Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Dieser Antrag bildet nicht nur die Grundlage für unser gemeinsames Handeln in den Politikfeldern Ernährung und Landwirtschaft, nein, dieser Antrag stellt einen Aufbruch dar. Genau aus diesem Grund fühle ich mich sehr geehrt, dass ich hier – genau an diesem Ort, an dem wir vor einigen Stunden Frau Inge Auerbacher mit einer Rede gehört haben, die ich ganz persönlich als eine der bewegendsten Reden einstufen würde, die ich je gehört habe – zu diesem richtungsweisenden Antrag jetzt sprechen darf.
Ja, er markiert einen Aufbruch, raus aus altgedienten Strukturen, ein Aufbrechen in eine neue Zeit, ja, ein Aufbrechen in eine neue Denkweise von Landwirtschaft. Wir werden Landwirtschaft und Ernährung endlich zusammen als Einheit denken.
Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, zu diesem Umdenken gibt es keine Alternativen. Und natürlich – das ist die absolute Grundvoraussetzung – schaffen wir das nur gemeinsam mit unseren Landwirtinnen und Landwirten; dafür brauchen wir deren Unterstützung und Vertrauen. Genau aus diesem Grund stehen wir hier, und dafür werben wir.
Ich habe volles Verständnis für eine gewisse Skepsis. Wir alle wissen: Das einzig Beständige ist der Wandel. Aber genau in diesen Wandel hinein machen wir ein Angebot. Wir schaffen Planungssicherheit.
Dabei greife ich drei konkrete Punkte auf: Agrarpolitik, Ernährung und Digitalisierung. Auch diese Punkte können wir nur gemeinsam denken. Ökologische Landwirtschaft ist Umweltschutz. Sie schützt das Klima, sie schützt unsere Böden, sie schützt unser Trinkwasser, und sie schützt so vieles mehr, und genau aus diesem Grund, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, haben wir uns ein verbindliches Ziel gesetzt: Wir wollen 30 Prozent ökologische Landwirtschaft bis 2030, und wir werden dabei unsere Betriebe nicht alleine lassen. Wir stärken das Bundesprogramm Ökolandbau, wir stärken Alternativen zu konventionellen Pflanzenschutzmitteln, und wir stellen das nötige Geld für die Forschung zur Verfügung. Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, das ist ein Aufbruch.
Sprechen wir über die Ernährung, so sprechen wir über einen der zentralen Punkte, wenn wir an ein gesundes Leben denken. Jede und jeder sollte Zugang zu hochwertigen Lebensmitteln haben. Genau hier brauchen wir den Ausgleich: zum einen bezahlbare hochwertige Lebensmittel, zum anderen eine faire Vergütung für unsere Landwirtschaft. Genau aus diesem Grund ist die Ernährung eine hochsoziale Frage.
Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, wir brauchen ein gemeinsames Verständnis für gute Lebensmittel, eine nachhaltige Ernährungsstrategie, wir brauchen adäquate Standards in unseren Gemeinschaftsunterkünften und Schulen, wir brauchen einen fairen Wettbewerb mit fairen Preisen auf dem Lebensmittelmarkt, eine hohe Regionalität vor Ort, und das brauchen wir für unsere Landwirtinnen und Landwirte genauso wie für unsere Verbraucherinnen und Verbraucher.
Dieser notwendige Aufbruch stellt uns vor Herausforderungen. Ein wichtiger Baustein, um diese Herausforderungen zu bewältigen – das ist mir als Informatiker ein großes Anliegen –, ist der digitale Aufbruch, auch und gerade in der Landwirtschaft.
Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, wir digitalisieren die Landwirtschaft nicht um der Digitalisierung willen. Vereinfachte Abläufe, gesteigerte Erträge, verbesserte Effizienz: Digitale Abläufe sind längst in der Landwirtschaft angekommen. Was wir brauchen, ist eine geklärte Finanzierung. Wir brauchen verbindliche rechtliche Rahmenbedingungen, eine öffentliche Datenplattform mit Zugriff auf staatliche Daten und Dienste. Wir müssen jetzt handeln, unsere Landwirtinnen und Landwirte dabei unterstützen, und am Ende – das wissen wir alle – profitieren wir alle davon durch höhere Erträge, nachhaltigere Lebensmittel, bessere Böden und eine gesündere Bevölkerung.
Meine Kolleginnen, meine Kollegen, wir brauchen ein modernes Land zusammen mit einer modernen Landwirtschaft und dabei gerade doch 5 G an jeder Milchkanne.
Besten Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Für die letzte Rede in dieser Debatte bekommt nun Dr. Oliver Vogt gleichwohl zu seiner ersten Rede im Deutschen Bundestag das Wort. Bitte schön.