Zum Inhalt springen
81. Sitzung
Freitag, 15. Februar 201919. Wahlperiode, 81. SitzungAktuelle Stunde
24 VermerkeReaktionswert: sehr hoch689 Wörter Im Protokoll lesen

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr verehrte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer auf den Tribünen! Ich freue mich, dass wir überhaupt mal wieder über die Ausrichtung des Sozialstaates diskutieren.

Soweit ich das überblicken kann, debattieren wir das fast in jeder Sitzungswoche!

Auch von meiner Seite ein herzliches Dankeschön an die FDP für das heutige Themensetting. Aber an der Stelle endet die Danksagung auch.

Das ist okay!

So, wie Sie über Soziales sprechen, ist das einfach unerträglich.

Beifallbei der LINKEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Sie haben natürlich – das verstehe ich – als Mövenpick-Partei eine andere Schwerpunktsetzung. Aber Sie sagen einfach die Unwahrheit, wenn Sie behaupten, das sei nicht finanzierbar.

Beifallbei der LINKEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Sven Lehmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Lachenbei Abgeordneten der FDP

Wir als Linke sagen – das ist die entscheidende Fragestellung –: Was ist in diesem Land politisch gewollt?

In Venezuela läuft es im Moment unrund

mein Eindruck!

Wir als Linke freuen uns über die Initiativen der SPD und sind gerne bereit, bei der Wiederherstellung des Sozialstaates mitanzupacken.

Beifallbei der LINKEN

Ganz ehrlich, liebe Kolleginnen und Kollegen von der SPD, wenn die FDP und die Union quietschen, dann beweist das letztendlich doch nur: Man ist auf dem richtigen Weg.

Beifallbei der LINKEN
Lachenbei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP

Die Debatte über eine Distanzierung von der Agenda­politik wird in den Betrieben wahrgenommen. Viele Beschäftigte hoffen, dass man in Berlin nicht länger die Augen vor der Realität verschließt.

Dann machen Sie doch erst mal Ihre auf!

Es ist völlig okay, dass viele der Ideen, die jetzt auf dem Tisch liegen, eigentlich von uns sind. Denn es geht hier nicht darum: Wer hat es erfunden? Es geht darum: Was wird gemacht? Vor allem: Wie setzen wir es um?

Beifallbei der LINKEN

Um mal auf ein paar Punkte einzugehen: Die Erhöhung des Mindestlohns auf 12 Euro ist eine Forderung, die wir schon sehr lange vertreten.

Zurufvon der LINKEN: Magdeburger Parteitag!

Da sind wir natürlich mit dabei.

Beifallbei Abgeordneten der LINKEN

Die Stärkung von Tarifverträgen, indem man den Arbeitgebern das Vetorecht in Bezug auf die Allgemeinverbindlichkeitserklärung der Tarifverträge nimmt, ist auch unsere Forderung. Da sind wir natürlich mit dabei.

Beifallbei der LINKEN

Die Forderung nach einer Verlängerung der Bezugsdauer von Arbeitslosengeld I ist schon in der letzten Legislaturperiode in einem unserer Anträge gewesen. Auch da gehen wir gerne mit.

Beifallbei der LINKEN

Die Grundrente atmet zumindest den Geist des Sozialstaates, auch wenn sie von der Bürgerversicherung, wie wir sie fordern, noch meilenweit entfernt ist.

Aber man muss natürlich auch die Kritikpunkte benennen. Da gibt es im Wesentlichen zwei. Sie benennen zwar Hartz IV in „Bürgergeld“ um. Aber Sie ändern nichts an dem Sanktionsregime und seiner Systematik.

Natürlich! Das werfen uns die anderen ja vor!

Und Sie erhöhen nicht die Regelsätze, die von Ihnen über all die Jahre eh künstlich kleingerechnet worden sind und die nicht für eine menschenwürdige Existenz ausreichen.

Der zweite Punkt ist: In Ihrem Sozialstaatskonzept fehlt völlig die Regulierung des Arbeitsmarktes. Ein Drittel der Menschen hierzulande, die erwerbstätig sind, sind arm: arm trotz Arbeit. Auch dazu sagen Sie nichts, obwohl Ihr Konzept den Titel „Arbeit“ trägt.

Dann muss man die Hinzuverdienstgrenzen anpassen!

Mindestlohn und Tarifbindung haben nichts mit der Regulierung des Arbeitsmarktes zu tun.

Mit was denn sonst?

Sie sagen nichts zur sachgrundlosen Befristung,

Das kommt noch in diesem Jahr!

Leiharbeit, zu Midijobs, Minijobs usw.

Gegen all diese Verheerungen der Agendapolitik habe ich als Betriebsrätin fast 20 Jahre gekämpft.

Beifallbei der LINKEN

Deswegen weiß ich, wie es ist, wenn die Kolleginnen und Kollegen bereit sind, jede Arbeit, sei sie noch so schlecht bezahlt, anzunehmen, wie es ist, wenn Leiharbeiter 1 000 Euro im Monat weniger als Festangestellte verdienen und was das mit Belegschaften macht. Prekäre Beschäftigung drückt Löhne, diszipliniert Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und ganze Belegschaften und schwächt Gewerkschaften.

Sie geben weiterhin ein Bekenntnis zum Niedriglohnsektor ab. Ihre Parteichefin Andrea Nahles ist sich nicht mal zu blöd,

Na, na, na!

diesen Niedriglohnsektor als Begründung dafür ins Feld zu führen, warum die Hartz-IV-Regelsätze weiterhin so niedrig bleiben müssen, obwohl man in diesem Zusammenhang nicht von einer menschenwürdigen Existenz sprechen kann. Die SPD spielt damit Erwerbsarme gegen Erwerblose aus. Das machen wir als Linke nicht mit.

Beifallbei der LINKEN
Zurufevon der SPD

Ich kann Sie nur davor warnen, die Menschen durch leere Versprechungen erneut zu enttäuschen. Das würde nur die größte Oppositionspartei hier im Hause stärken. Ich glaube, das wollen wir alle nicht.

Zurufvon der AfD: Doch!

Zum Schluss noch an die Adresse der FDP: Hören Sie mit dieser Haushaltsdebatte auf! Sie ist scheinheilig. Eine Austrocknung des Niedriglohnsektors würde die Sozialkassen stärken, weil weniger Steuerzuschüsse nötig wären. Geld ist genug da. Es ist nur falsch verteilt.

Es wird Zeit, dass wir durch eine andere Steuerpolitik endlich wieder zu einer gerechten Vermögensverteilung in diesem Land kommen. Aber jedem muss klar sein: Dafür braucht es andere politische Mehrheiten – in diesem Haus und in diesem Land.

Vielen Dank.

Beifallbei der LINKEN

Ähnliche Reden