Zum Inhalt springen
57. Sitzung
Donnerstag, 29. September 202220. Wahlperiode, 57. SitzungAusgewogene Balance zwischen dem Schutz von Mensch und Tier sowie dem Artenschutz herstellen – Bejagung des Wolfes im Rahmen eines Bestandsmanagements ermöglichen
9 VermerkeReaktionswert: lebhaft630 Wörter Zwischenfrage Im Protokoll lesen
Rednerwechsel

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es ist ja schon ein bisschen absurd: Die Menschheit weiß, wie man zum Mond fliegt, aber beim Punkt Weidetierschutz oder Weidetierhaltung, da fällt der Union wirklich gar nichts ein außer „abschießen“, und das ist wirklich sehr, sehr traurig bei so einer Debatte.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Die Weidetierhaltung ist ein großer Fortschritt für den Tierschutz. Denn natürlich ist die Weidetierhaltung besser als alles, was die Stalltierhaltung zu bieten hat. Die Weidetierhaltung hat noch andere positive Aspekte in Bezug auf unsere Umwelt, zum Beispiel beim Landschaftsschutz oder beim Humusaufbau. Deswegen müssen wir die Weidetierhaltung politisch natürlich unterstützen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Wir haben eindeutig Probleme mit Wolfsrissen; wir erkennen das an. Genau deswegen beschäftigen wir uns damit, ernsthafte Maßnahmen zu finden, und fordern nicht einfach wild populistisch: den Wolf abschießen. Wir wissen, dass es das Problem nicht lösen wird.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Zurufvon der CDU/CSU: Wer ist hier populistisch?

Wir haben heute schon einige Punkte zum Thema Herdenschutz angesprochen. Auch meine Kollegin Franziska Kersten hat bereits darauf hingewiesen. Wir haben eine tolle Dokumentation darüber, was hilft und was wir beim Herdenschutz eigentlich tun können.

Wir sehen auch: In über 80 Prozent der Fälle, wo es Wolfsrisse gab bei Schafen und Ziegen, gab es keinen hinreichenden Herdenschutz oder sogar gar keinen Herdenschutz.

Wollen Sie das den Bauern vorwerfen?

Weiterer Zurufvon der CDU/CSU]: Selber schuld, oder was?

Da müssen wir ansetzen; da müssen wir auch von unseren Nachbarländern lernen, die ja schon länger den Wolf beheimaten.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

So geht evidenzbasiertes Handeln!

Frau Kollegin, erlauben Sie eine Zwischenfrage?

Rednerwechsel

Nein, ich glaube, wir haben dazu tatsächlich schon alles gesagt. – Mir ist es wichtig, noch mal darauf hinzuweisen: Wir haben in den Ländern schon fast flächendeckend Förderprogramme. Fast alle Bundesländer bieten das an, und auch der Bund unterstützt mit Fördermitteln über die GAP und über die GAK. Also: Es passiert viel. Wir sind natürlich bereit, unser Instrumentarium auch fortwährend weiterzuentwickeln. Da könnten Sie sich auch mal konstruktiv einbringen. Das, glaube ich, wollen Sie an der Stelle aber gar nicht.

Alle, die heute den Abschuss des Wolfes fordern, die sollen uns doch bitte einmal nachweisen, dass das Abschießen wirklich eine wirksame und vor allen Dingen eine gerechtfertigtere Maßnahme für den Tierschutz und für den Artenschutz ist als die anderen Maßnahmen, die wir haben. Das tun Sie nicht, und ich bin mir sicher: Sie können es auch nicht.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Zum Abschluss der Debatte muss man sagen, gerade weil die CDU/CSU heute so viel über Tierschutz gesprochen hat: Es ist natürlich die traurige Ironie heute: Wenn der Wolf am Ende die Weidetiere nicht tötet, der Mensch tut es ganz sicher.

Widerspruchbei Abgeordneten der CDU/CSU und der AfD

Deswegen ist der beste Tierschutz natürlich, gar nicht zu töten.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Für eine Kurzintervention erhält die Kollegin Damerow das Wort.

Ähnliche Reden