Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Eine freie Wissenschaft lebt vom offenen Austausch der Ideen und Argumente, auch über nationale Grenzen hinweg. Gerade in Zeiten weltweiter Krisen und Konflikte braucht Europa keinen Rückzug in nationale Kurzsichtigkeiten, sondern ausdrücklich mehr Austausch und persönliche Kontakte miteinander.
Mehrere Generationen von Studierenden haben inzwischen von der Bologna-Reform profitiert, von der europäischen Bildungsfreizügigkeit, vom Masterstudium im Ausland, von internationalen Kommilitonen an der eigenen Hochschule und auch vom eigenen Blick über den kulturellen Tellerrand hinaus. Diese Chancen sollten wir nutzen.
Der Berichtszeitraum des nationalen Bologna-Berichts von 2021 bis 2024 war durchaus von mehrfachen Krisen und Herausforderungen geprägt. Umso wichtiger sind eine klare Positionierung und gemeinsames Handeln bei uns in Deutschland und in Europa insgesamt.
Die Coronakrise war eine riesige Herausforderung auch für unsere Hochschulen. Die Zeiten der reinen Onlinelehre gehören zum Glück ja der Vergangenheit an. Aber dass die Digitalisierung an den Hochschulen so stark Fahrt aufgenommen hat, verbessert die Lehre bis heute.
Russland hat mit seinem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine außerdem die europäischen Grundwerte gravierend verletzt. Doch die Mitgliedstaaten des Europäischen Hochschulraums haben Einigkeit in ihrer Solidarität mit der Ukraine bewiesen. Ganz konkret: Russland und Belarus wurden aus den Gremien des Hochschulraums suspendiert. Dagegen wurde die Zusammenarbeit mit der Ukraine deutlich verstärkt – auch bei uns in Deutschland: mit weiteren zusätzlichen Kooperationsprogrammen und auch mit der Nationalen Akademischen Kontaktstelle Ukraine. Die Mitgliedstaaten des Europäischen Hochschulraums rücken also in dieser Zeit enger zusammen und sind zum gemeinsamen Handeln bereit.
Nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel hat leider auch die Zahl antisemitischer und israelfeindlicher Vorfälle deutlich zugenommen – auch an deutschen Hochschulen. Bund und Länder haben diese Entwicklung klar verurteilt und konkrete Maßnahmen ergriffen. Ich sage auch ganz persönlich: Es ist absolut beschämend, dass jüdische Studierende auf dem Campus wieder Übergriffen und Anfeindungen ausgesetzt sind. Für Antisemitismus ist bei uns kein Platz – nicht in Deutschland und erst recht nicht an unseren Hochschulen.
Das waren drei Krisen, drei Herausforderungen, drei Beispiele für die Bedeutung und auch die Chancen internationaler Kooperationen.
Es gibt gleichzeitig auch viel Positives zu berichten. Deutschland belegt beispielsweise inzwischen weltweit den dritten Platz bei den beliebtesten Studienstandorten. Damit sind wir das beliebteste nicht englischsprachige Zielland.
Besonders die MINT-Studiengänge sind bei den internationalen Studierenden sehr populär. Das ist ein Gewinn für unsere Hochschulen, aber auch für unseren Arbeitsmarkt.
Die internationale Mobilität auch deutscher Studierender ist nach der Pandemie wieder deutlich angestiegen. Der gegenseitige internationale Austausch ist Kern der Bologna-Reform und die größte Errungenschaft des gemeinsamen Europäischen Hochschulraums.
Diese Erfolge wollen wir stärken. Deshalb aktualisieren wir die gemeinsame Internationalisierungsstrategie derzeit mit den Ländern. Die Basis sind gemeinsame Grundwerte wie Wissenschaftsfreiheit und Hochschulautonomie. Die Internationalisierung macht unseren Hochschul- und Wissenschaftsstandort stark und wettbewerbsfähig. Sie nützt der Forschung und Lehre, der Wirtschaft, künftigen Generationen und Deutschland insgesamt. Lassen Sie uns diese Chance nutzen!
Vielen Dank.