Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Im Februar des letzten Jahres traf eine russische Drohne die Schutzhülle von Tschernobyl. Ein 15 Quadratmeter großes Loch klafft im Sarkophag. Die Internationale Atomenergiebehörde erklärte, dass diese Hülle ihre wichtigste Aufgabe, den Einschluss radioaktiver Stoffe, nicht mehr erfüllen könne. Liebe Kolleginnen und Kollegen, 40 Jahre nach dem Unglück von Tschernobyl ist das kein Mahnmal, es ist ein im wahrsten Sinne des Wortes offenes Problem.
Wer Atomkraftwerke betreiben will, der lebt mit dem Risiko eines atomaren Unglücks. Und nicht umsonst weigern sich Versicherungsunternehmen, hier die Police zu übernehmen. Der Staat soll einspringen, falls es zum Havariefall kommt. Wir alle haften, und das soll eine günstige Technologie sein? Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich glaube nicht!
Dass Atomanlagen zum Risiko werden können, heute genauso wie vor 40 Jahren, das haben wir in den ersten Wochen des russischen Kriegs gegen die Ukraine gesehen. Gezielt wurden Atomanlagen angegriffen.
Saporischschja liegt seit vier Jahren fast auf der Frontlinie. Wir müssen auch sehen, dass diese Angriffe nicht nur eine Gefahr für diese Kriege sind.
Denn atomare Anlagen machen nicht an Grenzen halt, und genau das macht sie so gefährlich. Das haben wir 1986 nach der Katastrophe von Tschernobyl gesehen. Auch in Deutschland gab es belastete Böden, verseuchte Nahrungs- und Futtermittel.
Und auch beim Angriff Russlands auf die Ukraine ab Februar 2022, als die Ruine von Tschernobyl genauso Ziel wurde wie das AKW von Saporischschja, war die Sorge vor Auswirkungen bei uns in Deutschland groß. Wir haben damals im Umweltausschuss – einige hier waren schon mit dabei – über die Versorgung mit Jodtabletten diskutiert.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich fühle mich in dieser Energiediskussion auch an den Krisenwinter 2022/2023 erinnert. Wer nicht aus diesem gelernt hat und heute wieder über Atomenergie als Innovation spricht, der verschleiert das eigentliche Problem und die Tatsache, dass wir viel früher hätten umsteigen müssen.
Vielen Dank.