit fragwürdigen Verboten zu beschäftigen, sollten wir den Betrieben, die wir noch haben, Chancen eröffnen. Und da ist die Digitalisierung zentral.
Darin liegen die Chancen, Wirtschaftlichkeit, Umweltschutz, Biodiversität, Gewässerschutz und Transparenz zu erreichen. Pflanzenschutzspritzen beispielsweise erkennen heute mit Sensoren Unkräuter und behandeln nur diese zielgenau. Dadurch werden Mitteleinsparungen von bis zu 90 Prozent möglich.
Doch in Ihrem Sondierungspapier ist von Digitalisierung recht wenig zu lesen, und von der Digitalisierung in der Landwirtschaft ist leider überhaupt keine Rede. Dabei verändert sie alles.
Über die Hälfte der deutschen Landwirte haben bereits in digitale Technik investiert. Für eine wirkungsvolle Datennutzung und lückenlose Dokumentation bis zum Verbraucher brauchen wir einheitliche Datenschnittstellen. Natürlich muss der Landwirt Eigentümer seiner Daten bleiben und selbst über sie entscheiden können. Zum Glück gibt es da draußen eine neue Generation Landwirte – ich zähle mich ausdrücklich dazu –, die nicht abgewartet hat, bis die schwarz-rote Bundesregierung endlich etwas tut.
Das ist übrigens nicht eine Frage des Alters, sondern der Einstellung. Diese neue Generation Landwirte ergreift die Chancen. Dennoch können sich viele, gerade in kleineren Betrieben, diese Investitionen nicht leisten. Deshalb frage ich Sie, sehr geehrte Damen und Herren: Wieso fördern wir nicht solche Zukunftsinvestitionen ganz gezielt, von denen nicht nur die Landwirte profitieren, sondern auch die Verbraucher?
Sie unterhalten sich über Themen wie das Tierwohllabel oder die Ernährungsampel. Alles gut gemeint, aber am Ende wahrscheinlich wieder schlecht gemacht. Statt die Verbraucher zu bevormunden und die internationale Wettbewerbsfähigkeit unserer Landwirte zu riskieren, gibt es auch im Bereich der Tierhaltung unzählige Möglichkeiten, das Wohlergehen der Tiere zu verbessern.
Doch eines möchte ich an dieser Stelle auch noch sagen: Die Bauernregeln, die Frau Hendricks vor gut einem Jahr veröffentlicht hat – leider ist sie persönlich nicht mehr anwesend –, hat kein Landwirt in Deutschland vergessen. Statt einen ganzen Berufsstand zu diffamieren, sollten wir Politiker die Arbeit wertschätzen und die Probleme lösen.
Seit Jahren wird hier im Deutschen Bundestag über Digitalisierung gesprochen. Wenn ich mit meinem GPS-Traktor im Mittelgebirge unterwegs bin, reißt im Tal das Funksignal ab. Ab 2018 sollen die Landwirte ihre Agraranträge digital stellen – theoretisch. Leider kann man auf vielen Höfen die Antragsunterlagen noch nicht einmal herunterladen.
Das wird 2018 nicht gerecht.
Was der Bauer nicht kennt, muss er wenigstens googeln können.
Liebe Grüne, ich habe im Wahlkampf viele kennenlernen dürfen, die real denken und mit uns in die gleiche Richtung gedacht haben. Doch leider sind die Wege dorthin ganz unterschiedlich. Aber ich habe erkannt: Wenn Sie die Gräben zwischen den Verbrauchern und den Landwirten zuschütten wollen, legen Sie vorher ein Glasfaserkabel rein.