Zum Inhalt springen
71. Sitzung
Donnerstag, 13. Dezember 201819. Wahlperiode, 71. SitzungAktuelle Stunde
24 VermerkeReaktionswert: sehr hoch579 Wörter Im Protokoll lesen

Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Kolleginnen und Kollegen! Zunächst einmal möchte ich feststellen: Die Debatte, die wir hier führen, betrifft ein wichtiges ethisches Thema, aber die Sprache, in der sie seitens der AfD geführt wird, ist schockierend, nicht angemessen und ein Tiefpunkt der Debattenkultur.

Beifallbei der SPD, der FDP, der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Sagen Sie das Ihren Jusos!

Sie werfen alles durcheinander.

Sagen Sie das Ihren Jungsozialisten!

Sie machen keinen Unterschied zwischen einem Fötus, einem Baby und einem Kind. Sie machen keinen Unterschied.

Zurufevon der AfD

Bevor das Kind geboren ist, ist es ein Fötus. Es macht einen Unterschied, ob ein Kind oder ein Fötus abgetrieben wird.

Unglaublich! Das sagen Sie als Arzt! Peinlicher geht es doch gar nicht!

Nicht jede Tötung ist ein Mord. Die Art und Weise, wie Sie die Debatte hier führen, vergiftet jede ethische Debatte, eine ethische Debatte, wie wir sie hier im Haus dringend benötigen.

Beifallbei der SPD, der FDP, der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Ich weise ausdrücklich darauf hin, dass ausgerechnet die AfD sich darüber Sorgen macht, dass die Jusos auf dem Boden des Grundgesetzes stehen.

Sie haben einen Eid geleistet! Unerhört!

Das ist ein Hohn. Es hat doch keine Jugendorganisation von Parteien dieses Parlaments mehr Probleme mit dem Grundgesetz als Ihre Jugendorganisation.

Beifallbei der SPD, der FDP, der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Der Hintergrund der Debatte ist doch § 219a. Bei § 219a ist meine Position als Arzt ganz simpel.

Es geht um Ihre Jusos, es geht nicht um 219! Nicht um Werbung, um Mord!

Selbstverständlich ist es richtig, dass wir Ärzte über Eingriffe, die wir legal durchführen können, auch informieren dürfen. Das ist eine Selbstverständlichkeit, eine Klarheit.

Beifallbei der SPD, der FDP, der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Es ist genauso selbstverständlich, dass wir für solche Eingriffe nicht werben dürfen. Wir dürfen für keinen unserer Eingriffe werben. Wir sind keine Kaufleute. Wir sind Ärzte. Daher ist es auch falsch, zu sagen: Das ist eine Gewissensentscheidung. – Ich brauche mein Gewissen nicht zu konsultieren, um zu wissen, dass ein legaler Eingriff durch einen Arzt auch der Information durch den Arzt bedarf. Das ist eine Selbstverständlichkeit.

Beifallbei der SPD, der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP

Es ist daher auch ein guter Kompromiss. Wir stellen Informationen zur Verfügung, wir stellen sie durch die Ärztekammer und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zur Verfügung.

Zurufder Abg. Beatrix von Storch [AfD]

Das heißt, das Informationsangebot wird besser.

Zurufder Abg. Kathrin Vogler [DIE LINKE]

Das Ergebnis ist, dass wir mehr Informationen haben und keine Werbung. Das ist genau das, was wir benötigen. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Nehmen Sie Stellung zu Ihrem Juso-Beschluss und nicht zu § 219a! Sie Drückeberger!

– Ich komme jetzt zu Ihrer Hetze, keine Sorge.

Bei § 218 ist es in der Tat eine Ethikentscheidung. Das ist eine Gewissensentscheidung. Sie haben gezeigt, wie man diese Debatte hier nicht führen sollte.

Was hier passiert, ist doch ganz einfach: Die von Ihnen bekannte allgemeine Hetze gegen Flüchtlinge wird jetzt ausgedehnt auf eine Hetze gegen schwangere Frauen. Das ist doch, was hier abgeht.

Ich bin ebenfalls im Inhalt nicht der Meinung des Jusos-Antrags. Als Arzt sage ich: Abtreibung im achten Monat ohne medizinische Indikation würde ich persönlich ablehnen. Trotzdem ist das Anliegen der Jusos ein nobles Anliegen.

Lachenbei der AfD

Jetzt ist aber gut!

– Ja, es ist ein nobles Anliegen. – Worum geht es denn? Die Jusos wollen verhindern, dass Frauen kriminalisiert werden, an den Pranger gestellt werden, mit dieser Entscheidung alleingelassen werden,

Beifallbei der LINKEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Entscheidungen, die durch Männer mit verursacht werden, wahrscheinlich auch durch Mitglieder Ihrer Fraktion.

Beifallbei der SPD und der LINKEN

Wir müssen diese Debatte ohne Polemik führen. Wir brauchen eine Debatte, die den ethischen Charakter würdigt. Bei § 219a haben wir eine gute Lösung: Werbung nein, Information ja.

Wir sind bei § 218!

Wir müssen aber vorsichtig sein, dass wir nicht auf ein Niveau herabrutschen, wo ethische Debatten im Bundestag unmöglich werden durch eine Verhetzung von Menschen und insbesondere durch die Verhetzung von Frauen.

Frauen an den Pranger zu stellen, ist unwürdig.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Jede Frau macht sich diese Entscheidung schwer, und die Zahl der Abtreibungen ist seit 1995 um 25 Prozent zurückgegangen.

Was sind Sie denn für ein furchtbarer Mediziner?

Ich kenne keine Frau, die sich diese Entscheidung leicht macht.

Zurufvon der AfD: Darum geht es hier nicht! Hier geht es um das Kind! Interessiert Sie das überhaupt?

Sie tun hier, als wenn es eine Entscheidung wäre, die mit Mord und Totschlag gleichzusetzen ist. Das ist schäbig, meine sehr verehrten Damen und Herren.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Beifallbei der LINKEN

Ähnliche Reden