Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Herr Wehrbeauftragter! Verehrte Gäste auf der Ehrentribüne! Ich begegne vielen Menschen in Uniform und vielen Menschen, die Uniform getragen haben – Menschen, die tief beeindrucken, und Menschen mit Geschichten, die berühren.
Da ist der Mensch, bei dem ich während des Gesprächs merke, wie dankbar ich bin, dass er oder sie Verantwortung in der Bundeswehr übernommen hat – klarer Kompass, anpackend, mutig und immer im Dienst für die Verteidigung unserer Demokratie. Da ist der Mensch, der aus tiefer Überzeugung ukrainische Soldaten ausbildet und nur wenige Wochen später erfährt, dass viele von ihnen an der Front gefallen sind. Da ist der Mensch – groß, durchtrainiert, oft großflächig tätowiert –, dem man auf den ersten Blick nicht ansieht, dass er Dinge erlebt hat, die kein Mensch erleben sollte.
Diese Menschen waren dabei, als ihre Kameraden brutal getötet wurden; sie wurden zum Teil selbst schwer verletzt – durch Sprengfallen, durch Feuergefecht, durch plötzliche Schüsse durchs Fenster. Menschen, die auch hier in Deutschland den Krieg im Kopf täglich durchleben müssen. Menschen, die wir nicht im Stich lassen dürfen.
Ich begegne sehr vielen und sehr unterschiedlichen Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen und unterschiedlichen Motivationen. Aber sie alle haben eines gemeinsam: Sie alle waren oder sind bereit, im Ernstfall ihr Leben für unser Leben in Freiheit und Demokratie zu riskieren. Gerade in einer Zeit, in der Krieg für viele Menschen in Europa wieder brutaler Alltag ist und in der Frieden auch für uns hier nicht mehr selbstverständlich ist, verdient diese Bereitschaft, im Ernstfall das eigene Leben für andere zu riskieren, mehr denn je Sichtbarkeit, Wertschätzung, Dankbarkeit.
Wir alle wissen ja, dass es in unserem Land sehr unterschiedliche Meinungen über Wehrhaftigkeit und Pazifismus gibt. Und es ist vollkommen in Ordnung, dass es sie gibt und dass wir darüber streiten. Aber was definitiv nicht in Ordnung ist, ist, diese unterschiedlichen Meinungen auf dem Rücken der Soldatinnen und Soldaten oder mit Angriffen gegen sie auszutragen.
Wir hier im Bundestag sind die Ansprechpartner in dieser Diskussion; denn die Bundeswehr führt unsere Entscheidungen aus, die wir hier im Parlament demokratisch treffen. Auch deswegen haben wir Parlamentarier und Parlamentarierinnen eine besondere Verantwortung für unsere Soldatinnen und Soldaten.
Deutschland hat über 10 Millionen Veteraninnen und Veteranen; das sind 10 Millionen aktive und ehemalige Soldatinnen und Soldaten. Der zweite Nationale Veteranentag stellt diese Menschen und ihre Familien und Freunde in den Mittelpunkt; denn neben den Soldatinnen und Soldaten sind es auch die Familien und Freunde, die jeden Tag spüren, welchen Preis der Dienst in der Bundeswehr hat. Lassen Sie uns gemeinsam den diesjährigen Veteranentag zu einem besonderen Tag machen: ein Tag der Begegnungen, ein Tag, an dem Dankbarkeit sichtbar werden kann.
Lassen Sie mich abschließend den Gästen auf der Ehrentribüne aufrichtig danken. Nicht alle konnten der Einladung folgen; einige sind nämlich bereits bei Veranstaltungen zum Veteranentag an unterschiedlichen Orten in der Republik gebunden. Darum an alle Abwesenden und Anwesenden, zum Beispiel an Frau Generaloberstabsarzt Schilling, an Sie, Kapitän Küttler, an Sie, Oberstleutnant Krause, an Sie aus den Verbänden, die sich mit so viel Engagement dafür eingesetzt haben, dass es diesen Nationalen Veteranentag überhaupt gibt, an Sie alle auf der Ehrentribüne, stellvertretend für so viele mehr, –