Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Dieses Hohe Haus entscheidet über die Ausrüstung und den Einsatz der Bundeswehr. Wir entsenden von hier aus unsere Streitkräfte auch ins Ausland. Wir machen uns diese Debatten nicht leicht; wir diskutieren das kontrovers. Zur Erfüllung unseres Auftrags machen sich die Soldaten und Soldatinnen der Bundeswehr auf den Weg und sind dabei immer wieder mit Situationen konfrontiert, in denen sie auch ein hohes Risiko für Leib und Leben eingehen. Allein die Bereitschaft, diesen Dienst zu leisten, verdient unsere ausdrückliche Anerkennung. Ich will hier die Polizeikräfte und andere Schutz- und Hilfskräfte ausdrücklich mit einbeziehen.
Nicht alle, die wir in einen Einsatz entsenden, kommen gesund zurück. Deswegen begrüße ich es, dass wir heute im Deutschen Bundestag darüber diskutieren, wie wir in unserem Haus und in der deutschen Öffentlichkeit damit umgehen wollen, wie wir denen, die mit Verletzungen körperlicher oder auch seelischer Art aus einem Einsatz zurückkommen, nicht nur Wertschätzung, sondern auch Unterstützung zuteilwerden lassen.
Hier gibt es eine Initiative, die in den letzten Jahren für große Aufmerksamkeit gesorgt hat, gegründet von seiner Königlichen Hoheit Prinz Harry, Herzog von Sussex. Er hat als Zeichen des Respekts für einsatzgeschädigte, traumatisierte, verunfallte und erkrankte Soldaten und Soldatinnen die Invictus Games ins Leben gerufen. Diese Spiele verfolgen das Ziel, nicht nur Anerkennung auszudrücken, sondern auch die Rehabilitation zu unterstützen, die oft Monate und Jahre in Anspruch nehmen kann. Deswegen sind auch die Familienangehörigen ausdrücklich in den Veranstaltungsrahmen dieser Spiele einbezogen.
Es geht auch darum, dass mit diesen Spielen deutlich gemacht wird, welche Willenskraft die Verletzten oft aufbringen. „Invictus“ heißt auf Deutsch „unbesiegt“. Diese Menschen sind verletzt, aber sie sind unbändig, unbesiegt in ihrer Willenskraft, trotz der Verletzungen körperliche Höchstleistungen zu erbringen. Ich finde, das ist ein leuchtendes Beispiel, das nicht nur viele, die auch verletzt sind, ermutigt, sondern das auch vorbildlich für uns alle ist, sich den eigenen Willen nicht brechen zu lassen, sondern sich zu neuen Zielen aufzumachen. Ein solches Ziel bieten die Invictus Games, auf die viele Soldaten hinarbeiten, die damit einen Rhythmus und ein Ziel für ihre Rehabilitation haben.
Diese Spiele wurden erstmalig im September 2014 in London durchgeführt, mit 300 Teilnehmenden aus 13 Ländern. Zuletzt, im Jahr 2018, in Sydney waren es bereits über 500 Teilnehmende aus 18 Nationen. In Australien haben mehr als 100 000 Zuschauer diese Spiele verfolgt, und über 600 internationale Medienvertreter waren akkreditiert.
Die Bundeswehr war übrigens von Anfang an bei den Invictus Games vertreten; schließlich unterstützen diese auch unsere Sporttherapie. Darüber hinaus haben wir in unserem Weißbuch 2016 ausdrücklich unsere besondere Verantwortung gegenüber aktiven wie ehemaligen Angehörigen der Bundeswehr, die unter den Folgen einer besonderen Auslandsverwendung leiden, zum Ausdruck gebracht.
Die Ausrichtung dieser Invictus Games in Deutschland wäre eine willkommene Fortführung dieses politischen Versprechens, das wir schon abgegeben haben. Deswegen begrüße und unterstütze ich ausdrücklich diesen Antrag der Koalition, der darauf abzielt, dass wir uns für die Invictus Games bewerben. Die Bewerbung für 2022 wäre noch bis Ende dieses Monats möglich. Das ist etwas anspruchsvoll und nicht mehr zu realisieren. Aber uns steht der Weg offen, uns für 2024 zu bewerben. Dafür wollen wir jetzt den Bewerbungsprozess starten.
Meine Damen und Herren, es wäre großartig, wenn Deutschland 2024 weltweit ein offener Gastgeber für dieses sensible Feld der Sporttherapie von Einsatzgeschädigten sein könnte. Die Invictus Games sind ein großartiges Beispiel dafür, was mit Sport und mit gesellschaftlichem Zusammenhalt erreicht werden kann. Deshalb bedanke ich mich ausdrücklich für diese Initiative der Koalition, die wir sehr gerne unterstützen.
Vielen Dank.