Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich möchte die Gelegenheit einfach mal nutzen, um die Debatte aus dem Bald in das Jetzt zurückzuholen. Der Hochlauf von Rechenzentren, die Herausforderungen in der Wärmewende: All das sind Herausforderungen, denen wir uns jetzt stellen müssen. Dazu brauchen wir schnelle, wirksame Lösungen. Das von der AfD heute präsentierte Projekt bzw. Konzept ist – wie so oft – kein Konzept dafür.
Wenn heute über kleine modulare Reaktoren, die sogenannten SMRs, gesprochen wird, dann wird oft so getan, als ginge es um eine einzige fertige Technologie. Genau das ist aber eben nicht der Fall. Wir reden über eine ganze Klasse sehr unterschiedlicher Reaktorkonzepte. Die OECD Nuclear Energy Agency identifiziert weltweit 127 verschiedene Designs, die noch weit von einer marktreifen, breit lizenzierten Anwendung entfernt sind.
Wie bei jeder neuen Technologie muss man zuerst fragen: Wo liegt eigentlich der Vorteil? Bei SMRs lautet das Versprechen: Modularisierung, Standardisierung, Fabrikfertigung und dadurch kürzere Bauzeiten und niedrigere Kosten. Man kann sich also fragen: Warum kommen SMRs eigentlich erst jetzt?
Historisch gesehen haben kommerzielle Kernreaktoren klein begonnen und sind dann größer geworden, weil wesentliche Kostenblöcke eben nicht proportional mit der elektrischen Leistung wachsen. Kosten für Sicherheitssysteme, Genehmigungen, Standortinfrastruktur und Teile des Personals bleiben ganz oder teilweise fix. Genau deshalb haben sich große Einheiten durchgesetzt. Wer heute behauptet, kleinere Reaktoren würden den Strom plötzlich billiger machen, der muss erst einmal zeigen, dass Standardisierung und Serienfertigung diese strukturellen Nachteile wirklich ausgleichen können. Dieser Nachweis steht bislang aus.
Die unabhängige Fachliteratur zeigt gerade keine gesicherte wirtschaftliche Überlegenheit von SMRs. Selbst günstigere Szenarien, die Endlagerkosten nicht berücksichtigen, kommen nur dann in die Nähe von Wettbewerbsfähigkeit, wenn sehr ambitionierte Annahmen zu Bau- und Betriebskosten eintreffen.
Fazit. Nach momentanem Forschungsstand gibt es momentan kein einziges wettbewerbsfähiges SMR-Design. Deshalb ist es richtig, was meine Kollegin Saskia Ludwig gesagt hat: Wir müssen forschen.
Und dann bleibt das eigentliche Problem: der radioaktive Abfall. Auch hier lösen SMRs nicht automatisch alle Probleme. Im Gegenteil: Für mehrere untersuchte SMR-Designs zeigen wissenschaftliche Arbeiten, dass pro erzeugter Energieeinheit 2- bis 30-mal größere oder problematischere Abfallströme anfallen können als bei heutigen großen Leichtwasserreaktoren. Das liegt vor allem an der kompakten Bauweise und der dadurch verursachten Verstrahlung von Reaktorkomponenten.
Kleiner bedeutet also nicht automatisch weniger Abfall. Und es bedeutet schon gar nicht: einfachere Endlagerfrage.
Ein weiterer oft genannter Vorteil von SMRs ist die Versorgung kleiner Netze und abgelegener Standorte. Das kann für bestimmte Nischen interessant sein. Aber wir müssen doch über Deutschland reden und nicht über den Prospekt eines Herstellers.
Die Stärke eines modernen Stromsystems liegt nicht in neuer Abhängigkeit von einzelnen Großversprechen, sondern in Diversifizierung, Netzausbau, Speichern und Systemintelligenz. Und genau dort liegt die reale Aufgabe der Energiewende: im Jetzt.
Ich denke, es ist klar geworden: SMRs sind derzeit nicht bereit für den breiten Einsatz. Sie sind weder in der nötigen Skalierung erprobt noch in ihrer Wirtschaftlichkeit überzeugend belegt. Und auch bei Sicherheit und Entsorgung bleiben zentrale Fragen offen. Deshalb müssen wir forschen. Und sollte sich das dann alles eines Tages ändern, sollte aus einem technologischen Versprechen eine wirtschaftlich tragfähige und sichere Lösung werden, dann kann und dann muss man darüber neu sprechen. Aber Stand heute gilt: SMRs sind noch nicht so weit.
Deshalb gehen wir in der schwarz-roten Koalition stattdessen an die Maßnahmen heran, die das Jetzt angehen. Mit dem neuen Energieeffizienzgesetz, dem Gebäudemodernisierungsgesetz und dem Netzanschlusspaket stehen für Wärmeversorgung und Rechenzentren entscheidende Novellen an.
Vielen Dank für die Aufmerksamkeit und Glück auf!