Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Frau Ministerin Hubertz, Sie haben es in den letzten Wochen immer wieder gesagt: Es schmerzt Sie, beim Wohngeld zu kürzen. – Wir haben es auch heute hier ein paarmal gehört: Es fällt Ihnen schwer, diese Kürzungen durchzuziehen.
Aber für mich ist die entscheidende Frage vielmehr: Wer hat hier denn eigentlich tatsächlich Schmerzen? Ist es die Rentnerin, die sich am Ende des Monats zwischen Essen und Heizen entscheiden muss? Ist es die Alleinerziehende, die sowieso jeden Euro umdreht? Oder ist es die junge Familie, die trotz Arbeit keine bezahlbare Wohnung findet? Denn genau das sind die Menschen, die gerade von Ihren Kürzungen betroffen sind.
1 Milliarde Euro: Das klingt zunächst abstrakt; aber wir reden hier tatsächlich über beinahe die Hälfte des gesamten Wohngeldetats. Ich habe gerade der CDU/CSU und der SPD ganz genau zugehört. Niemand von Ihnen hat gesagt, wo genau Sie beim Wohngeld kürzen wollen. Sie werfen hier eine riesige Zahl in den Raum. Sie schaffen Verunsicherung. Denn 1 Milliarde Euro zu streichen, wäre in meinen Augen die größte Sozialkürzung, die diese Bundesregierung bis jetzt vorgelegt hat;
und das auch noch in Zeiten steigender Mieten und steigender Heizkosten. Das ist wirklich keine Leistung, auf die man stolz sein sollte.
Ich erinnere mich gerne an die Ampelzeit zurück, als Olaf Scholz sich mit den Worten gerühmt hat: You’ll never walk alone – wir werden niemanden alleine lassen. – Und er war zu Recht stolz auf die Wohngeldnovelle, die wir gemeinsam auf den Weg gebracht haben: mehr Geld, gezieltere Unterstützung und eine Heizkostenkomponente, damit im Winter niemand auf das Heizen verzichten muss.
Nun ist es ausgerechnet diese SPD, die die Hälfte des Etats infrage stellt. Ich finde, das ist ein fatales Signal, ein Armutszeugnis für die SPD. Sie lassen die Menschen alleine.
Es geht hier nicht um technische Fragen. Es geht hier auch nicht um eine Anpassung oder Bürokratieabbau. Das ist ein massiver Einschnitt bei einer Leistung, die 1,2 Millionen Haushalte in Deutschland beziehen. Diese ist für diese Haushalte ganz entscheidend. Ich erinnere gerne, wie die Linken, auch noch mal daran, dass die Hälfte dieser Haushalte Ein-Personen-Rentner/-innenhaushalte sind. Das sind doch Haushalte, die Ihnen als SPD am Herzen liegen sollten. Ich weiß gar nicht, warum ich das hier erzählen muss.
Wir hatten vor einigen Tagen in diesem Haus ein Treffen mit armutsbetroffenen Menschen. Wir haben über das Wohngeld gesprochen. Diese Menschen haben mir ganz konkret erzählt: Sie haben Angst vor dem, was damit passiert. – Dabei bringt das Ganze keine finanziellen Einsparungen. Es ist ein Verschieben von einem Topf in den anderen Topf, weil diese Menschen womöglich in die Grundsicherung fallen. Bei unseren Treffen vorgestern haben mir diese Menschen erzählt, dass sie sogar Angst haben, wohnungslos zu werden. Das sollte Ihnen wirklich zu denken geben!
Also: Ja, Frau Ministerin, es schmerzt. Es schmerzt, dass wieder einmal nicht an der Ursache der Wohnkostenkrise gearbeitet wird, sondern dass wieder die Menschen die Rechnung zahlen sollen, die ohnehin schon wenig haben. Es schmerzt, dass weiterhin kein Schutz vor Mietwucher und überhöhten Mieten initiiert wird. Und es schmerzt auch, dass bei einer zielgenauen Unterstützung zusammengestrichen werden soll, anstatt die Verwaltung endlich einfacher und effizienter zu machen.
Jetzt komme ich zu den Forderungen; das ist unser erster Antrag zum Wohngeld: Nehmen Sie die Kürzungen beim Wohngeld – das fordern wir gemeinsam mit den Linken – endlich zurück! Erhalten Sie die Heizkostenkomponente und auch die Dynamisierung des Wohngeldes! Vereinfachen und digitalisieren Sie die Verfahren in der Antragstellung, denn diese sind wirklich extrem kompliziert, und erhalten Sie dabei bitte die Leistungen! Und sorgen Sie endlich für weitreichende Mietenregulierung!
Wer bezahlbares Wohnen verspricht, darf nicht ausgerechnet bei den Menschen sparen, die ohnehin schon auf Unterstützung angewiesen sind. Ich finde, die Menschen in diesem Land brauchen keine weiteren Kürzungen. Sie brauchen Verlässlichkeit. Aber so, wie es aussieht, gibt es die von dieser Bundesregierung gerade nicht.
Vielen Dank.