Sehr geehrter Herr Präsident! Lieber Herr Minister! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Man muss dem heute diskutierten Antrag einen Punkt zugestehen: Er spricht unter anderem ein Problem an, das sehr viele Menschen in der heutigen Zeit umtreibt, nämlich die hohen Energiepreise.
Ja, auch wir sagen: Energie muss für unsere Bürger und für unsere Wirtschaft bezahlbar sein. Aber die Schlussfolgerungen, die Sie daraus ziehen, sind falsch. Sie fordern den kompletten Ausstieg aus dem Klimaschutz. Sie stören sich ja schon allein an dem Wort „Klimaschutz“.
Sie fordern die Kündigung internationaler Abkommen und die Abschaffung zentraler Instrumente wie der CO2-Bepreisung.
Das klingt sehr einfach, ist aber ein Irrweg. Und Entschuldigung, auch das ist Ideologie, meine Damen und Herren.
Klar, das Klima hat sich schon immer verändert. Das ist aber keine neue Erkenntnis. Das ist Geografieunterricht der 7. Schulklasse.
Vor Millionen von Jahren war es deutlich wärmer, später wieder deutlich kälter. In Mitteleuropa liefen Flusspferde herum, sagen Sie, und zu anderen Zeiten lag hier ein Eisschild bis nach Norddeutschland. Aber der entscheidende Punkt ist doch: Wie schnell passiert das alles?
Und genau hier wird es interessant. Nach der letzten Eiszeit ist die globale Temperatur um 4 bis 5 Grad gestiegen, allerdings über 10 000 Jahre hinweg.
Und heute reden wir über eine Erwärmung von über 1 Grad in gerade mal 100 Jahren. Das ist nicht vergleichbar. Das ist nicht normal. Das ist eine ganz, ganz andere Größenordnung an Geschwindigkeit, meine Damen und Herren.
Oder anders gesagt: Was früher Jahrtausende gedauert hat, passiert heute innerhalb einer einzigen Generation, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Wer also ernsthaft mit Flusspferden in Mitteleuropa vor 120 000 Jahren argumentiert, um heutige Klimapolitik abzuschaffen, der macht es sich nicht nur viel zu einfach, der macht sich, ehrlich gesagt, auch ein ganzes Stück lächerlich, meine Damen und Herren.
Noch ein Punkt: Sie stellen Klimaschutz und Wohlstand gegeneinander. Das greift viel, viel, viel zu kurz. Die eigentliche Frage ist doch: Wer entwickelt die Technologien der Zukunft, und wer setzt die Standards? Wenn wir das nicht sind, sind es andere, und dann verlieren wir Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Einfluss. Deshalb sagen wir ganz klar: Wir müssen Klimapolitik besser gestalten: ja, effizienter: ja, noch technologieoffener. Aber wir schaffen die Klimapolitik nicht ab, meine Damen und Herren.
Werte Kollegen der AfD, Sie befinden sich auf einem Irrweg. Wir haben hier wieder einmal, wie so oft, einen Antrag, der auf wissenschaftlich äußerst fragwürdigen und absoluten Nischenmeinungen basiert.
Und wissen Sie, wenn Ihnen auf Ihrer Spur Hunderte von Fahrzeugen entgegenkommen, dann sind Sie selbst die Geisterfahrer.
Vielen Dank.