Wertes Präsidium! Meine Damen und Herren! Seit über zehn Jahren wird am Sportfördergesetz gearbeitet – über zehn Jahre! Und was erleben wir jetzt? Am Anfang der Woche steht es weder im Ausschuss noch im Plenum auf der Tagesordnung. Dann kommt es rauf, dann geht es wieder runter, und nun ist es wieder drauf. Das ist doch nicht normal. Das ist ein Offenbarungseid Ihrer Arbeitsmoral.
Herr Mayer sprach im Ausschuss und jetzt auch wieder von einem „historischen Tag für den Spitzensport“. Historisch ist hier nur die Hektik, mit der die CDU und die SPD kurz vor der Sommerpause dieses Gesetz und noch viele andere Gesetze durch das Plenum jagen. Sie haben offensichtlich Angst – Angst, dass nach der Sommerpause, nach den Landtagswahlen und nach dem nächsten Koalitionskrach keine Mehrheit mehr steht. Also wird durchgedrückt, was jahrelang verschleppt wurde. So sieht sie aus, Ihre Demokratie: erst liegen lassen, dann überstürzen und dann sich selbst auch noch feiern.
Dabei geht es um die Zukunft des deutschen Spitzensports. Es geht um Athleten, die verzichten. Es geht um Eltern, die fahren. Es geht um Vereine, die sich aufopfern. Und es geht um Trainer; denn ohne Trainer kein Spitzensport, ohne Trainer keine Medaillen, ohne Trainer keine internationale Spitze.
Und genau hier versagt Ihr Gesetz. Deutsche Trainerkompetenz ist im Ausland gefragt. Hackl, Wolf, Cramer, Pichler: Diese Spitzensportkompetenz ist weg. Das muss Ihnen doch auffallen, meine Damen und Herren von der SPD und der CDU. Sie gehen, weil andere Länder bessere Bezahlung, längere Verträge, mehr Planungssicherheit und bessere Arbeitsbedingungen bieten. Und Sie? Sie schreiben lediglich „angemessene Vergütung“ ins Gesetz und verkaufen das als großen Wurf. Wo ist der echte Trainertarif? Wo sind die verlässlichen Vertragslaufzeiten? Wo ist die Absicherung über den olympischen Zyklus hinaus? Wo ist der stimmberechtigte Sitz der Trainer im Stiftungsrat? Alles nicht vorhanden! Trainer dürfen beraten, aber nicht entscheiden. Sie dürfen liefern, aber nicht mitbestimmen. Das ist die Arroganz Ihres Gesetzes. Diejenigen, die den Erfolg erarbeiten, bleiben außen vor.
Auch die Sachverständigen wurden angehört, aber von Ihnen offensichtlich nicht erhört. Spitzenverbände fordern Planungssicherheit, mehrjährige Förderung, klare Finanzierungsverantwortung und weniger Bürokratie. Landessportbünde fordern stärkere Einbindung von Nachwuchsleistungssport, Vereinen, Schulen und Stützpunkten. Athleten fordern Mitbestimmung. Profis wollen von Profis vertreten werden und nicht von Politikern. Und was liefern Sie? Eine überteuerte Sportagentur, neue politische Gremien, mehr Bürokratie, und das alles an der Praxis vorbei.
Dieses Gesetz ist ein Anfang, mehr nicht.
Wenn wir Verantwortung tragen, werden wir es mit denen optimieren, die Deutschland wieder zur Spitzensportnation machen wollen:
mit den Athleten, mit den Trainern, mit den Vereinen und vor allen Dingen mit den Praktikern. Spitzensport braucht keine Selbstbeweihräucherung der Koalition. Er braucht Leistung, Verlässlichkeit, Trainerkompetenz und den Mut, –