Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Auch wenn die Karnevalsstimmung gerade auf ihrem Höhepunkt ist: Ich habe dem Stenografischen Dienst zugesagt, mich dem Thema ernsthaft und in einem inklusiven Hochdeutsch zu nähern.
Meine Damen und Herren, ich zitiere mit Erlaubnis der Präsidentin: „Die Sprache ist gleichsam die Seele einer ethnischen Kultur.“ Mit diesen Worten würdigte Hartmut Koschyk, der frühere Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, CSU, die Bedeutung der Sprache für eine ethnische Minderheit.
Wir erlauben uns, zu ergänzen, dass dies nicht nur für ethnische Minderheiten, meine Damen und Herren, sondern natürlich auch für die ethnische Mehrheit gilt.
Es ist gut und richtig, dass wir heute an die Charta zum Schutz der Minderheitensprachen erinnern, und es ist gut und richtig, dass Deutschland sie unterzeichnet und auch ratifiziert hat.
Wie mir in Vorbereitung auf diese Rede eine ältere Dame mitteilte, schlug man noch vor wenigen Jahren im Elsass kleinen Kindern in der Schule auf die Finger, wenn sie während des Unterrichts automatisch in ihr deutsches Idiom rutschten. Diese Zeit ist zum Glück zu Ende, meine Damen und Herren. Doch muss man an dieser Stelle bemerken, dass Frankreich interessanterweise zwar die Charta unterschrieben, aber bis heute nicht in Kraft gesetzt und ratifiziert hat.
Hier sollte die Bundesregierung vielleicht mal ihren Einfluss geltend machen, damit auch Frankreich diese schöne Charta unterschreibt, wenn die Bundesregierung denn in Frankreich noch einen gewissen Einfluss hat.
Es ist schon gesagt worden: Wir haben vier anerkannte nationale Minderheiten in Deutschland. Herr Saathoff, übrigens gehört das Niederdeutsche nicht zu den sprachlichen Minderheiten; das wissen Sie.
Es genießt einen gewissen Schutzstatus; das ist auch in Ordnung. Natürlich ginge dieser Schutzstatus auch nicht verloren, wenn man das Deutsche als Landessprache in unsere Verfassung aufnehmen würde. Wir finden das immer noch richtig und würden hier gerne dem Vorbild anderer Länder folgen, meine Damen und Herren.
Wir sollten heute aber nicht nur über die sprachlichen Minderheiten hier in Deutschland sprechen, sondern auch einmal – es wird Sie nicht wundern, dass wir diese Rolle übernehmen – einen Blick auf das Deutsche als Minderheitensprache im Ausland werfen.
Die Zahl der deutschen Muttersprachler in nicht deutschsprachigen Ländern wird allein für Europa einschließlich Russland auf über 3 Millionen geschätzt. Während frühere Bundesregierungen diesen deutschen Minderheiten noch ein hohes Maß an Aufmerksamkeit entgegenbrachten, zeigt das aktuelle Beispiel Polen, wie sehr Sie als Bundesregierung diese Aufgabe inzwischen vernachlässigen. Die Polen fühlen sich inzwischen als Nachbarn zweiter Klasse, insbesondere im Vergleich zu Frankreich. Diese Konflikte haben inzwischen dazu geführt, dass für die deutsche Minderheit in Polen der deutschsprachige, muttersprachliche Unterricht von drei Wochenstunden auf eine gekürzt wurde.
Das ist den Grünen natürlich egal, weil es sich hier um Deutsche handelt. Uns ist das nicht egal, meine Damen und Herren.
Deshalb haben wir uns auch dafür eingesetzt – übrigens zusammen mit der Deutsch-Polnischen Parlamentariergruppe –, dass hier Mittel der Bundesregierung zum Einsatz kommen. Das ist inzwischen auch gelungen, und wir hoffen, dass wir auf diesem Weg weitergehen und die Bundesregierung in ihren Anstrengungen nicht nachlässt.
Werfen wir abschließend noch einen Blick auf das Deutsche in unserem Land. Meine Damen und Herren, die Sprache ist der Kitt einer jeden Gesellschaft. Sprache hält Gesellschaft zusammen.
Leider bröckelt dieser Kitt auch in unserem Land immer mehr. Es gibt inzwischen Schulklassen in Deutschland, in denen der Lehrer die einzige Person ist, die Deutsch noch als Muttersprache spricht. Der aktuelle Ländermonitor zeigt, dass in vielen Familien – bis zu 30 Prozent in westdeutschen Großstädten – Deutsch zu Hause nicht mehr gesprochen wird. Diese Entwicklung geht immer weiter. Wenn wir daran nicht etwas verbessern und das als Auftrag auch für die Bildungspolitik verstehen, wird Deutsch bald zur Minderheitensprache in unserem eigenen Land werden.
Wir wollen das nicht, meine Damen und Herren. Die Alternative für Deutschland setzt sich dieser Entwicklung entgegen.
Vielen Dank.
Jetzt wieder zur EU-Charta der Regional- oder Minderheitensprachen. Es spricht Gyde Jensen von der FDP-Fraktion.