Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Mit Beginn der Sommerzeit und den steigenden Temperaturen startet auch die Festival- und Konzertzeit in Deutschland.
Gleichzeitig beginnt in wenigen Wochen die Fußballweltmeisterschaft, die trotz Zeitumstellung und Public Viewings zu zahlreichen lokalen Veranstaltungen führen wird. Wenn Sie nun glauben, dass Bühnen, Verkabelungen und die gesamte Logistik dahinter in einem klassischen Nine-to-five-Job organisiert werden können, dann irren Sie sich. Und vor allem kennen Sie die Realität in der Kultur- und Kreativwirtschaft nicht. Gerade dort gehören unregelmäßige und mitunter lange Arbeitszeiten zur Realität – immer verbunden mit anschließenden Ausgleichszeiten in strukturell schwächeren Zeiten, wie zum Beispiel im Winter.
Auch die häufig familiengeführten KMUs – die im Übrigen über 90 Prozent der deutschen Wirtschaft ausmachen – zeigen schon heute, wie ausgewogene und individuelle Lösungen bei der Arbeitszeitgestaltung gemeinsam zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern gefunden werden können.
Etwas anderes zu behaupten, ist ein Affront gegenüber all jenen, die unternehmerische Verantwortung übernehmen, Wertschöpfung schaffen und damit unseren Wohlstand sichern. Genau solche ideologischen und überholten Narrative zur Arbeitszeit spalten und polarisieren leider unsere Gesellschaft immer weiter.
Fakt ist doch: Das derzeitige Arbeitszeitgesetz ist aus der Zeit gefallen. Es bildet die Lebensrealität einer modernen Arbeitswelt längst nicht mehr ab. Statt auf Eigenverantwortung und Effizienz setzt es auf starre Linien. Dies macht sich auch in den beiden vorliegenden Anträgen bemerkbar, die leider keinerlei Interesse an modernen Lösungen Ihrerseits zeigen. Viele Beschäftigte wünschen sich heute selbstbestimmtere Arbeitszeitmodelle: mal längere Tage, um dafür an anderer Stelle mehr Freizeit zu haben. Meine Damen und Herren, gerade deshalb brauchen wir eine wöchentliche statt eine tägliche Höchstarbeitszeit.
Das schafft Freiräume bei der Einteilung der Arbeitszeit und verbessert wiederum die Vereinbarkeit von Familie, Beruf, im Übrigen auch Gesundheit und persönlichem Leben. Diese Flexibilität kommt dabei Arbeitgebern und Arbeitnehmern zugute. Und das ist auch kein gegenseitiges Ausspielen, sondern ein professionelles Hand-in-Hand-Gehen, bei dem jeder jedem hilft und man sich aufeinander verlassen kann. Der Arbeitgeber hat doch auch ein gesteigertes Interesse daran, dass seine Belegschaft gesund bleibt.
Und das sage ich Ihnen hier nicht nur als Abgeordnete, sondern auch als Handwerksmeisterin.
Deswegen brauchen wir auch eine Anpassung der Arbeitszeitregelungen im Bäckereihandwerk. Und die ist dringend erforderlich. In der Praxis arbeiten viele Bäckereibetriebe in diesem Land an Sonn- und Feiertagen am Rande der Illegalität – nicht etwa, weil Arbeitgeber ihre Beschäftigten ausbeuten wollen, sondern weil die bestehenden Regelungen einfach nicht mehr in die Zeit passen – und damit auch nicht zu den Anforderungen des Handwerks.
Umso mehr ist die im Koalitionsvertrag vorgesehene Erweiterung des Bäckereihandwerks im Ausnahmekatalog nach § 10 des Arbeitszeitgesetzes für Sonn- und Feiertagsbeschäftigung von so großer Bedeutung. Dies würde nicht nur für mehr Rechtssicherheit sorgen, sondern auch die tatsächlichen Arbeitsabläufe im Bäckereihandwerk realistischer abbilden. Die EU-Arbeitszeitrichtlinie gibt uns hier im Übrigen den nötigen Rahmen. Und hier vielleicht eine kleine Korrektur: Die EU schafft mehr Freiheiten und bevormundet uns nicht.
Liebe Kolleginnen und Kollegen der Linken und Grünen, Sie versperren sich leider immer noch den Realitäten in unseren Betrieben, dem Handwerk und Unternehmen in unserem Land. Statt Nebelkerzen brauchen wir jetzt praxisnahe, moderne Lösungen und endlich flexiblere Arbeitszeitmodelle. Wir müssen den Mut haben, unseren Unternehmern wieder mehr zu vertrauen. Die moderne Arbeitswelt braucht praxisnahe Regeln mit Augenmaß statt starrer Ideologie. Und aus diesen Gründen lehnen wir beide Anträge ab.
Vielen Dank.