Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Es gibt eine gute Nachricht: Wir werden also in wenigen Jahren oder zumindest mittelfristig wieder in die Kernenergie einsteigen.
Die schlechte Nachricht ist: Wir werden bis dahin vermutlich viel, viel mehr Schäden haben. Die Deindustrialisierung wird weiter vorangeschritten sein; das ist die schlechte Nachricht.
Wie komme ich jetzt dazu, dass ich diese gute Nachricht prognostiziere? Na ja, ich stelle bei der Union eine Lernkurve fest.
Wir hatten vor zwei Jahren ein Ablehnen der Kernenergie in Bausch und Bogen. Wir hatten damals unter der Bundeskanzlerin Merkel auch den Ausstieg. Und wir hatten viele Reden, die sich komplett gegen die Kernenergie ausgesprochen haben.
Seit einigen Monaten ist das nicht mehr so.
Da hört man durchaus einiges durchblitzen. Langsam wird es immer kräftiger. Ihre Parteifreundin von der Leyen wurde heute auch schon viel zitiert. Ich habe gestern die Bundesministerin Frau Reiche gefragt, und auch sie hat die Kernkraft nicht in Bausch und Bogen abgelehnt. Wenn die Lernkurve jetzt schon ein bisschen da ist, vermute ich mal: Wenn der Koalitionspartner SPD nicht mehr da ist, dann wird diese Lernkurve exorbitant nach oben gehen. Deshalb komme ich zu meiner positiven Zukunftsprognose.
Aber auch wenn wir uns die Argumente der Vertreter der Union anschauen, sehen wir: Wenn wir Kernenergie fordern, kommt immer der Vorwurf, wir seien nicht technologieoffen. Das ist doch völliger Quatsch: Wir sind technologieoffen, und Kernenergie hat sich bewährt.
Wir wollen das Bewährte haben.
Innerhalb des Bereichs der Kernspaltung gibt es die verschiedensten Technologien, und der Markt wird sich da schon die richtige heraussuchen.
Wir sind natürlich auch offen für die Kernspaltung.
Nur, die wird erst in 30, 40 Jahren kommen – können wir also nicht verwenden.
Dann kommt immer wieder der Hinweis, hinter dem sich dann die Union versteckt: Na ja, es steht nicht im Koalitionsvertrag. – Wie gesagt: Wenn die SPD nicht mehr als Koalitionspartner da ist, dann fällt auch das in sich zusammen.
Hier und da blitzen dann in den Reden der Vertreter der Union die drei Buchstaben SMR auf, also diese Small-Modular-Reaktoren, diese kleinen Reaktoren.
Das scheint jetzt irgendwie der Strohhalm zu sein, an den sich die Vertreter der Union ein bisschen klammern.
Sie lehnen die Kernenergie nicht ganz in Bausch und Bogen ab, weil Sie ganz genau wissen, dass Kernkraft Deutschland guttut, und Sie wissen auch ganz genau, dass wir wieder zur Kernkraft zurückkehren. Aber Sie können das eben noch nicht so sagen.
Dann analysiert man die Reden, und dann kommen immer diese Dinge, die ich hier benannt habe; SMR zum Beispiel ist ja eine Sache.
Wir haben das vorhin, glaube ich, auch von Herrn Gramling gehört. Er hat das ja in Kalifornien direkt bewundert.
Aber bitte doch auch hier zu Hause unsere Technologie bewundern! Dann kommen wir weiter.
Wir haben viel Blödsinn heute gehört,
zum Beispiel von Herrn Ebner zur Überlastung der französischen Kernkraftwerke durch Hoch- und Runterfahren. Bitte beschäftigen Sie sich mal mit der Technologie! Da ist völliger Blödsinn. Uran würden wir nur aus Russland beziehen können – völliger Blödsinn! Russland würde die Lieferketten dominieren – völliger Blödsinn! Unsere Kernkraftwerke wären verschlissen gewesen – völliger Blödsinn!
Frau Dr. Scheer, ich bitte Sie, mir noch mal das zu erklären, was Sie im vorangegangenen Tagesordnungspunkt zur Kernenergie gesagt haben.
Sie sagen allen Ernstes, dass die Kosten für die Entwicklung der Kernkraftwerke in den USA jetzt bei uns in Deutschland mit hineinspielen
und also auch deutsche Kosten wären. Das müssen Sie mir mal erklären, warum die Kosten, die woanders angefallen sind, dann unseren Kernkraftwerken und unserer Technologie zuzurechnen sind.
Da bitte ich Sie noch mal um eine Erklärung am Rand des Plenarsaals.
Das ist aber auch nicht das Einzige, worüber ich bei Ihnen gestolpert bin. Sie haben zur Merit-Order gesagt – also dem System, wonach wir die Kraftwerke zuerst zuschalten, die Strom am billigsten produzieren –, da wären die Kernkraftwerke nie vorn mit dabei gewesen. Sie waren immer dabei, weil sie eben die mit der preiswertesten Stromerzeugung sind, und sie wurden auch nie da rausgedrängt – im Gegensatz zu anderen.
Also, da bitte ich Sie, sich noch mal mit diesem Konstrukt zu beschäftigen, wie unsere Stromversorgung funktioniert.
Und Herr Bundesminister Schneider, wie soll ich es vornehm ausdrücken?
Es gab bei Ihnen so viel an, ich sage es jetzt doch: Falschnachrichten: zu teuer – nein, die Kernenergie ist billig. Leider ist meine Zeit jetzt abgelaufen.
Es ist heute von allen Rednern gesagt worden, Kernenergie sei zu teuer. Kernenergie ist billig.