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55. Sitzung der 21. Wahlperiode

Mittwoch, 28. Januar 2026 · Berlin

156 Reden in dieser Sitzung

156Reden45.206Wörter
507Vermerke
Verlauf der SitzungBreite = Reden · Farbton = Reaktionswert
Porträt von Johann David Wadephul
Foto: Tobias Koch
4 Vermerkeca. 570 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich freue mich sehr über die Gelegenheit, mit Ihnen hier außenpolitische Themen vertiefen zu können. Das ist notwendig in einer Situation, wo wir feststellen, dass die internationale Lage weiterhin fragil ist und dass sie von Konflikten in einer Art und Weise beherrscht ist, die uns durchaus beängstigen muss.

Die Bundesregierung ist weiter darum bemüht, einen Beitrag dazu zu leisten, dass die bestehenden Bündnisse, in denen wir uns befinden, stabil sind und dass wir Verlässlichkeit für alle Bündnispartner garantieren können. Deswegen leisten wir unsere aktiven Beiträge im Rahmen der Europäischen Union und insbesondere der NATO. Ich möchte an dieser Stelle festhalten: Unsere Zukunft, hier in Frieden, Sicherheit, Freiheit und Wohlstand leben zu können, hängt entscheidend davon ab, ob wir dabei erfolgreich sind.

Die Europäische Union wird weltweit als ein vorbildliches Modell eines Verbundes mehrerer Staaten angesehen, die für Freiheit, Sicherheit und Wohlstand haben sorgen können. Deswegen ist es uns gelungen, die Verhandlungen mit den Mercosurstaaten erfolgreich zu beenden, und ich hoffe, dass der weitere Prozess positiv sein wird, trotz des Rückschlages im Europäischen Parlament. Deswegen ist es uns gelungen, mit Indien ein Freihandelsabkommen auszuhandeln, welches hoffentlich rasch ratifiziert wird. Und deswegen haben weitere Staaten der Welt ein Interesse, mit uns in den Austausch zu gelangen.

Für die Europäische Union wird es jetzt entscheidend sein, dass sie Handlungsfähigkeit erreicht. Deswegen setzt sich die Bundesregierung, wie auch schon ihre Vorgängerinnen, dafür ein, dass wir im Wege von qualifizierten Mehrheitsvoten auch in der Außen- und Sicherheitspolitik zur Entscheidungsfindung kommen. Europa muss handlungs- und entscheidungsfähig werden.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Die Attraktivität Europas zeigt sich weiter darin, dass der Wille vieler Staaten zum Beitritt zur Europäischen Union ungebrochen ist. Das gilt traditionell für die Staaten des westlichen Balkans. Sie haben verfolgt, dass ich versucht habe, all diese Staaten zu bereisen, und ich bin weiter im Rahmen des Berlin-Prozesses und aller weiteren Übereinkünfte sehr daran interessiert, dass wir als Deutschland hier eine aktive Rolle einnehmen. Wir haben diesen Staaten vor 25 Jahren – das ist ein Vierteljahrhundert her – versprochen, dass sie alle eine Chance zum Beitritt haben, und dieses Versprechen müssen wir einhalten.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Markus Töns [SPD]

Das geht einher mit der deutlichen Erwartung an diese Staaten, dass sie sich den europäischen Normen, Werten und der Systematik annähern. Das heißt, dass Korruptionsbekämpfung, Rechtsstaatlichkeit, aber auch Wettbewerbsfähigkeit ihrer Wirtschaft herzustellen sind.

Das gilt genauso für die Beitrittsperspektive der Republik Moldau und auch der Ukraine. Eine der entscheidenden Sicherheitsgarantien, die wir der Ukraine in dieser Zeit geben können und aus meiner Sicht geben müssen, ist eine realistische Perspektive zum Beitritt zur Europäischen Union. Das mag heute weit entfernt scheinen. Aber es liegt nach wie vor im Kerninteresse Deutschlands und von uns Europäern, dafür zu sorgen, dass dieses Land seinen Kampf gegen den russischen Aggressor gewinnen kann, dass es nicht unterliegt und dass der völkerrechtswidrige Angriff nicht von Erfolg gekrönt ist. Dafür setzen wir uns weiter ein.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD

Ich glaube, eine dauerhafte Friedensarchitektur in Europa setzt voraus, dass die Ukraine eine faire Chance hat, der Europäischen Union beizutreten.

Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD

Das Wort hat jetzt für den zweiten einleitenden Bericht der Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, Alois Rainer.

Porträt von Alois Rainer
Foto: Alois Rainer/ DBT Inga Haar
2 Vermerkeca. 489 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Vor knapp zwei Wochen habe ich hier am Rednerpult gestanden und eine Bitte an Sie bzw. an uns alle formuliert: Lassen Sie uns die Grüne Woche zu einem Bekenntnis zur deutschen Land- und Ernährungswirtschaft machen! – Ich kann Ihnen sagen, meine Damen und Herren: Dieses Bekenntnis hat stattgefunden – für diejenigen, die unsere Äcker, Wiesen, Wälder pflegen, die unsere Tiere im Stall und auf der Weide hervorragend versorgen, die unsere Weinberge pflegen, die uns vor allem tagtäglich mit hervorragenden Lebensmitteln versorgen.

Diese Bundesregierung, meine Damen und Herren, hat diesen Anspruch voll erfüllt. Wir haben die zehn Tage genutzt, um über die Messehallen in Berlin hinaus ein klares Signal zu setzen: Die Landwirtschaft ist die Grundlage für das Funktionieren unseres Landes. Versorgungs- und Ernährungssicherheit sind nur mit einer erfolgreichen, zukunftsfähigen und resilienten Landwirtschaft zu leisten.

Besonders gefreut habe ich mich über den Besuch des Bundeskanzlers und vieler Kabinettskollegen. Aber auch viele von Ihnen, meine Damen und Herren Kollegen des Deutschen Bundestages, haben unsere Halle auf der Messe besucht, und es wurde spürbar: Wir, die Kolleginnen und Kollegen im Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, die Bundesregierung, ich als Minister, sind bereit, für diejenigen zu arbeiten, die uns tagtäglich mit einmaligen Lebensmitteln versorgen.

Es geht darum, die richtigen politischen Schwerpunkte zu setzen, und das tun wir. Wir sind mitten in der Arbeit. Am Wochenende haben in Rom die deutsch-italienischen Regierungsgespräche stattgefunden. Auch dort wurde betont, wie wichtig bei der jetzigen globalen Sicherheitslage die Ernährungssicherheit für uns alle ist. Ebenso wurden handels- und wirtschaftspolitische Partnerschaften besprochen.

Für mich ist wichtig, dass nur ein wettbewerbsfähiger Agrar- und Ernährungssektor langfristig Perspektiven hat und unsere Ernährung sichern kann. Deshalb ist es Aufgabe des BMLEH und der Bundesregierung, diesen Sektor zu stärken. Ich danke dem Bundeskanzler, aber auch dem Außenminister, dass sie auf ihren Auslandsreisen auch auf die Agrarexportstrategie hinweisen, die wir auf den Weg gebracht haben. Bei dem Export unserer ausgezeichneten Produkte sprechen wir seit Langem wieder einmal über „Made in Germany“. Wir sollten durchaus ein Stück weit stolz sein auf die Artikel, die in unserem Land unter höchsten Qualitätsstandards hergestellt werden. Ich sehe es als meine Aufgabe, internationale Kontakte und Exportthemen in der Land- und Ernährungswirtschaft voranzubringen.

Politische Rahmenbedingungen sind das eine, tatsächliche Herausforderungen das andere. Wir geben unser Bestes dafür, dass die Hofnachfolge wieder interessant wird. Wir wollen nämlich auch junge Landwirtinnen und Landwirte in der Praxis haben. Nicht zuletzt gilt es aber auch, die Entwicklung unserer ländlichen Räume durch eine wirkungsvolle Heimatpolitik positiv zu gestalten.

Danke schön.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Wir beginnen jetzt mit dem eigentlichen Frageteil. Ich bitte, zunächst Fragen zu den beiden Berichten und zu den Geschäftsbereichen der anwesenden Bundesminister zu stellen.

Das Wort hat in der ersten Runde Frau Beatrix von Storch für die AfD-Fraktion.

Porträt von Beatrix von Storch
Foto: Vadim Derksen
ca. 161 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Herr Minister, wir hatten ja heute Morgen im Ausschuss schon das Vergnügen. Ich möchte ein Thema adressieren, das wir dort schon angesprochen haben. Wir hatten danach gefragt, ob wir für die etwa 76 Milliarden Euro, die wir an Unterstützungsleistungen für die Ukraine gezahlt haben – zuzüglich unseres Anteils an den europäischen Hilfen für die Ukraine –, im Gegenzug irgendwelche verbindlichen, festen Verträge über Kooperationen in den Bereichen Landwirtschaft oder Rohstoffe geschlossen haben, so wie andere Staaten das gemacht haben. Sie haben darauf geantwortet, dass das nicht zuvörderst das Ziel der Bundesregierung ist, sondern wir wollten der Ukraine ja helfen. Deswegen möchte ich präzisierend fragen. Man kann gleichwohl, auch wenn das nicht das erste Ziel ist, als zweites Ziel fordern, dass man für 76 Milliarden Euro irgendetwas „in return“ bekommt. Die Frage ist: Haben Sie irgendetwas verlangt und irgendetwas verbindlich gemacht, oder haben wir die Leistungen rein altruistisch hingegeben und hoffen auf bessere Zeiten danach?

Porträt von Johann David Wadephul
Foto: Tobias Koch
3 Vermerkeca. 161 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Ja, wir haben uns, Frau Kollegin, heute Morgen im Ausschuss darüber schon ausgetauscht. Und in der Tat: Wir haben eine völlig unterschiedliche Sicht auf die Motivlage, auf die Kriterien und auf das, worauf es jetzt ankommt.

Ihre utilitaristische Herangehensweise teilt die Bundesregierung nicht.

Zurufvon der CDU/CSU: Sehr gut!

Wir unterstützen die Ukraine nicht, um dort einen Deal zu machen, Frau Kollegin, sondern wir unterstützen die Ukraine, weil sie unsere Freiheit verteidigt,

Beifallbei der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

weil sie das Völkerrecht verteidigt und weil sie sich dem russischen Aggressor entgegenstellt, der durchaus auch eine Gefahr für die NATO und für uns darstellt. Darauf haben uns alle Sicherheitsinstitutionen unseres Landes mehrfach hingewiesen. Deswegen verfolgen wir ganz originäre, eigene Sicherheitsinteressen, wenn wir die Ukraine unterstützen, und das werden wir auch weiterhin genau so halten.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD
Porträt von Beatrix von Storch
Foto: Vadim Derksen
ca. 78 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Noch eine kurze Zusatzfrage, anderer Bereich. Teilen Sie das, was Herr Rutte am Montag in Brüssel geäußert hat, nämlich dass eine eigenständige Verteidigungsfähigkeit der EU ohne die Vereinigten Staaten unmöglich ist? Er hat gesagt: Träumen Sie weiter! Wir können es nicht. Viel Glück! – Und er sagte, es würden nicht 5 Prozent, sondern 10 Prozent des BIPs erforderlich sein. Wir könnten uns das schlicht nicht leisten. – Teilen Sie diese Ansicht des Generalsekretärs der NATO?

Porträt von Johann David Wadephul
Foto: Tobias Koch
1 Vermerkca. 193 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Wir haben mehrfach gesagt – auch ich habe das geäußert –, dass wir in diesem Bündnis gemeinsam die Verteidigung Europas sicherstellen, und ich möchte das bei dieser Gelegenheit gerne wiederholen und verstärken.

Europa ist glücklicherweise in der Situation, dass wir die Vereinigten Staaten von Amerika an unserer Seite haben. Sie gewähren die politische Handlungsfreiheit der europäischen Regierungen und der Länder, und sie garantieren Sicherheit und Freiheit für Europa, welche von anderen, etwa von Russland, bedroht werden. Das ist ein Aspekt, den Sie in Ihrer außenpolitischen Betrachtungsweise offensichtlich vollkommen negieren. Aber ich kann den Bürgerinnen und Bürgern hier sagen, dass unser NATO-Bündnis –

Die Redezeit ist abgelaufen.

– fester denn je ist, und daran hat die Bundesregierung aktiv gearbeitet. Wir sind dankbar für die Freiheit und die Sicherheit, die die USA gewährleisten.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Ich will direkt zu Beginn sagen, dass ich darum bitte, dass wir die Minuten auch einhalten, damit wir das hier vernünftig fertigbringen.

Für die SPD ist in der nächsten Runde der Fragesteller Markus Töns.

Porträt von Markus Töns
Foto: Markus Töns/ Benno Kraehahn
1 Vermerkca. 150 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Außenminister Wadephul, Präsident Trump will sich Grönland für die Vereinigten Staaten von Amerika einverleiben. Daran hat sich in Davos nichts geändert, auch wenn er auf Strafzölle gegenüber den Ländern verzichtet, die auf die Eigenständigkeit und das Selbstbestimmungsrecht Grönlands und Dänemarks hinweisen. Er hat auch auf militärische Gewalt verzichtet, oder zumindest hat er es ausgeschlossen. Wir wissen bei seiner Sprunghaftigkeit aber nicht, wie lange das so bleibt.

Stimmen Sie meiner Interpretation zu, dass für diese Umkehr allein die sich klar abzeichnenden negativen Auswirkungen auf die US-amerikanische Wirtschaft und auf die Finanzmärkte ein Grund sein können, und sollten wir als EU daraus nicht die Lehre ziehen, dass Appeasement-Politik, wie wir sie in der Zollpolitik des letzten Jahres gemacht haben, der falsche Weg ist? Sollte deshalb die EU-Kommission nicht die Bazooka, das Antizwangsinstrument, auch in diesem Fall einsetzen?

Was ist denn ein Antizwangsinstrument?

Porträt von Johann David Wadephul
Foto: Tobias Koch
1 Vermerkca. 156 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Also, die Vereinigten Staaten von Amerika sind unser Verbündeter. Und gegen einen Verbündeten braucht man keine Appeasement-Politik einzusetzen, sondern mit einem Verbündeten formuliert man gemeinsam politische und strategische Ziele. Dass wir nicht in allen Fragen einen kompletten Konsens haben, ist offensichtlich, und dass Europa seine eigenen Interessen verteidigen kann, haben wir, glaube ich, in den letzten zwei Wochen gezeigt.

Es ist vollkommen klar, dass die Zukunft Grönlands durch die Grönländerinnen und Grönländer und durch das Königreich Dänemark entschieden wird; da macht Europa keinerlei Kompromisse, und da steht Europa auf das Engste zusammen. Parallel beantworten wir gemeinsam im NATO-Rahmen alle Sicherheitsfragen, die sich im arktischen Raum stellen. Auf die hat die Administration in den USA hingewiesen. Ich setze voll darauf, die Bundesregierung setzt voll darauf, dass wir diese Fragen einvernehmlich werden klären können.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Markus Töns
Foto: Markus Töns/ Benno Kraehahn
ca. 61 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Zusatzfrage, Herr Minister. Grönland hat schon jetzt in den europäischen Verträgen eine Sonderrolle. Es ist deshalb de facto möglich, ohne Beitrittsverfahren durch einen Beschluss des Europäischen Rates beizutreten, wenn Dänemark den Antrag stellt und Grönland das möchte. Hat die Bundesregierung sich mit Dänemark über diese Möglichkeit in den europäischen Verträgen, Grönland näher an die Europäischen Union heranzuführen, ausgetauscht?

Porträt von Johann David Wadephul
Foto: Tobias Koch
1 Vermerkca. 161 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Das haben wir nach meiner Kenntnis konkret derzeit nicht getan, aber wir wissen, welche rechtlichen Möglichkeiten es gibt. Für uns ist entscheidend, was das Königreich Dänemark uns in allen Gesprächen gesagt hat – und der grönländische Ministerpräsident hat das gestern bestätigt –, nämlich dass zwischen den beiden klar ist, dass zunächst einmal Grönland selber entscheidet, wie es seine Zukunft sieht. Das heißt, das Selbstbestimmungsrecht der Völker ist auch dort entscheidend. Und je nachdem, wie die Grönländerinnen und Grönländer sich entscheiden, geht es weiter: Wollen sie beim Königreich Dänemark bleiben? Wollen sie noch stärker in die Europäische Union –

Bitte mit der Antwort zum Schluss kommen.

– integriert werden? Dafür werden wir sicherlich alle Türen offenhalten.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Der nächste Fragesteller in dieser Runde ist Robin Wagener für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.

Porträt von Robin Wagener
Foto: Robin Wagener/ Dominik Butzmann
1 Vermerkca. 179 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Herr Bundesminister, Putin finanziert deutlich erkennbar seinen Krieg auch über die russische Schattenflotte, mit alten, rostigen Schrotttankern, die illegal russisches Öl unter anderem durch die Ostsee schmuggeln, damit Sanktionen umgehen, zum Teil auch unter falscher Flagge. Anfang Januar hat die deutsche Küstenwache einem dieser Schiffe, der „Tavian“, die Durchfahrt durch die Gewässer untersagt. Aber immer noch fahren viele andere Schiffe ungehindert weiter durch die Ostsee und auch durch unsere Gewässer.

Was unternimmt die Bundesregierung, damit nicht nur einzelne Schiffe gestoppt werden, sondern endlich der gesamten russischen Schattenflotte das Handwerk gelegt werden kann? Welche konkreten Schritte planen Sie, um gegen Schiffe vorzugehen, die unter falscher Flagge oder nach Flaggenwechsel illegal weiterfahren?

Ich verweise darauf, dass das internationale Seerecht jetzt schon aussagt, dass Flaggenwechsel illegal sind, damit das Recht auf freie Durchfahrt erlischt. Meine Frage zielt nicht auf die aktuelle Erklärung der Ostseeanrainer, sondern meine Frage zielt auf konkrete Maßnahmen – nicht auf Papier, sondern auf Maßnahmen auf der Basis des geltenden Rechts.

Porträt von Johann David Wadephul
Foto: Tobias Koch
ca. 154 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, dass Sie diesen wichtigen Punkt angesprochen haben. – In der Tat macht uns die Schattenflotte erhebliche Sorgen. Sie steht im Zentrum aller jüngsten Sanktionspakete, die wir auf Ebene der Europäischen Union geschnürt haben. Und wir sind von Mal zu Mal dabei, das enger zu fassen. Ich würde übrigens „Papier“ an der Stelle nicht so geringschätzen, weil ein rechtliches Rahmenwerk ja genau das ist, was wir gemeinsam auch verteidigen und was unser Instrumentarium ist. Also, die Sanktionen zeitigen schon erhebliche Erfolge.

Zum Umflaggen. Da haben Sie ja kürzlich eine Aktion der USA gesehen, die tätig geworden sind und ein derartiges Schiff gekapert haben. Wir prüfen gemeinsam mit unseren europäischen Partnern derzeit noch, welche Rechtsgrundlage wir dafür haben. Wir haben bedauerlicherweise ein Seerecht, das sehr alt ist und der derzeitigen Situation nicht vollkommen gerecht wird. Deswegen glauben wir, dass wir da nacharbeiten müssen.

Porträt von Robin Wagener
Foto: Robin Wagener/ Dominik Butzmann
ca. 209 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Die Verteidigung einer Völkerrechtsordnung setzt aber auch Handlungen voraus und eben nicht nur die Papiere. – Herr Bundesminister, ich habe noch eine andere Frage in dem Kontext. 40 Prozent der Einnahmen aus der Schattenflotte fließen in die russische Kriegsfinanzierung. Über die Ostsee wird das Geld direkt in die Kriegskasse gespült, aus der die Drohnenproduktion bezahlt wird oder die Produktion ballistischer, nuklear bestückbarer Raketen, mit denen Russland die Ukraine terrorisiert und damit auch die ukrainische Verhandlungsposition verschlechtern will. Was tut die Bundesregierung, um die Verhandlungsposition der Ukraine zu verbessern? Wann liefert Deutschland der Ukraine die notwendigen Waffen, um das zu tun?

Ich erinnere daran: Der Abgeordnete Friedrich Merz hat gesagt: Wenn Russland nicht innerhalb von 24 Stunden –

Ich bitte auch Sie, zum Ende zu kommen.

Rednerwechsel

– die Terrorangriffe einstellt, –

Nein. Zum Ende kommen, bitte!

Rednerwechsel

– wird geliefert. Wann liefert Bundeskanzler Friedrich Merz?

Ich habe jetzt noch mal wirklich eine Bitte. Ich möchte nicht ständig sagen: Zum Ende kommen! – Da oben ist eine Uhr, die die Sekunden anzeigt, und ich bitte einfach nur darum, dass man sich daranhält, damit Sie möglichst viele Fragen stellen können. – Herr Minister.

Porträt von Johann David Wadephul
Foto: Tobias Koch
1 Vermerkca. 118 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Also noch mal: Wir müssen uns trotzdem an das Seerecht halten. Wir müssen uns an internationales Recht halten. Und bedauerlicherweise beschränkt es uns in den Möglichkeiten. Das gilt auch für die Sanktionsregime. Wir können Sanktionspakete in der Europäischen Union nur gemeinsam und einstimmig schnüren und verabschieden. Das gelingt nicht in der Konsequenz, die die Bundesregierung sich vorstellt. Deswegen reden wir immer mit einzelnen Mitgliedstaaten, um hier noch strikter zu werden. Die Ukraine kriegt von uns alle militärische Unterstützung, die notwendig ist.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Markus Töns [SPD]

Der nächste Fragesteller in dieser Runde ist Alexander Engelhard für die Unionsfraktion.

Porträt von Alexander Engelhard
Foto: Alexander Engelhard / Tobias Koch
ca. 60 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Frage geht an den Bundesminister Alois Rainer. Zu Beginn des Jahres wurden wir durch den Blackout in Teilen Berlins daran erinnert, wie verletzlich unsere Gesellschaft im Krisenfall ist. Im August haben Sie angekündigt, die nationale Notfallreserve massiv auszubauen.

Welche Schritte sind geplant, um im Ernährungsbereich die eigene Resilienz zu stärken?

Porträt von Alois Rainer
Foto: Alois Rainer/ DBT Inga Haar
1 Vermerkca. 172 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrter Herr Kollege Engelhard, vielen herzlichen Dank für die Frage. – Es stimmt: Ich habe das im August angesprochen, nachdem das Jahrzehnte davor kein anderer angesprochen hat. Wir wollen ein Update der nationalen Notfallreserve durch eine Erweiterung um Konserven. Dazu sind wir in Gesprächen mit konservenherstellenden Firmen, aber auch mit dem LEH. Es geht um verschiedenste Modelle, wie das am Ende des Tages dann auch durchgeführt werden kann. Entweder machen wir es so, wie es jetzt schon bei der Notfallreserve ist – diese wird in Hallen eingelagert, für die der Bund die Lagermiete bezahlt –, oder wir nutzen die Lager der Hersteller oder des Lebensmitteleinzelhandels. Ich tendiere zu Zweiterem – dazu finden schon ausführliche Gespräche statt –, was unter anderem den Hintergrund hat, dass beim LEH auch die Logistik vorhanden wäre, also die Hallen. Noch mal: Mir geht es um ein Update der bestehenden Notfallreserve durch eine Erweiterung um Konserven.

Beifallbei der CDU/CSU sowie der Abg. Dr. Franziska Kersten [SPD]
Porträt von Alexander Engelhard
Foto: Alexander Engelhard / Tobias Koch
ca. 35 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Ich hätte noch eine Nachfrage. Gibt es konkrete Pläne, wie die Reserven zu den Bürgern, an die Bevölkerung gebracht werden sollen? Welche staatlichen Stellen werden daran beteiligt sein?

Porträt von Alois Rainer
Foto: Alois Rainer/ DBT Inga Haar
1 Vermerkca. 97 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Also zum Update gibt es noch keine konkreten Pläne, wie die Reserven ausgebracht werden. Aber wir werden das ähnlich machen wie bei der bestehenden Notfallreserve, die über die Länder vor Ort – dann auch koordiniert durch die Sicherheitsbehörden – ausgebracht wird. So wird es beim neuen Update auch sein. Wie wir das am Ende des Tages verteilen, wird in das Konzept mit einfließen müssen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Und diese Fraktionsrunde beendet Cansu Özdemir für die Fraktion Die Linke.

Porträt von Cansu Özdemir
Foto: Die Linke Hamburg/ Reno Mezger
1 Vermerkca. 124 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Außenminister! Seit 20 Tagen begeht die HTS in Syrien Verbrechen an den Kurdinnen und Kurden. Die Frauenleichen kurdischer Kämpferinnen wurden geschändet, ganze Familien wurden ermordet. Wir sehen, dass Menschen vor Ort enorme Gewalt angetan wird. Wir sehen auch, dass viele Menschen gerade vertrieben werden.

Ich möchte Sie deshalb fragen: Wann werden Sie die Gewalt der HTS und der anderen islamistischen Gruppen gegen die Kurdinnen und Kurden endlich verurteilen? In diesem Zusammenhang möchte ich auch die Frage stellen, ob Sie angesichts der Gewalt die Einladung für Al-Julani – mit Krawatte und Anzug –, auch bekannt als Al-Sharaa, endlich zurückziehen und ihm eben nicht den roten Teppich in Berlin ausrollen.

Beifallbei der Linken
Porträt von Johann David Wadephul
Foto: Tobias Koch
2 Vermerkeca. 256 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Es ist eine etwas simplifizierende Ansicht, wenn Sie davon sprechen, hier würde der rote Teppich ausgerollt und wir würden nicht kritische Fragen mit dem syrischen Präsidenten besprechen wollen. Das ist jetzt nicht möglich gewesen, weil er nicht gekommen ist, weswegen wir das vertagen müssen. Aber ich hoffe, dass er kommt – die Einladung gilt fort –, weil wir mit ihm sprechen müssen, auch über kritische Themen.

Übrigens müssen wir ein Interesse daran haben, dieses Land aufzubauen, und wir haben im Übrigen auch ein Interesse daran – und Sie haben auch gesehen, dass das umgesetzt worden ist –, Gefährder in unserer Gesellschaft und Täter schwerer Straftaten auch nach Syrien abzuschieben. Das geht übrigens nur, wenn Sie mit der Zentralregierung in Syrien sprechen. Und das tut die Bundesregierung in verantwortlicher Art und Weise.

Beifallbei der CDU/CSU

Und das gilt auch für den Konflikt, um den es in Nordostsyrien weiterhin geht. Weil ich auf einer Auslandsreise war, hat sich Staatsministerin Güler in Vertretung am Montag im Quad-Rahmen abgestimmt, das heißt zusammen mit den USA, mit Großbritannien und mit Frankreich. Und dazu wurde übrigens auch ein Statement veröffentlicht, in dem Sie genau das finden, was Sie jetzt gerade eingefordert haben, –

Sie müssen mit Ihrer Antwort bitte zum Schluss kommen.

– nämlich dass ein Waffenstillstand jetzt fortgeschrieben wird und dass die Vereinbarungen, die die Parteien getroffen haben, umgesetzt werden.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Cansu Özdemir
Foto: Die Linke Hamburg/ Reno Mezger
ca. 53 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Außenminister, Sie haben meine Frage ja gar nicht beantwortet. Also, ich sehe hier eine Relativierung der Gewalt gegen Kurdinnen und Kurden, Sie sprechen von einem Konflikt. Deshalb möchte ich Sie erneut fragen: Wann werden Sie die Gewalt gegen die Kurdinnen und Kurden endlich in der Öffentlichkeit verurteilen?

Porträt von Johann David Wadephul
Foto: Tobias Koch
1 Vermerkca. 153 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich will mich über das Format nicht beklagen, aber es ist in der Kürze der Zeit einfach nicht möglich, so komplexe Dinge zu beantworten. Sie hätten das heute im Auswärtigen Ausschuss vertiefen und mit mir dort weiter besprechen können. Ich stehe Ihrer Fraktion im Übrigen auch weiter zur Verfügung.

Ich will nur eines sagen: Die Zentralregierung verfolgt richtigerweise den Anspruch, dass das Gewaltmonopol in allen Teilen Syriens durch sie ausgeübt wird und nicht durch andere. Und darüber muss eine Grundsatzeinigung auch möglich sein im Nordosten Syriens. Das unterstützt die internationale Gemeinschaft vollständig. Dass das in friedlicher Art und Weise geschehen muss, dass das ein Prozess der langsamen Eingliederung auch der SDF-Forces in die syrische Armee ist, ist klar – darauf wirken wir hin –; aber letzten Endes wird es geschehen müssen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Dirk Wiese [SPD]
Porträt von Bernd Schuhmann
Foto: Bernd Schuhmann/ Anand Anders
ca. 132 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Jawohl, genau. – Sehr geehrter Herr Minister! Sehr geehrte Präsidentin! Im Rahmen von Mercosur hat die Europäische Kommission verstärkte Einfuhrkontrollen im Bereich der Sicherheit der Lebensmittel verkündet. Zuständig dafür: die nationalen Behörden. In Deutschland ist das Sache der Länder. Aktuell werden circa 0,009 Prozent der Importmenge geprüft. Selbst eine Verdopplung davon ist nicht mehr als ein Sandkorn. Den Menschen zu erzählen, es handle sich um geprüfte Qualität, ist Verdummung.

Meine Frage: Wie wollen Sie die Qualitätsprüfungen von zusätzlich 10 000 Tonnen importierten Lebensmitteln konkret gewährleisten? Wie viele weitere Prüflabore sollen eröffnet werden? Wie viele weitere Laborarbeitsplätze werden Sie aufbauen? Und wie viel Geld stellen Sie dafür zur Verfügung? Oder ist das Prüfen nur ein weiteres gebrochenes Versprechen, wie wir es leider von der CDU/CSU mittlerweile gewohnt sind? – Danke.

Porträt von Alois Rainer
Foto: Alois Rainer/ DBT Inga Haar
ca. 152 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Kollege, ich gehe davon aus, dass die Frage an mich gerichtet war, weil es um Lebensmittel geht; dann beantworte ich diese auch sehr gerne. – Mercosur ist notwendig. Gerade in Zeiten globaler Krisen und protektionistischen Denkens brauchen wir ein Freihandelsabkommen wie Mercosur. Die Bundesregierung hat das auch dementsprechend so beschlossen. Ich war vom ersten Tag an bemüht, hier Schutzklauseln einzuführen. Diese Schutzklauseln sind nun auch auf europäischer Ebene eingeführt worden. Die dahin gehenden Kontrollen werden auch auf europäischer Ebene dementsprechend durchgeführt. Die Schutzklauseln besagen aber auch ganz klar, dass, wenn es Marktverwerfungen gibt – um Marktverwerfungen festzustellen, braucht man kein Labor; die kann man auch anderweitig feststellen –, klar, deutlich und energisch eingegriffen werden muss. Die Untersuchungen in den Laboren finden jetzt schon statt. – Jetzt ist die Redezeit vorbei; aber ich gehe davon aus, Sie werden nachfragen, was das anbelangt.

Porträt von Bernd Schuhmann
Foto: Bernd Schuhmann/ Anand Anders
ca. 79 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Selbstverständlich. – Wer sich für Mercosur starkmacht, muss auch die Verantwortung für die Folgen tragen und darf sie nicht auf die Länder abwälzen. Das Prüfversprechen der EU-Kommission ist ein Feigenblatt, um die Bürger ruhig zu halten. Die EU-Kontrollen werden nicht erhöht. Man verlässt sich auf das Wort der Südamerikaner. Sind Sie für eine Aussetzung des Mercosur-Abkommens so lange, bis eine umfassende Qualitätsprüfung garantiert ist, um die Bürger zuverlässig vor Antibiotikafleisch und Pestizidgetreide zu schützen?

Porträt von Alois Rainer
Foto: Alois Rainer/ DBT Inga Haar
3 Vermerkeca. 159 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Kollege, das war jetzt wieder eine ordentliche Angstmache, was das anbelangt.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ich kann Ihnen nur eins sagen: Ich wäre dafür, dass Mercosur vorzeitig in Kraft gesetzt wird,

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

weil wir das brauchen, weil es auch die Landwirtschaft braucht. Wir brauchen es für unsere Wirtschaft und unsere landwirtschaftlichen Produkte. Ich nenne nur ein Beispiel: Milch. Bei den Milchprodukten, bei Weinprodukten, bei den verschiedensten Produkten brauchen wir diesen Freihandel in der Landwirtschaft. Mercosur bringt für die Landwirtschaft und für die Wirtschaft insgesamt viele Vorteile mit sich. – Danke.

Beifallbei der CDU/CSU

Es gibt jetzt noch eine Nachfrage seitens der AfD-Fraktion – Herr Brandner hat sich gemeldet –, und dann würden wir zum nächsten Thema kommen.

Porträt von Stephan Brandner
Foto: Stephan Brandner/Vadim Derksen
1 Vermerkca. 124 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Danke schön. – Das passt sehr gut. Die AfD hat nach intensiver Debatte auch in der Fraktion inhaltlich das Mercosur-Abkommen abgelehnt, aber nicht, weil wir gegen Freihandel sind; im Gegenteil.

Weil Sie gegen Europa sind!

Weitere Zurufe von der CDU/CSU

Wir hätten einfach besser verhandelt, und dann wäre es auch in Ordnung gegangen. Aber das Ergebnis konnten wir nur ablehnen, insbesondere mit Blick auf die Landwirte und Bauern in Deutschland, die ja auch erkannt haben, dass dieses Abkommen alles andere als positiv für sie ist. Deshalb lautet meine Frage, Herr Minister, ganz kurz und knapp: Welche drei Vorteile für die deutsche Landwirtschaft hätte das Mercosur-Abkommen, wenn es so in Kraft tritt, wie es jetzt vorliegt?

Porträt von Alois Rainer
Foto: Alois Rainer/ DBT Inga Haar
1 Vermerkca. 145 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Kollege Brandner, einen Vorteil – ich habe es gerade angesprochen – gibt es im Milchsektor. Wir haben eine Milchüberproduktion. Die Südamerikaner wollen bei uns gerade im Bereich Milchtrockenpulver ordentlich einkaufen. Wir werden Vorteile haben, was den Weinsektor anbelangt. Wir werden auch Vorteile haben, was den Fleischsektor anbelangt. Es gibt also ein Hin und Her.

Einen weiteren Vorteil gibt es gerade bei den Eiweißpflanzen. Wir haben ein ordentliches Minus, was Eiweißpflanzen anbelangt, und wenn wir Mercosur nicht zustimmen, dann gehen die Eiweißpflanzen aus den Mercosurstaaten in den asiatischen Raum, und für uns werden die teurer. Das kann ich nicht verantworten.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Es gibt jetzt noch eine Nachfrage – die hatte ich übersehen – seitens der Fraktion Die Linke: Marcel Bauer. Dann kommen wir zum nächsten Punkt.

Porträt von Marcel Bauer
Foto: Marcel Bauer/ Fotostudio Studioline Ettlinger Tor
ca. 53 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Herr Minister, Sie haben gerade davon gesprochen, dass der Handel von Mercosur profitieren wird. Es ist ja vor allem so, dass der Pestizidhandel, dass der Giftexport nach Südamerika zunehmen wird. Wie rechtfertigen Sie, dass Giftstoffe, die hierzulande verboten sind, dann in Südamerika ausgebracht werden?

Porträt von Alois Rainer
Foto: Alois Rainer/ DBT Inga Haar
3 Vermerkeca. 123 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Ich finde es ganz spannend, Herr Kollege, dass vor allem links außen und rechts außen bei Mercosur zusammenarbeiten.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Dirk Wiese [SPD]

Das sagt eigentlich schon alles.

Jetzt muss man mal eins klarstellen: Es sind Pflanzenschutzmittel, keine Giftstoffe.

Beifallbei der CDU/CSU

Pflanzenschutzmittel werden benötigt, um Pflanzen zu schützen. Pflanzenschutzmittel werden benötigt, um Lebensmittel zu schützen. Und Sie sagen: Gifte! – Da sind Sie auf dem völlig falschen Dampfer unterwegs, Herr Kollege.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Markus Töns [SPD]

Dann kommen wir zur nächsten Fraktion und zum nächsten Fragenkomplex. Für die SPD-Fraktion hat Franziska Kersten das Wort.

Porträt von Franziska Kersten
Foto: SPD Sachsen-Anhalt
ca. 55 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Frage richtet sich an Herrn Rainer. Sie haben ja gerade von der Grünen Woche gesprochen. Wir müssen eine regionale Wertschöpfung als Schlüssel für eine erfolgreiche Landwirtschaft und wirklich lebenswerte ländliche Räume betrachten. Mit welchen Programmen unterstützt das BMLEH die Unterstützung und den Ausbau regionaler Wertschöpfungsketten?

Porträt von Alois Rainer
Foto: Alois Rainer/ DBT Inga Haar
1 Vermerkca. 136 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Kollegin, vielen herzlichen Dank. – Regional erzeugte Lebensmittel sind unglaublich wichtig. Regional erzeugte Lebensmittel zu stärken, ist mit ein Hauptthema gerade des BMLEH. Wir unterstützen die regionale Wertschöpfung schon seit Jahren mit der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“, hier vor allem mit der Förderung von Modell- und Demonstrationsvorhaben, um auch in Schulen reinzukommen. Wir unterstützen mit dem Bundesprogramm Ländliche Entwicklung und Regionale Wertschöpfung, BULEplus, die regionale Wertschöpfung. Vor allem bei den Biowertschöpfungsketten haben wir mit dem Bundesprogramm Ökologischer Landbau ein hervorragendes Werkzeug. Übrigens konnte ich drei ganz tolle Betriebe bei der Grünen Woche auszeichnen, die exemplarisch gezeigt haben, wie gut der Bio- und Ökoanbau in Deutschland schon funktioniert.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Franziska Kersten
Foto: SPD Sachsen-Anhalt
ca. 48 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich hätte noch eine Nachfrage. Eine weitere Stütze für den ökonomischen Erfolg ist der Export. Sie haben vor Kurzem eine Agrarexportstrategie verabschiedet. Wie kann diese Strategie zum Erfolg für unsere Landwirtschaft werden, ohne den fairen Handel mit Landwirten aus anderen Weltregionen zu gefährden?

Porträt von Alois Rainer
Foto: Alois Rainer/ DBT Inga Haar
1 Vermerkca. 128 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank für die Nachfrage, Frau Kollegin. – Für mich ist es wichtig, in allen Gesprächen mit Partnern aus anderen Ländern auf Augenhöhe zu kommunizieren. Ich will nicht, dass nur Deutschland den Vorteil hat. Genauso will ich aber auch nicht, dass nur unser Partner den Vorteil hat. Ich habe mitbekommen, dass alle Gespräche auf Augenhöhe stattfinden und jeder gerne sieht, dass man miteinander redet. Ich sagte das vorhin schon: Ich will niemanden übervorteilen, auch niemanden benachteiligen. So sind wir mit guten Gesprächen unterwegs.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Es gibt zwei Nachfragewünsche, zum einen von Frau Dr. Ophelia Nick, zum anderen von Herrn Bauer. Wir beginnen mit Frau Dr. Nick.

Porträt von Ophelia Nick
Foto: Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen/Stefan Kaminski
1 Vermerkca. 103 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrter Bundesminister Rainer, regionale Wertschöpfung ist Ihnen wichtig. Das betonen Sie, und das unterstützen wir. Es reicht aber nicht, das zu betonen; man muss auch handeln. Wie können Sie erklären, dass Sie kürzen? Zum einen füllen Sie die GAK-Gelder für den ländlichen Raum mit Mitteln aus dem Bundesprogramm Umbau der Tierhaltung auf. Das heißt, beides steht in Konkurrenz. Zum anderen wird auch bei dem Bio-Programm BÖL gekürzt. Das heißt, Sie kürzen an vielen Stellen. Wie wollen Sie so die regionale Landwirtschaft weiter unterstützen?

Porträt von Alois Rainer
Foto: Alois Rainer/ DBT Inga Haar
ca. 99 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Kollegin. – In Anbetracht dessen, dass ich nur 30 Sekunden Zeit habe, begrenze ich mich auf BÖL. BÖL ist durch den Bundestag als Haushaltsgesetzgeber wieder auf die vorherige Summe aufgestockt worden. Wenn ich es richtig im Kopf habe, wurden die Mittel um 12,5 Millionen Euro erhöht. Wir haben drei Programme zu einem zusammengefasst, damit man sich hier unterstützen kann. Auf der anderen Seite sind beim BÖL gerade die Forschungsprogramme notwendig, und hier fehlen die Verpflichtungsermächtigungen für die kommenden Jahre.

Herr Bauer, bitte.

Porträt von Marcel Bauer
Foto: Marcel Bauer/ Fotostudio Studioline Ettlinger Tor
ca. 52 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Minister, zur regionalen Wertschöpfung gehören auch die inländischen Milchbetriebe. Sie wissen, der Milchpreis liegt mittlerweile weit unter 40 Cent. Das ist für die Mehrzahl der Betriebe nicht mehr kostendeckend. Wann wird die Bundesregierung endlich tätig werden und die inländischen Milchbetriebe unterstützen bzw. in den Preisbildungsmechanismus eingreifen?

Porträt von Alois Rainer
Foto: Alois Rainer/ DBT Inga Haar
1 Vermerkca. 92 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Kollege, es ist richtig: Ein Milchpreis unter 40 Cent ist für den weit überwiegenden Teil der Betriebe nicht kostendeckend; selbst bei knapp über 40 Cent ist es schwierig. Ich sage Ihnen aber zugleich ganz klar: Wir werden nicht in das Marktgeschehen eingreifen können. Das macht diese Bundesregierung nicht.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Markus Töns [SPD]

Dann kommen wir jetzt zum nächsten Fragenkomplex. Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen ist Karl Bär angemeldet.

Porträt von Karl Bär
Foto: Karl Bär/ Elias Keilhauer
1 Vermerkca. 195 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Herr Minister Rainer, ich habe eine Frage zum Düngerecht. Das Düngerecht ist durch mehrere Gerichtsurteile ziemlich in Trümmer gelegt worden. Wir müssen es auf der einen Seite strenger machen. Es fehlt uns ein Nitrat-Aktionsprogramm. Es fehlt – das wird klar, wenn man sich das Urteil zur Ems-Region anschaut – auch bei den Bewirtschaftungsplänen für die Wasserkörper eine Methode, wie wir an den Nitratmessstellen zu einer tatsächlichen Senkung der Werte kommen. Auf der anderen Seite ist die Ausweisung der Roten Gebiete in der AVV nicht bestimmt genug geregelt gewesen.

Ich sehe, wenn ich mich draußen auf dem Land umschaue, viele Landwirtinnen und Landwirte, die, glaube ich, jetzt gerade nicht sicher wissen, wie sie mit der Düngung weitermachen sollen. Es hört dann bald der Winter auf, und dann geht es wieder los. Was tun Sie, damit die Landwirte an der Stelle Planungssicherheit bekommen und sie, wenn es wieder losgeht, ganz konkret wissen, was sie tun müssen, um die Regeln einzuhalten, um das Grundwasser sauber zu halten und um ihre Pflanzen düngen zu können?

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken
Porträt von Alois Rainer
Foto: Alois Rainer/ DBT Inga Haar
1 Vermerkca. 184 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank für die Frage. – Dies ist ein Thema, das die Landwirtschaft jetzt natürlich extrem polarisiert; keine Frage. Wir haben diese Woche die schriftliche Urteilsbegründung zum letzten Urteil bezüglich der Roten Gebiete erhalten. Deshalb bitte ich um Verständnis, dass ich die Blaupause jetzt noch nicht in der Hand habe. Wir unterhalten uns aber schon seit Wochen auf Länderebene, wie wir dieses Problem angehen. Was ich aber den bäuerlichen Betrieben sagen kann – Rechtsunsicherheit haben wir ja nicht; wir haben immer noch ein Düngegesetz –: Wenn Sie so weiter düngen, wie Sie im letzten Jahr auf den Roten Gebieten gedüngt haben, dann sind Sie auf alle Fälle auf der sicheren Seite.

Wir können jetzt auf die Schnelle noch keine rechtssicheren Methoden präsentieren. Für mich ist aber wichtig, dass man die Düngeverordnung zusammen mit der Praxis – das bedeutet: mit den Wasserversorgern und der Landwirtschaft – ausführlich diskutiert und sich die Zeit nimmt, um ein praktikables und bürokratiearmes System neu auf die Beine zu stellen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Jens Behrens [SPD]
Porträt von Karl Bär
Foto: Karl Bär/ Elias Keilhauer
ca. 102 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Dazu habe ich eine Nachfrage. Wenn Sie Rechtssicherheit und Planungssicherheit herstellen wollen, dann müssen Sie am Ende ein Düngegesetz und eine Düngeverordnung samt allem, was da dranhängt, haben, die tatsächlich das Grundwasser schützen, nicht nur, weil wir EU-Recht einhalten müssen, sondern auch, weil wir das Wasser sauber halten wollen. Dafür ist es notwendig, dass diejenigen, die auf ihren Betrieben dauerhaft deutliche Nährstoffüberschüsse haben, auch in die Verantwortung genommen werden. Was tun Sie dafür, dass am Ende eine Regelung rauskommt, bei der die sich einschränken müssen, die tatsächlich schuld sind, und nicht alle?

Porträt von Alois Rainer
Foto: Alois Rainer/ DBT Inga Haar
ca. 111 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Wir wollen, Herr Kollege, die umgekehrte Lösung: Wir wollen diejenigen belohnen, die gewässerschonend arbeiten; das ist ein grundsätzlich anderer Ansatz. Deshalb brauchen wir aber jetzt eine Ermächtigung, um das Wirkungs-Monitoring in Kraft setzen zu können. Also: Die Ermächtigung zur Stoffstrombilanzverordnung muss weg, und wir brauchen eine Ermächtigung zum Monitoring, damit wir die Daten erheben können. Über dieses Thema müssen wir natürlich auch in der Europäischen Union ins Gespräch kommen; und dafür brauchen wir Daten.

Es gibt noch zwei Nachfragen von den gleichen Fragestellern wie gerade eben: zuerst von Frau Dr. Nick und dann von Herrn Bauer.

Porträt von Ophelia Nick
Foto: Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen/Stefan Kaminski
1 Vermerkca. 102 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrter Bundesminister, Planungssicherheit – auch das sagen Sie immer – ist sehr wichtig. Sie ist im landwirtschaftlichen Bereich ja auch wichtig; denn man arbeitet mit den Jahreszeiten. Wenn Sie zum Beispiel Tiere haben, müssen Sie sich eben darauf vorbereiten. Wie können Sie erklären, dass das Bundesprogramm Umbau der Tierhaltung von Ihnen über Nacht abgeschafft wurde und Landwirtinnen und Landwirte, die gerne umgebaut und mehr tierwohlgerechte Ställe gebaut hätten, das jetzt nicht mehr tun können?

Das hat aber nichts mit der Düngeverordnung zu tun!

Porträt von Alois Rainer
Foto: Alois Rainer/ DBT Inga Haar
2 Vermerkeca. 115 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Liebe Frau Kollegin Dr. Nick, ich habe es schon so oft erklärt, und aufgrund der Zeit kann ich es jetzt auch nicht in Gänze erklären.

Ich kann Ihnen aber eins sagen: Es war von Ihnen einfach falsch zugeknöpft; das ist der Punkt. Wenn schon im ersten Jahr knapp 150 Millionen Euro ans Finanzministerium zurückgehen und nur 10 Millionen Euro abfließen und im zweiten Jahr noch einmal 150 Millionen Euro an das Finanzministerium zurückgehen, dann fehlen hintenraus 300 Millionen Euro. Tut mir leid; das war einfach falsch zugeknöpft.

Beifallbei der CDU/CSU

Herr Bauer.

Porträt von Marcel Bauer
Foto: Marcel Bauer/ Fotostudio Studioline Ettlinger Tor
1 Vermerkca. 83 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Minister, es geht nicht nur um nitratbelastetes Grundwasser, sondern eben auch um Pestizide im Grundwasser; vorhin haben Sie gesagt, die wären kein Problem. Aber es gibt klare Grenzwerte für Pflanzengifte im Grundwasser. Wie erklären Sie eigentlich den 37 000 Biobauern in Deutschland, dass Sie mit den unbefristeten Pestizidzulassungen im Omnibus-Paket auf EU-Ebene ihre Existenzgrundlage dem Profit der Chemielobby opfern?

Beifallbei der Linken

Das hat auch nichts mit der Düngeverordnung zu tun!

Porträt von Alois Rainer
Foto: Alois Rainer/ DBT Inga Haar
1 Vermerkca. 95 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrter Herr Kollege, ich sehe das anders als Sie. Wir belasten mit der Zulassung auf europäischer Ebene nicht die ökologische Landwirtschaft. Übrigens gehen wir mit manchen Vorschlägen der Kommission durchaus kritisch um, und wir werden uns natürlich auch das kritisch anschauen. Ich will keinen landwirtschaftlichen Bereich, der negativ belastet ist, und das gilt für den Biobereich genauso wie für den konventionellen Bereich.

Beifallbei der CDU/CSU

Dann kommen wir zum nächsten Fragenkomplex und zur Unionsfraktion. Fragesteller ist Tilman Kuban.

Porträt von Tilman Kuban
Foto: Tilman Kuban/ Steffen Böttcher
ca. 87 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Herr Bundesaußenminister, wir haben leider in der letzten Woche erlebt, dass das Europäische Parlament sich mit Mehrheit entschieden hat, zur Überprüfung des Mercosur-Abkommens den EuGH anzurufen. Aus unserer Sicht ist dies ein fatales Signal gegen den Freihandel, welches leider auch von deutschen Abgeordneten von ganz rechts außen, ganz links außen und von den Grünen unterstützt wurde. Unsere Frage geht dahin: Wird sich die Bundesregierung dafür einsetzen, dass die EU-Kommission das Mercosur-Abkommen vorläufig zur Anwendung bringt?

Porträt von Johann David Wadephul
Foto: Tobias Koch
1 Vermerkca. 150 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ja, Herr Kollege Kuban, das werden wir machen. Die EU-Kommission hat freundlicherweise und richtigerweise ihre Bereitschaft erklärt, das so schnell wie möglich zu machen. Voraussetzung ist dafür, dass ein erster Staat aus Lateinamerika das Ratifikationsverfahren positiv durchläuft. Wir haben jetzt eine schwierige Phase vor uns, in der wir die Staaten Lateinamerikas überzeugen müssen, das Abkommen nicht zu verlassen und das Vertrauen in Europa nicht zu verlieren. Deswegen ist das eine schwere strategische Fehlentscheidung im Europäischen Parlament gewesen.

Für Europa ist es von entscheidender Bedeutung, dass wir uns als geostrategisch handlungsfähig erweisen und dass wir uns neue Märkte erschließen. Das gilt bezüglich kritischer Rohstoffe; aber auch Absatzmärkte sind von entscheidender Bedeutung. Wir müssen als Europäer in dieser Situation diversifizieren, und dafür ist das Mercosur-Abkommen eine entscheidende Voraussetzung.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Tilman Kuban
Foto: Tilman Kuban/ Steffen Böttcher
ca. 69 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Herr Minister, Sie haben die Verlässlichkeit und das fatale Signal angesprochen. Ich möchte deswegen noch mal die Nachfrage stellen, welche möglichen Auswirkungen auf andere internationale Handelspartner, auf andere internationale Abkommen Sie sehen. Gibt es da schon Erkenntnisse, oder ist es ersichtlich, dass andere Abkommen ins Stocken geraten könnten, weil das Europäische Parlament an der Stelle dieses fatale Signal ausgesandt hat?

Porträt von Johann David Wadephul
Foto: Tobias Koch
1 Vermerkca. 138 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Zunächst einmal: In der Tat müssen wir befürchten, dass das Mercosur-Abkommen infrage gestellt wird. Die ersten Reaktionen, die wir aus Lateinamerika erhalten, waren besorgniserregend. Ich werde deshalb Anfang März nach Lateinamerika reisen und noch einmal versichern, wie wichtig uns der Erfolg dieses Abkommens ist. Denn – noch mal – Europa steht unter erheblichem Wettbewerbsdruck. Dieser geht von China aus; aber wir sehen natürlich auch die amerikanischen Zolldrohungen, die es in der Vergangenheit gab, mit großer Sorge, und das macht es notwendig, dass wir diversifizieren. Ich hoffe, dass wir das Abkommen retten können. Es wäre ein wichtiges Zeichen auch in Richtung anderer Staaten.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD

Danke schön!

Wir haben jetzt mehrere Nachfragen. – Für die Unionsfraktion Peter Beyer.

Porträt von Peter Beyer
Foto: Peter Beyer/ Lars Weiss
ca. 112 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herzlichen Dank, Frau Präsidentin. – Eine Frage auch in Bezug auf Mercosur an den Bundesaußenminister: Sie haben schon ein bisschen zu der geopolitischen und insbesondere der geostrategischen Bedeutung erzählt; aber vielleicht können Sie das noch ein bisschen konkreter ausführen. Das EU-Mercosur-Abkommen, das hoffentlich tatsächlich zum Leben erweckt und angewendet wird, kann positive Signale und Wirkungen entfalten, auch für unsere Märkte und Landwirte in Deutschland und Europa. Wie bewertet die Bundesregierung, wie bewertet Ihr Haus die geopolitische Bedeutung für die Handlungsfähigkeit Deutschlands und Europas und für die wirtschaftliche Resilienz? Und vielleicht auch die Frage noch eingeschlossen: Welche Allianzen ähnlicher Art strebt die Bundesregierung in Zukunft noch an?

Porträt von Johann David Wadephul
Foto: Tobias Koch
1 Vermerkca. 136 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Zunächst einmal möchte ich mich beim Kollegen Rainer sehr herzlich bedanken für seine Einlassungen hier zur Bedeutung für die Landwirtschaft. Aber man muss das erweitern: Es ist von Bedeutung für die gesamte deutsche Wirtschaft, für die europäische Wirtschaft, für unsere Industrie.

Mit Mercosur erhalten wir Zugänge zu den Märkten Lateinamerikas in einer Art und Weise, wie es bisher nicht möglich ist. Es werden Handelshemmnisse abgebaut, die konkret die Wachstumschancen und Expansionschancen deutscher und europäischer Industrieunternehmen entscheidend verbessern werden. Wir brauchen diesen Fortschritt jetzt. Wir brauchen ihn auch als Ermutigung in andere Richtungen: in Richtung Afrika und in Richtung Asien.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Dann gibt es noch eine Nachfrage aus der Fraktion Die Linke.

Porträt von Desiree Becker
Foto: Desiree Becker/ Maurice Jelinski
1 Vermerkca. 126 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ja, danke, Frau Präsidentin. – Sehr geehrter Herr Außenminister, ich bin doch ein bisschen verwundert; denn es war ein demokratischer Prozess in einem demokratischen Parlament, und es geht da um eine rechtliche Prüfung vor einem Gericht. Ihre Fraktion beruft sich doch so gerne auf rechtliche Vorgänge. Deshalb meine Frage: Warum stehen Sie dem so entgegen und sagen auch hier, dass Sie das gerne unterwandern wollen würden?

Ich habe noch sieben Sekunden, und ich erinnere gerne an das EU-Lieferkettengesetz, bei dem Ihre Fraktion im Europaparlament 30 Änderungsanträge gemeinsam mit der extremen Rechten gestellt hat. Das ist im Übrigen Zusammenarbeit!

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ein bisschen Demut wäre für Sie angebracht!

Porträt von Johann David Wadephul
Foto: Tobias Koch
4 Vermerkeca. 240 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Kollegin, wenn Sie richtig zugehört hätten, hätten Sie gemerkt, dass ich nicht das Demokratieprinzip oder das demokratische Abstimmungsverhalten infrage gestellt habe, sondern das Ergebnis.

Man tritt Demokratie mit Füßen, wie es einem passt!

Und das Ergebnis ist mehr als bedenklich. Wir haben seit 26 Jahren Verhandlungen über dieses Abkommen, und wer jetzt noch nicht weiß, ob dieses Abkommen richtig oder falsch ist,

Es ist falsch! Es ist einfach falsch!

der hat Geoökonomie nicht verstanden, meine sehr verehrten Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Man tritt demokratische Abstimmungen mit Füßen! Jawoll!

– Nein, Sie können so abstimmen. Ich nehme mir bloß die Freiheit, zu sagen: Das ist falsch, und es ist zum Schaden des Wohlstandes in Europa. Wenn das für Sie keine Rolle spielt, dann nehme ich das zur Kenntnis. Für uns ist es wichtig.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Ja, Demokratie spielt keine Rolle mehr! Das wissen wir schon!

Wir befinden uns in einer Fragerunde und nicht in einer Diskussionsrunde; es nennt sich auch Fragerunde und nicht Schreirunde. Noch leite ich die Sitzung.

Wir haben jetzt noch zwei Fragesteller. Einmal habe ich mir Frau Düring, Bündnis 90/Die Grünen, notiert und dann Herrn Winkler für die Union. Erst Frau Düring und dann Herr Winkler.

Porträt von Deborah Düring
Foto: Deborah Düring/ Ivo Hofsté
2 Vermerkeca. 124 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrter Herr Minister, Sie haben gerade lange ausgeführt, dass Ihnen die Zusammenarbeit mit Lateinamerika sehr wichtig ist. Ich kann mich dem nur anschließen: Die Zusammenarbeit mit Lateinamerika ist enorm relevant. – Es geht dabei aber nicht nur um Handel. Deswegen zwei Fragen.

Erste Frage. Der Kanzler ist nicht zum EU-LAC-Gipfel gefahren. Wenn Ihnen die Zusammenarbeit mit Lateinamerika so wichtig ist: Warum haben Sie das nicht gemacht?

Beifallder Abg. Sara Nanni [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Und die zweite Frage. Wenn für Sie das Ansehen in Lateinamerika so relevant ist, dann warte immer noch auf Ihr klares Bekenntnis zum völkerrechtswidrigen Angriff auf Venezuela. Wo bleiben Ihre klaren Worte?

Porträt von Johann David Wadephul
Foto: Tobias Koch
2 Vermerkeca. 158 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Erstens haben wir uns zu dieser Frage schon geäußert und hätten derartige Maßnahmen natürlich auch nicht angewandt. Aber wenn das Ihr einziger Kommentar ist zu dem menschenverachtenden Regime, das Herr Maduro über Venezuela ausgeübt hat, dann, muss ich sagen, teile ich diese Auffassung nicht.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Oh! Da haben Sie unsere Statements nicht gelesen!

Wir sind daran interessiert, dass es jetzt einen demokratischen Prozess in Venezuela gibt. Wir unterstützen den, und Sie werden die Bundesregierung da auch vollkommen an Ihrer Seite finden.

Und zweitens darf ich in aller Bescheidenheit darauf hinweisen, dass an einem vorherigen Gipfel zwischen der Europäischen Union und den CELAC-Staaten in Kolumbien ich selber für die Bundesregierung teilgenommen habe. Wir sind also auf dem Kontinent sehr aktiv.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Den Schluss macht Herr Winkler.

Porträt von Tobias Winkler
Foto: Klaus Gruber / www.dolphinphotography.de/Klaus Gruber
ca. 89 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Herr Bundesminister, wir haben jetzt ein Freihandelsabkommen mit Indien in Aussicht. Sie reisen demnächst nach Ostasien, auch nach Singapur. Auch da sind Freihandelsabkommen in Aussicht. Meine konkrete Frage an Sie: Wie wichtig ist ein Freihandelsabkommen mit dieser Region, in dieser Region, gerade auch für die deutsche Wirtschaft und für die europäische Wettbewerbsfähigkeit? Und vielleicht können Sie anhand dieser Beispiele auch noch mal erläutern, welche Vorteile wir überhaupt aus Freihandelsabkommen ziehen, was hier im Haus offensichtlich nicht von allen geteilt wird.

Porträt von Johann David Wadephul
Foto: Tobias Koch
2 Vermerkeca. 193 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Wir müssen sehen, dass die deutsche Wirtschaft nach wie vor natürlich eine Exportwirtschaft ist. Wir sind ganz klassisch so aufgestellt. Und wenn wir bessere Marktzugänge in andere Regionen haben, wenn wir Standards abgeglichen haben, dann spart das einfach Kosten für die Unternehmen und dann sorgt das einfach dafür, dass bisher bestehende Wettbewerbsnachteile abgebaut werden. Daran arbeiten wir – die Bundeswirtschaftsministerin und auch ich mit meinem Hause – weiter sehr konzentriert.

Ich fliege in der Tat jetzt nach Singapur, und ich weiß mit dem singapurischen Kollegen einen Kollegen an meiner Seite, der dafür ist, dass der gesamte ASEAN-Verbund mit der Europäischen Union derartige Handelsabkommen schließt. Es gibt also Visionäre auf dieser Welt, die mit Europa zusammenarbeiten wollen. Wenn wir diese ausgestreckten Hände ausschlagen würden, dann machten wir einen schweren Fehler für die Zukunft. Ich bin dafür, die Chancen zu ergreifen.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD

Dann hat sich Herr Schattner noch gemeldet. – Lieber Herr Wadephul, ich habe gedacht, wir geben auch Herrn Schattner jetzt noch die Chance, eine Nachfrage zu stellen.

Das ist sehr nett! Vielen Dank!

Porträt von Bernd Schattner
Foto: Bernd Schattner
1 Vermerkca. 142 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank, Frau Vorsitzende, dass Sie die Frage zulassen. – Herr Wadephul, der Kollege hat ja gerade das Handelsabkommen mit Indien angesprochen. Wir müssen, glaube ich, noch mal klarstellen: Wir sind vonseiten der AfD nicht grundsätzlich gegen Freihandel.

Zurufvon der CDU/CSU: Aha!

Es geht bei Mercosur aber ja gerade darum, dass unsere Landwirtschaft überproportional beschädigt würde und dass die deutsche Landwirtschaft massiv unter dem Mercosur-Abkommen leiden würde. Wenn wir uns das indische Handelsabkommen anschauen, das wir durchaus befürworten, sehen wir, dass da explizit die Landwirtschaft ausgenommen ist.

Wir verhandeln jetzt über 25 Jahre das Mercosur-Abkommen. Wäre es als Bundesregierung dann nicht konsequent, zu sagen – gerade weil das Thema Landwirtschaft in Europa bis hinein in die deutsche Bauernschaft so kontrovers diskutiert wird –: „Mercosur ja, aber nur mit Schutz der Bauern und Aussparung der landwirtschaftlichen Themen“? – Vielen Dank.

Porträt von Johann David Wadephul
Foto: Tobias Koch
1 Vermerkca. 152 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Kollege, es ist schlicht und ergreifend illusionär, nach einem Vierteljahrhundert Verhandlungen als Einzelstaat anzukommen und zu sagen: Wir nehmen jetzt doch noch eine Sektion vollkommen aus dem Verhandlungspaket wieder heraus. – Damit wären die Verhandlungen de facto gescheitert, und ich finde, dieses Abkommen darf nach so vielen Jahren nicht an Deutschland scheitern. Das ist das Erste.

Zweitens. Es sind viele Sicherungen eingebaut worden für die europäische Landwirtschaft.

Drittens. Der Kollege Rainer hat gesagt, dass es große Vorteile für die Landwirtschaft in Deutschland hat.

Und viertens. Es hat insgesamt für die deutsche Wirtschaft große Vorteile. Das heißt, Deutschland und seine Bürgerinnen und Bürger werden von diesem Abkommen profitieren; und deshalb ist es gut und richtig.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Dann kommen wir jetzt zum nächsten Fragekomplex. Es fragt für die Fraktion Die Linke Ina Latendorf.

Porträt von Ina Latendorf
Foto: Ina Latendorf/ Olaf Köstritz
ca. 163 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Meine Frage geht an den Minister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat. Herr Minister, Ernährungsarmut hat viele Gesichter; wir wissen es. Da ist die Alleinerziehende, die an der Supermarktkasse oft feststellen muss, dass sie sich kaum noch gesunde Lebensmittel für sich und ihre Kinder leisten kann. Oder da wären die Rentner, die ihr Leben lang geschuftet haben, aber jetzt überlegen müssen, ob es noch für drei vollwertige Mahlzeiten am Tag reicht. Oder: Die Kinder sitzen mit knurrendem Magen in der Schule.

In den letzten fünf Jahren sind die Preise für Lebensmittel um circa 30 Prozent gestiegen. Gesundes Essen wird zum Luxusgut. Die gesundheitlichen Auswirkungen beispielsweise bei Kindern sind katastrophal: Mangelernährung, Ernährungsarmut, Adipositas. Die Höhe der ernährungsbedingten Folgekosten im Gesundheitsbereich liegt bei circa 80 Milliarden Euro.

Welche Maßnahmen zum Schutz der Menschen vor teuren Lebensmitteln und weiterer Verteuerung oder zur Beendigung der Ernährungsarmut werden Sie bzw. Ihr Ministerium ergreifen? Welche Präventionsmaßnahmen können wir von Ihnen erwarten?

Porträt von Alois Rainer
Foto: Alois Rainer/ DBT Inga Haar
1 Vermerkca. 197 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrte Frau Kollegin, vielen Dank für die Frage. – Ich habe vorhin auf die Frage Ihres Kollegen, ob wir in den Markt eingreifen, schon geantwortet: In den Markt eingreifen können wir nicht; das werden wir auch nicht tun. Was wir aber tun können: Wir können versuchen, auf der Produktionsseite die Kosten zu senken. – Im Bereich der Landwirtschaft haben wir schon Kosten gesenkt, nämlich mit der Agrardieselsteuerrückerstattung. Wir wollen Bürokratie weiter abbauen. Und was im Bereich der Land- und Forstwirtschaft nicht zu vergessen ist, sind die Ermäßigungen bei der Stromsteuer.

Also: Auf der einen Seite wollen wir schauen, dass wir Kosten senken, auf der anderen Seite haben wir, wenn es ums Schulessen geht, jetzt schon die Möglichkeit, dafür zu sorgen, dass alle Kinder, die sich das nicht leisten können, also alle Kinder mit Anspruch auf Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket, ein Essen erhalten. Das steht auch im Koalitionsvertrag. Das Nächste ist: Das soll gesichert werden. Und da prüfen wir gerade die gesetzlichen Möglichkeiten, wie wir das am Ende des Tages dann auch sichern können.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD
Porträt von Ina Latendorf
Foto: Ina Latendorf/ Olaf Köstritz
1 Vermerkca. 120 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sie haben gesagt, Sie wollen in den Markt nicht eingreifen. Sie kennen ja Vorschläge, nach denen man nicht in den Markt eingreifen muss, um Kinder gesund und sicher zu ernähren. Was Sie als Beispiel erwähnt haben, nämlich Kindern, die von Armut geprägt sind, sozusagen Brotkrumen hinzuwerfen, sehen wir als diskriminierend an. Nicht diskriminierend wäre es, wenn man allen Kindern eine entsprechende Beköstigung ermöglichen würde. Wie stehen Sie dazu und insbesondere zu den Vorschlägen des Bürgerrates „Ernährung im Wandel“, der mit erster Priorität empfohlen hat, eine kostenfreie gesunde Kita- und Schulverpflegung bundesweit einzuführen, und dies als gesamtdeutsche Aufgabe versteht?

Beifallbei der Linken

Haben wir schon zigmal gefordert! Da habt ihr immer dagegengestimmt!

Porträt von Alois Rainer
Foto: Alois Rainer/ DBT Inga Haar
1 Vermerkca. 134 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Also, ich schätze die Arbeit des Bürgerrates sehr, bloß eins muss man schon auch festhalten: Es gibt Zuständigkeiten in unserem Land. Und zuständig für zum Beispiel die Schulverpflegung sind ganz klar die Bundesländer. Da gibt es also eine klare Meinung.

Ich sage Ihnen aber noch eines: Ich habe keine kleinen Kinder mehr. Aber wenn ich kleine Kinder hätte, würde ich mir die Frage stellen: Müssen zum Beispiel Kinder von Ministern oder Abgeordneten ein kostenloses Essen in einer Schule oder Kita erhalten? Ich weiß es nicht. Diese Frage würde ich mir an Ihrer Stelle mal stellen.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Wir haben jetzt aktuell noch zwei Fragesteller mit Nachfragen: Frau Dr. Mayer, Bündnis 90/Die Grünen, und Christoph Frauenpreiß.

Porträt von Zoe Mayer
Foto: Zoe Mayer/ Stefan Kaminski
1 Vermerkca. 133 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Danke sehr. – Herr Minister, Sie sagen, Sie wollen im Bereich Ernährung nicht in den Markt eingreifen; Ernährung sei doch Selbstverantwortung. Erkennen Sie an, dass heute schon der Staat unser aller Ernährungsverhalten beeinflusst, und das nicht zum Guten? Ich rede davon, dass man auf eine Süßkartoffel mehr Mehrwertsteuer zahlen muss als auf einen Schokoriegel. Ich rede davon, dass man in öffentlichen Kantinen nicht immer gesunde Angebote findet. Und ich rede auch davon, dass man jeden Müll an Kinder vermarkten darf. Hier wird nicht eingegriffen. Meinen Sie nicht, es ist an der Zeit, mal wirklich neue Regulierungen zu schaffen, damit Menschen in einem gesunden und guten Essverhalten unterstützt werden? – Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie der Abg. Ina Latendorf [Die Linke]
Porträt von Alois Rainer
Foto: Alois Rainer/ DBT Inga Haar
2 Vermerkeca. 159 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank, Frau Dr. Mayer, für die Frage. – Wir haben die Mehrwertsteuer gesenkt, gerade auch für die Gemeinschaftsverpflegung. Alles, was die Gastro betrifft, betrifft nämlich auch die Gemeinschaftsverpflegung.

Zurufeder Abg. Deborah Düring [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Boris Mijatović [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Auch hier ist also die Mehrwertsteuer gesenkt worden.

Wenn wir auf der einen Seite die Mehrwertsteuer senken, müssen wir auf der anderen Seite aber auch den Finanzminister dementsprechend überzeugen. Ich habe kein Problem, wenn die Mehrwertsteuer auf Lebensmittel gesenkt werden soll. Bitte schön! Die Finanzierung muss aber auch dementsprechend gewährleistet sein.

Wir haben gesenkte Mehrwertsteuersätze für Lebensmittel. Das ist so in Ordnung, und die Finanzierung macht ein anderer.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Ach so! Na dann!

Dann haben wir mit Christoph Frauenpreiß den nächsten Fragesteller.

Porträt von Christoph Frauenpreiß
Foto: Christoph Frauenpreiß/ Nina Duderstadt
ca. 79 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank. – Herr Minister, Sie haben eben die Rahmenbedingungen für die Landwirte angesprochen, um auch die Produktion hier in Deutschland zu stärken. Das ist ja eine Maßgabe, die auch Sie sich vorgenommen haben. Sie haben in den letzten Monaten auch immer wieder bewiesen, dass Ihnen das wichtig ist, und richtige Maßnahmen umgesetzt. Da würde mich interessieren: In welchen Bereichen der Bürokratie würden Sie noch Rahmenbedingungen schaffen, um die Produktion in Deutschland weiter zu stärken?

Porträt von Alois Rainer
Foto: Alois Rainer/ DBT Inga Haar
2 Vermerkeca. 220 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Lieber Herr Kollege Frauenpreiß, die Bürokratie, bei der wir eingreifen müssen, ist so groß, dass ich die Arme nicht so weit auseinanderbringen kann. Wir haben in regelmäßigen Abständen Abstimmungsgespräche zwischen der Staatssekretärsebene und den Amtsleitern auf Länderebene, damit wir die Koordination zwischen Bund und Ländern auch dementsprechend hinbekommen.

Des Weiteren gilt es, die überbordende Bürokratie gerade auf europäischer Ebene einzudämmen. Gerade jetzt ist wieder eine Pflicht zur Dokumentation von Pflanzenschutzmittelanwendungen in Kraft getreten, die zu überbordend ist. Ich versuche, das noch einigermaßen einzufangen. Im kommenden Jahr soll das Ganze dann digital werden; da ist es dann ein Stück weit einfacher.

Also: Wir versuchen, die Digitalisierung mit der Entbürokratisierung zu verbinden, weil es gerade in der Landwirtschaft viele Statistiken gibt, die man durchaus digital erheben kann. Was wir nicht brauchen, ist die zweite und dritte Statistik zum gleichen Thema.

Die Zeit ist abgelaufen.

Rednerwechsel

Hier müssen wir auch tätig werden. – Danke.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Wir kommen jetzt zur zweiten Runde und haben noch 34 Minuten. Ich appelliere jetzt noch mal an alle, die Zeit einzuhalten. – Los geht’s mit der AfD, und zwar mit Micha Fehre.

Guter Mann!

Porträt von Micha Fehre
Foto: Micha Fehre
1 Vermerkca. 135 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrter Herr Außenminister Wadephul, die CDU/CSU-Fraktion hat im Wahlprogramm eine neue Sicherheitsstrategie im ersten Regierungsjahr versprochen. Die USA haben ihre Sicherheitsstrategie bereits veröffentlicht und darin festgestellt, dass sich die europäische Zivilisation am Rande der Auslöschung befindet und dass unser Selbstbewusstsein und unsere Liebe zum eigenen Land immer mehr verloren gehen.

Die USA haben dabei aber gleichzeitig unmissverständlich klargestellt, dass Europa ihr Schicksalspartner ist. Um die westliche Kultur zu erhalten, braucht es nämlich nicht nur die Stärke der USA, sondern wir brauchen auch ein starkes, entschlossenes und selbstbewusstes Deutschland und Europa.

Daher meine Frage an Sie: Mit welchen konkreten Ansätzen in Ihrer neuen Sicherheitsstrategie, die den Niedergang unserer Kultur verhindern und Deutschland mit neuem Selbstbewusstsein ausstatten werden, können wir rechnen? – Vielen Dank.

Porträt von Johann David Wadephul
Foto: Tobias Koch
3 Vermerkeca. 258 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank, Herr Kollege. – Grundlage unserer Arbeit als Bundesregierung ist der Koalitionsvertrag – der Wahlkampf liegt hinter uns –, und Sie wissen, was wir dort festgelegt haben. Wir haben ein erstes großes Ergebnis erzielt: Wir haben einen Nationalen Sicherheitsrat ins Leben gerufen, das erste Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.

Das war aber die Idee der AfD!

Das ist von entscheidender Bedeutung, Herr Kollege Brandner, weil wir bei der Analyse der verschiedenen Sicherheitsgefahren für Deutschland einen Blick über alle Ressorts hinweg, aber eben auch über die verschiedenen staatlichen Ebenen hinweg haben müssen und dabei die Bundesländer einbeziehen müssen.

Das machen wir; das ist im Aufbau begriffen. Das ist aber auch dringend notwendig, insbesondere angesichts der umfänglichen hybriden Angriffe, denen sich Deutschland gegenübersieht, nicht zuletzt aus Russland. Deutschland gegen die Desinformationskampagnen und die Irreleitung, die die deutsche Bevölkerung erreichen sollen, sicher und fest aufzustellen und die Bevölkerung gleichermaßen nicht zu verunsichern, sondern ihr Verlässlichkeit zu geben, ist ein Kernanliegen der Bundesregierung.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Dirk Wiese [SPD]

Das machen wir; das ist im Aufbau begriffen. Das ist aber auch dringend notwendig, insbesondere angesichts der umfänglichen hybriden Angriffe, denen sich Deutschland gegenübersieht, nicht zuletzt aus Russland. Deutschland gegen die Desinformationskampagnen und die Irreleitung, die die deutsche Bevölkerung erreichen sollen, sicher und fest aufzustellen und die Bevölkerung gleichermaßen nicht zu verunsichern, sondern ihr Verlässlichkeit zu geben, ist ein Kernanliegen der Bundesregierung.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Dirk Wiese [SPD]
Porträt von Micha Fehre
Foto: Micha Fehre
2 Vermerkeca. 88 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Ich finde, an Ihrer Antwort lässt sich ablesen, dass kein fundamentaler Kurswechsel und wenig starke, konkrete Ansätze zu erwarten sind. Ich denke, dass die AfD dadurch auch die einzige Kraft hier im Land bleiben wird, die Deutschland wirklich wieder auf Kurs bringen kann, zu neuem Selbstbewusstsein und zu neuer Stärke verhelfen kann.

Sehr richtig!

Wie groß ist daher Ihre Sorge, dass Ihnen die AfD als einzige Alternative in den Umfragen weiter davongaloppieren wird?

Beifallbei Abgeordneten der AfD

Riesengroß!

Porträt von Johann David Wadephul
Foto: Tobias Koch
2 Vermerkeca. 145 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Das hat mit einer außenpolitischen Frage relativ wenig zu tun, und Ihre persönliche Verunsicherung innerhalb der AfD muss schon sehr groß sein, wenn Sie in diesem Rahmen hier derartige Fragen stellen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Aber seien Sie ganz sicher: Die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland sind sicher. Dafür sorgen wir auf allen staatlichen Ebenen durch die Polizeien und unsere Sicherheitsbehörden. Und ich möchte an dieser Stelle einen besonderen Dank allen Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr aussprechen, die jeden Tag dafür sorgen, dass Deutschland innerhalb des NATO-Bündnisses eine verlässliche Kraft ist.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Es gibt noch eine Nachfrage aus der AfD-Fraktion. Wer möchte? – Herr Reichardt.

Porträt von Martin Reichardt
Foto: Martin Reichardt/Daniel Schneider
ca. 76 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Minister, Sie haben auf die Frage, ob Europa sich auch ohne die USA verteidigen könnte, unlängst „Selbstverständlich ja“ geantwortet. Sie haben hier heute auch noch einmal in Bezug auf die USA gesagt, Europa stünde den amerikanischen Ansprüchen oder Forderungen zu Grönland robust entgegen. Sie sind Offizier, Sie kennen den Kampfkraftvergleich. Welche Mittel hat denn Deutschland, um hier mit Europa robust entgegenzutreten? Ich würde da um konkrete Zahlen zu Waffensystemen und Ähnlichem bitten.

Porträt von Johann David Wadephul
Foto: Tobias Koch
1 Vermerkca. 142 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Gut, dann müssten wir die Fragestunde aber abwandeln und bräuchten dafür sehr viel mehr Zeit. Einzelheiten bitte ich im Verteidigungsausschuss zu beraten. Der Kollege steht dort selbstverständlich zur Verfügung.

Aber weil Sie hier alles durcheinanderbringen und Ihr Verhältnis zu den USA auch hinreichend ungeklärt ist: Wir müssen uns nicht robust gegen, sondern robust mit den USA verteidigen, und zwar gegen Russland. Das können wir, und das tun wir.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Dass wir da besser werden müssen und die Bundeswehr verstärken müssen, ist klar; das ist unstreitig. Deswegen gibt es ja auch das neue Wehrdienstmodell und ein großes Beschaffungsprogramm.

Jetzt haben sich noch zwei weitere Fragesteller gemeldet: Herr Stegner seitens der SPD und anschließend Frau Düring seitens Bündnis 90/Die Grünen. – Herr Stegner.

Porträt von Ralf Stegner
Foto: Photothek Media Lab.
ca. 67 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Bundesminister, der Kollege von der AfD hat ja gerade nach neuen Sicherheitskonzepten gefragt, die nötig seien. Ich wollte fragen, wie Sie es bewerten, dass die AfD vorschlägt, in Bayern eine Sonderpolizei einzurichten, die das Gleiche vollziehen soll, was die ICE in den USA tut. Das ist ja ein außenpolitischer Vorschlag der AfD-Fraktion. Wie Sie das bewerten, würde ich gerne wissen.

Porträt von Johann David Wadephul
Foto: Tobias Koch
1 Vermerkca. 92 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Derartige Vorschläge zeigen, dass die AfD eine wirkliche Bedrohung für die Verfassungsordnung der Bundesrepublik Deutschland ist, und wir werden alle rechtsstaatlichen Mittel nutzen müssen, um uns dagegen zur Wehr zu setzen.

Frau Düring kommt als Nächstes, und wir sollten jetzt die Zwischendiskussionen einstellen, damit sie ihre Frage stellen kann.

Porträt von Deborah Düring
Foto: Deborah Düring/ Ivo Hofsté
1 Vermerkca. 94 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Sehr geehrter Herr Außenminister, die erschreckenden Bilder, die wir gerade aus Minneapolis sehen, wurden schon angesprochen. Ehrlicherweise höre ich nicht nur dazu gerade vor allen Dingen Schweigen aus der Bundesregierung. Verurteilen Sie diese Angriffe? Das ist die erste Frage.

Die zweite Frage ist: Verändert sich eigentlich irgendwas in Ihrer USA-Strategie, die bisher ja nur aus dem Mechanismus der Anbiederung – ich höre nichts, ich sehe nichts, und ich sage nichts – besteht? Sie müssen endlich handeln!

Porträt von Johann David Wadephul
Foto: Tobias Koch
1 Vermerkca. 156 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Wenn Sie richtig zugehört hätten, hätten Sie vernommen, dass der Bundeskanzler in den vergangenen Tagen seine erhebliche Besorgnis zum Ausdruck gebracht hat, und das möchte ich hier wiederholen.

Darüber hinaus verlassen wir uns darauf, dass die Vereinigten Staaten von Amerika ein Rechtsstaat sind, übrigens sehr viel länger, als es Deutschland ist. Deswegen vertraue ich darauf, dass das System von „checks and balances“ in den USA funktionieren wird. Das ist das eine.

Das Zweite ist, dass vollkommen klar ist, dass wir uns in der Welt insgesamt unabhängiger aufstellen müssen und dass wir neue globale Partnerschaften suchen müssen. Gerade deswegen wäre es sehr wünschenswert gewesen, wenn alle deutschen Abgeordneten dem Mercosur-Abkommen zugestimmt hätten.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Gerade hatte sich noch Herr Brandner gemeldet. Daher kommt Herr Brandner jetzt noch dran, und dann werden wir zum nächsten Themenkomplex übergehen.

Porträt von Stephan Brandner
Foto: Stephan Brandner/Vadim Derksen
1 Vermerkca. 117 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Vielen Dank. – Herr Wadephul, Sie haben jetzt so einige Male auf der AfD rumgehackt und uns Angst unterstellt. Ich merke die Angst aber so ein bisschen bei Ihnen. Sie waren am 17.09.2025 hier am Rednerpult und haben leicht erregt von sich gegeben – Zitat –: „Wir werden es nie zulassen, dass Sie“ – also die AfD – „Verantwortung für dieses Land übernehmen. Niemals!“ – mit Ausrufezeichen.

Meine Fragen: Wen meinen Sie mit „wir“, der das nie zulässt? Und wie wollen Sie das umsetzen, dass wir in Deutschland niemals was zu sagen haben?

Aber Sie sind jetzt erregter!

Das hat jetzt mit der Frage aber nichts zu tun!

Porträt von Johann David Wadephul
Foto: Tobias Koch
4 Vermerkeca. 226 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Ihnen merkt man die Erregung und wahrscheinlich eine erhebliche politische Verunsicherung jetzt gerade sehr deutlich an, Herr Brandner.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Beantworten Sie einfach meine Frage!

Aber dafür geben ja vielleicht auch die Entwicklungen in Ostdeutschland und einige Umfragen Anlass genug.

Sie haben den Plural benutzt! Sie haben gesagt: „wir“!

Ich jedenfalls sehe es als persönliche Verpflichtung an, mit allen politischen Mitteln in diesem Land dafür zu sorgen, dass Sie nicht in eine entscheidende staatliche Verantwortung kommen.

Das entscheidet der Wähler!

Zurufdes Abg. Dr. Rainer Rothfuß [AfD]

Das ist mein Bekenntnis, und das kann ich an dieser Stelle gerne noch mal wiederholen.

Damit kommen wir jetzt zum nächsten Themenkomplex und zur SPD-Fraktion, Adis Ahmetovic. – Und wir sollten jetzt den Geräuschpegel rechts wieder absenken, damit wir dem Fragesteller zuhören können.

Porträt von Adis Ahmetović
Foto: Adis Ahmetović/ Benush Martinez
ca. 180 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Frau Präsidentin, vielen Dank. – Sehr geehrter Herr Außenminister, Sie wissen, dass der Krieg in Gaza im vergangenen Jahr durch eine internationale diplomatische Initiative und den sogenannten 20-Punkte-Plan beendet worden ist. Wir stehen in dieser Woche kurz davor, dass von Phase eins in Phase zwei übergetreten wird, auch weil Anfang dieser Woche die letzte israelische Geisel nach dem terroristischen Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober gefunden wurde; sie wurde geborgen.

Insgesamt ist die Situation im Gazastreifen aber weiterhin katastrophal, vor allem die humanitäre Lage. Nun ist es so, dass vielen humanitären Organisationen aus Deutschland, die seit vielen Jahren und Jahrzehnten im Gazastreifen aktiv sind und dort humanitäre Arbeit leisten – vor allem jetzt, wo nach Schätzungen von Expertinnen und Experten über 100 000 Tote im Gazastreifen festzustellen sind und Hunderttausende Menschen hungern, vor allem Kinder und Frauen –, die Zulassung für ihre Betätigung entzogen werden soll. Was tut die Bundesregierung, um dem entgegenzuwirken, damit diese Organisationen auch nach Ende Februar weiter tätig sein können? Denn ohne Visum, ohne Tätigkeitsschein gibt es keine humanitäre Hilfe vor Ort.

Porträt von Johann David Wadephul
Foto: Tobias Koch
2 Vermerkeca. 267 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Zunächst einmal vielen Dank, dass Sie noch einmal das tragische Schicksal der letzten israelischen Geisel, die endlich wieder in den Händen ihrer Familie ist, erwähnt haben. Ich werde mich am Freitag noch einmal mit den israelischen Familien treffen und auch noch mal deutlich machen, wie sehr wir mitgelitten haben und wie dankbar wir dafür sind, dass zumindest das jetzt möglich war. Der Herr Bundespräsident wird das in einer großen Geste ebenfalls zum Ausdruck bringen. Ich glaube, es ist eine große deutsche Verantwortung, dass wir hier Solidarität mit den Menschen in Israel zeigen.

Das Zweite ist: Ich bin im ständigen Gespräch mit der israelischen Regierung und mit meinem Kollegen Gideon Sa’ar hinsichtlich des Zulassens der verschiedenen Hilfsorganisationen im Gazastreifen. In der Tat setzen wir uns mit allen Möglichkeiten dafür ein, dass es einen unkomplizierten Zugang für alle Hilfsorganisationen gibt, seien es Ärzte ohne Grenzen oder sei es das Internationale Rote Kreuz etc. pp. Das ist dringend notwendig.

Drittens. Ich muss sagen: Die entscheidende Besserung für alle Menschen im Gazastreifen wird es erst geben, wenn die Hamas endlich entwaffnet ist. Das ist das zentrale Ziel, das wir in der internationalen Gemeinschaft verfolgen.

Dann habe ich jetzt zwei Wortmeldungen: einmal Frau Amtsberg für Bündnis 90/Die Grünen und dann Frau Becker für die Fraktion Die Linke.

Ich habe eigentlich eine Nachfrage! Darf ich?

– Jetzt haben wir die Nachfrage vergessen. Sorry!

Nicht so schlimm!

Ich war schon ein Stück weiter; Sie hatten sich hingesetzt. Dann sind Sie erst mit der Nachfrage dran.

Porträt von Adis Ahmetović
Foto: Adis Ahmetović/ Benush Martinez
ca. 148 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Ich habe so viel Respekt vor Ihnen, Frau Präsidentin.

Ja, okay; alles gut. Das ist in Ordnung.

Rednerwechsel

Es fällt mir total schwer, Ihnen bei der Sitzungsführung ins Wort zu fallen. Vielen Dank trotzdem noch mal, dass ich die Möglichkeit bekomme, eine Nachfrage zu stellen.

Herr Außenminister, Sie haben recht: Die Hamas muss ihre Waffen niederlegen. Das erste gute Zeichen ist, dass der Verwaltungsrat, der in Ägypten gegründet worden ist, nicht mit der Hamas gegründet worden ist. Das haben wir, glaube ich, alle positiv kommentiert.

Nichtsdestotrotz haben wir eine große humanitäre Katastrophe. Ende Februar droht die Situation, dass die Registrierung der deutschen humanitären Organisationen, die viel Vertrauen genießen, nicht zustande kommt. Was gedenkt die Bundesregierung zu tun, wenn es dazu kommt, dass diese Organisationen ab 1. März 2026 keine Zulassung bekommen? Welche Mittel stehen zur Verfügung, um Druck auszuüben auf die israelische Regierung?

Porträt von Johann David Wadephul
Foto: Tobias Koch
ca. 137 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Noch mal: Wir stehen in ständigem Kontakt mit der israelischen Regierung über diese Registrierungsfrage. Ich setze mich für Vereinfachungen ein und finde da viel Verständnis beim israelischen Kollegen. Wir setzen uns auch dafür ein, dass weitere Korridore geöffnet werden, und sind hier vorsichtig optimistisch, dass das gelingen kann.

Ich will darauf hinweisen, dass die Bundesregierung sehr umfangreiche humanitäre Hilfen in alle Palästinensischen Gebiete weitergeleitet hat: 374 Millionen Euro seit dem 07.10.2023, allein 90 Prozent davon in den Gazastreifen. Also, Deutschland ist dort aktiv und will dort weiter aktiv bleiben. Wie gesagt, unsere Forderung ist nach wie vor, dass das Ganze vereinfacht wird. Ich werde das auch zum Gesprächsgegenstand machen, wenn der Kollege Sa’ar im Februar hier in Berlin ist.

Jetzt Frau Amtsberg.

Porträt von Luise Amtsberg
Foto: Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
ca. 171 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Außenminister, bleiben wir bei der humanitären Hilfe. Ein ganz zentraler Punkt ist die Arbeit des Palästinenserhilfswerks UNRWA. Das ist eine überlebenswichtige Institution, die jetzt durch die israelische Regierung, aber ehrlicherweise auch durch das Agieren Deutschlands massiv geschwächt ist; eine UN-Organisation, deren Mandatsverlängerung Sie in der Generalversammlung erstmalig in der Geschichte dieses Mandates nicht zugestimmt, sondern sich enthalten haben. Gleichzeitig wird das Hauptquartier der UNRWA in Ostjerusalem angegriffen und damit schwerwiegend gegen das Völkerrecht verstoßen; denn die Immunität von UN-Einrichtungen wird damit natürlich angegriffen.

Wir haben von Ihnen dazu nichts Klares gehört. Ich frage Sie deshalb an dieser Stelle: Wie soll die humanitäre Versorgung von Palästinenserinnen und Palästinensern – nicht nur in Israel, sondern auch an vielen anderen Orten – stabil funktionieren, –

Ich erinnere jetzt noch mal an die Uhr.

– wenn so ein massiver Übergriff passiert?

Wenn Sie alle eine halbe Minute überziehen, dann schaden Sie einfach dem nächsten Fragesteller. – Herr Minister, bitte.

Porträt von Johann David Wadephul
Foto: Tobias Koch
ca. 164 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank für die Frage. Da sind wir uns doch, glaube ich, in wesentlichen Punkten nach wie vor einig.

Erstens. Wir haben durchaus klargestellt, dass die Zerstörung des UNRWA-Gebäudes ein Rechtsverstoß ist; das haben wir öffentlich zum Ausdruck gebracht, auch in einer Erklärung mit anderen Staaten gemeinsam.

Zweitens. Die UNRWA steht vor der Aufgabe, sich umfangreich zu reformieren. Es gibt 50 Reformempfehlungen dazu, und diese werden mehr als zaghaft umgesetzt. Wir haben im Koalitionsvertrag festgehalten, dass eine weitere Unterstützung der UNRWA daran geknüpft ist, dass diese Reformempfehlungen ernst genommen und umgesetzt werden. Deswegen ist unser Abstimmungsverhalten klar und konsequent. Ich erwarte, dass die UNRWA das tut.

Ich blicke auf die Uhr.

Ja. – Ich möchte darauf hinweisen, dass 6 Millionen palästinensische Flüchtlinge in den Nachbarländern durch die UNRWA weiter gut versorgt werden und wir das auch unterstützen.

Frau Becker, bitte.

Porträt von Desiree Becker
Foto: Desiree Becker/ Maurice Jelinski
ca. 87 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Danke schön, Frau Präsidentin. – Herr Außenminister, wir bleiben bei der internationalen Ordnung und auch bei Gaza. Ich möchte kurz auf das Board of Peace eingehen. Sie hatten gesagt, Sie würden eine Einladung begrüßen. Der Kanzler hat jetzt diese Einladung abgelehnt und gesagt, das hätte verfassungsrechtliche Gründe.

Könnten Sie noch mal näher erläutern, was damit gemeint ist? Was bedeutet das denn jetzt für die Friedensperspektive in Gaza? Welche Vorstellung hat denn die Bundesregierung, auch Palästinenser/-innen beim Wiederaufbau in Gaza mit zu beteiligen?

Porträt von Johann David Wadephul
Foto: Tobias Koch
ca. 122 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Das ist durch die Zeitabfolge sehr leicht erklärlich. Meine Äußerung stammt aus der Zeit vor der Einladung durch die USA. Da sind, glaube ich, alle – ich kenne auch niemanden, der es anders gesehen hat – davon ausgegangen, dass dieses Board of Peace nur für den Gazastreifen konzipiert sein sollte. Dazu habe ich unsere Einladung erwartet. Danach haben wir zur Kenntnis genommen, dass die Konstruktion größer angelegt ist, sozusagen weltumspannend, auch mit weitreichenden Kompetenzen für den Chairman Donald Trump. Das hat dann zu der anderen Einschätzung geführt, über die wir hier schon gesprochen haben.

Dann kommen wir jetzt zum nächsten Fragenkomplex. Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen ist Luise Amtsberg angemeldet.

Porträt von Luise Amtsberg
Foto: Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
1 Vermerkca. 195 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Herr Außenminister, wir erleben eine Aushöhlung des internationalen Rechts, des Völkerrechts, quasi weltweit: in Syrien, in Iran, in Afghanistan, in Gaza – darüber haben wir gerade gesprochen –, im Sudan. Ich möchte mich mit Blick auf Iran noch mal bei Ihnen vergewissern.

Wir haben in der Vergangenheit die Fact Finding Mission – ein Instrument internationaler Politik; sehr wichtig – gestärkt, indem wir über vereinfachte Verfahren Menschenrechtsverteidiger/-innen in Deutschland aufgenommen haben, die dann in der Lage waren, in dieser Fact Finding Mission auszusagen und die Verbrechen des iranischen Regimes an ihrer eigenen Bevölkerung „accountable“, also belegbar, und damit gerichtsfest zu machen.

Nun haben wir mit Ihnen in der Regierung eine Abwendung von diesem Kurs. Es gibt zwar immer noch den § 22 Aufenthaltsgesetz, aber nicht mehr das vereinfachte Verfahren der Aufnahme. Deshalb frage ich mich: Ist das Ihre persönliche Position als Außenminister, davon Abstand zu nehmen, oder liegt es daran, dass man hier mit dem BMI keine Einigung erzielt? Wenn dem so ist: Was müssen wir tun, damit Sie Herrn Dobrindt überzeugen, wieder zurückzukehren zu dieser humanitären Aufnahme?

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie der Abg. Ina Latendorf [Die Linke]
Porträt von Johann David Wadephul
Foto: Tobias Koch
1 Vermerkca. 221 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Zunächst einmal möchte ich sagen: Sie fragen ja zum Iran. Ich weiß nicht, ob es da einen einzigen Fall gibt, den wir – das Bundesinnenministerium oder das Außenministerium – negativ beschieden hätten; nach meiner Kenntnis nicht. Belehren Sie mich eines Besseren.

Unsere Position zu Iran ist sonnenklar: Im Gegensatz zu anderen Kolleginnen und Kollegen telefoniere ich nicht mit dem iranischen Kollegen. Gemeinsam mit Großbritannien und Frankreich habe ich durchgesetzt, dass die UN-Sanktionen wieder in Kraft getreten sind. Die deutsche Bundesregierung tritt dafür ein, dass das Sanktionsregime unter der Terrorlistung für den Iran wirksam wird. Wir haben jetzt auch die italienische Regierung bei unseren Konsultationen in der vergangenen Woche davon überzeugen können.

Das heißt: Wenn es einen europäischen Staat gibt, der sich klar dafür einsetzt, diesem iranischen Regime entgegenzutreten, dann sind wir das. Wir haben zur Kenntnis genommen, dass das iranische Regime uns jetzt mit Drohungen überzieht. Das erschüttert uns nicht, sondern wir stehen klar an der Seite der Menschen im Iran, die durch dieses Regime unterdrückt werden, die auf der Straße erschossen werden, gefoltert werden, in Kerker geworfen werden. Es ist unmenschlich, was dort geschieht. Ich würde mir hier im Deutschen Bundestag und anderswo in Deutschland mehr Aufmerksamkeit für diese Untaten wünschen.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD
Porträt von Luise Amtsberg
Foto: Bündnis 90/Die Grünen / Stefan Kaminski
1 Vermerkca. 95 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Eine Nachfrage. – Zu den Profilrastern und zu der vereinfachten Aufnahme muss man sagen: Es gibt eine Differenz zwischen den Aufnahmezusagen durch das Auswärtige Amt und der Bestätigung durch das BMI. Also, da gibt es offenbar eine Lücke. Deshalb: Wir unterstützen Sie natürlich in Ihrem Kurs. Aber am Ende sind Sie die Regierung und müssen das Ganze ermöglichen. Was können wir also tun, um Sie zu überzeugen, dass Sie zum vereinfachten Verfahren zurückkehren, sodass diese Aufnahme in Zukunft erleichterter stattfinden kann?

Porträt von Johann David Wadephul
Foto: Tobias Koch
ca. 59 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Noch mal: Ich kenne bisher überhaupt gar keine Iranerinnen oder Iraner, bei denen das Verfahren nicht so war. Insgesamt gesehen haben wir schon andere Verfahren miteinander vereinbart; das ist in der Tat richtig. Das ist auch den Sicherheitsinteressen unseres Landes geschuldet.

Frau Becker hatte sich noch gemeldet.

Porträt von Desiree Becker
Foto: Desiree Becker/ Maurice Jelinski
ca. 93 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Danke schön, Frau Präsidentin. – Herr Außenminister, ich teile Ihre Analyse zum Board of Peace. Ich denke auch, das betrifft im Moment sehr viele Konflikte, bei denen die US-Amerikaner bzw. Trump die Hoffnung hatten, eine Gegenveranstaltung zur UN und zur internationalen Ordnung aufzubauen. Ich habe hier auf jeden Fall kein Wort dazu gehört, dass auch in Venezuela das Völkerrecht untergraben wird.

Daher meine Frage: Wie geht denn die Bundesregierung damit um, dass die Institutionen der internationalen Ordnung genau mit solchen Vorschlägen wie dem Board of Peace untergraben werden?

Porträt von Johann David Wadephul
Foto: Tobias Koch
ca. 102 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Also, unser Board of Peace sind die Vereinten Nationen. Wir kandidieren für einen nichtständigen Sitz im Sicherheitsrat und sind daran interessiert, im Rahmen aller politischen Möglichkeiten und auch finanziell die Vereinten Nationen zu stärken. Das setzt einen erheblichen Reformprozess voraus, der jetzt mal an Kraft gewinnen und Geschwindigkeit aufnehmen muss. Da sind wir sehr auf der Seite des Generalsekretärs: Das muss schneller werden, und das muss effektiver werden. Aber die Vereinten Nationen können sich darauf verlassen, dass diese Bundesregierung sie unterstützt.

Den Schluss in dieser Fragerunde macht dann Frau Brugger.

Porträt von Agnieszka Brugger
Foto: Agnieszka Brugger/Anne Hufnagl
1 Vermerkca. 101 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Herr Außenminister, ich begrüße ja, dass Sie sonnenklar sind in Ihrer Verurteilung des frauenverachtenden, brutalen Regimes im Iran. Aber gilt das auch für das Regime in Afghanistan, das mindestens genauso brutal mit Frauen umgeht? Und warum wurde unter Ihrer Führung erlaubt, dass Talibangesandte für das Generalkonsulat in Bonn – hier bei uns im Land – akkreditiert werden, wenn Ihnen die Frage der Menschenrechte und der Frauenrechte so wichtig ist? Gilt das dann nur für Iran oder auch für Afghanistan?

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken
Porträt von Johann David Wadephul
Foto: Tobias Koch
2 Vermerkeca. 214 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Nein, ganz im Gegenteil. Die Bundesregierung – das gilt auch für mich und mein Haus – hat einen sehr klaren Blick auf das faktisch existierende Talibanregime in Afghanistan. Wir haben diplomatische Beziehungen, die schon vorher aufgebaut worden sind,

und alle hier akkreditierten Personen stammen noch aus jener Zeit.

Dennoch müssen wir – das ist auch im Interesse der Menschen dort – mit den Taliban tatsächlich in irgendeinem Kontakt stehen. Kontaktlosigkeit zu derartigen Regimes, sosehr man sie ablehnt, ist kein Mittel einer interessengeleiteten Außenpolitik. Und deswegen gibt es einen gewissen Austausch.

Aber natürlich unterscheiden sich diese Beziehungen qualitativ erheblich von allen anderen.

Ich blicke auf die Uhr.

Wir haben übrigens auch zum iranischen Regime diplomatische Beziehungen und dort einen Botschafter. Also, –

Herr Minister, Sie müssen bitte zum Schluss kommen.

– nichts sehen, nichts hören, nichts sagen, ist kein probates Mittel deutscher Außenpolitik. – Danke schön.

Abg. Maximilian Kneller [AfD] meldet sich zu einer Frage

Ich wollte den Komplex eigentlich abschließen. Dann erteile ich jetzt dem allerletzten Fragesteller in dieser Runde das Wort. Und danach kommen wir zur Unionsfraktion.

Porträt von Maximilian Kneller
Foto: Maximilian Kneller/ Tobias Ebenberger
ca. 84 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Sehr geehrter Herr Wadephul, mir ist in Ihren Ausführungen auf die Frage von der Kollegin der Grünen gerade ein kleiner Widerspruch aufgefallen. Sie haben eben gesagt, kein Kontakt sei kein Mittel interessengeleiteter Außenpolitik, in der Antwort davor aber betont, dass Sie keinerlei Kontakt zum iranischen Außenminister pflegen. Ich will das jetzt nicht inhaltlich bewerten. Ich frage Sie nur, wieso Sie sich da widersprechen und wo genau Sie den qualitativen Unterschied zwischen den beiden Regimen sehen. – Vielen Dank.

Porträt von Johann David Wadephul
Foto: Tobias Koch
1 Vermerkca. 97 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Es gibt natürlich einen Unterschied, ob ein Außenminister mit seinem Kollegen in einer Zeit, wo die Bevölkerung niedergemetzelt wird, telefoniert und den Anschein erweckt, als würden wir business as usual machen, oder ob irgendein diplomatischer Kontakt besteht, es Konsularbeamte oder vielleicht auch einen Botschafter gibt, die sich in dem Land aufhalten. Das ist schon ein Unterschied in der Außenpolitik, und der ist mir auch wichtig.

Beifallbei der CDU/CSU

Dann kommen wir jetzt zum nächsten Fragenkomplex. – Für die Unionsfraktion hat das Wort Norbert Altenkamp.

Porträt von Norbert Maria Altenkamp
Foto: Norbert Altenkamp/ Klaas Fahr
1 Vermerkca. 109 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Frau Präsidentin, meine Frage richtet sich an den Außenminister. – Autoritäre Regime nutzen ja vielfältige Möglichkeiten, um ihre Kritiker zum Schweigen zu bringen.

Parteiverbote zum Beispiel!

Transnationale Repressionen sind ja so gestrickt, dass diese Regime dann auch außerhalb ihrer Landesgrenzen agieren und versuchen, Dissidenten in anderen Ländern, auch in Deutschland, weiter unter Druck zu setzen und letztendlich zum Schweigen zu bringen.

Uns erreichen Berichte, die belegen, dass das entsprechend passiert. Das sehen wir als besorgniserregend an, weil das natürlich auch unsere Möglichkeiten, diese Menschen zu schützen, infrage stellt. Daher meine Frage: Welche Bedeutung messen Sie der Bedrohung transnationaler Repressionen bei?

Porträt von Johann David Wadephul
Foto: Tobias Koch
ca. 161 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Diese Bedrohung ist leider sehr hoch. Dies ist ein ganz neues Mittel von einigen Regimes, das auch bei uns in Deutschland und Europa angewandt wird. Dem entgegenzutreten, ist nicht besonders leicht, weil wir durch unser rechtsstaatliches System in der Zurverfügungstellung von Verteidigungsmitteln manchmal eingeschränkt sind. Das heißt, da werden wir nachjustieren müssen; darüber werden wir miteinander sprechen müssen. Überall da, wo es geschieht, machen wir in persönlichen Kontakten und Gesprächen unsere Kritik deutlich. Und wir behalten uns vor, ordnungspolitische Maßnahmen zu ergreifen, wenn zum Beispiel Scheinbehörden in Deutschland unterhalten werden.

Insbesondere im Cyberbereich und auch in den sozialen Netzwerken sehen wir Desinformations- und Verleumdungskampagnen in einer Qualität, die wir bisher nicht gekannt haben. Unsere Mittel, uns dagegen zur Wehr zu setzen, sind bedauerlicherweise beschränkt. Ich bin deshalb der Meinung, dass das ein Thema ist, das wir in der Europäischen Union und auch im Rahmen der UN verstärkt diskutieren müssen.

Porträt von Norbert Maria Altenkamp
Foto: Norbert Altenkamp/ Klaas Fahr
ca. 64 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Dazu eine Nachfrage: Wie schätzen Sie das Ausmaß im Zweifel auch für Deutschland und Europa ein? Welche Maßnahmen – Sie sind gerade ein bisschen diplomatisch ausgewichen – könnte man sich denn vorstellen, die man gemeinsam mit der europäischen Gemeinschaft, aber auch in Deutschland ergreifen könnte, um die Personengruppe derer, die von ausländischen Kräften hier weiter verfolgt werden, zu schützen?

Porträt von Johann David Wadephul
Foto: Tobias Koch
ca. 103 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Wir können sie schützen; das tun wir auch. Es gibt entsprechende Schutzprogramme, über die ich öffentlich nicht so viel reden möchte. Diese Programme finden hier in Deutschland statt, gemeinsam mit den Innenbehörden. Und wir gehen natürlich gegen Personen vor, die hier auf unserem Staatsgebiet derartige Aktionen vornehmen. Das geschieht. Sie haben in der vergangenen Woche von der Ausweisung eines russischen Diplomaten Kenntnis genommen. Also, wir sind schon wehrhaft. Aber in der Tat muss die Koordinierung hier noch sehr viel effektiver werden.

Die Fraktion Die Linke hatte noch eine Frage. Herr Glaser.

Porträt von Vinzenz Glaser
Foto: Vinzenz Glaser/ Gökhan Önol
1 Vermerkca. 104 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Sehr geehrter Herr Außenminister Wadephul, gerade wurde über autoritäre Staaten und deren Verhältnis zur internationalen Ordnung gesprochen. Dazu möchte ich gerne nachfragen. Ich komme zu den USA. In einem Interview mit dem Deutschlandfunk sagten Sie am 5. Januar dieses Jahres nach dem Angriff der USA auf Venezuela und nach der Entführung Maduros – ich zitiere –, völkerrechtlich sei „die Lage hoch komplex“. Wie stehen Sie denn inzwischen dazu? Würden Sie das immer noch genauso unterschreiben? Ist die Lage komplex, auch wenn viele Völkerrechtsexpertinnen und -experten hier einen klaren Verstoß gegen das Gewaltverbot sehen?

Beifallbei der Linken
Porträt von Johann David Wadephul
Foto: Tobias Koch
2 Vermerkeca. 248 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Das habe ich auch zur Kenntnis genommen, dafür gibt es gute völkerrechtliche Argumente; das bestreitet ja niemand. Ich halte bloß nichts davon, Herr Kollege, wenn Sie hier über autokratische Regime, die transnationale Maßnahmen in Deutschland vornehmen, sprechen und im selben Atemzug die USA nennen. Bei allem, was man an dem, was in den USA geschieht und was die USA auch an außenpolitischem Verhalten an den Tag legen – das irritiert uns auch –, kritisieren kann, besteht ein qualitativer Unterschied zu autokratischen Regimen.

Und ich warne davor, hier billigem Antiamerikanismus Vorschub zu leisten. Das mögen Sie parteipolitisch vielleicht in dieser Situation richtig finden. In der Verantwortung für Deutschland müssen wir immer wissen, was wir Amerika zu verdanken haben: die Befreiung vom Naziregime,

Von Russland auch!

den Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg, insbesondere die Wiedervereinigung, und auch jetzt das klare Bekenntnis zur NATO und zur Verteidigung Europas. Das steht für mich im Vordergrund.

Der Blick auf die Uhr zeigt, dass wir sehr im Verzug sind.

Und ich glaube, das sollte auch in allen Diskussionen vorherrschend bleiben.

Beifallbei der CDU/CSU

Ich nehme jetzt die letzten drei Fragesteller dran. Das ist einmal für die Unionsfraktion Jürgen Hardt. Dann hat sich für die AfD noch Herr Brandner gemeldet. Und dann hat sich noch jemand aus der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen gemeldet. – Jürgen Hardt, bitte.

Porträt von Jürgen Hardt
Foto: Jürgen Hardt/Tobias Koch
ca. 60 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Danke schön, Frau Präsidentin. – Lieber Herr Außenminister, die Staats- und Regierungschefs der G7 haben letztes Jahr im Sommer verabredet, einen Resilienzrahmen zu entwickeln gegen transnationale Repressionen, also das Thema deutlich internationaler anzugehen, als es im nationalen oder auch europäischen Rahmen möglich ist. Gibt es da bereits erste Ergebnisse? Und, wenn ja, können wir daran teilhaben?

Porträt von Johann David Wadephul
Foto: Tobias Koch
ca. 131 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Nein, es gibt leider noch keine ersten Ergebnisse, weil der gesamte G7-Prozess etwas stockt. Ich setze in diesem Zusammenhang auch sehr stark darauf, dass wir das als Europäer vorrangig machen müssen; denn wir als Europäer haben eben auch Rechtsetzungsmacht. Diese haben wir im G7-Rahmen nicht so. Da können wir Rahmenbedingungen miteinander schaffen, aber wir sind natürlich in unterschiedlichen Sphären tätig. Das gilt für die Vereinigten Staaten von Amerika, für Kanada, für Japan. Aber wir Europäer, wir können hier handeln. Und ich glaube, das ist ein weiteres Feld, wo wir zeigen müssen, dass Europa handlungsfähig ist.

Als Nächste Herr Brandner, dann Frau Düring. Und danach ist Schluss; denn dann ist die Zeit für die Befragung der Bundesregierung vorbei.

Porträt von Stephan Brandner
Foto: Stephan Brandner/Vadim Derksen
2 Vermerkeca. 84 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Danke schön. – Herr Wadephul, Sie haben jetzt im Rahmen dieser Regierungsbefragung mehrfach auf Desinformations- und Verleumdungskampagnen hingewiesen. Mir persönlich fällt da immer gleich der öffentlich-rechtliche Staatsfunk hier in Deutschland ein,

Zurufevom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Oah!

wenn ich „Verleumdung“ und „Desinformation“ höre.

Sie haben, glaube ich, Russland und China ins Spiel gebracht. Nennen Sie mal zu meiner Erhellung zwei, drei Desinformations- oder Verleumdungskampagnen, die aus China und/oder Russland über uns hinwegrollen.

Lachendes Abg. Johannes Steiniger [CDU/CSU]
Porträt von Johann David Wadephul
Foto: Tobias Koch
7 Vermerkeca. 229 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Also, wenn Sie nicht bereit sind, zu erkennen, dass bedauerlicherweise auch aus russischen Quellen,

Ja, welche denn?

aus nordkoreanischen Quellen – –

– Allein die russische Darstellung, an der Spitze des ukrainischen Staates würde ein Naziregime stehen, ist eine unglaubliche Verleumdung

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Pascal Meiser [Die Linke]

angesichts des Umstandes, dass wir dort einen jüdischen Präsidenten haben.

Mit Verleumdungen kennen Sie sich ja aus!

Aber „Nazi“ ist doch ein allgemeiner Kampfbegriff! Auch in Deutschland!

– Das sind jetzt Parolen, die Sie mir hier entgegenwerfen, die einer sachlichen Debatte nicht gerecht werden. – Aber das ist jetzt nur ein Beispiel.

Zurufder Abg. Beatrix von Storch [AfD]

Und ich rate bei aller Kritik am öffentlich-rechtlichen Rundfunk, Herr Brandner, dazu, solche Dinge hier nicht in einen Topf zu werfen.

Damit machen Sie, ehrlich gesagt, den Konsens, auch die Atmosphäre und die Diskussionskultur in Deutschland kaputt. Das mögen Sie gerne beabsichtigen; aber ich halte es für einen großen Fehler.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Frau Düring hat jetzt das Wort für die letzte Frage.

Porträt von Deborah Düring
Foto: Deborah Düring/ Ivo Hofsté
ca. 83 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Die letzte Frage stelle ich zu einem enorm wichtigen Thema. Es wurde gerade schon das Völkerrecht angesprochen. Sie haben hier dazu ausgeführt, wie komplex das Ganze eingefasst ist.

Herr Außenminister, wir stehen auf der Basis des Völkerrechts. Und ich frage Sie jetzt noch mal an die Frage von vorhin anschließend: Was ist daran komplex? Erklären Sie mir bitte, was bei der Einordnung in Bezug auf den völkerrechtswidrigen Angriff der USA auf Venezuela komplex ist.

Porträt von Johann David Wadephul
Foto: Tobias Koch
5 Vermerkeca. 249 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Die Komplexität der Situation ist doch mehrfach beschrieben worden, Frau Kollegin. Wenn Sie diese nicht sehen wollen, dann kann ich Ihnen an der Stelle bedauerlicherweise auch nicht helfen.

Wir sind im Völkerrecht!

Wir können hier nicht eine rein völkerrechtliche Betrachtung vornehmen. Wir sind auch nicht in einem völkerrechtlichen Seminar. Vielmehr müssen wir sehen: Was geschieht in dem Land Venezuela? Was geschah vorher? Was war das für ein Unrechtsregime? Was war die Ohnmacht der internationalen Gemeinschaft, an diesem Unrechtsregime irgendetwas zu verändern?

Man kann doch beides benennen!

Darüber hätten Sie hier gerne eine völkerrechtliche Abhandlung bringen können; das gehört auch dazu.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU
Martin Reichardt [AfD], an die Abg. Deborah Düring [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] gewandt: Fragen Sie doch mal Frau Baerbock! Die kennt sich aus beim Völkerrecht!

Ich habe vorhin gesagt, dass wir eine derartige Maßnahme nicht ergriffen hätten, dass sie nach unseren Vorstellungen auch nicht geboten gewesen ist. Aber ich finde, man muss schon sehen, dass es jetzt immerhin die Chance gibt – daran arbeitet die Bundesregierung –, dass Venezuela in einen demokratischen Transitionsprozess geht, dass Venezuela ein Land wird, das von Clankriminalität, von Drogenkriminalität der schlimmsten Art endlich unabhängig wird.

Es handelte sich um illegales Kidnapping!

Das ist doch zumindest eine gute Aussicht für die Zukunft.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Damit schließe ich Tagesordnungspunkt 1, die Befragung der Bundesregierung.

Porträt von Anne Zerr
Foto: Anne Zerr/ Gerlinde Trinkhaus
14 Vermerkeca. 796 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Wie können Sie eigentlich mit Ihrer Verachtung für arbeitende Menschen nachts schlafen, Herr Merz? Sie greifen das Renteneintrittsalter, das Arbeitszeitgesetz, die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und nun auch noch das Recht auf Teilzeit an. Während Pflegekräfte, pädagogische Fachkräfte und Sozialarbeitende, Busfahrer/-innen und Verwaltungsbeschäftigte am Limit arbeiten, betreiben Sie nichts als Politik für die Chefetagen und Superreichen.

Beifallbei der Linken

Die Menschen in diesem Land sind nicht faul, im Gegenteil: 2024 wurden insgesamt so viele Arbeitsstunden geleistet wie noch nie. Und diese Beschäftigten sind es, die diese Gesellschaft überhaupt erst am Laufen halten.

Beifallbei der Linken und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Es ist kein Zufall, dass in Branchen wie der Pflege oder im Sozial- und Erziehungsdienst, in denen die Arbeitsbelastung seit Jahren unzumutbar hoch ist, die Teilzeitquote deutlich über dem Durchschnitt liegt. Beschäftigte nehmen Verzichte bei Lohn und Rente in Kauf, um sich vor einem Burn-out zu schützen. Fast zwei von drei Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern befürchten nämlich genau das. Arbeit darf nicht krankmachen. Dafür sollten eigentlich Arbeitgeber und auch Politik sorgen. Aber wenn die untätig bleiben, dann ist Teilzeit für viele die einzige Möglichkeit, sich über Wasser zu halten.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wenn es Ihnen wirklich um eine höhere Erwerbsbeteiligung von arbeitsfähigen Menschen ginge, dann würden Sie doch überlegen, wie Sie die Bedingungen dafür schaffen. Nur 27 Prozent der Beschäftigten arbeiten auf eigenen Wunsch in Teilzeit. Statt immer nur zu hetzen, sollten Sie endlich mal Ihren Job machen und die politischen Weichen stellen, damit niemand mehr unfreiwillig in Teilzeit arbeiten muss.

Beifallbei der Linken und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Statt Vollzeitzwang braucht es nämlich einen Rechtsanspruch auf Aufstockung der Arbeitszeit ergänzend zum Recht auf Teilzeit. Und solange es nicht mal flächendeckend ausreichend und bezahlbare Kitaplätze und Kitas mit verlässlichen Öffnungszeiten, bedarfsgerechtem Personalschlüssel und guten Arbeitsbedingungen gibt, sollten Sie sich dafür schämen, die hohe Teilzeitquote zu bemängeln.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Auch steuerpolitisch liegt doch absolut auf der Hand, was getan werden muss: Schaffen Sie endlich das Ehegattensplitting ab! Denn damit macht es finanziell doch gar keinen Sinn für beide Ehepartner/-innen, in Vollzeit zu arbeiten.

Zurufdes Abg. Rocco Kever [AfD]

Die Teilzeitfalle, liebe Union, ist hausgemacht, und Sie haben in dieser Legislatur bisher null Komma null sinnvolle Maßnahmen ergriffen, um Arbeit und Familie endlich besser miteinander vereinbar zu machen.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ihr Vorstoß scheint mal wieder Teil Ihrer verzweifelten Versuche zu sein, die Wirtschaftslobby zufriedenzustellen;

Arbeitsplätze sichern!

denn dafür, dass Sie gerne Wirtschaftskanzler wären, Herr Merz, können Sie mit Ihren Umfragewerten bei Unternehmerinnen und Unternehmern ja nicht gerade zufrieden sein. Tja, blöd nur, dass dieser Vorstoß selbst arbeitgeberseitig nicht gerade auf Gegenliebe stößt.

Herr Merz, wie wollen Sie denn umsetzen,

Der Kanzler ist nicht da!

dass jeder Teilzeitantrag künftig individuell geprüft werden soll, ohne noch mehr Bürokratie zu schaffen? Selbst an Ihrer eigenen neoliberalen Logik scheitern Sie.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Mit Ihren populistischen Phrasen verkennen Sie die Realität der Mehrheit der arbeitenden Menschen. Aber selbst wenn Menschen sich dazu entscheiden, auf Lohn und Rente zu verzichten, um mehr vom Leben zu haben, um sich ehrenamtlich zu engagieren oder um mehr Zeit für Beziehungen und Freundschaften zu haben, dann ist das nicht egoistisch, dann ist das völlig berechtigt.

Beifallbei der Linken

Ihr Vorschlag zum Teilzeitverbot ist ein Schlag ins Gesicht für den Vater, der mehr Zeit für seine Tochter will, für die Nachbarin, die ihr Fußballteam trainiert, für die Mechanikerin, die Geflüchteten Deutsch beibringt, oder für den Sohn, der mehr Zeit mit seiner schwerkranken Mutter verbringen will, auch wenn er sie nicht pflegen muss.

Unser Leben ist so viel mehr als Kapital für die Chefs. Wir wollen selbstbestimmt und frei leben und arbeiten. Und wenn 40 Prozent in Teilzeit arbeiten, dann sollte uns das zu denken geben, ja, aber wegen Existenzangst und Altersarmut und weil so eine hohe Teilzeitquote doch zeigt, dass 40 Stunden plus Sorgearbeit plus Ehrenamt plus Beziehungsarbeit ganz offensichtlich nicht mehr das Normal ist. Die alte Vollzeit ist überholt. Es ist Zeit für Arbeitsverkürzung und ein neues Normalarbeitsverhältnis.

Beifallbei der Linken

Also Schluss mit den Fake News, Herr Merz! Die Menschen da draußen sind nicht faul, und wir sind nicht schuld an der Wirtschaftsflaute. Menschen wollen arbeiten, unter guten Bedingungen, selbstbestimmt, und sie wollen auch ein gutes Leben. Und wir, Die Linke, finden, sie haben das auch verdient.

Beifallbei der Linken
Porträt von Sandra Carstensen
Foto: Sandra Carstensen/ Sönke Ehlers
15 Vermerkeca. 930 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Frau Zerr, Ihre Rede zeigt wieder, dass man sich eigentlich gar nicht groß vorbereiten muss. Man bekommt das geliefert, was man von Ihnen erwartet: eine Darstellung völliger verdrehter Fakten und Realitäten.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufevon der Linken

Deutschland – das müssen Sie sich wirklich auch mal vor Augen halten – steht wirtschaftlich vor enormen Herausforderungen. Diesmal reden wir nicht über eine kurzfristige Konjunkturschwäche, sondern über strukturelle Probleme. Deutschland gehört seit Jahren zu den Schlusslichtern beim Wirtschaftswachstum unter den Industrienationen.

Weil Sie so schlechte Politik machen!

Während andere Volkswirtschaften längst wieder wachsen, stagniert unsere Wirtschaftsleistung. Gleichzeitig melden die Unternehmen einen historischen Arbeitskräftemangel. Nach Angaben des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung fehlen in Deutschland mehrere Hunderttausend Arbeitskräfte, insbesondere im Handwerk, in der Industrie, im Gesundheitswesen und in der Pflege.

Dann tun Sie mal was dagegen!

Weitere Zurufe von der Linken

– Hören Sie doch mal zu! – Über 1,7 Millionen Stellen sind unbesetzt.

Beifallbei der CDU/CSU

Danke schön. – Und nun kommt ein dritter, zentraler Befund hinzu. Auch wir wissen, dass das gesamte Arbeitszeitvolumen heute hoch ist. Aber wir dürfen bei diesem Thema den Fokus nicht auf vergangene oder gegenwärtige Arbeitszeiten legen, wir müssen den Fokus konsequent auf die kolossale Aufgabe unserer demografischen Entwicklung richten.

Beifallbei der CDU/CSU

Die Zahl der Menschen im Erwerbsalter wird aufgrund unserer Alterung – das ist Fakt, das kriegen Sie auch auf die Schnelle nicht bereinigt; denn so schnell können wir keine Kinder kriegen und werden es auch nicht – in den nächsten 10 bis 15 Jahren um bis zu 4 Millionen sinken. Das bedeutet für alle eines: Wir müssen ab heute mehr arbeiten, und mehr arbeiten bedeutet in vielen Fällen auch: Vollzeit arbeiten.

– Lassen Sie; es ist den Gedanken nicht wert, darüber zu reden. – Die Teilzeitquote in Deutschland liegt mittlerweile bei über 40 Prozent aller Erwerbstätigen. Wir haben einen historischen Höchststand. Gleichzeitig sinkt das gesamtwirtschaftliche Arbeitsvolumen pro Erwerbstätigem weiter. Der Befund ist eindeutig: Das funktioniert nicht mehr.

Meine Damen und Herren von der Linken, Sie sprechen über Verteilung, über neue Leistungen, über zusätzliche staatliche Ansprüche. Aber Sie verschweigen die Grundlage all dessen: Wohlstand entsteht nämlich nicht durch Verteilung, sondern durch Arbeit, Produktivität und Leistung.

Beifallbei der CDU/CSU

Es ist höchste Zeit, dass wir den Mut und das Rückgrat aufbringen, die es braucht, um unser Land wieder voranzubringen. Dafür müssen öffentliche Diskussionen nicht nur erlaubt sein, sondern auch endlich einmal wieder geführt werden, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU

Unser Sozialstaat finanziert sich nicht von selbst. Allein für Renten, Gesundheit und Pflege geben wir heute über 1 Billion Euro pro Jahr aus. Ohne wirtschaftliches Wachstum ist das langfristig nicht tragfähig. Der deutsche Mittelstand, der über 90 Prozent aller Unternehmen stellt und rund 60 Prozent der Arbeitsplätze, gerät zunehmend unter Druck. Betriebe berichten, dass Aufträge abgelehnt werden müssen, weil schlicht Personal fehlt. Produktionskapazitäten bleiben ungenutzt, Investitionen werden verschoben oder gleich ins Ausland verlagert.

Es ist daher jetzt nicht die Zeit, über weniger, sondern konsequent über mehr Arbeit zu sprechen. Lassen Sie mich klar sagen: Teilzeitarbeit ist wichtig – gerade für Familie, Pflege, berufliche Fort- und Weiterbildung oder bei gesundheitlichen Einschränkungen. Und niemand hier will Teilzeit dort eingrenzen, wo sie sinnvoll, wichtig und richtig ist.

Beifallbei der CDU/CSU

Aber ein System, in dem Arbeitszeit immer weiter reduziert wird, während gleichzeitig Arbeitskräfte fehlen, ist einfach nicht ausgewogen. Eine Kutsche wird nicht schneller, wenn die Zugpferde fehlen.

Wir brauchen deshalb mehr Flexibilität. Die starre Höchstarbeitszeit ist ein Relikt aus dem Industriezeitalter.

Widerspruchbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Eine wöchentliche Höchstarbeitszeit, wie sie in vielen europäischen Ländern gilt, würde Betrieben und Beschäftigten mehr Spielraum geben, ohne den Arbeitsschutz zu schwächen.

Beifallbei der CDU/CSU

Und im Übrigen: Gerade so – und nur so! – können wir insbesondere Frauen die Chance eröffnen, Beruf und Familie wieder besser unter einen Hut zu bringen.

Auch die Debatte über Karenztage bei der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ist notwendig. Deutschland gehört zu den wenigen Ländern, in denen der volle Lohnanspruch ab dem ersten Krankheitstag besteht – und das für ganze sechs Wochen. Niemand stellt die Absicherung im Krankheitsfall hier infrage, aber Verantwortung heißt auch, Fehlanreize ehrlich zu prüfen.

Zurufder Abg. Janine Wissler [Die Linke]

Solidarität funktioniert nur, wenn sie von allen getragen wird.

Meine Damen und Herren von der Linken, Ihre Antwort auf diese Fakten lautet: Mehr Regulierung, mehr Ansprüche, mehr Staat. Unsere Antwort als CDU lautet: Mehr Leistung, mehr Verantwortung, mehr Vertrauen in die arbeitenden Menschen und Unternehmen dieses Landes.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufdes Abg. Mirze Edis [Die Linke]

Arbeit ist keine Zumutung, meine Damen und Herren. Arbeit ist Teilhabe, Verantwortung und Grundlage unseres Wohlstandes. Wer Leistung systematisch relativiert, gefährdet am Ende genau die soziale Sicherheit, –

– die er zu schützen vorgibt.

Deutschland braucht einen neuen Leistungsdialog, –

– einen ehrlichen Blick auf Zahlen und Realitäten.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Peter Bohnhof
Foto: Peter Bohnhof
12 Vermerkeca. 692 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Liebe Bürgerinnen und Bürger! Seit ein paar Tagen wird eine neue Sau von der CDU durch das Land getrieben: die Teilzeit. Die Menschen sind es aber leid, dass die Altparteien hier ständig das gleiche Theater aufführen, in dem am Ende immer Deutschland verliert. Die Union, allen voran der Bundeskanzler, hackt seit Monaten auf den Arbeitnehmern herum, und die links-grünen Truppenteile machen wie auf Knopfdruck Klassenkampf. Immer dasselbe und nichts als heiße Luft.

Beifallbei der AfD

Über die wahren Ursachen und Gründe für den Niedergang Deutschlands wollen Sie nicht reden, weil Sie wissen, dass Sie alle schuld daran sind, und weil Ihnen Deutschland egal ist. Sie haben sich aufgegeben und unser Land aufgegeben. Die Einzigen, die Deutschland noch retten können, sind wir, die Alternative für Deutschland.

Beifallbei der AfD

Keine der Forderungen aus der Union zum Thema Arbeitsrecht löst unsere Probleme. Aber darum geht es auch gar nicht. Sie sind nur auf der Suche nach der nächsten Schlagzeile und dem schnellen Applaus.

Zurufdes Abg. Peter Aumer [CDU/CSU]

Vor zwei Wochen wollte der Bundeskanzler das Arbeitszeitgesetz abschaffen. Es ist ihm egal, dass man das gar nicht ersatzlos streichen kann. Es gibt nämlich eine EU-Richtlinie, nach der es eine nationale Regelung zur Arbeitszeit geben muss. Vielleicht sollte der Herr Bundeskanzler mal den ersten Schritt vor dem zweiten machen und mit der Entbürokratisierung der EU beginnen. Aber wen interessiert’s? Für den kurzfristigen Applaus ist der Bundeskanzler bereit, mal eben ein zentrales Schutzgesetz abzuschaffen.

Das habt ihr aber falsch verstanden, glaube ich!

Der damalige Bundesarbeitsminister Norbert Blüm von der CDU war 1994 noch stolz darauf, mit dem Arbeitszeitgesetz den Sonntag und unsere Feiertage als Tage der – ich zitiere das Grundgesetz –: „Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung“ zu schützen.

Recht gehabt!

Wir müssen mal wieder feststellen: Das abendländische Fundament unserer Verfassung ist der CDU mittlerweile vollkommen egal.

Das sagt mal dem Bäcker!

Und jetzt die nächste Luftnummer: Teilzeit. Die CDU hat keine Vorstellung vom Alltag der normalen Menschen. Sie kommt mit abwertenden Begriffen wie „Lifestyle-Teilzeit“ um die Ecke, als ob Teilzeit ein Luxus wäre, eine Laune, eine Modeerscheinung. Und dann wundern Sie sich, dass die Arbeitnehmer mehrheitlich AfD wählen? Wir sind nicht so abgehoben. Wir fliegen nicht mit dem Privatjet.

Zurufder Abg. Rasha Nasr [SPD]

Wir reden lieber mit den Leuten auf der Straße. Im Gegensatz zur Regierung wissen wir, dass neben den Familien mit Kindern oder Pflegebedürftigen auch weitere Arbeitnehmer verlässliche Regeln brauchen. Diejenigen, die in der Pflege, im Krankenhaus oder in der Schule an ihre Belastungsgrenze kommen, müssen die Möglichkeit haben, ihre Arbeitszeit zu reduzieren. Sonst verheizen wir diese Fachkräfte, meine Damen und Herren.

Beifallbei der AfD

Aber das ist Merz und Co ja auch egal. Sie werfen den Deutschen lieber Faulheit vor, um von den wahren Problemen abzulenken.

Aber die Menschen lassen sich nicht mehr für dumm verkaufen. Die Deutschen wissen, warum im letzten Jahr bei uns über 17 000 Unternehmen pleitegegangen sind. Das lag nicht am Arbeitszeitgesetz, das lag nicht an der Teilzeit. Die tiefste wirtschaftliche Krise unserer Republik ist das Ergebnis einer industriefeindlichen Energiepolitik, der Masseneinwanderung in unsere Sozialsysteme, der Vernachlässigung unserer Infrastruktur und einer erdrückenden Steuer-, Sozialabgaben- und Bürokratielast, meine Damen und Herren.

Beifallbei der AfD

Das alles ist nicht alternativlos. Es gibt eine Alternative, die den Staat und seine Organe wieder in den Dienst der Bürger stellen wird. Lassen Sie uns das gemeinsam durchsetzen – gegen die realitätsferne CDU, gegen den Kanzler der Faulheitsvorwürfe und gegen Schwarz-Rot.

Beifallbei der AfD
Zurufvon der Linken: Niemals!

In diesem Jahr fangen wir damit an, in Stuttgart, in Mainz, in Berlin, in Magdeburg, in Schwerin und bald auch hier im Deutschen Bundestag: zum Wohle des deutschen Volkes.

Porträt von Jan Dieren
Foto: Jan Dieren/Photothek
8 Vermerkeca. 893 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Abgeordnete! Liebe Kolleginnen und Kollegen in den Betrieben und Unternehmen! Ich bin der Linken dankbar, dass sie das Thema heute auf die Tagesordnung gesetzt hat. Wir haben in der politischen Debatte der letzten Monate und Jahre ja immer wieder Vorschläge gehört, die im Ergebnis darauf hinauslaufen, dass die arbeitenden Menschen in Deutschland jetzt endlich noch mehr arbeiten sollen. Ich habe zum Beispiel die Tage gelesen, dass Reinhold Würth, der Schraubenmilliardär, gesagt hat, dass ihm bei der Arbeitsmoral in Deutschland angst und bange werde. Das ist, finde ich, schon ein ganz schönes Stück. Wenn jemand, dessen Milliardenvermögen allein darauf beruht, dass über 80 000 Menschen

Das hat er auch geschafft! Er hat auch 80 000 Arbeitsplätze geschaffen!

für ihn jeden Tag arbeiten, ihm Tag für Tag einen Teil ihrer Lebenszeit schenken,

Zurufvon der CDU/CSU: Dann hoffe ich, dass es so bleibt!

dann, finde ich, ist es schon ganz schön frech und unverschämt,

Zurufvon der Linken: Allerdings!

diesen Menschen vorzuwerfen, dass sie verwöhnt seien und keine Arbeitsmoral mehr hätten.

Beifallbei der SPD und der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Es stimmt außerdem auch überhaupt nicht. Die Menschen in Deutschland arbeiten heute mehr als jemals zuvor. Die Arbeitsproduktivität ist gestiegen. In Deutschland arbeiten Vollzeitbeschäftigte 41,4 Stunden in der Woche, und nebenbei übrigens auch noch mehr als im europäischen Durchschnitt; das erscheint in der politischen Debatte heute manchmal andersrum. Viele Menschen müssen heute auf der Arbeit immer mehr, immer schneller schaffen. Auf viele warten dann im Feierabend noch Aufgaben, die sie in der Familie oder im Ehrenamt übernehmen. Dann braucht es niemanden mehr zu überraschen, dass das immer mehr Menschen krankmacht, dass Menschen psychische Schäden davontragen, dass sich immer mehr Menschen gestresst fühlen. Jeder Dritte in Deutschland fühlt sich häufig oder ständig gestresst.

Das macht übrigens nicht nur krank, sondern sorgt auch dafür, dass das Vertrauen in Demokratie schwindet. Menschen, die sich gestresst fühlen, die sich körperlich angeschlagen fühlen, vertrauen der Demokratie weniger, fühlen sich politisch eher machtlos. Kein Wunder, glaube ich; denn statt Respekt, den sie verdienen, zu bekommen, hören sie in der politischen Debatte der letzten Monate und Jahre immer wieder, es sei ihre Schuld, dass die Wirtschaft gerade nicht so gut läuft, es sei ihre Schuld, wenn Stellen gestrichen werden, weil sie zu oft krank sind, weil sie zu faul sind oder weil sie in Teilzeit arbeiten.

Schauen wir mal – wir haben davon gerade schon gehört – in eine Branche, in der die Teilzeitquote besonders hoch ist, in die Pflege. Ich habe vor einer ganzen Weile mal ein Praktikum in einem Pflegeheim gemacht. Da waren natürlich auch viele Leute, die in Teilzeit gearbeitet haben. Ich habe sie dann, soweit das nebenher ging, in der kurzen Pause gefragt: Warum arbeitet ihr eigentlich in Teilzeit? Habt ihr keine Lust, hier mehr zu arbeiten? – Was haben die mir geantwortet? Weil es nicht anders geht. Weil der Job hier so anstrengend ist, weil er emotional belastend ist und weil ich jetzt schon so viele Überstunden mache, dass, wenn ich hier Vollzeit arbeiten würde, ich keine Zeit mehr für meine Familie hätte, mich nicht um meine Kinder kümmern könnte. – Alle von denen lieben ihre Arbeit, und der einzige Grund, warum sie die noch machen, ist die Möglichkeit zur Teilzeit. Ich finde es deshalb nicht richtig, diesen Menschen jetzt einen moralischen Vorwurf daraus zu machen, dass sie in Teilzeit arbeiten.

Beifallbei der SPD und der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das ist doch keine Lifestyleentscheidung, das ist Schutz der eigenen Gesundheit.

Aber selbst wenn das eine Lifestyleentscheidung wäre – na und? Wenn man „Lifestyleentscheidung“ ins Deutsche übersetzt, dann heißt das doch nichts anderes als „Selbstbestimmung über das eigene Leben“. Ich entscheide, was ich mit meinem Leben machen möchte. Ich finde, das ist nicht nur ein gerechtfertigter Anspruch. Ich finde, diese Freiheit, diese Möglichkeit, über das eigene Leben selbst zu bestimmen, muss das Ziel unserer politischen Arbeit sein. Das müssen wir jedem einzelnen Menschen ermöglichen.

Beifallbei der SPD und der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Aber die politische Debatte verschiebt sich leider gerade genau davon weg. Sie verschiebt sich weg von der Frage, was eigentlich wirklich im Interesse der arbeitenden Menschen ist. Manchmal kann man sogar den Eindruck bekommen, als wäre es ein Problem, dass die arbeitenden Menschen ihre Bedürfnisse nach mehr Lohn, mehr Zeit für sich und ihre Familie, nach mehr Lebensqualität klar benennen. Ich kann deshalb schon verstehen, wenn die dann fragen: Was ist eigentlich im Moment mit unseren Bedürfnissen? Was ist mit uns? Wer vertritt unsere politischen Interessen eigentlich? – Dabei sollten doch gerade hier die Interessen der Menschen, ihre Bedürfnisse im Mittelpunkt stehen.

Deshalb: Wer möchte, dass mehr Menschen in Vollzeit arbeiten, muss ihre Arbeitsbedingungen verbessern. Wer die wirtschaftliche Lage hier dauerhaft verbessern möchte, muss, meine ich, die Interessen und die Bedürfnisse der arbeitenden Menschen zum Ausgangspunkt der eigenen Politik machen, sie ernst nehmen, nicht Politik gegen, sondern Politik für die arbeitenden Menschen machen. Wir jedenfalls wollen das.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der Linken und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Nicht dass du Ärger bekommst mit der Bärbel!

Die nächste Rednerin in dieser Debatte ist Misbah Khan für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.

Porträt von Misbah Khan
Foto: Misbah Khan/ Nils Leon Brauer
16 Vermerkeca. 839 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Was wir hier Woche für Woche präsentiert bekommen, ist kein zufälliges Sammelsurium von schlechten Ideen; es ist ein politisches Programm. Sie haben sich entschieden – da bin ich ganz bei Herrn Dieren –, die Beschäftigten zum Problem zu erklären.

Das stimmt doch nicht! Wir wollen Arbeitsplätze sichern!

Nicht Ihre Politik, nicht Ihr Investitionsversagen, auch nicht Ihre Ideenlosigkeit – es sollen die Menschen sein! Ihre Vorschläge richten sich gegen Familien, gegen Alleinerziehende, sie richten sich gegen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Für individuelle Freiheit, für die Pflege von Angehörigen, für Krankheit, für Kinder, für Familie, für all das ist in Ihrem Weltbild in der Konsequenz einfach viel zu wenig Platz.

Anders lassen sich diese endlosen und sich wiederholenden Angriffe auf Beschäftigte in diesem Land einfach nicht mehr erklären.

Gerade auch die Teilzeitdebatte der letzten Tage zeigt: Sie würden am liebsten jeden Menschen dazu zwingen, in Vollzeit arbeiten zu gehen, außer man kann dem nicht nachkommen. Jetzt muss man sich mal vorstellen, was das in der Konsequenz bedeutet, wenn man ein Kind erzieht oder wenn man jemanden pflegt. Die Menschen sollen dann aufs Amt gehen und sich bescheinigen lassen: „Ich habe Kinder“, „Ich muss jemanden pflegen“. Das kann man sich doch nicht vorstellen. Das ist absolut lebensfremd. Das ist Misstrauen per Gesetz.

Diese Vorschläge greifen also nicht nur tief in das Leben von Menschen und Familien ein; sie errichten auch bürokratische Hürden für Millionen von Menschen. Dabei wäre es doch so einfach: Lassen Sie den Menschen doch einfach die freie Wahl, wie sie arbeiten wollen und können!

Zurufdes Abg. Peter Aumer [CDU/CSU]

Wenn wir schon beim Thema Wahl sind: In meinem Heimatland, in Rheinland-Pfalz, sind bald Landtagswahlen. Ich sage an dieser Stelle allen Rheinland-Pfälzerinnen und Rheinland-Pfälzern: Überlegen Sie sich ganz genau, ob Sie die CDU wählen wollen!

Super! Ganz toller Appell!

Zurufvon der AfD: Die AfD wählen!

Denn das, was wir dann kriegen, ist mindestens eine bürokratische Geiselhaft, wenn nicht noch mehr.

Was wir kriegen, ist Freiheit in Sonntagsreden, und im Alltag kommen neue Formulare, wenn nicht sogar die grundlegenden Errungenschaften des Arbeitsrechts mit Füßen getreten werden. Das heißt, was wir haben, ist ein Abbau von Schutzrechten, weil sie nicht mehr als Schutzrechte gesehen werden, sondern als Hemmnisse für die Wirtschaft.

Der Kanzler persönlich hat sich jetzt entschieden, sich auf die Kranken einzuschießen. Na, herzlichen Glückwunsch! Statt dann zu sagen: „Wir fokussieren uns auf die Prävention, wir schauen, was wir tun können, damit Menschen wirklich länger gesund bleiben“, werden andere Fragen gestellt. Mal ganz nebenbei: Stress ist einer der größten Krankheitstreiber in dieser Gesellschaft, und zur Entspannung tragen die Debatten, die Sie führen, wirklich nicht bei.

Also: Prävention gehört in den Mittelpunkt und nicht, Menschen pauschal zu unterstellen, dass sie ihre sozialen Rechte missbrauchen, dass sie ihre Arbeitsrechte missbrauchen.

Hat keiner gemacht!

Was wir nicht brauchen, ist ein Generalverdacht. Der ist respektlos. Und vor allem zeigt er einen sozialpolitischen Offenbarungseid.

Was die Union macht, ist übrigens auch keine Arbeitsmarktpolitik, sondern eine Umdeutung von Verantwortung. Das zeigt, wo und wie Sie eigentlich in der Regierung und in der Arbeit, die Sie machen, stehen:

Zurufdes Abg. Peter Aumer [CDU/CSU]

Sie wollen von Ihrem Regierungsversagen ablenken. – Ja, natürlich ist es so, dass die Kosten im Gesundheitssystem explodieren. Und ja, wir brauchen dringend strukturelle Reformen. Aber nein, das liegt nicht daran, dass Menschen krank werden, und es liegt auch nicht an telefonischen Krankschreibungen.

Mit dieser Scheindebatte wollen Sie davon ablenken, dass Sie, Ihre Regierung und Ihre Gesundheitsministerin, keine Antworten auf die echten Kostentreiber im Gesundheitssystem liefern.

Was ist denn der echte Kostentreiber?

Das Ganze wird auch noch gekrönt, indem große Teile dieser Gesellschaft als faul deklariert werden. Statt Schuldzuweisungen an dieses Land und an die Menschen in diesem Land auszusprechen, tragen Sie doch bitte Ihre politische Verantwortung! Stellen Sie die richtigen Stellschrauben, und bringen Sie die Wirtschaft in Fahrt! Was dafür wichtig sein kann, das wissen wir. Das sind nicht Schuldzuweisungen, das ist eine flächendeckende Digitalisierung, die Sie konsequent verschlafen. Es ist der Abbau von Bürokratie.

Was haben Sie bei den Grünen denn gemacht?

Und es ist die Nutzung des Sondervermögens als Investitionsbooster, statt es für Wahlgeschenke und für parteipolitische Sonderwünsche zu missbrauchen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Die Menschen in diesem Land sind nicht das Problem, sie sind die Stärke unseres Landes, und sie verdienen es auch, so behandelt zu werden.

Zurufdes Abg. Peter Aumer [CDU/CSU]

Was das Land wirklich ausbremst, ist eine Union, die nicht ihre Verantwortung übernimmt.

Danke schön.

Der nächste Redner in dieser Debatte ist Wilfried Oellers für die Unionsfraktion.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Wilfried Oellers
Foto: Wilfried Oellers/ Tobias Koch
11 Vermerkeca. 748 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Die Arbeitswelt und deren Bedürfnisse in unserem Land sind sehr unterschiedlich. Jede Branche hat ihre Besonderheiten, aber auch ihre eigenen Arbeitszeitspitzen. Während wir üblicherweise von Arbeitszeiten an Wochentagen und tagsüber ausgehen, gibt es auch viele Branchen, deren hauptsächliche Tätigkeit abends oder am Wochenende liegt, zum Beispiel die Gastronomie, oder Branchen, deren Arbeitszeiten sehr stark saisonal bedingt sind, wie zum Beispiel die Landwirtschaft und die Erntehelfer. Darüber hinaus gibt es aber auch 24-Stunden-Betriebe im Schichtbetrieb, zum Beispiel in der Industrieproduktion und in der Daseinsvorsorge.

Diese Beschreibung ist sicherlich nicht vollständig und will auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben; sie gibt aber einen kleinen Einblick in die Unterschiedlichkeit der Arbeitswelt.

So unterschiedlich die Arbeitswelt ist, so unterschiedlich sind auch die Bedürfnisse der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer.

Beifallbei der CDU/CSU

Jede Seite wünscht eine gewisse Flexibilität, aber auch eine Planbarkeit. Arbeitgeber müssen schauen, dass die Aufträge abgearbeitet werden und dass man auf Auftragsspitzen und auf den Arbeitsanfall reagieren kann. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wünschen aber auch, Familie und Beruf miteinander vereinbaren zu können. Hinzu kommt aktuell noch der große Fachkräfte- und, ja, sogar Arbeitskräftemangel.

Die Herausforderungen des Arbeitsmarktes sind groß. Um die Leistungsfähigkeit unserer Wirtschaft zu erhalten, müssen wir alles daransetzen, dass die Wirtschaft im Vergleich zu den letzten drei Jahren wieder in Schwung kommt, damit wir so unseren Wohlstand, den wir über all die Jahre erwirtschaftet haben, zumindest erhalten und am liebsten sogar ausbauen.

Beifallbei der CDU/CSU

Hierzu bedarf es nach unserer Auffassung folgender Maßnahmen:

Insbesondere um mehr Flexibilisierung in die Arbeitswelt hineinzubekommen, bedarf es der im Koalitionsvertrag vereinbarten Einführung der Wochenarbeitszeit.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Sie würde nicht nur den Unternehmern die Möglichkeit geben, auf den Arbeitsanfall zu reagieren, sie würde auch Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in die Lage versetzen, Familie und Beruf besser miteinander vereinbaren zu können. Auch wenn manche anderes behaupten, so wird diese Flexibilisierung eben nicht nur von der Arbeitgeberseite gewünscht, sondern auch von der Arbeitnehmerseite. Dabei wird das Arbeitszeitgesetz seinen Grundgedanken als Arbeitsschutzgesetz nicht verlieren. Aber für die Arbeitswelt wird es wichtig sein, diese Flexibilisierung, die übrigens in der EU-Arbeitszeitrichtlinie ausdrücklich vorgesehen ist, auch in unserem Land zu ermöglichen.

Beifallbei der CDU/CSU

Zur Arbeitswelt gehört aber auch die Möglichkeit, in Teilzeit zu arbeiten. Dies ermöglicht, Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren. Die Entscheidung, wie man es handhaben möchte, liegt bei jedem selbst. Die Teilzeit hat es den Menschen ermöglicht, Erziehung von Kindern oder Pflege von Angehörigen mit ihrer Arbeit zu vereinbaren. Und wenn man dann eben nicht in Vollzeit arbeiten kann, kann man der Arbeit trotzdem in Teilzeit nachgehen. Daher hat die Teilzeit Arbeitspotenziale für unser Land und für den Arbeitsmarkt eröffnet, die ansonsten nicht ausgeschöpft worden wären. Das ist ein absoluter Mehrwert.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD

Sagen Sie das Ihrer Ministerin!

In Ergänzung zur allgemeinen Teilzeit haben wir seinerzeit sogar die Brückenteilzeit eingeführt.

Sehr gut! 2018 war das!

Diese soll es den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ja ermöglichen, für eine bestimmte Zeit in Teilzeit zu gehen, um nachher in Vollzeit wiederzukommen. An der Stelle muss man aber auch dazusagen: Das ist sicherlich ein Mehrwert für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die das beantragen, zugleich aber eine enorme Herausforderung nicht nur für die Unternehmer, sondern auch für die Arbeitnehmer.

Beifalldes Abg. Siegfried Walch [CDU/CSU]

Warum? Die Arbeitgeber müssen schauen, wie sie den Arbeitsanfall trotz reduzierter Arbeitszeit aufgefangen bekommen. Es gibt da folgende Möglichkeiten:

Die erste Möglichkeit wäre, man stellt eine Person befristet in Teilzeit ein. Da stellt sich erst einmal die Frage: Findet man jemanden dafür? Denn Teilzeit und Befristung ist relativ unattraktiv. Dies wird doch vor allen Dingen immer von eher linksgerichteten Fraktionen deutlich kritisiert, weil es prekäre Arbeit ist.

Die zweite Möglichkeit wäre: Wenn man keinen findet, dann muss das eben die Belegschaft im Betrieb auffangen. Wie geht das? In der Regel eher durch Überstunden! Sie merken, hier kommen wir zu einem Zielkonflikt, den wir eigentlich gerne auflösen wollten. Das ist auch der Gegenstand des MIT-Antrags.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufdes Abg. Bernd Rützel [SPD]

Wir müssen schauen, dass unsere Wirtschaft wieder in Gang kommt. Dafür brauchen wir einen flexiblen Arbeitsmarkt.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU

Die nächste Rednerin in dieser Debatte ist für die AfD Gerrit Huy.

Beifallbei der AfD
Porträt von Gerrit Huy
Foto: Gerrit Huy/ Marcus Vetter, Fotostudio Seefeld
9 Vermerkeca. 762 WörterReaktionswert: lebhaft
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Frau Präsidentin! Werte Kollegen! Liebe Zuschauer! Wir sind eine freiheitliche Partei. Bei uns darf im Prinzip jeder so viel arbeiten, wie er gerne möchte. Das ist Teil der deutschen Vertragsfreiheit, die auch zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern gilt. Arbeitgeber können ihren Mitarbeitern ohne Weiteres eine Zwei-, Vier- oder Fünftagewoche anbieten. Aber halt! Mehr geht da nicht: weil dann der deutsche Arbeitsschutz greift – mit Fug und Recht. Denn der einzelne Arbeitnehmer kann sich in Verhandlungen, gerade bei größeren Unternehmen, allein nicht durchsetzen. Er wird gesichert durch den gesetzlichen Arbeitsschutz, der den Unternehmern bewährte Mindeststandards vorgibt. Deswegen können wir auch nicht verstehen, weshalb gerade die Union ihn jetzt in Teilen abschaffen will. Glaubt sie ernsthaft, so die Wirtschaftswende einleiten zu können?

Aus unserer Sicht ist die von der Union geplante Verwässerung der Arbeitszeitregelung schädlich für die Arbeitnehmer, weil sie potenziell deren Gesundheit gefährdet, sie aber definitiv ihr Familienleben schlechter planen lässt, weil sich zum Beispiel Kindergartenzeiten nicht mitanpassen lassen. Dieser Schritt ist aber auch überflüssig, weil schon die derzeitige Gesetzeslage vorübergehende Abweichungen von der täglichen und wöchentlichen Höchstarbeitszeit ermöglicht.

Beifallbei der AfD

Das gibt den Unternehmen in Ausnahmesituationen genügend Flexibilität, die sie auch gerne nutzen.

Wir sehen uns als arbeitnehmerfreundliche Partei, gleichzeitig aber auch als wirtschaftsfreundliche Partei.

Seid ihr das, oder seht ihr euch so?

Denn wir wissen sehr wohl: Ohne mutige Unternehmer und eine funktionierende Wirtschaft funktioniert gar nichts in diesem Land.

Beifallbei der AfD

Das bekommen zurzeit leider immer mehr Menschen nur allzu nachdrücklich vor Augen geführt, die gerade ihren Arbeitsplatz verlieren. Diese Hunderttausende Insolvenzopfer sind in großen Teilen der Wirtschaftspolitik der Altparteien verschuldet.

Und jetzt die Vorschläge!

Die Union hat selbst dazu beigetragen, Stichwort „Atomausstieg“ zum Beispiel. Nicht wahr?

Beifallbei der AfD

Da müssen Sie sich nicht wundern, wenn Ihnen die Wähler den wirtschaftlichen Turnaround nicht zutrauen. Wir tun das auch nicht.

Weder Ihre neue Arbeitszeitordnung noch die Abschaffung der Brückenteilzeit werden es richten. Letztere haben Sie erst 2019 eingeführt; jetzt wollen Sie sie wieder abschaffen. Wir haben damals schon dagegengestimmt, weil sie zum einen die Vertragsfreiheit zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern weiter einschränkt und zum anderen erhebliche bürokratische Mehraufwendungen verursacht. Sie gilt einschränkungslos für alle privaten Firmen mit mehr als 45 Mitarbeitern.

Ich kenne aber beispielsweise Start-ups mit 80 und mehr Mitarbeitern, die nicht einmal einen eigenen Personalverantwortlichen haben. Deren Mitarbeiter bestehen fast ausschließlich aus Ingenieuren, Produktplanern oder ITlern. Personalangelegenheiten erledigt der Chef höchstpersönlich mithilfe seines Sekretariats. Da kommt dann ein junger Heißsporn, der gerade seine sechsmonatige Einarbeitungszeit hinter sich hat, und stellt fest, er möchte mehr Life als Work haben und nur noch vormittags arbeiten. Der Chef muss dem dann nachgeben – Widerspruch ist praktisch aussichtslos – und sich überlegen, wie er den anderen halben Tag mit seinem knappen Start-up-Budget noch ausreichend besetzen kann. Das ist in meinen Augen nicht besonders intelligent.

Es wundert nicht, dass derartige Regelungen dazu führen, dass unsere Gründer zwar frühzeitig sehr gute Geschäftsideen entwickeln, aber sie nur sehr selten am Markt durchsetzen können. Warum? Der Rest der Welt ist nicht besser; der Rest der Welt ist schneller als wir. Und unser deutscher Behördenstaat lässt Schnelligkeit einfach nicht zu. Warum auch? Seinen Beamten hat das Bundesverfassungsgericht gerade ein finanziell sorgenfreies Leben zugesagt, was nun zu bombastischen Nachzahlungen in Bund und Ländern führt. Dem Rest der Bürger mutet das Gericht damit bedenkenlos zusätzliche finanzielle Sorgen zu. Denn sie sind es, die den großzügigen Richterspruch finanzieren müssen.

Der Anspruch auf Teilzeit ist zu unterstützen, wenn er gut begründet ist: wenn etwa Mütter und Väter nicht mehr Vollzeit arbeiten können, weil sie Kinder oder Pflegebedürftige betreuen müssen. Das unterstützen wir mit Gesetz und mit Herz.

Beifallbei der AfD

Der Wechsel in Teilzeit bedeutet immer auch einen Wechsel in niedrigeres Einkommen. Wenn einer damit auskommt und das in Ordnung findet, dann ist es für uns okay.

Was wir aber definitiv nicht wollen, ist, dass Arbeitnehmer, wie es leider relativ häufig geschieht, die Teilzeitoption nutzen, um sich anschließend ihr Haushaltsbudget mit Wohngeld oder Grundsicherungsgeld aufstocken zu lassen. Das ist Work-Life-Balance auf Kosten Dritter und damit höchst unanständig.

Beifallbei der AfD

Wir haben nicht vor, so etwas zuzulassen. Über 100 Milliarden Euro gehen dem ehrlichen Teil unserer Gesellschaft schon heute durch Sozialbetrug verloren. Jährlich! Das muss ein Ende haben.

Leistungserschleichung wollen wir nicht belohnen; aber Arbeitsleistung wollen wir zukünftig besser belohnen.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD

Die nächste Rednerin in dieser Debatte ist Rasha Nasr für die SPD-Fraktion.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der Linken
Porträt von Rasha Nasr
Foto: Photothek Media Lab
13 Vermerkeca. 810 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Werte Kolleginnen und Kollegen! Wenn man die Debatten der letzten Wochen verfolgt, könnte man den Eindruck bekommen, dass in diesem Land plötzlich alle faul sind. Erst ging es darum, ob das mit den vielen Krankheitstagen denn wirklich sein müsse, jetzt um das Recht auf Teilzeitarbeit. Ich sage Ihnen offen, werte Kolleginnen und Kollegen der Union: Der Ton dieser Debatte irritiert mich dann schon.

Zurufvon der AfD: Aha!

Und ich hoffe sehr, dass wir hier im Deutschen Bundestag nicht ernsthaft damit anfangen, den Fleiß der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in diesem Land infrage zu stellen.

Macht keiner!

Diese Debatte ist nicht nur wirklichkeitsfern; sie ist inzwischen so schief, dass selbst aus den Reihen der Union deutliche Kritik kommt, zum Beispiel vom CDU-Landesvorsitzenden in Rheinland-Pfalz, Gordon Schnieder, der die Idee, den Rechtsanspruch auf Teilzeit infrage zu stellen, als „Schnapsidee“ bezeichnet hat. Werte Kolleginnen und Kollegen, ich finde, er hat recht damit. Denn diese Debatte geht an der Realität vorbei.

Beifallbei der SPD sowie der Abg. Ricarda Lang [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Und, ich muss es so ehrlich sagen, sie trieft vor Arroganz gegenüber den hart arbeitenden Menschen in diesem Land.

Teilzeit ist kein Luxus, kein Lifestyle und kein Ausdruck mangelnder Solidarität. Für Millionen Menschen ist Teilzeit die Voraussetzung dafür, Arbeit und Leben überhaupt miteinander vereinbaren zu können – Familie, Pflege, Ehrenamt oder eben die eigene Gesundheit. Wer Teilzeitarbeit pauschal abwertet, löst kein Fachkräfteproblem. Er verschiebt es. Und er verkennt, dass mehr Arbeitsstunden nicht durch moralischen Druck entstehen, sondern dort, wo Betreuung, Pflege und Gesundheit das überhaupt zulassen.

Ja, wir brauchen mehr Arbeitskraft. Aber nicht durch weniger Arbeitnehmerrechte.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wenn moralische Appelle Arbeitskräfte schaffen würden, hätten wir dieses Problem doch längst nicht mehr.

Zurufdes Abg. Peter Aumer [CDU/CSU]

Entscheidend ist, ob Menschen reale Möglichkeiten haben, ihre Arbeitszeit auszuweiten. Und genau hier liegen die eigentlichen Hürden:

Da sind die Minijobs, die viele – vor allem Frauen – dauerhaft in Beschäftigungen mit niedriger Stundenzahl und ohne soziale Absicherung festhalten. Das sind keine Brücken in existenzsichernde Beschäftigung, sondern Sackgassen.

Da sind steuerliche Fehlanreize wie das Ehegattensplitting, das bis heute signalisiert, dass sich Mehrarbeit – auch hier insbesondere für Frauen – kaum lohnt.

Und da sind Arbeitszeiten, über die Beschäftigte oft nicht ausreichend mitentscheiden können.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Dabei wissen wir aus der Praxis: Gute Arbeitszeitmodelle entstehen dort, wo betriebliche Mitbestimmung funktioniert und Arbeitszeiten planbar und verlässlich sind.

Wenn wir wollen, dass Menschen ihre Arbeitszeit ausweiten, müssen wir Brücken bauen und nicht Türen zuschlagen. Gute Kinderbetreuung, verlässliche Pflegeangebote, Qualifizierung und weniger Bürokratie im Alltag von Familien – das ist die tatsächliche Arbeitszeitreserve in diesem Land.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ich komme aus Sachsen, und ich sehe dort sehr konkret: Wo Betriebe auf Vereinbarkeit setzen, Weiterbildung ernst nehmen und Mitbestimmung ermöglichen, entscheiden sich viele Menschen freiwillig für mehr Stunden – ganz ohne Kulturkampf über angeblichen Lifestyle.

Meine Damen und Herren, als SPD-Bundestagsfraktion werden wir nicht akzeptieren, dass Menschen benachteiligt oder unter Druck gesetzt werden, weil sie Verantwortung für Kinder, für Pflegebedürftige oder für ihre Mitmenschen übernehmen. Solidarität bemisst sich nicht an der Stundenzahl im Arbeitsvertrag.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Fachkräftesicherung gelingt nicht durch Schuldzuweisungen oder den Abbau von Arbeitnehmerrechten. Sie gelingt durch gute Arbeit, faire Löhne, starke Mitbestimmung und echte Wahlfreiheit.

Und zur Vollständigkeit gehört auch: Wir haben in der Vergangenheit gut integrierte Menschen verloren, weil dieses Land sie abgeschoben hat, obwohl sie gearbeitet haben oder in Ausbildung waren. Wer hier arbeitet oder lernt, der soll bleiben dürfen. Und auch das ist ein Beitrag zur Fachkräftesicherung.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Meine Damen und Herren, wir können diese Debatte über Fleiß, Moral und angeblichen Lifestyle gern fortsetzen. Wir können weiter darüber diskutieren, wer wie viele Stunden arbeitet und wer sich dafür rechtfertigen soll. Oder wir machen Politik. Politik heißt: Hürden abzubauen, statt Menschen zu belehren, Mitbestimmung zu stärken, statt Misstrauen zu säen, und Arbeit so zu gestalten, dass sie auch zum Leben passt.

Das machen wir auch!

Alles andere produziert Schlagzeilen, aber keine einzige zusätzliche Arbeitsstunde. Wer Fachkräfte sichern will, muss an Strukturen arbeiten und nicht an Vorwürfen.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das machen wir doch gemeinsam!

Die nächste Rednerin in dieser Debatte ist Ines Schwerdtner für die Fraktion Die Linke.

Widerspruchder Abg. Ricarda Lang [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

– Entschuldigung, Frau Lang, Sie waren schon bei mir notiert. Sorry. – Die nächste Rednerin in dieser Debatte ist für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Ricarda Lang.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der Linken
Porträt von Ricarda Lang
Foto: Grüne Fraktion/ Stefan Kaminski
18 Vermerkeca. 833 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Vielen Dank für das Wort. Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte zunächst einmal Danke sagen. Denn während sich Teile der Union noch Mühe geben, so zu tun, als ginge es bei der Debatte um die Arbeitszeit um mehr Flexibilität oder mehr Vereinbarkeit,

hat der Wirtschaftsflügel diese Woche ehrlich und klipp und klar gezeigt, was das eigentliche Ziel ist, und zwar: weniger Rechte, weniger Schutz und weniger Freiheit für die Bürgerinnen und Bürger.

Mehr Wohlstand für alle!

Ihre Vorschläge gegen die Lifestyleteilzeit sind dabei nicht nur realitätsfern – Spoiler Alert! wer in Teilzeit arbeitet, liegt ja den Rest der Zeit nicht auf der faulen Haut herum –, sondern sie würden den Fachkräftemangel sogar noch weiter anheizen.

Denn die Möglichkeiten zur Teilzeit haben dafür gesorgt, dass viele Frauen ihre Erwerbstätigkeit gesteigert haben. Wenn Sie diese Möglichkeiten einschränken, dann würden Frauen nicht mehr arbeiten, sondern weniger.

Diese Vorschläge sind damit nicht nur menschlich unterirdisch, sondern auch noch wirtschaftlich plemplem oder, wie es der „Stern“ diese Woche gut auf den Punkt gebracht hat: „Das W in CDU steht für Wirtschaftskompetenz“. Und ich würde noch ergänzen: das B für Bürgernähe und das E für Empathie.

Natürlich sagen Sie jetzt, dass die Menschen, die pflegen, oder die Menschen, die Kinder erziehen, damit gar nicht gemeint wären, dass die ja ausgenommen wären. Dann spielen wir das Ganze doch einmal konkret durch. Müssen Beschäftigte nun ihrem Chef ihre gesamten familiären Verhältnisse offenlegen? Das schon im Bewerbungsgespräch oder erst danach? Und was ist erlaubt: Kinder nur unter zehn Jahre, oder ist über zehn Jahre auch noch in Ordnung? Und bei der Pflege: Darf man dann nur bei Angehörigen des ersten Grades, oder ist es bei Angehörigen zweiten Grades auch noch in Ordnung? Und wer entscheidet das eigentlich? Der Chef? Oder Gitta Connemann? Oder Friedrich Merz höchstpersönlich?

Lesen Sie doch mal den Antrag! Es geht doch gar nicht um Pflege oder Kindererziehung!

Sie reden von Bürokratieabbau und wollen ein absolutes Bürokratiemonster schaffen.

Sie werfen anderen Übergriffigkeit vor und wollen Vorschriften für die private Gestaltung der Arbeitszeit. Sie reden von Freiheit und wollen die Beschäftigten gängeln. Eure Flexibilität gilt immer nur für die wenigen, für euch selbst, und die Mehrheit darunter leidet.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der Linken

Dabei gäbe es ja einiges zu tun. Wenn hier etwas faul ist, dann ist es die Untätigkeit dieser Regierung.

Erstens sollten Sie dafür sorgen, dass die Leute, die Vollzeit arbeiten wollen, es auch können: mit einem flächendeckenden Ausbau der Kitainfrastruktur,

Wer war denn in der Regierung vor Kurzem? Habt ihr das vergessen?

mit einem echten und einem gerechten Pflegegeld, mit einer Ausweitung der Brückenteilzeit, mit einem Recht auf Vollzeit.

Zweitens sollten Sie dafür sorgen, dass sich mehr Arbeiten auch tatsächlich lohnt: mit der Reform des Ehegattensplittings, mit der Abschaffung der Steuerklasse V, mit einer steuerlichen Anrechnung von Betreuungskosten und, indem Menschen mit einem mittleren und kleinen Einkommen endlich mehr Netto vom Brutto haben.

Es gibt Lösungen gegen den Fachkräftemangel. Aber dabei ist eines klar: Es hilft mehr Vereinbarkeit und nicht mehr Verfügbarkeit.

Zurufdes Abg. Peter Aumer [CDU/CSU]

Im September hat der Bundeskanzler darum gebeten, dass wir den Standort starkmachen und nicht schlechtreden.

Komplett verrückte Idee: Wie wäre es, wenn er das mal dem CDU-Vorsitzenden Friedrich Merz vorschlägt? Denn während sich dieser Friedrich Merz von einem Fettnäpfchen zum anderen hangelt, sieht man doch immer mehr: Das Problem ist nicht, dass Friedrich Merz sagt, was er denkt, sondern dass er offensichtlich den ganzen Tag darüber nachdenkt,

…, wie man Arbeitsplätze sichert!

wer zu faul ist, wer zu wenig arbeitet, wer zu wenig leistet, wer zu viel krank ist und wer nicht dazugehört.

Haben Sie den Jahreswirtschaftsbericht gelesen?

Wenn man ein Land nur darüber definiert, wer nicht gut genug ist, dann wird man es niemals zusammenhalten können.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken

Die Familien in diesem Land, sie verdienen eine Regierungsspitze, die sich für sie interessiert und sie nicht ignoriert. Die Frauen, sie verdienen einen Kanzler, der sie versteht und nicht ihre Lebensrealität verspottet.

Und die Menschen in diesem Land, sie verdienen eine Regierung, die für sie kämpft und sie nicht immer wieder für faul erklärt. Denn diese Menschen leisten verdammt viel und eindeutig mehr als Ihre Bundesregierung.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken
Zurufdes Abg. Peter Aumer [CDU/CSU]

Jetzt ist die nächste Rednerin in dieser Debatte für die Fraktion Die Linke Ines Schwerdtner.

Beifallbei der Linken
Porträt von Ines Schwerdtner
Foto: Olaf Kostritz
18 Vermerkeca. 1.043 WörterReaktionswert: hoch
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Frau Präsidentin! Kolleginnen und Kollegen! Liebe Schulklassen! Liebe Besucher! Friedrich Merz, Katherina Reiche und die Lobbyistinnen und Lobbyisten von der Mittelstandsunion behaupten gerade, die Menschen in diesem Land würden zu wenig arbeiten. Mit Friedrich Merz gefragt: Ist das wirklich notwendig? Ich sage: Das ist nicht nur falsch, das ist auch eine Beleidigung für Millionen arbeitende Menschen in diesem Land. Knapp 17 Millionen von ihnen arbeiten in Teilzeit. Wer dieses Recht angreift, greift sie alle, greift uns alle an.

Beifallbei der Linken

Überlegen Sie sich doch vielleicht einmal, bevor Sie so einen Antrag stellen, wie Ihre Worte im Land ankommen, wie das bei den Menschen ankommt. Die Wahrheit ist doch: Die Gruppe, die es sich leisten kann, freiwillig in Teilzeit zu arbeiten, ist extrem klein; laut Experten reden wir hier – wenn überhaupt – von einem einstelligen Prozentbereich. Die große Mehrheit arbeitet in Teilzeit, weil sie muss: weil die Arbeit körperlich kaputtmacht, weil Angehörige gepflegt werden müssen und weil Kinder versorgt werden müssen. Teilzeit ist kein Lifestyle. Teilzeit ist für Millionen Menschen eine Überlebensstrategie.

Und selbst wenn Sie jetzt sagen – ich habe ja zugehört –: „Bestimmte Gruppen wollen wir ausnehmen, etwa Menschen mit Betreuungsaufgaben“, dann schaffen Sie damit kein gerechtes System, sondern ein Bürokratiemonster. Sie wollen doch die ganze Zeit Bürokratie abschaffen. Jetzt auf einmal wollen Sie neue Regelungen schaffen. Dann müssen nämlich Menschen begründen und rechtfertigen und nachweisen, warum sie weniger arbeiten. Dann entscheiden nicht mehr die Menschen selbst, weil sie ein Recht auf Teilzeit haben, sondern dann entscheidet der Staat darüber, was ein legitimer Grund ist. Wollen Sie das wirklich?

Und ich kaufe Ihnen Ihren Einsatz für die Wirtschaft überhaupt nicht ab. Denn komischerweise ist es so: Wenn in Erfurt Zalando seinen Betrieb einstellt, obwohl Millionensubventionen da reingeflossen sind, obwohl der Laden gleichzeitig Gewinne macht, wenn der Standort trotzdem schließen muss, dann verlieren Sie von der Wirtschaftsunion gar kein Wort darüber.

Beifallbei der Linken sowie der Abg. Ricarda Lang [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Warum muss der denn schließen?

Wenn Arbeitsplätze ins Ausland verlagert werden, dann schweigen Sie.

Warum machen die denn dicht?

Aber wenn Beschäftigte über ihre Arbeitszeit selbst bestimmen, dann greifen Sie sie an. Und genau das ist das Problem.

Dieses Teilzeit-Bashing ist doch auch keine unglückliche Wortwahl, nach der man wieder zurückrudern muss. Das ist genau das Gleiche wie bei der Stadtbild-Debatte: Sie wissen doch ganz genau, was Sie tun.

Sie wissen gar nichts!

Das Ganze hat ein politisches Programm – ein politisches Programm, das Angst machen und Menschen gefügig machen soll. Diese Angriffe auf die arbeitende Klasse in diesem Land haben System.

Die „arbeitende Klasse“! Da gehört Die Linke aber nicht dazu!

Sie sollen Druck nach unten erzeugen und Beschäftigte gegeneinander ausspielen, damit die CDU und ihre reichen Freunde in Ruhe den Staat plündern können.

Beifallbei der Linken

Aber nicht mit uns!

Sie nutzen in den letzten Wochen jede Gelegenheit, um hart erkämpfte Arbeitsrechte so zu beschimpfen, als wären sie ein Luxus. Wissen Sie, was wirklich Lifestyle ist? Ich erkläre es Ihnen mal: 800 000 Menschen in Deutschland leben allein von ihrem Vermögen, ohne einen einzigen Cent Vermögensteuer zu bezahlen. Das ist ein Luxus-Lifestyle, den wir uns nicht mehr leisten können; aber Teilzeit ist es nicht.

Beifallbei der Linken sowie der Abg. Mayra Vriesema [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Zurufder Abg. Sandra Carstensen [CDU/CSU]

Sie testen, wie weit Sie gehen können beim Abbau des Sozialstaats. Bärbel Bas legt jetzt gerade eine moderate Reform vor.

Wir legen die vor!

Aber Sie testen jeden Tag, wie weit Sie gehen können. Bei der Arbeitszeit, bei den Krankheitstagen, beim Rentenalter testen Sie es aus – Stück für Stück, Tag für Tag. Aber glauben Sie mir: Die Menschen werden sich diese Erniedrigung durch die politische Elite nicht mehr gefallen lassen. Sie merken sich das, und sie werden sich ihr Recht auch zurückholen.

Beifallbei der Linken

Die größte Lüge in diesem Land – man muss es ja immer wieder sagen – ist, dass die CDU von sich behauptet, sie verstünde etwas von Wirtschaft. Das ist eigentlich der größte Gag.

Aber Sie verstehen davon was, oder?

Ihre Vorschläge machen die Menschen krank.

Ich finde, Sie sollten ein bisschen vorsichtiger sein mit solchen Unterstellungen!

Und es sind die Beschäftigten, die die Wirtschaft tragen. Wissen Sie, was wirklich wirtschaftlich klug wäre? In Kitas, in Pflege, in Bildung zu investieren. Dann kriegen Sie nämlich auch den Fachkräftemangel in den Griff – nicht indem Sie die Leute zwingen, mehr zu arbeiten.

Beifallbei der Linken sowie der Abg. Ricarda Lang [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Und klug wäre es, wenn Sie sich das Geld dort holen, wo das Vermögen liegt: bei den Superreichen und bei denen, die seit Jahren von der Arbeit anderer Leute leben.

Beifallbei der Linken

Wenn man die Wirtschaft also wirklich stärken will, dann muss man dafür sorgen, dass Menschen wieder Luft zum Atmen bekommen, dass Löhne reichen, dass Wohnen bezahlbar ist und dass die Arbeit nicht krankmacht. Das schafft Nachfrage, Stabilität und Sicherheit. Wissen Sie, was wir lieber abschaffen sollten? Nicht das Recht auf Teilzeit, sondern diese als Politik getarnte Lobbyveranstaltung der Mittelstandsunion. Diese Politik braucht das Land nicht.

Beifallbei der Linken

Und glauben Sie mir: Mit diesen Angriffen auf die arbeitenden Menschen werden Sie nicht durchkommen.

Also, Ihre Unterstellungen sind echt bodenlos! Wirklich! Bodenlos!

Und weil heute das Gedenken an die Befreiung von Auschwitz und an den Holocaust war, will ich die letzten Sekunden dafür nutzen – weil die Bundestagspräsidentin es nicht getan hat –, zu sagen: Die ideologischen Nachfahren der Nazis sitzen hier immer noch rechts.

Beifallbei der Linken

Der Seitenhieb musste ja noch mal sein!

Für die CDU/CSU-Fraktion darf ich Peter Aumer das Wort erteilen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Peter Aumer
Foto: Peter Aumer/ Berli Berlinski
26 Vermerkeca. 1.043 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Eine denkwürdige Debatte, die wir hier gerade erleben, eine Debatte, die an der Realität unseres Landes zu hundert Prozent vorbeigeht.

Beifallbei der CDU/CSU

Wer sagt das? Wer sagt das?

– „Wer sagt das“? Der Jahreswirtschaftsbericht sagt das. Hätten Sie sich, meine sehr geehrten Damen und Herren, der Realität gestellt, hätten Sie mal den Zustand unseres Landes genau analysiert,

Ja, machen Sie mal, damit nicht 300 000 Arbeitsplätze in der Industrie verschwinden!

dann hätten Sie die Reden, die Sie heute gehalten haben, nicht halten können. Wir müssen schauen, dass die Wirtschaft unseres Landes wieder in Schwung kommt, dass die Arbeitsplätze erhalten bleiben, dass die Menschen in Lohn und Brot sind.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufvon der Linken

Wenn das passiert ist, dann können wir uns über Dinge unterhalten, die Sie auf die Agenda setzen, meine sehr geehrten Damen und Herren.

Sklaverei ist vorbei!

Eines möchte ich sagen: Wir als CDU/CSU stehen ganz eng an der Seite der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

Arbeitsrechte, Arbeitsschutz, faire Arbeitsbedingungen, soziale Sicherheit und Tarifpartnerschaft sind keine Erfindungen der Linken, sondern das, meine sehr geehrten Damen und Herren, ist der Kern der sozialen Marktwirtschaft.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufdes Abg. Helge Limburg [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

– Der Grünen auch nicht.

Zurufdes Abg. Helge Limburg [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Wenn man sich den Titel dieser Aktuellen Stunde anschaut – sinngemäß: Beschäftigungsrechte sichern –, dann ist es aus meiner Sicht ganz wichtig, sich dieses Wortspiel genauer anzuschauen: Beschäftigungsrechte. Für Beschäftigungsrechte braucht man vor allem Beschäftigung.

Beschäftigtenrechte! Lesen Sie noch mal!

Reden Sie doch bitte mal mit der Chefin der Bundesagentur für Arbeit darüber, wie der Arbeitsmarkt in unserem Land ausschaut. Reden Sie mal mit ihr darüber, welche Kündigungen angekündigt worden sind.

Zurufder Abg. Heidi Reichinnek [Die Linke]

– Frau Reichinnek, ja, machen Sie das doch bitte mal. Das können wir gerne mal gemeinsam machen, wenn Sie Lust haben.

Beifallbei der CDU/CSU

Dann bekommen Sie mal ein Gefühl dafür, dass Tiktok nicht alles ist, sondern dass wir uns mit unserem Land weiterentwickeln müssen. Das, was Ludwig Erhard geschaffen hat – Wohlstand für alle – zu bewahren, den Ausgleich zwischen Marktwirtschaft und dem sozialen Aspekt herzustellen, das ist die Aufgabe, der wir uns hier in diesem Parlament gemeinsam – aktuell mit der SPD – stellen müssen.

Beifallbei der CDU/CSU

Was Sie, meine sehr geehrten Damen und Herren von den Linken, hier als notwendige Auseinandersetzung sehen, ist aus meiner Sicht Zukunftsverweigerung.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Stellen Sie sich bitte der Herausforderung, die wir haben. Stellen Sie sich der Realität.

Drei kurze Punkte. Friedrich Merz ist des Öfteren angesprochen worden. Der strukturell bedingt hohe Krankenstand in unserem Land gefährdet zunehmend die Attraktivität unseres Standortes. Man muss in unserem Land auch Wahrheiten ansprechen dürfen.

– Ja, dass die AfD es mit der Wahrheit nicht immer ganz so ernst nimmt – drum werden Sie jetzt höchstwahrscheinlich so nervös –, ist relativ klar.

Zurufevon der AfD

Das ist kein statistischer Zufall. Wenn man sich die Werte im europäischen Vergleich mal anschaut, dann wird sehr klar, dass die Lohnnebenkosten bei uns relativ hoch sind, und zusätzliche Krankentage erhöhen die Lohnnebenkosten. Deswegen müssen wir darüber reden. Auch wenn Sie Wettbewerbsfähigkeit nicht so ganz verstehen – man hat es ja in den vorhergehenden Reden auch gehört –,

Zurufevon der AfD

ist es, glaube ich, ganz wesentlich, dass wir sagen: Wir müssen schauen, dass der Standort Deutschland wettbewerbsfähig ist, dass wir auch die Kosten in den Griff bekommen, aber natürlich nicht die Arbeitnehmerrechte einschränken.

Ich glaube, man merkt schon, wie schwierig es ist, da die richtigen Punkte auf den Weg zu bringen.

Beifallbei der CDU/CSU

Was sagt die CDA zu Ihrem Vorschlag?

– Was die CDA dazu sagt?

Die CDA kritisiert das, was Sie hier gerade sagen!

Vielleicht ganz kurz noch mal, weil Sie die MIT als Lobbyorganisation bezeichnet haben: Schauen Sie doch mal, wer da engagiert ist!

Nein, CDA! Ich rede von der CDA! Die kritisiert das!

– Jaja, ich habe schon verstanden. – Da sind Unternehmerinnen und Unternehmer organisiert, die Betriebe führen, die Vorschläge einbringen, wie das auch in Zukunft gut funktionieren kann. Die CDA und die CSA in Bayern stehen auch dafür,

dass wir die Verbindung zu den Arbeitnehmerrechten hinbekommen.

Nein, eben nicht!

Uns geht es vor allem darum, dass die Menschen in Arbeit sind.

Beifallbei der CDU/CSU

Das haben Sie, meine sehr geehrten Damen und Herren, glaube ich, nicht im Blick.

Wir müssen natürlich auch über neue Ideen reden. Beispielsweise empfiehlt das ZEW in Mannheim, über Teilzeitkrankschreibungen nachzudenken, also darüber, dass man bei Krankheit vielleicht eine genauer auf die Krankheit angepasste Krankschreibung bekommt. Das ist ein Punkt, über den man aus meiner Sicht diskutieren muss. Wenn man mal rechnet: Wir haben 900 Millionen Fehltage in unserem Land. Wenn man nur 10 Prozent davon einsparen könnte, wären das 90 Millionen Arbeitstage mehr. Das würde in der Debatte sicherlich ein klein bisschen mehr helfen.

Zum Thema Teilzeit; jetzt habe ich leider nur noch 31 Sekunden.

– Ja, es reicht. – Aber vielleicht noch die Botschaft an die Linken – wir haben es ja gerade vorher gehört –: Viertagewoche bei vollem Lohnausgleich, Verkürzung der Wochenarbeitszeit, Ausweitung der Lohnfortzahlung, das, meine sehr geehrten Damen und Herren, ist Gift für die Wirtschaft.

Hört sich gut an!

– Ja, das hört sich gut an aus Ihrer Sicht. – Wir wollen, dass die Menschen in Arbeit sind, dass sie verlässlich jeden Tag ihr Geld verdienen können, dass sie ihre Familien ernähren können. Das, meine sehr geehrten Damen und Herren, sollte auch Ihr Ziel sein. Wir als SPD und CDU/CSU arbeiten gemeinsam daran, dass das in unserem Land auch gewährleistet werden kann.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU

Für die AfD-Fraktion darf ich Hans-Jürgen Goßner das Wort erteilen.

Beifallbei der AfD
Porträt von Hans-Jürgen Goßner
Foto: Hans-Jürgen Goßner / Emil Viezens
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Herr Präsident! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Es ist schon recht amüsant, hier zusehen zu müssen, wie sich die CDU bzw. die Unionsfraktion dreht und windet, um irgendwie noch die Kurve zu kriegen angesichts des Blödsinns, den ihr Kanzler in den letzten Wochen von sich gegeben hat.

Welchen denn?

Ich möchte mal wissen, wann das Narrativ des faulen deutschen Arbeitnehmers,

Das sagen Sie jetzt! Das ist Ihre Definition!

das hier gestrickt wird, entstanden ist. Ist das irgendwie auf einem Flug in seinem Privatjet in Richtung Sylt, als er eine Schickimicki-Hochzeit besucht hat, entstanden, oder wann kommt man auf solche fixen Ideen?

Zurufdes Abg. Dr. Hendrik Hoppenstedt [CDU/CSU]

Kanzler Merz fragt öffentlich, ob 14,5 Krankheitstage wirklich richtig seien, und tut so, als ob der deutsche Arbeitnehmer kollektiv seinen Urlaub verlängern würde.

Zurufdes Abg. Peter Aumer [CDU/CSU]

Wer so redet, stellt erst mal alle unter Generalverdacht. Das ist natürlich bequem: Wenn die Wirtschaft schwächelt, sollen plötzlich die Arbeitnehmer schuld sein, nicht Ihre Politik.

Beifallbei der AfD

Als das an die Öffentlichkeit kam und über die Ticker lief, hatte ich bei mir im Wahlkreis einen Arbeitnehmer am Tisch sitzen und habe mich mit ihm unterhalten. Als er das dann auf dem Bildschirm gelesen hat, guckte er mich an und fragte: Hat der Lack gesoffen, oder was?

Heiterkeitbei Abgeordneten der AfD

Aufgrund der Situation in den Betrieben hat er seit Monaten Angst, seinen Arbeitsplatz zu verlieren und seine Existenz zu gefährden. Seine Wohnung ist noch nicht abbezahlt, er hat schulpflichtige Kinder usw. Er wacht oft schweißgebadet auf, hat Ängste usw. Das macht die Leute krank. Sorgen Sie mal für sichere Beschäftigung!

Ja! Das machen wir auch!

Dann werden die Leute auch weniger krank.

Beifallbei der AfD

Und dann machen Sie beim Teilzeitanspruch weiter. Aus dem CDU-Wirtschaftsflügel kommt der Vorstoß: kein Rechtsanspruch auf Lifestyleteilzeit. Lifestyleteilzeit? Wie viel Verachtung trieft eigentlich aus diesem Begriff! Verachtung all denen gegenüber, die jeden Morgen in überfüllte und unpünktliche Züge steigen, um das zu erwirtschaften, was Sie dann in alle Welt verschleudern. Dass Sie sich überhaupt nicht schämen!

Gleichzeitig schreibt uns die Bundesregierung in der Antwort auf unsere Kleine Anfrage wörtlich, Ziel sei, „dass Frauen wie Männer ihre Erwerbswünsche umsetzen“. Dafür gibt es einen treffenden Begriff: Schizophrenie. Noch entlarvender ist der Rest der Antwort. Als Kronzeuge wird eine Zahl der Zeitverwendungserhebung angeführt: Eine von vier erwerbstätigen Müttern hätte gerne mehr Zeit für den Beruf. – Eine Minderheit von 25 Prozent soll also genügen, um die Politik auf Stundenaufstockung zu trimmen.

Dann heißt es, man gehe davon aus, dass mehr Kinderbetreuungs- und Pflegeangebote die Wünsche nach Vollzeit- oder Teilzeitarbeit beeinflussen. Erst verspricht Schwarz-Rot also, niemand dürfe gegen seinen Willen zu höherer Arbeitszeit gezwungen werden, und im nächsten Satz reden Sie davon, Wünsche politisch zu beeinflussen, bis sie ins Regierungskonzept passen. Wir sagen klar: Flexibilität geht tariflich, freiwillig, mit fairen Zuschlägen und nicht als Belastungsprogramm von oben.

Beifallbei der AfD

Dabei brennt der Standort längst woanders: Arbeitsplätze gehen verloren, Insolvenzen häufen sich, Investitionen wandern ab. Und was liefert Schwarz-Rot nach dem groß angekündigten Herbst der Reformen? Bürokratie! Tariftreuegesetz mit Nachweis- und Prüforgien, dazu Regulierungszwänge wie das Lieferkettengesetz. Das ist keine Wachstumsagenda, das ist ein Verwaltungsstau mit Kanzleransage. Und ja, die BlackRock-Vergangenheit passt da leider ins Bild, weil bei Friedrich Merz nämlich die Kennzahl immer vor dem Menschen steht.

Nee! Der Mensch steht im Mittelpunkt!

Unser Maßstab ist ganz einfach: Beschäftigungsrechte schützen, Leistung ermöglichen, Betriebe entlasten, Energie bezahlbar machen, Bürokratie radikal runter. Wer Arbeitsplätze will, braucht Standortpolitik, nicht Arbeitnehmer-Bashing. Dafür steht die AfD.

Beifallbei der AfD

Bleibt zum Schluss noch, daran zu erinnern: Angela Merkel wurde mal gefragt, ob Friedrich Merz es könne. Sie antwortete, er müsse erst beweisen, dass er es kann. Ungeachtet dessen, dass sie selbst es ja auch nicht konnte, hat Friedrich Merz bewiesen: Er kann es nicht.

Ich freue mich jetzt wirklich auf die schönste Jahreszeit – hoffentlich noch in diesem Jahr –, und diese Jahreszeit heißt: Ende Merz.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD

Als letzte Stimme in der Aussprache hören wir für die CDU/CSU-Fraktion Florian Bilic.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Florian Bilic
Foto: Florian Bilic/ Christopher Krusche
10 Vermerkeca. 712 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Eines möchte ich nach dieser fast schon verblendeten Debatte noch mal klarstellen: Wer arbeitet, egal ob in Vollzeit oder Teilzeit, leistet – je nach seiner Lebenssituation – einen wichtigen Beitrag für unser Land.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Hierfür gibt es zahlreiche Beispiele. Oft sind diese ganz nah. Mir am nächsten: meine Frau. Jeder hier, der Familie hat, weiß, was unsere Partner für uns zu Hause leisten. Wir muten ihnen mit unserem Mandat vieles zu. Und trotzdem gehen ganz viele weiter ihrem Job nach. Auch meine Frau arbeitet in Teilzeit, um Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen. Daneben ist sie nonstop für unsere Familie im Einsatz.

Ein weiteres Beispiel. Als Azubi bei der IHK Pfalz durfte ich eine Zeit in der Zentrale in Ludwigshafen verbringen. Ich erinnere mich gerne an die Zeit mit den Kolleginnen dort aus der Buchhaltung. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir eine Kollegin. Sie hat mich damals schwer beeindruckt, weil sie trotz der sehr zeitintensiven Pflege ihrer Mutter den Spagat mit ihrer Tätigkeit geschafft hat. Mit viel Flexibilität und Einsatz hat sie ihre Arbeit mit reduzierter Stundenzahl weitergeführt. Beim Pfälzerwald-Verein habe ich noch ganz viele weitere Beispiele persönlich erlebt. Auch die kennen wir alle aus unseren Wahlkreisen: Menschen, die trotz beruflicher Belastung Verantwortung im Ehrenamt übernehmen und da sind, wenn es im Betrieb brennt oder auch mal die Hütte brennt, und das, ohne große Worte zu machen.

Beifallbei der CDU/CSU

All diese Menschen gehören auch zu den Leistungsträgern unserer Gesellschaft. Dafür einfach mal ein ganz herzliches Dankeschön!

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Armand Zorn [SPD]

Aber wir sollten auch ehrlich sein: Es gibt Konstellationen, in denen sich Vollzeitarbeit, beispielsweise durch die Kombination mit Sozialleistungen, zu wenig lohnt. Und zur Wahrheit gehört eben auch, dass wir mit Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit in vielen Statistiken deutlich unter dem Schnitt liegen. Deutschland liegt bei der durchschnittlichen Wochenarbeitszeit mit 34,8 Stunden weit hinten. Mit knapp über 40 Prozent ist die Teilzeitquote deutlich gestiegen. Gleichzeitig haben wir europaweit gesehen sehr große krankheitsbedingte Fehlzeiten und mit die meisten freien Tage.

Wie sieht es mit den Renten aus?

Zeit, die auf dem Arbeitsmarkt fehlt. Diese Entwicklungen haben Einfluss auf unsere Wettbewerbsfähigkeit und das Wirtschaftswachstum. Auch wenn die Wirtschaft 2025 wieder leicht gewachsen ist, bewegen wir uns schon viel zu lange – und daran sind Sie von den Grünen ganz klar mitbeteiligt – im europäischen Tabellenkeller.

Beifallbei der CDU/CSU

Das wollen wir als Koalition ändern und haben die Entwicklung des Wirtschaftswachstums als allerersten Punkt in unseren Koalitionsvertrag geschrieben. Dafür müssen wir über Wettbewerbsfähigkeit debattieren und richtige Weichenstellungen für unsere deutsche Wirtschaft und am Sozialstaat vornehmen: ohne Denkverbote und mit einem Blick auf zeitgemäße Modelle.

Beifallbei der CDU/CSU

Genau daran arbeiten wir und haben viele Schritte auf den Weg gebracht. Bürokratieabbau, Anpassung der Energiepreise, Reform der Unternehmensteuer und vieles mehr bezeugen unser Ziel. Mit Blick auf den Sozialstaat liegen seit dieser Woche konkrete Reformvorschläge vor. Die neue Grundsicherung ist auf dem Weg, und wir nehmen nach dem ersten Rentenpaket die Generationengerechtigkeit im Rentensystem mit der Kommission jetzt genau unter die Lupe.

Beifallbei der CDU/CSU

Und das braucht es auch im Hinblick auf gute Arbeit. Arbeit muss sich lohnen: durch wirksame Anreize, gute Betreuungssituationen und flexible Arbeitszeitmodelle. Verehrte Kolleginnen und Kollegen, die Wahrheit ist doch: Deutschland hat starke Beschäftigtenrechte. Und darauf können wir stolz sein. Aber Beschäftigtenrechte leben nicht vom Stillstand. Sie leben von Unternehmen, die investieren, von Betrieben, die wachsen, und von Menschen, für die sich Arbeit spürbar lohnt.

Beifallbei der CDU/CSU

Ein Sozialstaat, der Leistung nicht mehr belohnt, gefährdet am Ende nämlich genau das, was er eigentlich schützen soll. Und eine Wirtschaft, die durch neue Hürden belastet wird, verliert ihre Kraft und die Gesellschaft damit Arbeitsplätze. Wer hier von einer Aushöhlung der Beschäftigtenrechte spricht, verkennt die Realität. Ich lade alle, die das anders sehen, dazu ein: Besuchen Sie doch einfach mal Unternehmen in Ihrem Wahlkreis!

Das sollte man mal tun!

Das schärft den Blick für die Realität.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU

Gutes Schlusswort, Florian!

Porträt von Gunther Krichbaum
Foto: Gunther Krichbaum/ Tobias Koch
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Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wir haben den Aachener Vertrag vor sieben Jahren aufs Gleis gesetzt – aber nicht nur den Aachener Vertrag, sondern ich möchte namentlich auch das Deutsch-Französische Parlamentsabkommen nennen. Wir haben zusätzlich eine deutsch-französische Kammer gebildet: 50 Abgeordnete aus dem Deutschen Bundestag, 50 Abgeordnete aus der Assemblée nationale. Das ist nicht nur einmalig in Europa, sondern einmalig auf der Welt. Das zeigt, was das deutsch-französische Verhältnis nicht nur wert ist, sondern was es kann. Wir wollen weiterhin der Motor in Europa sein. Wir wollen das Schwungrad in Europa sein.

Ich freue mich auch, dass der französische Botschafter auf der Tribüne Platz genommen hat.

Beifallbei der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Cher François, bienvenue ici.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, der Vertrag von Aachen ist ein Glücksfall für uns. Ich will als Beispiel den Deutsch-Französischen Bürgerfonds nennen: über 4 000 Projekte, die wir vor allem für die Zivilgesellschaft ins Leben gerufen haben. Das ist echte deutsch-französische Zusammenarbeit. Dafür bin ich auch all jenen sehr dankbar, die hier organisatorisch immer mit anpacken und es damit ermöglichen, dass vor allem im zivilen Leben Städtepartnerschaften erblühen und der Austausch vor allem der jungen Generation funktioniert.

Ich möchte das Deutsch-Französische Zukunftswerk nennen. Ja, wir haben beim Deutsch-Französischen Ministerrat in Toulon Ende August letzten Jahres das Deutsch-Französische Zukunftswerk neu ausgerichtet. In Zukunft sollen mehr solche Themen wie Digitalisierung und künstliche Intelligenz eine Rolle spielen, auch und gerade unter Einbindung der freien Wirtschaft. Hier gilt es, das Ganze miteinander zu verbinden; denn da entsteht die Wertschöpfung von morgen. Und wer könnte es besser tun als Deutschland und Frankreich gemeinsam?

Ich möchte den Ausschuss für Grenzüberschreitende Zusammenarbeit nennen, etwas technisch als „AGZ“ bezeichnet. Gerade letzte Woche haben wir uns in Colmar getroffen. Das sind diejenigen, die in den Regionen tagtäglich dafür sorgen, dass diese Grenze jeden Tag unsichtbarer wird, dass wir Bildungsabschlüsse gegenseitig nicht nur anerkennen, sondern auch Auszubildenden ermöglichen – ich will da nur das Abkommen von Lauterbourg erwähnen –, dass sie ihren praktischen Teil im jeweils anderen Land absolvieren können.

Ja, uns liegt auch eine Anfrage der AfD-Fraktion vor, was denn dieser Vertrag von Aachen in Euro und Cent – in Mark und Pfennig wäre es Ihnen wahrscheinlich lieber – kostet. Da möchte ich Ihnen eines zurufen: Wenn man dies vor Jahrzehnten Charles de Gaulle und Konrad Adenauer gefragt hätte – sie haben sich auf den Trümmerbergen von Europa die Hände gereicht, mit einem unglaublichen Mut, vor allem von Frankreich ausgehend, und nach all den Kriegsverbrechen, die Nazi-Deutschland verursacht hatte –, wenn man also diesen beiden Staatsmännern diese Frage gestellt hätte: Ich glaube, sie wären verzweifelt.

Beifallbei der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Ich sage Ihnen eines, auch mit Blick auf die Ukraine: Wer denn da glaubt, dass im 21. Jahrhundert Krieg wieder ein Mittel der Politik sein darf, der wird uns ganz schnell zurückkatapultieren in die erste Hälfte des letzten Jahrhunderts.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Es ist doch unsere gemeinsame Verantwortung, dass wir das verhindern, dass wir den Frieden in der Welt fördern und auch dazu anstiften. Deutschland und Frankreich sind eine Modellregion für viele Länder in der Welt, ganz bestimmt aber für Regionen in Europa, gerade auch mit Blick auf den Balkan. Gerade diese Aussöhnung ist hier gefragt.

Herr Staatsminister.

Das ist das, was Europa und die Welt brauchen.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD

Zu seiner ersten Rede darf ich für die AfD-Fraktion Dr. Maximilian Krah das Wort erteilen.

Beifallbei der AfD
Porträt von Maximilian Krah
Foto: Dr. Maximilian Krah
4 Vermerkeca. 598 WörterReaktionswert: niedrig
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Vielen Dank. – Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Das ist ein schönes Thema: die deutsch-französische Freundschaft. Meine Partei hat diesem Vertrag immer kritisch gegenübergestanden; denn es gibt doch eine eklatante Differenz zwischen den vollmundigen Ankündigungen und dem, was umgesetzt wird. Seitdem der Vertrag geschlossen wurde, sinken zum Beispiel die Zahlen der Schüler, die in Frankreich Deutsch und in Deutschland Französisch lernen. Seitdem dieser Vertrag geschlossen wurde, kommt es sehr wohl zu deutsch-französischen Friktionen, wie wir aktuell am Mercosur-Abkommen oder an der Reaktion unserer Länder auf den neuen Kurs der Vereinigten Staaten sehen.

Davon hören wir aber nichts; denn das Problem dieser Gedenkstunden zu solchen Verträgen besteht ja immer darin, dass wir in routinierte Rituale verfallen, dass wir uns gegenseitig auf die Schultern klopfen und erzählen: Kosten spielen keine Rolle. – Ich finde es interessant, das von einem schwäbischen Kollegen zu hören. Das sagen immer nur die Leute, die zu viel Geld haben. Oder wir hören von den Erfolgen. Aber diese Erfolge sind eben nicht da.

Es reicht nicht aus, Sprechblasen abzugeben, sondern es geht um die Frage, wie wir mit diesem Europa weitergehen. Wir brauchen eine neue Europastrategie und nicht nur das gegenseitige Versichern, dass wir alles richtig machen. Wenn wir, sehr geehrter Herr Staatsminister, alles richtig machen würden, dann wäre unsere Situation besser. Dann wären wir ökonomisch nicht da, wo wir sind; dann wären wir auch politisch interessanter. Das heißt: Ganz offensichtlich machen Sie nicht alles richtig. Es wäre an der Zeit, dass Sie in Ihren Reden nach vorn schauen und nicht nur sich selbst vergewissern, dass Sie alles richtig machen.

Beifallbei der AfD

Der damalige tschechische Staatspräsident Václav Klaus hatte den Vertrag kritisiert. Er hatte deutlich gemacht: Es kann nicht sein, dass Deutschland und Frankreich glauben, sie allein seien Europa. Schaut mal nach Mitteleuropa und macht da was.

Wir feiern heute sieben Jahre Vertrag von Aachen, aber ich frage: Wo ist der Vertrag von Prag? Wo ist der Vertrag von Bratislava, von Budapest, von Breslau? Es gibt sie nicht. Sie ruhen sich aus auf dem Europa von vor dem Fall des Eisernen Vorhangs, und Sie ergreifen nicht die Chancen, die sich in der Mitte und im Süden unseres Kontinents bilden. Sie schaffen noch nicht mal, dass bei uns der Französischunterricht und in Frankreich der Deutschunterricht gefördert wird. Sie schaffen es auch nicht, zu Mercosur – diesem entscheidenden Abkommen für unsere Industrie – eine gemeinsame Position zu finden.

Ich weiß nicht, was Sie hier feiern, außer sich selbst. Aber das kennen wir ja. Genau deshalb, weil Sie immer nur sich selbst feiern, weil Ihre Europapolitik in Sprechblasen und in den Ritualen von vorgestern erstarrt, genau deshalb ist das europäische Projekt nicht mehr populär. Genau deshalb haben die Leute keine Lust mehr darauf. Genau deshalb wählen sie die AfD, weil wir zurzeit die einzige Partei sind, die Außen- und Europapolitik überhaupt ernst nimmt und über das hinausdenkt, was wir in den letzten Jahrzehnten gemacht haben und was ganz offensichtlich in der Welt von Donald Trump nicht mehr funktioniert.

Beifallbei der AfD

Deshalb ist meine Bitte, dass Sie die Chance nutzen, aufzuwachen und aus Ihren gewohnten Routinen rauszukommen; dass Sie Ihren Geist öffnen und bereit sind, Europa neu zu denken. Das fehlt Ihnen ausweislich Ihrer Rede, ausweislich Ihrer Politik und ausweislich der Resultate. Es ist Zeit für eine neue Politik, für eine alternative Politik, und damit für die Alternative für Deutschland.

Vielen Dank, meine Damen und Herren.

Beifallbei der AfD

Für die SPD-Fraktion darf ich Nancy Faeser das Wort erteilen.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU
Porträt von Nancy Faeser
Foto: SPD-Bundestagsfraktion/ Photothek Media Lab.
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Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr verehrte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Bürgerinnen und Bürger! Sehr geehrter Herr Botschafter! Lieber Herr Delattre, schön, dass Sie heute hier sind und dieser Debatte auch den richtigen Rahmen geben. Apropos richtiger Rahmen: Den haben Sie von der AfD gerade nicht gesetzt. Wer in diesen Zeiten, die sich für die Bundesrepublik und für Europa derart verändern, noch davon ausgeht, dass man kein Europa braucht, dem muss ich sagen: Man braucht in diesen Zeiten ein sehr viel stärkeres Europa, und das geht von Deutschland und Frankreich aus.

Beifallbei der SPD, der CDU/CSU dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Wir feiern heute sieben Jahre Vertrag von Aachen, aber wir feiern noch so viel mehr: die Freundschaft zwischen Frankreich und Deutschland, die nach dem Grauen zweier von Deutschland ausgehender Weltkriege tatsächlich entstand. Durch Versöhnung und Annäherung gelang eine derart tiefe Freundschaft, die man gar nicht genug würdigen kann. Es ist unglaublich wichtig, zu wissen, dass ohne die Freundschaft zwischen Frankreich und Deutschland kein Frieden in Europa möglich ist. Um nicht weniger geht es: Um Frieden in Europa, und der beruht auf der Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Meine Damen und Herren, mit Leben gefüllt wird diese Freundschaft natürlich von Bürgerinnen und Bürgern unserer beiden Länder. Für sie ist das Miteinander bereits selbstverständlich geworden: Kinder besuchen deutsch-französische Kindergärten; Schülerinnen und Schüler haben zweisprachiges Abitur. Wir sind doch sehr viel weiter, als nur die Sprache des jeweils anderen Landes zu lernen. Wir haben Doppelabschlüsse an den Universitäten, wo man gleichzeitig den französischen und deutschen Abschluss macht.

Bundespräsident Steinmeier beschreibt die deutsch-französische Freundschaft als „existenziell“ füreinander, aber „auch für Europa“. Denn es ist diese Freundschaft, die das Rückgrat und der Motor der innereuropäischen Verständigung ist, die wir in diesen Zeiten brauchen. Ich will Ihnen zwei konkrete Beispiele nennen, wo das so wichtig ist.

Ich nenne das Beispiel Verteidigungspolitik. Das, was unser Verteidigungsminister Boris Pistorius gerade im Rahmen der deutsch-französischen Freundschaft anstrebt, nämlich zusammen eine einheitliche Verteidigungspolitik aufzusetzen – das ist wichtig in diesen Zeiten –, zeigt, wie konkret Politik sein kann, meine Damen und Herren.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Und ja, Herr Kollege Hoppenstedt, das betrifft auch die Außenpolitik. Da sehen Sie, wie wichtig es ist, dass diese beiden Staaten in dem Gefüge, das ich eingangs genannt habe, so eng miteinander arbeiten.

Ich will Ihnen ein Beispiel aus meiner Amtszeit nennen. Es waren Frankreich und Deutschland – ich möchte an dieser Stelle meinem Kollegen Gérald Darmanin danken und auch Staatspräsident Macron, der das zu seiner eigenen Sache gemacht hat –, die das Asylsystem auf den Weg gebracht und dafür gesorgt haben, dass wir in Europa ein gemeinsames Asylsystem hinbekommen haben. Deshalb habe ich auch eine Einladung aus dem Élysée-Palast erhalten, um dort über Migration zu berichten. Sie sehen, wie konkret diese deutsch-französische Freundschaft sein kann, was sie alles Gutes bewirken kann.

In diesem Sinne: Lassen Sie uns daran weiterarbeiten. Lassen Sie uns diese Freundschaft vertiefen und weiterentwickeln. Denn die Zeiten haben sich geändert, –

Apropos Zeit.

Rednerwechsel

– und wir müssen im Bereich der Finanz- und Wirtschaftspolitik etwas näher zusammenrücken.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Für Bündnis 90/Die Grünen darf ich Jeanne Dillschneider das Wort erteilen.

Porträt von Jeanne Dillschneider
Foto: Jeanne Dillschneider / Stefan Kaminski
9 Vermerkeca. 688 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Cher Monsieur l’Ambassadeur Delattre! Der Schuman-Plan und der Élysée-Vertrag sind in Zeiten entstanden, in denen eine Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich undenkbar schien. Nach Krieg, Zerstörung und tiefem Misstrauen war Kooperation kein Selbstläufer. Sie war revolutionär.

Der Vertrag von Aachen steht genau in dieser Tradition. Er will die deutsch-französische Zusammenarbeit vertiefen – politisch, wirtschaftlich, aber auch menschlich. Die deutsch-französische Freundschaft entwickelt sich gerade da, wo Menschen sich begegnen. Auch meine eigene Biografie ist davon geprägt. Meine Eltern haben sich über den deutsch-französischen Partnerschaftsverein Varades-Orscholz kennengelernt.

Ihre Geschichte wurde im Saarland zusammen mit Dutzenden anderen Geschichten in einer Fotoausstellung ausgestellt: Geschichten von Schüleraustauschen und Städtefreundschaften, von deutsch-französischen Paaren. Und diese Ausstellung wurde durch Mittel des deutsch-französischen Bürgerfonds ermöglicht, dem Kernelement des Aachener Vertrags.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der CDU/CSU und der SPD

Genau dieses Versprechen erneuern wir heute. Ich bedanke mich herzlich bei den Kolleginnen und Kollegen der Deutsch-Französischen Parlamentarischen Versammlung für die gute Zusammenarbeit in der Sache.

Beifalldes Abg. Armand Zorn [SPD]

Bei der letzten Versammlung hat mich die Präsidentin der Assemblée nationale, Yaël Braun-Pivet, zu Tränen gerührt, als sie erzählte, wie ihre jüdischen Großeltern vor der Verfolgung der Nationalsozialisten nach Frankreich geflohen sind. Wir alle können es gerade heute besonders nachvollziehen, was es bedeutet, dass sie als Präsidentin des französischen Parlaments hier bei uns stand und mit uns gesprochen hat. Das zeigt, die deutsch-französische Freundschaft ist keine abstrakte Idee. Sie ist gelebte Realität.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der CDU/CSU und der SPD

Aber genau deswegen, liebe CDU, reicht es nicht, sich auf Helmut Kohl zu berufen und Europa zu beschwören. Denn die deutsch-französische Zusammenarbeit ist nicht nur ein Rückblick auf Schwarz-Weiß-Fotos von sehr verdienten Herren. Es reicht auch nicht, Herr Merz, sich darauf auszuruhen, dass der Vorgänger im Amt so wenig Feingefühl gegenüber unseren französischen Partnern hatte. Der Vertrag von Aachen ist eine wichtige Absichtserklärung; aber eine Absichtserklärung allein reicht nicht. Eine Absichtserklärung schreckt keine Autokraten ab. Jetzt zeigt sich, ob wir stark und geeint auftreten. Jetzt zeigt sich, ob wir auch gemeinsame Rüstungsprojekte hinbekommen. Jetzt zeigt sich, ob Europa unabhängig oder abhängig bleibt, und auch, wie sehr wir es schaffen, unsere Werte zu verteidigen,

wie sehr wir es schaffen, an der Seite der Ukraine zu stehen.

Wir müssen Projekte wie FCAS, das Future Combat Air System, von Anfang an so auf die Spur bringen, dass sie ohne Verzögerungen gelingen, mit Klarheit in der Kommunikation, mit einem klaren politischen Willen beider Regierungen. Die Frage ist doch, ob wir es in Europa schaffen, nationale Reflexe und industriepolitische Blockaden zu überwinden.

Denn die Lücke, die entsteht, wird niemand für uns füllen, schon gar nicht die USA unter Trump.

Wir müssen uns gemeinsam einen Ruck geben, auch wenn wir noch Differenzen haben. Schauen wir in den Iran. Wenn es darum geht, die Revolutionsgarden jetzt als Terrororganisation zu listen – wir warten darauf –, dann müssen wir auch hier als Partner zusammenstehen. Ich hoffe, dass uns das gelingt.

Europäische Souveränität zeigt sich nicht, sehr geehrte Mitglieder der Bundesregierung, in Alleingängen oder in Abschottung und vor allen Dingen nicht durch Grenzkontrollen, die unsere deutsch-französische Freundschaft weiterhin belasten,

die weiterhin die Wirtschaft, aber auch die Polizisten an ihre Belastungsgrenzen treiben.

Aber wir müssen auch über Klimaschutz reden; auch das kommt bei der CDU/CSU weiterhin zu kurz. Sie wollen sich von den Klimazielen verabschieden. Ich bin froh, dass wir in der Deutsch-Französischen Parlamentarischen Versammlung weiterhin hinter diesen Zielen stehen. Genau darum geht es: mit der deutsch-französischen Zusammenarbeit die Herausforderungen unserer Zukunft gemeinsam zu bewältigen, sie nicht nur zu beschwören, sondern auch zu gestalten und in diesen Zeiten das Undenkbare wieder möglich zu machen.

Vielen Dank.

Für die Fraktion Die Linke darf ich Agnes Conrad das Wort erteilen.

Beifallbei der Linken
Porträt von Agnes Conrad
Foto: Agnes Conrad/ Karl-Ludwig Reuter
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Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Geehrte Gäste! „Sieben Jahre Vertrag von Aachen – Gemeinsam Zukunft gestalten“ – dieser Vertrag wird oft als Meilenstein der deutsch-französischen Freundschaft gefeiert. Dass wir uns austauschen und abstimmen, muss selbstverständlich sein. Aber die entscheidende Frage lautet doch immer: Zusammenarbeit – wofür und für wen?

In der Deutsch-Französischen Parlamentarischen Versammlung erlebe ich, dass der direkte Austausch mit den französischen Kolleginnen und Kollegen durchaus bereichernd ist. Wir begrüßen ausdrücklich, dass wir über die Grenzen hinweg kulturelle Initiativen ausbauen und fördern können, dass es ein Deutsch-Französisches Jugendwerk gibt, dass Städtepartnerschaften und Bürgerinitiativen gestärkt werden, wir Bildungsarbeit und Erinnerungskultur aufrechterhalten und dass es ein Forum gibt, in dem die Verbesserung des grenzüberschreitenden Bahnverkehrs diskutiert werden kann.

Beifallbei der Linken sowie des Abg. Armand Zorn [SPD]

Dass Nachbarinnen und Nachbarn einander zuhören, ist eine politische Notwendigkeit. Gerade in Frankreich ist die Erinnerung an die deutsche Besatzung im Zweiten Weltkrieg bis heute präsent. Hier im Raum scheint das – einer Rede nach zu urteilen, die ich eben gehört habe – nicht bei allen der Fall zu sein.

Ja! Das stimmt!

Diese Erinnerung zeigt uns, wohin Nationalismus, Militarismus und Entmenschlichung führen. Die Lehre daraus war eine Verständigung auf soziale Rechte und Abrüstung. Wie viel davon ist im Vertrag von Aachen noch zu spüren? Dieser Vertrag ist auch ein Aufrüstungsvertrag. Wir erleben heute mehr Rüstungskooperation, mehr gemeinsame Militärprojekte, mehr Geld für Waffen und zu wenig für Pflege, Bildung, Wohnraum und gute Arbeit.

Beifallbei der Linken

In der Deutsch-Französischen Parlamentarischen Versammlung erleben wir immer wieder Anträge, die scheinbar auf zivile Kooperationen aus sind und dann doch in irgendeiner Art und Weise dem Militär zugutekommen können. Lassen Sie mich Ihnen sagen: Sicherheit entsteht durch soziale Gerechtigkeit und internationale Solidarität.

Beifallbei der Linken

Und dazu gehört auch eine ehrliche Außenpolitik, eine Politik, die das Völkerrecht ernst nimmt, überall. Deutschland täte gut daran, sich am Schritt unserer französischen Kolleginnen und Kollegen zur Anerkennung eines Staates Palästina ein Beispiel zu nehmen. Der Frieden ist ein zentraler Aspekt dieses Vertrags – nehmen wir ihn endlich ernst.

Beifallbei der Linken

Gleichzeitig erleben wir einen dramatischen Rechtsruck in Europa, in den USA und weltweit. Autoritäre Kräfte stellen Demokratie, Menschenrechte und internationale Solidarität offen infrage. Umso wichtiger wären politische Bindungen, die Haltung zeigen. Europa muss mehr sein als ein neoliberaler Wirtschaftsraum, der Sozialleistungen und gute Löhne erodiert. Wenn wir wirklich über Zukunft reden wollen, muss Europa ein politisches und soziales Versprechen sein. Grenzüberschreitende Freundschaft lebt nicht zuerst in Verträgen, sie lebt in den Grenzregionen, in Städtepartnerschaften, in Schulen, europäischen Betriebsräten, in Vereinen und Initiativen, in denen Menschen die Brücken bauen, lange bevor Politik es tut.

Danke schön.

Beifallbei der Linken

Für die CDU/CSU-Fraktion darf ich Roland Theis das Wort erteilen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Roland Theis
Foto: Roland Theis/ Carsten Simon
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Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Botschafter! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Bereits sieben Jahre Vertrag von Aachen. Was sich in der tagespolitischen Schnelllebigkeit, in der wir leben, anhört wie eine Ewigkeit, ist allerdings, wenn Sie in den Text des Vertrags schauen, von höchster Aktualität. Artikel 4 liest sich wie das Statement zur Politik der Woche. Dort finden sich das Bekenntnis zur Untrennbarkeit der Sicherheitsinteressen von Deutschland und Frankreich, das Bekenntnis zu einer Stärkung der europäischen militärischen Handlungsfähigkeit und das Bekenntnis zur gemeinsamen Verteidigungspolitik in – ich zitiere – engstmöglicher „Zusammenarbeit zwischen“ unseren „Verteidigungsindustrien auf Grundlage gegenseitigen Vertrauens“. Meine sehr verehrten Damen und Herren, in alldem gibt es seit sieben Jahren auch Fortschritte.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Das gilt für die Politik, und zeigt sich, wenn Sie sich die enge Abstimmung dieser Bundesregierung mit der Regierung unter Emmanuel Macron anschauen. Das gilt für die Agenda von Toulon – Gunther Krichbaum ist darauf eingegangen –; das gilt aber auch und gerade für die Wirtschaft.

Sehr geehrter Herr Krah, Sie haben vorhin mit Krokodilstränen in den Augen gefragt: Was haben wir denn vom Vertrag von Aachen? Gehen Sie nach Wörth! Gehen Sie nach Molsheim! Dort hat das französische Heer gerade 7 000 Militärfahrzeuge bei Daimler Truck und Arquus bestellt. Deutsche Arbeitsplätze in der Pfalz, französische Arbeitsplätze im Elsass – das ist die konkrete Umsetzung des Verteidigungsprogramms: Das französische Heer fährt deutsch-französisch. Das ist der Vertrag von Aachen, meine sehr verehrten Damen und Herren.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Wer die Fortschritte nicht sehen will, der sieht sie auch nicht; aber es gibt sie sehr wohl, und der Vertrag von Aachen ist da ein wichtiger Beitrag gewesen.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD
Zurufdes Abg. Jürgen Hardt [CDU/CSU]

Fortschritte erwarten wir auch bei den großen Verteidigungsprojekten. Dazu gibt es eine klare Position der Deutsch-Französischen Parlamentarischen Versammlung. Für uns sind die gemeinsamen Sicherheitsinteressen, das gemeinsame Interesse an europäischer Souveränität eben höher einzuordnen als die Interessen einzelner Unternehmen. Und deshalb erwarten wir – so hat es die Deutsch-Französische Parlamentarische Versammlung im Dezember beschlossen –, dass GAF zum Erfolg geführt wird, und zwar sowohl von unseren Regierungen als auch von den Unternehmen, meine sehr verehrten Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Ich will noch auf zwei Themen eingehen, die mir eben auch wichtig sind. Das ist zum einen die Tatsache, dass der Vertrag von Aachen die Rolle der Grenzregionen beschreibt. Bei der grenzüberschreitenden Mobilität, beim grenzüberschreitenden Arbeitsmarkt, beim Zugang zu medizinischer Versorgung, ja, bei den Alltagshürden müssen wir besser werden. Da weist der Vertrag von Aachen in die richtige Richtung; da sind wir aber noch nicht am Ziel. Wir wollen aus den Grenzregionen echte Labore europäischer Integration machen. Das ist das Ziel des Vertrags von Aachen, und auch dazu stehen wir.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Und nicht zuletzt ist die Sprache wichtig; denn Sprache ist mehr als ein Kommunikationstool. Da hilft keine KI und auch Englisch nicht.

Herr Abgeordneter!

Rednerwechsel

Kulturelles Verständnis beginnt damit, dass man die Sprache des Nachbarn lernt, und auch dazu haben sowohl die Länder als auch der Bund ihren Beitrag zu leisten.

Herr Abgeordneter!

Rednerwechsel

Deshalb – ich komme zum Ende –: Lassen Sie uns gemeinsam auf Deutsch und auf Französisch unsere Freundschaft leben und voranbringen – ganz im Sinne des Vertrags von Aachen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Für die AfD-Fraktion darf ich Dr. Alexander Wolf das Wort erteilen.

Beifallbei der AfD
Porträt von Alexander Wolf
Foto: AfD-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft/ Michael Schumann, Hamburg
5 Vermerkeca. 455 WörterReaktionswert: niedrig
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Verehrtes Präsidium! Meine Damen und Herren! Mesdames et Messieurs! Ein geeintes, starkes Europa tut not. Und ich spreche meiner Fraktion aus dem Herzen, wenn ich die deutsch-französische Freundschaft als ein hohes Gut bezeichne.

Es ist keineswegs eine Selbstverständlichkeit, dass wir derart innige Beziehungen zu unserem linksrheinischen Nachbarn unterhalten, dieser vielleicht literarischsten aller Nationen, der unzählige deutsche Dichter und Denker seit Goethe, auch dezidiert nationale wie Ernst Jünger oder Armin Mohler, so viel zu verdanken haben. Es ist ein Glücksfall, dass wir den Argwohn überwunden haben, der Europa im 20. Jahrhundert so lange prägte und teilte.

Aber die EU ist nicht Europa. Und Europa wird systematisch zerstört – sowohl in Frankreich wie auch hierzulande –, nämlich vor allem durch eine gezielte Deindustrialisierung im Namen des Klimaschutzes, eine massive Überfremdung im Namen von Gleichheit und Toleranz und durch Einschränkungen von Meinungsfreiheit und Demokratie.

Geschlossen wurde der Vertrag von Aachen unter einem Präsidenten, der laut einer Umfrage von „Le Figaro“ so unbeliebt ist wie kein Amtsinhaber vor ihm. Er ist der Präsident der Brüsseler Bürokraten, die die Völker Europas entmachten, einer derjenigen, die diese Macht demokratisch nicht legitimierten supranationalen Institutionen zuschanzen, die sich gegen die Realität der überfremdeten Banlieues nach Möglichkeit abschotten. Insofern erstaunt es nicht, dass Präsident Macron sich stets exzellent verstand mit unserer Heimsuchung aus der Uckermark.

Beifallbei der AfD

Der Vertrag kam nicht aus ohne ein notorisches Bekenntnis zum Pariser Klimaabkommen. Das ist aber nicht das, was Deutschland und Frankreich, was Europa wieder gedeihen lässt. Vielmehr brauchen wir gemeinsame Grenzkontrollen. Vielmehr brauchen wir einen Kampf gegen ideologische Verblendung, sei diese nun in der Form des Klimawahns, des Wokeismus oder des Postkolonialismus vorgetragen – alles, um uns ein schlechtes Gewissen einzutrichtern.

Was bei unseren Nachbarn falsch läuft, dürfen wir aber auch nicht unter den Tisch fallen lassen. Wir fordern die Bundesregierung nachdrücklich dazu auf, sich deutlich auszusprechen gegen alle Bestrebungen, der Vorsitzenden der stärksten Oppositionskraft das passive Wahlrecht zu entziehen.

Beifallbei der AfD

Haben Sie schon mal was von Unabhängigkeit der Justiz gehört?

Alain Finkielkraut, französisch-jüdischer Philosoph und Mitglied der Académie française, nannte das Urteil gegen Marine Le Pen „skandalös“, er sprach von „orwellianisch“ und kafkaesk.

Unabhängigkeit der Justiz!

Die Zukunft sowohl Frankreichs als auch unseres Landes gehört nicht denen, die den Vertrag von Aachen schlossen; sie gehört den Patrioten Frankreichs und Deutschlands, sie gehört uns. Und wir werden die deutsch-französische Freundschaft weit würdevoller pflegen und weiterführen, als Sie dies derzeit tun.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD

Das Einzige, was Sie pflegen, sind rassistische Vorurteile!

Für die SPD-Fraktion darf ich Armand Zorn das Wort erteilen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Armand Zorn
Foto: Armand Zorn / Photothek Media Lab
5 Vermerkeca. 547 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Monsieur L’Ambassadeur! Die AfD legt ja keinen großen Wert auf die Unabhängigkeit der Justiz. Ich finde, das, was wir gerade von diesem Pult aus gehört haben, ist eine Frechheit, eine Respektlosigkeit und auch eine Einmischung in externe Angelegenheiten. Wir vertrauen auf die Unabhängigkeit der Justiz und sind uns sicher, dass die französische Justiz entsprechend entscheiden wird. Es ist nicht die deutsche AfD, die da entscheidet.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Liebe Kolleginnen und Kollegen, es ist keine Selbstverständlichkeit, dass wir heute so über die deutsch-französische Freundschaft sprechen können. Dass es normal ist, in einem deutschen Parlament über diese Freundschaft zu sprechen, basiert darauf, dass sich viele Generationen, viele mutige Politikerinnen und Politiker für diese Freundschaft engagiert haben. Wir haben den Auftrag und auch die Verantwortung, dafür zu sorgen, dass diese Freundschaft weiter gelebt wird.

Die deutsch-französische Freundschaft basiert auf einem engen Austausch der Regierungen unserer Länder, etwa im Deutsch-Französischen Ministerrat, aber auch auf einem Austausch der Verwaltungen und der Wissenschaft. Mit dem Vertrag von Aachen war es uns aber auch sehr wichtig, eine Öffnung zu erreichen und dafür zu sorgen, dass es zu einem Austausch innerhalb der Zivilgesellschaften, zwischen den Menschen unserer Länder kommt. Deswegen sind der deutsch-französische Bürgeraustausch, den wir erlebt haben, und auch das Deutsch-Französische Jugendwerk keine Projekte, die man mal eben so beiseiteschieben kann. Sie sorgen dafür, dass es tagtäglich zu Begegnungen zwischen Menschen kommt. Sie sorgen dafür, dass Deutschland und Frankreich näher zusammenrücken und dass sich unsere Völker für eine friedliche Europäische Union einsetzen.

Weil ich leider auch kritische Töne seitens der Grünen, der Linken und erst recht von der AfD gehört habe, will ich deutlich sagen: Bei der deutsch-französischen Freundschaft geht es nicht darum, dass man immer einer Meinung ist. Ich weiß nicht, wie Sie Ihre Freundschaften leben, aber ich kann für mich sagen: Meine engsten Freundschaften basieren auch darauf, dass man manchmal unterschiedlicher Meinung ist.

So ist es!

Der Mehrwert der deutsch-französischen Freundschaft liegt darin, dass wir uns immer eng abstimmen und auch bei unterschiedlichen Interessen transparent deutlich machen, dass es am Ende darum geht, innerhalb der Europäischen Union eine gute Lösung zu finden. Deswegen darf der Erfolg dieser Freundschaft nicht daran gemessen werden, wie wenig Streit oder wie viel Übereinstimmung es gibt. Ich finde, auch in der deutsch-französischen Freundschaft gehört es sich, dass man ernst und auch kontrovers diskutiert und dabei am Ende das Ziel nicht aus den Augen verliert, nämlich die europäische Integration voranzutreiben und Frieden in Europa zu sichern. Dazu standen bis jetzt alle Regierungen sowohl in Deutschland als auch in Frankreich, unabhängig davon, welcher Couleur sie waren.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Deswegen sage ich: Schön, dass wir heute sieben Jahre Aachener Vertrag feiern. Auf die nächsten Jahre! Es ist ein gemeinsamer Auftrag, den wir teilen.

Vive l’amité franco-allemande! Et merci beaucoup!

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Als letzte Stimme in dieser Aussprache hören wir Thomas Erndl von der CDU/CSU.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Thomas Erndl
Foto: CSU-Landesleitung / Christian Kaufmann
2 Vermerkeca. 405 WörterReaktionswert: ruhig
Reaktionswert: ruhig

Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Botschafter! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Eine Freundschaft zu feiern, ist natürlich immer ein schöner Anlass, zurückzublicken, aber auch, nach vorne zu blicken. Es ist eine bedeutende Freundschaft. Denn das Fundament für Frieden und Sicherheit in Europa ist eine enge sicherheitspolitische Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich. Nach dieser Maxime handelten, auch aus historischer Erfahrung, bereits Konrad Adenauer und Charles de Gaulle.

Daraus erwuchs dann im weiteren Verlauf auch die deutsch-französische Verteidigungskooperation. Gemeinsame Rüstungsprojekte, eine starke deutsch-französische Achse bei Airbus, direkte militärische Zusammenarbeit, wie zum Beispiel bei der Deutsch-Französischen Brigade oder in der binationalen Lufttransportstaffel, sind dafür gute Beispiele. Deutsche und französische Soldatinnen und Soldaten haben gemeinsam gedient, etwa in Mali und in Afghanistan, für das Bündnis gekämpft und auch geblutet. Das darf niemals infrage gestellt werden.

Genau diesen Geist gemeinsamer sicherheitspolitischer Verantwortung trägt auch der Vertrag von Aachen in sich. Er macht klar, wie wichtig der weitere Ausbau dieser Zusammenarbeit für unsere Sicherheit und Handlungsfähigkeit ist. Es geht um gemeinsame Strategien sowie um engere Zusammenarbeit der Streitkräfte und der Verteidigungsindustrien. Gemeinsames Ziel ist, europäische Fähigkeitslücken zu schließen. All das ist wichtiger denn je; denn die Lage unseres Kontinents ist ernst. Russlands Kriegswirtschaft läuft weiter auf Hochtouren, und die USA werden unseren Kontinent nicht stärker verteidigen, als wir Europäer selbst dazu bereit sind. Die konventionelle Verteidigung unseres Kontinents liegt in unseren eigenen Händen, meine Damen und Herren. Als größte und stärkste Nationen Europas müssen Frankreich und Deutschland hier der Motor sein.

Es gilt dabei, nicht nur unsere militärische, sondern auch unsere technologische Kooperation voranzutreiben. Da sind auch die Bundesländer gefragt. Bayern ist aktuell im Bereich KI, beim Aufbau gemeinsamer Lehre und Forschung in Luft- und Raumfahrt und in vielen weiteren Kooperationen im Hochschulbereich aktiv. Hier entstehen Innovation und Wirtschaftskraft. Und aus einer starken Partnerschaft entsteht letztendlich auch sicherheitspolitische Unabhängigkeit.

Starke Partnerschaften, meine Damen und Herren, halten es auch aus, wenn etwas nicht so gut läuft, wie zum Beispiel beim Projekt FCAS. Klar ist: Wir brauchen hier zügig eine Entscheidung. Europa braucht ein von Europa gebautes Kampfflugzeug der sechsten Generation.

Beifallbei der CDU/CSU

Das, meine Damen und Herren, ist eine Frage europäischer Sicherheit und Souveränität. Und genau diese Sicherheit und Souveränität bilden das Fundament der deutsch-französischen Freundschaft. So war es in der Vergangenheit, und so wird es auch in der Zukunft sein.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD
Porträt von Bernd Schattner
Foto: Bernd Schattner
13 Vermerkeca. 722 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Die Bundesregierung hat mit dem Herbst der Reformen viel angekündigt; aber geliefert wurde, wie immer, fast nichts – keine echte Entlastung, kein echter Bürokratieabbau, kein Kurswechsel. Das aktuelle Deutschland ist weiterhin das teuerste, das bürokratischste und das unternehmerfeindlichste Land, das wir je hatten. Unsere Betriebe zahlen Spitzensteuern, Spitzenabgaben und obendrauf eine CO2-Abgabe, die angeblich das Weltklima retten soll, in Wahrheit aber Arbeitsplätze und Wertschöpfung vernichtet.

Beifallbei der AfD

Unternehmer werden heute nicht mehr gefördert; sie werden systematisch erstickt – erstickt von Auflagen, erstickt von Vorschriften, erstickt von ideologischen Zwangsmaßnahmen. Warum ist das so? Schauen wir uns die Realität draußen im Land an: Wer heute als Unternehmer einen Kredit braucht, dem reichen Fleiß, eine gute Idee und eine saubere Bilanz längst nicht mehr aus. Heute verlangt die Bank CO2-Bilanzen, Nachhaltigkeitsberichte, ESG-Nachweise, Umweltgutachten und am Ende eine politische Wohlverhaltensnote. Nicht der wirtschaftlich Beste bekommt den Kredit, sondern der ideologisch Angepasste. Das hat mit sozialer Marktwirtschaft nichts mehr zu tun; das ist Planwirtschaft durch Ideologie.

Genau deshalb fordert die AfD-Fraktion im vorliegenden Antrag einen klaren Kurswechsel. Wir fordern unverzüglich ein umfassendes Bürokratieabbaugesetz, eine systematische Überprüfung aller Berichtspflichten für kleine und mittlere Unternehmen und eine Halbierung der Bürokratielast für den Mittelstand – nicht irgendwann, nicht mit Prüfaufträgen, sondern jetzt.

Eigene Ideen haben Sie nicht vorgelegt!

Denn was erleben unsere Betriebe stattdessen? Immer neue DIN-Vorgaben,

Nennen Sie doch mal eine DIN-Vorgabe!

Die DIN-Vorgaben macht ja nicht die Politik! Die macht die Industrie selbst!

immer neue Verschärfungen auf EU-Ebene, immer neue Prüfbehörden, immer neue Bürokratiemonster. Ein Paradebeispiel ist die Bonpflicht. Sie soll Steuerbetrug verhindern. In Wirklichkeit kann nicht einmal die Bundesregierung erklären, wo genau der Nutzen liegt.

Welche DIN-Norm wollen Sie denn abschaffen?

Kommen Sie doch mal mit zu meinem Dorfbäcker: drei Brötchen für 1,20 Euro, der Bon kommt aus dem Drucker, landet direkt im Mülleimer und sorgt für Kosten, Müll und Zeitverlust.

Ich habe den Eindruck, Sie haben keine Ahnung, von was Sie da reden! Null Plan!

Das ist keine Kontrolle; das ist staatlich organisierte Sinnlosigkeit.

Beifallbei der AfD

Deshalb sagen wir von der AfD ganz klar: Alle nicht sicherheitsrelevanten, rein verwaltungsinternen Berichtspflichten, die weder Leben, Gesundheit, Umwelt noch den Rechtsstaat schützen, müssen ersatzlos wegfallen. Genau so steht es in unserem Antrag, und so sieht gesunder Menschenverstand aus.

Die Folgen Ihrer Politik sind dramatisch: Laut ifo-Institut liegen die Bürokratiekosten bei rund 146 Milliarden Euro pro Jahr. Die Staatsquote kratzt an der 50-Prozent-Marke. So schafft man keine Gründer, so schafft man keine Arbeitsplätze, so zerstört man Unternehmergeist.

Bevor ich selbst in den Bundestag kam, war ich jahrzehntelang als Unternehmer tätig. In der derzeitigen Situation habe ich meiner eigenen Tochter davon abgeraten, meinen Betrieb zu übernehmen.

Denn in einem Land, in dem Genderleitfäden, Diversitätsquoten und Förderideologie wichtiger sind als fachliche Qualifikation, sollte sich jeder junge Mensch sehr genau überlegen, ob er sich diesem Staat überhaupt noch ausliefert.

Beifallbei der AfD

Was braucht es jetzt? Endlich keine Ankündigungen mehr, sondern Entscheidungen. Erstens: einen jährlichen KMU-Belastungsbericht. Zweitens: mehr Ermessensspielraum für Bewilligungsbehörden. Drittens: Senkung der Körperschaftsteuer und die sofortige Rückkehr zur Istversteuerung für alle KMU. Und noch etwas: Ohne bezahlbare und sichere Energie funktioniert kein Industrieland. Deshalb braucht es die Rückkehr zur Kernkraft.

Beifallbei der AfD
Zurufder Abg. Katharina Beck [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 17 604 Unternehmensinsolvenzen im Jahr 2025, der höchste Stand seit 20 Jahren. Und warum? Weil ideologische Vorgaben, leider auch von großen Teilen der CDU mitgetragen, systematisch über wirtschaftliche Vernunft gestellt werden.

Eine solch inhaltsleere Rede habe ich schon lange nicht mehr gehört!

Während sich Gasspeicher leeren, Pipelines zerstört werden und die Energieversorgung politisch verengt wird, verliert dieses Land jeden Tag an Wettbewerbsfähigkeit.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD

Für die CDU/CSU-Fraktion darf ich Hans Koller das Wort erteilen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Hans Koller
Foto: Hans Koller/ Verena S. Mautner
7 Vermerkeca. 620 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Kleine und mittlere Unternehmen sind das Rückgrat unserer Wirtschaft. 99 Prozent aller Unternehmen zählen dazu. Sie stehen für Arbeitsplätze, Ausbildung und Wertschöpfung, insbesondere im Handwerk, im Mittelstand und im ländlichen Raum. Dass diese Unternehmen unter hohen Kosten, zu vielen Berichtspflichten und wachsender Unsicherheit leiden, ist unbestritten. Gerade deshalb ist es wichtig, genau hinzuschauen, wie Entlastung gestaltet wird, damit sie am Ende wirklich hilft.

Aber ich sage Ihnen auch eines, Herr Schattner: Es geht nicht nur mit Schlechtreden.

Wir sind uns im Ziel einig; Ihr Ziel teilen wir. Diese Bundesregierung hat hier auch etwas gestaltet. Sie fordern aber, alle Berichtspflichten für kleine und mittlere Unternehmen systematisch zu überprüfen, mit dem Ziel, die Bürokratielast mindestens zu halbieren. Das ist zu pauschal. Noch einmal: Wir teilen Ihre Ziele; aber diese Pauschalierung wird in der Form letztendlich nicht funktionieren.

Unser Weg ist ein anderer. Wir wollen dem nationalem Recht und den EU-Vorgaben Genüge tun und alle im Interesse der Sicherheit, der Umwelt oder des Rechtsstaats notwendigen und relevanten Pflichten erfüllen. Wir gehen strukturiert an dieses Thema heran und tun dies gerade auch beim nächsten Tagesordnungspunkt.

Beifallbei der CDU/CSU

Die CDU/CSU setzt auf einen zielgenauen, rechtssicheren Ansatz statt auf einen pauschalen Kahlschlag, weil pauschal eben immer ein Stück weit zu einfach ist.

Ich gehe noch auf den Punkt Unternehmensbesteuerung ein. Sie fordern in Ihrem Antrag, den Körperschaftsteuersatz bereits ab 2026 jährlich um jeweils 1 Prozentpunkt zu senken, anstatt erst ab 2028 zu beginnen, bis auf 10 Prozent. Sie stellen sich damit natürlich bewusst gegen den bereits beschlossenen Reformpfad der Koalition; denn die Senkung der Körperschaftsteuer ist keine offene Frage mehr, sie ist von uns politisch entschieden.

Der Unterschied liegt nicht im Ziel, sondern im Zeitpunkt und in der Reihenfolge der Maßnahmen. Die Koalition hat sich bewusst für einen zweistufigen Ansatz entschieden. In der aktuellen wirtschaftlichen Lage setzen wir zunächst auf Instrumente, die sofort wirken, auf Investitionsanreize und verbesserte Abschreibungsmöglichkeiten. Diese Maßnahmen sind bereits beschlossen und entfalten unmittelbare Liquiditätswirkung, unabhängig von der Gewinnlage eines Unternehmens. Eine pauschale Steuersatzsenkung wirkt dagegen nur bei Gewinnen und damit zeitverzögert. Gerade Unternehmen, die heute investieren oder noch geringe Erträge haben, würden davon kurzfristig kaum profitieren.

Beifallbei der CDU/CSU

Ab 2028 folgt dann die dauerhafte strukturelle Entlastung durch die schrittweise Senkung des Körperschaftsteuersatzes. Planbar, verlässlich und finanzierbar, das ist unser Ansatz.

Viel zu wenig! Viel zu langsam!

Sie blenden diese Abfolge aus.

Meine Damen und Herren, als weiteren Punkt die Energiekosten. Die Regierung handelt auch bei diesem Thema. Sie fordern ausdrücklich eine dauerhafte Senkung der Netzentgelte für mittelständische Betriebe.

Abschaffung der Stromsteuer haben wir gefordert!

Wir benennen auch ein konkretes Instrument. Was der Antrag allerdings nicht leistet, ist eine Einordnung dieser Forderung in ein gesamtwirtschaftliches energiepolitisches Konzept. Fragen der Finanzierung, der Systemkosten, der Versorgungssicherheit und der Wechselwirkungen mit anderen Entlastungsinstrumenten bleiben offen. Der Jahreswirtschaftsbericht 2026 beschreibt demgegenüber einen breiter angelegten Anreiz zur Begrenzung der Energiekosten für Unternehmen. Er stellt dar, dass die Bundesregierung die Strompreiskompensation fortführt und auf weitere strom- und handelsintensive Sektoren ausweitet, einen Industriestrompreis einführt und ihre Energiepolitik auf die Senkung der Systemkosten und die Gewährleistung der Versorgungssicherheit ausrichtet.

Das ist zielgerichtete Politik, die wir hier betreiben. Deshalb, meine Damen und Herren, werden wir, wenn wir auch im Ziel übereinstimmen, Ihrem Antrag nicht zustimmen können. Wir wollen Rechtssicherheit. Wir wollen klar strukturierte Ziele.

Herr Abgeordneter.

Rednerwechsel

Wir wollen einen klar strukturierten Vorgang: den Mittelstand entlasten – ja, aber seriös.

In diesem Sinne: Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU

Für Bündnis 90/Die Grünen darf ich Katharina Beck das Wort erteilen.

Porträt von Katharina Beck
Foto: Katharina Beck/Oliver Hadji
16 Vermerkeca. 933 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Bürgerinnen und Bürger! Erst mal, lieber Herr Schattner: Ich weiß nicht, was sonst noch in Ihrem Betrieb nicht geklappt hat. Der Betrieb, aus dessen Großfamilie ich komme, wurde gerade ganz wundervoll von meinem Patenonkel an meine Cousine übertragen. Sie hat richtig viel Freude, diese Bäckerei nun zu führen. Die Betriebsübergabe funktioniert also in Deutschland. Wir haben auch viel mehr Gründungen als in den vorherigen Jahren. Es ist also nicht alles schlecht.

Es stimmt natürlich, dass wir in Bezug auf Bürokratie echt ein Thema haben. Das wird ja überhaupt nicht bestritten, das ist total klar. Nur, ganz ehrlich: Wenn Sie sich – vor der Wahl in Baden-Württemberg –

Rheinland-Pfälzer!

das Thema Bürokratieabbau schon so auf die Fahne schreiben – das kann ich ja gut verstehen –, dann hätte ich mir ein paar mehr Ideen gewünscht. Sie haben gesagt: keine Prüfaufträge. Aber Sie wollen ja, dass Dinge überprüft und analysiert werden. Am Ende ist es also ein Prüfauftrag. Was sind denn Ihre Ideen? Was ist mit Sonderbetriebsvermögen? Haben Sie sich mal die Vielzahl an Kürzungen und Hinzurechnungen bei der Gewerbesteuer angeguckt? Zu all dem fehlen Ideen. Ideenlos ist Ihr Antrag. Schon deswegen kann man ihm nicht zustimmen.

Dann haben Sie in Ihrem Antrag auch auf § 34a EStG Bezug genommen, um – das wissen die Fachleute doch ganz genau – so zu tun, als ob von der Senkung der Körperschaftsteuer auch Personengesellschaften profitieren würden. Diese Vorschrift wird so selten genutzt. Vor allen Dingen kann das gar nicht von den vielen, vielen Millionen kleinen Betrieben genutzt werden. Deswegen: Diese Steuersenkung, die Sie sich aufs Tapet schreiben, kommt überhaupt nicht für Personengesellschaften. An der Stelle haben Sie keine Ahnung oder wollen die Leute für dumm verkaufen.

Und dann frage ich mich: Das sollen doch Steuersenkungen sein. Wo ist denn da die Stromsteuer für alle, die Stromsteuer fürs Handwerk? Sie beziehen sich nur auf die Netzentgelte. Die Stromsteuer fehlt in Ihrem Antrag. Den haben Sie selber gar nicht richtig gelesen.

Haben Sie doch eingeführt!

Von daher ist Ihr Antrag für uns nicht zustimmungsfähig.

Aber das größte Problem ist doch: Was kauft man sich denn sonst noch ein, wenn man die AfD wählen würde, weil sie Bürokratie im Mittelstand abbauen will? Wenn man sich Ihr Wahlprogramm anguckt, sieht man: Man kauft sich noch einen Austritt Deutschlands aus der EU ein. Was machen denn die ganzen exportorientierten Mittelständler in Baden-Württemberg, wenn sie wieder Zölle für den Warenexport nach Frankreich, in die Niederlande, nach Italien, nach Polen – in wichtige Handelsländer – bezahlen müssten?

Oh, dann gibt es keine EU mehr! Dann bezahlt nämlich keiner mehr!

Das, was Sie da fordern, bringt einen dramatischen Wohlstandsverlust.

Oder: Ich habe mich gerade mit Vertretern des Bundesverbands der Systemgastronomie getroffen. Die haben gesagt: Bitte, bitte, könnten mehr als nur die Grünen fordern, dass man ein vernünftiges Verhältnis zur Migration bekommt? Nicht Remigration, wir brauchen Einwanderung, weil wir Arbeitskräfte brauchen.

So sieht es nämlich aus. Das sagen mir übrigens auch Handwerksbetriebe in meinem Wahlkreis, Betriebe mit 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus 11 Nationen. Die möchten ein positives Bild von den fleißigen Menschen mit Migrationsgeschichte haben

Zurufvon der AfD: Genau!

und nicht ständig eine ablehnende, menschenverachtende Haltung. Das schadet dieser Wirtschaft.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der Linken sowie der Abg. Frauke Heiligenstadt [SPD]

Es sollte auch lebenswert sein in Deutschland, da, wo Betriebe sind. Vielleicht wollte Ihre Tochter den Betrieb ja auch nicht übernehmen, weil vor Ort kein Schwimmbad mehr ist, weil da kein Bus mehr fährt, weil es ein kleiner Ort ist. Ich weiß nicht genau, wo Sie herkommen; aber von solchen Orten gibt es ziemlich viele. Wenn man sich anguckt, was Sie steuerlich noch fordern – keine Gewerbesteuer mehr, keine Erbschaftsteuer mehr, keine Grundsteuer mehr –, dann fehlt den Kommunen noch viel mehr Geld, dann fahren gar keine Busse mehr, dann gibt es keine Erzieher/-innen mehr, dann gibt es auch keine Lehrer/-innen mehr,

Hört! Hört!

dann wird das Schulklo niemals renoviert. 181 Milliarden Euro, ungefähr ein Fünftel der gesamten Staatseinnahmen, würden fehlen.

Ist doch Unsinn! Sie wissen doch, dass die Gewerbesteuer ersetzt werden soll!

Oder Sie müssten bei der Rente kürzen. Nie haben Sie vorgelegt, wie Sie das finanzieren würden. Unser Land wäre überhaupt nicht lebenswert, und man könnte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern überhaupt kein schönes Angebot mehr machen.

Von daher: Wir wollen ein Land, wo die Wirtschaft brummt,

Dafür haben Sie gesorgt die letzte Legislatur! Genau!

wo es einen tollen Binnenmarkt gibt, eine tolle EU. Und wir wollen ein Land, in dem es lebenswert ist und man nett und freundlich miteinander umgeht. All das kriegt man mit der AfD nicht.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Der Mittelstand, die KMUs, das Handwerk, die würden sehr, sehr leiden,

Hat man die drei Jahre Ihrer Regierung ja gesehen!

wenn man Sie wählen würde. Das darf niemals sein. Sie würden den Wohlstand ruinieren.

Ach, deswegen machen alle dicht!

Deswegen lehnen wir Ihre Anträge grundsätzlich ab.

Vielen Dank.

Für die SPD-Fraktion darf ich Daniel Bettermann das Wort erteilen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Daniel Bettermann
Foto: Daniel Bettermann / Thorsten Eschstruth
8 Vermerkeca. 578 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte Sie zu einem kurzen Gedankenexperiment einladen: Ich sehe vor mir ein Deutschland, in dem eine Deindustrialisierung um sich greift, Unternehmen unser Land für immer verlassen, Existenzen wegbrechen, die jede Familie, jeden Freundeskreis betreffen

Das haben wir aktuell!

– warten Sie mal ab! –, massive Wohlstandsverluste, einen handlungsunfähigen Staat, soziale Konflikte, politische Instabilität. Das Institut der deutschen Wirtschaft belegt: 2,5 Millionen verlorene Arbeitsplätze, fehlende Steuereinnahmen in Höhe von 181 Milliarden Euro und 690 Milliarden Euro Umsatzverlust. – Was ich hier umrissen habe, wäre die Übersetzung dessen, was die AfD fordert, was in ihrem Wahlprogramm steht, was sie mit unserem Land vorhat.

Beifallbei der SPD

Sie behaupten, Sie hätten einen Plan, um die Wirtschaft anzukurbeln? Ich sage: Nein. Wer profitiert denn von absurd hohen Steuersenkungen, vom Austritt aus der EU oder dem Euro, von einer Politik der Abschottung, von Grenzschließungen oder Einwanderungsstopps? Davon profitiert doch nicht die Mehrheit in unserem Land, davon profitieren einzig und allein Sie. Schaden würden die Pläne der AfD am meisten unserem Mittelstand; er ist besonders abhängig vom Export und einem offenen Wirtschaftsmodell.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Dr. Klaus Wiener [CDU/CSU]

Kleine und mittlere Unternehmen, also fast die Gesamtheit aller in unserem Land ansässigen Firmen, würden zu großen Teilen für immer wegbrechen. Für sie wäre das Modell der AfD doch ein Todesurteil.

Ja, sowohl bei Bürokratieabbau als auch bei den Steuern besteht politischer Handlungsbedarf. Es braucht Verbesserungen, ganz klar. Ich gehöre diesem Parlament nun seit knapp einem Jahr an, ein Jahr, das mir gezeigt hat, dass die Bundesregierung verstanden hat, was getan werden muss – sie ist auf einem guten Weg –: Es gibt starke Innovationsanreize durch den Deutschlandfonds und das Sofortprogramm mit der Senkung der Energiekosten; die Stromsteuer wurde für 600 000 Betriebe gesenkt. Es gibt mehr Finanzierungshilfen und steuerliche Verbesserungen dank des Standortfördergesetzes. Kleine und mittlere Betriebe werden auch durch die Senkung der Mehrwertsteuer auf Speisen entlastet, genauso wie es die Einkommensteuerreform tun wird. Als SPD haben wir mit dem Vererben-Konzept auch eine Idee für eine neue Erbschaftsteuer eingebracht, die den allermeisten Mittelständlern zugutekommen würde.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Es reicht eben nicht, wenn die Blauen den Unternehmern das Blaue vom Himmel versprechen.

Die Regierung setzt auf viele verschiedene Instrumente, die zusammen ein sicheres mittelstandsfreundliches Umfeld schaffen werden. Die ersten Erfolge sind sichtbar. Die konjunkturelle Erholung setzt ein.

Zurufvon der AfD: Wo? Wo denn?

– Das haben Sie doch heute bei der Vorstellung des Jahreswirtschaftsberichtes gesehen. – Auch was das Thema Bürokratieabbau angeht, ist der unsere Unternehmen zukunftsfähig machende Modernisierungsschub doch längst da. Am Ende wird eine Kostenreduktion um 25 Prozent stehen; das sind 16 Milliarden Euro an Einsparungen. Es geht um die Sicherstellung, dass jede neue Belastung durch eine Entlastung kompensiert wird. Und es soll auch keine Übererfüllung von EU-Vorgaben geben. Wir sind auf einem guten Weg.

Werte Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen, wir müssen gemeinsam alles tun, um das Gedankenexperiment vom Anfang meiner Rede zu verhindern. Es darf kein blaues Wunder in diesem Land geben.

Das gibt es schon längst!

Sie erleben es gerade!

Das wäre der wirtschaftliche und gesellschaftliche Ruin.

Herr Abgeordneter.

Wir stehen zusammen.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD, der CDU/CSU und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Für die Fraktion Die Linke darf ich Agnes Conrad das Wort erteilen.

Beifallbei der Linken
Porträt von Agnes Conrad
Foto: Agnes Conrad/ Karl-Ludwig Reuter
9 Vermerkeca. 459 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Die AfD bringt heute einen Antrag ein, der vorgibt, kleine und mittlere Unternehmen entlasten zu wollen. Und dieser Antrag folgt einem altbekannten Muster: Unter dem Schlagwort „Bürokratieabbau“ werden nicht in erster Linie ineffiziente Verfahren angegriffen, sondern Schutzrechte, Arbeitsstandards, Umweltauflagen, demokratische Regeln. Und genau deshalb sagen wir als Linke unmissverständlich: Diesen Antrag lehnen wir ab, und das aus Überzeugung.

Beifallbei der Linken

Ja, viele kleine Betriebe leiden unter komplizierten Verfahren, unübersichtlichen Förderprogrammen und einem Staat, der oft mehr bremst als unterstützt. Darüber reden wir seit Jahren. Aber wir reden darüber aus der Perspektive der Beschäftigten, der Auszubildenden und der vielen seriösen Betriebe, die fair wirtschaften. Die AfD tut das nicht. Sie benutzt die realen Probleme kleiner Unternehmen als Vorwand, um einen politischen Feldzug gegen alles zu führen, was nicht in ihr rückwärtsgewandtes Weltbild passt: gegen Arbeitnehmerrechte, gegen Mitbestimmung, gegen Umwelt- und Klimaschutz. Das ist kein Bürokratieabbau; das ist Deregulierung zugunsten der Starken und zulasten der Schwachen.

Beifallbei der Linken

Man muss es klar sagen: Die AfD betreibt keine Mittelstandspolitik, sondern neoliberale Wirtschaftspolitik – weniger Regeln, weniger Steuern für Unternehmen, weniger Verantwortung des Staates, aber mehr Druck auf Beschäftigte, mehr Unsicherheit und mehr Ungleichheit. Das ist die alte Leier von der Standortkonkurrenz, neu verpackt in angeblicher Fürsorge für kleine Betriebe. Wir sagen: Entlastung heißt, Anträge zu bündeln. Entlastung heißt, Förderprogramme einfacher und zugänglicher zu machen. Entlastung heißt, Verwaltungen endlich handlungsfähig und digital aufzustellen. Aber Entlastung heißt nicht, Beschäftigte schutzlos zu machen.

Macht doch kein Mensch!

Entlastung heißt nicht, Tarifbindung zu untergraben. Entlastung heißt nicht, ökologische Verantwortung zur lästigen Vorschrift zu erklären.

Gerade im Handwerk sehen wir doch: Die zentralen Probleme sind nicht zu viele Rechte, sondern zu wenig gute Arbeit, zu niedrige Löhne,

Zu hohe Steuern!

zu geringe Tarifbindung, zu wenig Investitionen in Ausbildung, Berufsschulen und sozialökologische Modernisierung.

Zu viel Einmischung des Staats!

Wer kleine und mittlere Betriebe wirklich stärken will, muss gute Betriebe stärken, solche, die ausbilden, tariflich bezahlen, mitbestimmen lassen und Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft übernehmen.

Beifallbei der Linken sowie der Abg. Katharina Beck [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Die AfD will genau das Gegenteil. Sie will einen Standortwettbewerb nach unten: weniger Regeln,

Entbürokratisierung! Weniger Regeln! Sie haben es richtig erkannt!

mehr Druck, weniger Schutz. Diesen Weg werden wir nicht mitgehen – nein, danke! –, nicht heute, nicht morgen und nicht bei irgendeinem Antrag dieser Fraktion; denn wir stehen für einen Mittelstand im Dienst der Menschen, nicht für Politik im Dienst von Ausbeutung, Spaltung und Rückschritt.

Vielen Dank.

Beifallbei der Linken

Für die CDU/CSU-Fraktion darf ich Dr. Klaus Wiener das Wort erteilen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Klaus Wiener
Foto: Dr. Klaus Wiener/Justus Kersting
9 VermerkeZwischenfrageWortwechselca. 1.104 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der Titel des Antrags, den wir heute beraten, lautet: „Bürokratie- und Steuerbelastung für kleine und mittlere Unternehmen unverzüglich senken“. Ich frage hier mal ganz offen: Wer wäre nicht dafür? Natürlich ist es richtig, Unternehmen von überbordender Bürokratie und von zu hohen Steuern zu entlasten. Aber genau das, meine Damen und Herren Antragsteller, tut diese Bundesregierung. Und deshalb – das kann ich an dieser Stelle schon vorwegnehmen – ist Ihr Antrag überflüssig. Wir lehnen ihn auch ab.

Lassen Sie mich nur an einige der vielen Maßnahmen erinnern, die diese Regierung bereits verabschiedet hat.

Erstens, das Investitionssofortprogramm: 30 Prozent Sonderabschreibungen über drei Jahre, anschließend eine Absenkung der Steuersätze, ausdrücklich auch für thesaurierte Gewinne, die bei Personengesellschaften anfallen, Frau Beck.

Aber Sie wissen doch, wie wenige das machen!

Auch diese Unternehmen werden davon profitieren, wenn die Gewinne im Unternehmen bleiben. Man könnte darüber nachdenken, eine Absenkung auf 2026 vorzuziehen, so wie Sie das im Antrag fordern.

Zurufvon der AfD: Bravo!

Das bringt konjunkturell aber vermutlich nicht so viel, weil in dieser Phase bereits die enorm hohen Sonderabschreibungen greifen. Unter dem Strich wäre das also wahrscheinlich wenig hilfreich.

Zweitens. Die Energiepreise werden durch den Wegfall der Gasspeicherumlage deutlich gesenkt. Die Strompreiskompensation, die jetzt für 31 statt nur für 11 Sektoren greift, die Senkung der Netzentgelte und die Einführung eines Industriestrompreises – das alles klang schon an. Und ja, ich höre hier auch schon wieder die Kritik: Die Stromsteuersenkung war doch für alle versprochen. – Das kommt ja viel von Ihnen.

Das stimmt ja auch!

Das stimmt, aber im ersten Schritt machen wir das für die Industrie und das verarbeitende Gewerbe bis weit in den Mittelstand hinein. 600 000 Unternehmen werden so entlastet. Warum? Weil diese Firmen im internationalen Wettbewerb stehen und eine Entlastung daher an dieser Stelle besonders dringend ist. Sobald die Wirtschaft wieder schneller wächst – heute war ja die Vorstellung des Jahreswirtschaftsberichts, und die Konjunkturprognose von 1 Prozent zeigt an, dass dies der Fall sein wird – und wir gesichert wissen, dass das nachhaltig ist, werden weitere Senkungen bei der Stromsteuer erfolgen.

Zu den weiteren Maßnahmen, die kleine und mittlere Unternehmen entlasten werden, gehören die Maßnahmen zum Bürokratieabbau, die wir im November 2025 in einem speziellen Entlastungskabinett beschlossen haben; das sind insgesamt 50 Maßnahmen. Weitere Sitzungen werden folgen. Ich nenne auch noch mal die Kraftwerksstrategie und den Kapazitätsmarkt. Damit werden wir das Energieangebot ausbauen. Zusammen mit den erneuerbaren Energien werden wir dafür sorgen, dass wir dauerhaft saubere, sichere und vor allem auch bezahlbare Energie haben werden.

Die von mir angesprochenen beschlossenen Preissenkungen helfen kurzfristig, aber auf Dauer ist das keine Lösung. Auf Dauer muss natürlich das Energieangebot steigen.

Herr Abgeordneter, würden Sie eine Zwischenfrage aus der AfD-Fraktion zulassen?

Rednerwechsel

Ja, das können wir machen.

Rednerwechsel

Sehr geehrter Kollege Wiener, vielen Dank, dass Sie die Frage zugelassen haben. – Ja, wir sind uns da einig: Wir müssen entlasten. Sie sprechen viele Maßnahmen an; die sind durchaus interessant. Wir wissen aber im Grunde genommen alle hier im Haus, dass Sie auf der einen Seite versuchen, irgendwo in Teilen zu entlasten – ob das etwas bringt oder nicht, werden wir sehen –, aber auf der anderen Seite alle Bürger im Land erfahren, dass die CO2-Abgabe wieder gestiegen ist. Wie wäre denn der Ansatz, dass wir die CO2-Abgabe abschaffen,

Steht komischerweise nicht in Ihrem Antrag!

damit die Bürger sofort und die Unternehmen genauso entlastet werden? Würden Sie unsere Vorschläge da nicht unterstützen? Wäre das nicht sinnig?

Beifallbei der AfD

Komisch! Wir reden gerade über den Antrag, den Sie selber gestellt haben!

Rednerwechsel

Sie sprechen jetzt ein Spezialthema an, die CO2-Besteuerung. Die Idee ist ja grundsätzlich, wenn man marktwirtschaftlich denkt, gut. Hier wird aber immer das Horrorszenario an die Wand gemalt: Mit der CO2-Bepreisung steigt der CO2-Preis auf 100, 200, 300 Euro. – Das ist natürlich nicht so. Das hängt von den Verschmutzungsrechten ab. Und wenn sich die Unternehmen und die Haushalte anpassen, dann haben wir einen endogenen Preis, der unter Umständen sogar sehr niedrig sein kann. Dass daraus ein sehr hoher CO2-Preis wird, ist bei Weitem nicht gegeben. Das Einzige, was wir hinkriegen müssen, ist ein vernünftiger Grenzausgleichsmechanismus; „CBAM“ ist hier das Stichwort. Ich bin noch nicht ganz davon überzeugt, dass wir den haben. Aber: Marktwirtschaftlich zu denken, wäre an der Stelle ein Rat, den ich gerne in diese Richtung geben würde.

Beifallbei der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Das ist doch kein marktwirtschaftliches Denken, wenn man irgendeine Steuer erhebt! Das ist staatlicher Dirigismus!

Ich will auch nicht versäumen, noch mal auf das Standortfördergesetz hinzuweisen, mit dem wir vor allem privates Kapital mobilisieren wollen, das auch jungen Unternehmen zugutekommen wird.

Sie sehen: Es passiert bereits sehr viel. Insofern kommen Sie mit Ihrem Antrag wieder einmal, muss man leider sagen, zu spät. Er ist auch – das will ich noch mal sagen – in der Analyse schlecht und oberflächlich. Sie schreiben zum Beispiel, dass die Anzahl der Insolvenzen von knapp 14 000 im Jahr 2021 auf knapp 22 000 im Jahr 2024 gestiegen ist. Das hört sich natürlich dramatisch an; aber Sie verschweigen ganz bewusst, dass das Jahr 2021 ein Coronajahr war. Da gab es einen besonderen Insolvenzschutz. Insofern sind diese Zahlen hoffnungslos überzeichnet. Aber das tun Sie ja immer ganz gerne: große Dramatik mit den Zahlen erzeugen, ohne mal ein bisschen hinter die Zahlen zu gucken.

Beifallder Abg. Katharina Beck [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Ich will hier gerne noch einen grundsätzlichen Gedanken anbringen. Entlastungen für kleinere und mittlere Unternehmen sind unverzichtbar; darin sind wir uns einig. Und ich denke, ich kann auch sagen, dass wir dafür kämpfen. Hierdurch entstehen enorme Wertschöpfung, Innovation und gute Arbeitsplätze. Aber auch große Unternehmen brauchen faire Rahmenbedingungen; denn sie stehen nun mal im internationalen Wettbewerb. Und wenn große Automobilhersteller ihre neuesten Modelle nicht mehr in Deutschland produzieren, dann ist das schon ein ernstzunehmendes Warnsignal. Deshalb werbe ich für eine Wirtschaftspolitik, die alle Unternehmen entlastet, unabhängig von ihrer Größe, unabhängig von der Branche, in der sie tätig sind, auch unabhängig davon, ob sie national oder international tätig sind. Wir von der CDU/CSU wollen, dass die ganze Wirtschaft entlastet wird; denn starke Unternehmen bedeuten sichere Arbeitsplätze, Wohlstand und soziale Stabilität.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU

Dafür reichen wir Ihnen die Hand! Sofort!

Für die AfD-Fraktion darf ich Reinhard Mixl das Wort erteilen.

Beifallbei der AfD
Porträt von Reinhard Mixl
Foto: Reinhard Mixl
5 Vermerkeca. 453 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Kollegen! Liebe Unternehmer! Kleine und mittlere Unternehmen – über 99 Prozent aller Unternehmen in Deutschland – sind die Basis unserer Wirtschaft. Sie tragen Beschäftigung, Ausbildung und Wertschöpfung in jede Region. Sie sind das Fundament unserer Grundversorgung. Doch diese Unternehmen werden gerade systematisch überlastet, und sie sterben im Übermaß – auch wenn der Kollege das nicht glauben mag. Die Insolvenzen stiegen von 14 000 im Jahr 2021 auf 24 000 im Jahr 2025.

Sehr geehrte Bundesregierung, die Ursachen sind bekannt: explodierende Energiepreise, hohe Finanzierungskosten, extrem schwache Nachfrage, eine erdrückende Steuerlast und dazu, wie ein Bleimantel, der Bürokratiewahnsinn. Draußen kämpfen kleine und mittlere Betriebe ums Überleben; hier drinnen werden Gesetze und Bürokratie am Fließband erzeugt. Wer so handelt, duldet den Niedergang aus Vorsatz. Dieser Staat behandelt die Unternehmen nicht als maximal notwendige Leistungsträger, sondern als Dauerverdächtige. Aus Misstrauen wird dann Kontrolle, aus Kontrolle werden Formulare, und zwar viele. Der Staatsapparat findet so seine Legitimation mit Mehrung der Ämter und Beamten. Die Folgen: Bonpflicht, Belegwahn, Meldeportale, Register, Dokumentationsketten, Aufzeichnungspflichten und natürlich harte Strafen bei Verstoß. Bereits heute entsteht dadurch kein Mehr an Ordnung, sondern weniger Produktion, weniger Investition, null Wachstum und weniger Wohlstand – der Staatsapparat als Maximalbremser.

Beifallbei der AfD

Das Lieferkettengesetz bzw. das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz – da kriegst du ja fast einen Kollaps beim Aussprechen – ist ein weiteres Paradebeispiel ideologischer Selbstinszenierung bei ökologischer Blindheit. Offiziell richtet es sich an große Konzerne; tatsächlich werden die Pflichten nach unten weitergereicht. Am Ende tragen kleine und mittlere Zulieferer die Last – ohne eigene Rechtsabteilung, aber mit vollem Risiko.

Alles Überflüssige ist falsch. Deshalb fordern wir unverzüglich ein Bürokratieabbaugesetz, das die Bürokratielast für die KMU mindestens halbiert, also maximal reduziert. Wir ziehen eine klare rote Linie: kein Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz, weder direkt noch indirekt. Und wir wollen Steuerentlastung, die im Betrieb ankommt: Körperschaftsteuer auf 10 Prozent absenken, beginnend bereits ab 2026, und idealerweise noch eine Reform der Einkommensteuer on top drauf, auch sofort.

Beifallbei der AfD

Die Istversteuerung im Umsatzsteuerrecht ist für alle KMU sofort zu ermöglichen. Schluss mit dem zinslosen Zwangskredit an den Staat! Steuern dürfen erst fällig werden, wenn Rechnungen bezahlt sind. Und schließlich fordern wir einen jährlichen KMU-Belastungs- und Umsetzungsbericht mit Zahlen, Fristen und Verantwortlichkeiten, damit Entlastungen nicht wieder in Stuhlkreisen verschwinden.

Stimmen Sie unserem Antrag zu! Jede Ablehnung vergrößert nur den Schaden für unsere Unternehmer.

Beifallbei der AfD

Und nach fast 35 Jahren Beratungstätigkeit kann ich Ihnen sagen: Gehen Sie mal raus – das habe ich Ihnen schon öfter gesagt –, fragen Sie draußen –

Herr Abgeordneter!

Rednerwechsel

– bei den kleinen und mittelständischen Unternehmern nach!

Danke.

Beifallbei der AfD

Als letzte Stimme in dieser Aussprache hören wir für die SPD-Fraktion Frauke Heiligenstadt.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU
Porträt von Frauke Heiligenstadt
Foto: Frauke Heiligenstadt/ Photothek Media Lab
5 Vermerkeca. 488 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Die AfD legt einen Antrag zum Bürokratieabbau vor. Und man muss ganz ehrlich sagen: Der ist ziemlich langweilig, wie ein alter Katalog mit D-Mark-Preisen.

D-Mark ging gut!

Sie legen hier keine seriöse Steuerreform vor, sondern betreiben nur staatsfinanzielle Spielerei. Geld wird irgendwie verteilt, Bürokratiekosten wollen Sie halbieren, gegenfinanziert ist gar keiner Ihrer Vorschläge,

Was gibt’s da zu finanzieren, bei Bürokratie?

Die Beamten!

und an die Folgekostenabschätzung ist schon mal gar nicht gedacht. Das ist bei Ihnen ja sowieso üblich.

Das, was Sie vorschlagen, auch in weiteren Anträgen, schafft Milliardenlöcher im Haushalt, und der Mittelstand wartet weiter. Erst heute haben Sie vorgeschlagen, die Kfz-Steuer abzuschaffen – das nur mal so als Beispiel –, auch nicht gegenfinanziert; aber das ist Ihnen ja egal. Sie tragen ein paar Allgemeinplätze über die deutsche Wirtschaft in Ihrem Antrag vor, ohne etwas Neues zu sagen: 99 Prozent der deutschen Unternehmen sind kleine und mittlere Unternehmen. – Sie reden von schwacher Nachfrage und hohen Energiekosten. Aber darüber, wie das mit Putins Krieg gegen die Ukraine oder mit Trumps Zöllen zusammenhängt, wollen Sie lieber nicht reden.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU sowie des Abg. Sascha Müller [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Ihr Antrag ist kurzum nichts weiter als ein Sammelsurium; der größte Teil ist auch noch die Auflistung der Namen, die oben auf dem Antrag steht. Ansonsten ist da inhaltlich nicht viel drin. Sie fordern Dinge, die schon möglich sind. Das zeigt, dass der Antrag vielleicht vor einem Dreivierteljahr geschrieben wurde. Andere Dinge sind zum Teil sogar umgesetzt, wie zum Beispiel die Beantragung der Istversteuerung für Unternehmer oder die Senkung der Körperschaftsteuer; meine Kolleginnen und Kollegen haben darauf hingewiesen. Das alles haben wir schon auf den Weg gebracht.

Was stattdessen für den Mittelstand in Deutschland sinnvoll ist, ist die Entlastungsagenda für die kleinen und mittleren Unternehmen, die wir in den letzten zehn Monaten vorangetrieben haben. Da möchte ich nur erwähnen, dass wir allein im Finanzbereich in den letzten Monaten sehr viel bewegt haben: den Ausbau der digitalen Angebote im Zoll- und Verbrauchsteuerbereich, das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand, die Erleichterung des Zugangs zur Forschungszulage und ihre Erhöhung, das Standortfördergesetz, die Netzentgeltabsenkung, die Stromsteuersenkung, die Körperschaftsteuerabsenkung, der Investitionsbooster, die Modernisierungsagenda, die Gastro-Mehrwertsteuerabsenkung, die Agrardieselrückerstattung. Brauchen Sie noch mehr Beispiele?

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Meine sehr verehrten Damen und Herren, im Kontrast dazu betreiben Sie von der AfD, wie üblich, nur pure Symbolpolitik für die Reichen, fordern den Abbau von Schutzvorschriften für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und von Umweltschutz. Das ist Ihre sogenannte Mittelstandsrettung. Ihre Pläne sind dünn, halbherzig, gefährlich für den Standort und verdienen daher ausschließlich Ablehnung.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Hans Koller
Foto: Hans Koller/ Verena S. Mautner
5 Vermerkeca. 427 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Schon kommen wir in die Umsetzung, nämlich in die realistische Umsetzung des Bürokratieabbaus. Wir nehmen das Thema ernst. Das zeigt sich daran, dass dieser Gesetzentwurf beraten wird.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, die Koalition setzt bewusst auf einen neuen, auf einen realistischen Ansatz. Bürokratieabbau soll keine leere Floskel sein, die bei jeder Sonntagsrede vorkommt; stattdessen kommen wir ins Tun.

Wir haben erste Maßnahmen ergriffen: Wir wollen Pflichten streichen, Verfahren verschlanken und dies in einen Gesetzentwurf gießen. Das hat keinen Anspruch auf Endgültigkeit, sondern es muss ein kontinuierlicher Prozess bleiben, wo wir uns auch entsprechend an den Realitäten orientieren.

Der Koalitionsvertrag ist klar, meine Damen und Herren: weniger Berichtspflichten, weniger Dokumentationsaufwand, weniger unnötige Nachweise, Vertrauen statt Misstrauen, Praxis statt Papier. Aber mit Augenmaß, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU

Vor diesem Hintergrund ist der heute vorliegende Gesetzentwurf ein bewusster Schritt in die richtige Richtung. Das ist kein großes Systemumbaugesetz, das ist kein Bürokratieabbau mit der Kettensäge, sondern der Gesetzentwurf orientiert sich an der Praxis und setzt an den richtigen Stellen an. Wir könnten sagen: Das sind keine Schlagzeilenreformen, aber es sind Zug um Zug spürbare Entlastungen im Alltag, die beim Mittelstand ankommen, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU

Man kann sicherlich sagen: Das sind nur wenige Punkte. Dazu sage ich: Ja, bewusst; denn Bürokratieabbau scheitert oft daran, dass man zu viel auf einmal will, und dann bleibt am Ende nichts übrig. – Wir gehen den Weg: wenige konkrete, sofort wirksame Schritte und davon regelmäßig mehr.

Und ehrlicherweise müssen wir auch selbstkritisch einmal ein Stück weit feststellen: Bürokratie ist auch dem geschuldet, dass wir ein sehr klagefreudiges Land geworden sind, dass viele Dinge eingeklagt werden, dass viele Dinge, die nicht bis ins letzte Detail geregelt sind, bis ins Letzte ausgereizt werden und es zu Fehlentwicklungen kommt. Deshalb: Augenmaß ist gefordert, nicht nur die großen Schlagzeilen.

Beifallbei der CDU/CSU

Meine Damen und Herren, mir ist wichtig, eines klarzustellen: Bürokratieabbau heißt nicht, Schutzstandards abzubauen, Verbraucher-, Arbeitnehmer- oder Umweltstandards abzubauen, es geht nicht um Deregulierung um jeden Preis, sondern um klare, um praxistaugliche Regelungen, die ihren Zweck erfüllen; und alles andere lassen wir weg.

Meine Damen und Herren, dieses Gesetz ist ein Auftakt. Ich lade Sie ein, sich konstruktiv an den Beratungen zu beteiligen: zum Wohle unseres Landes, zum Wohle unseres Mittelstandes.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Für die AfD-Fraktion darf ich Mathias Weiser das Wort erteilen.

Beifallbei der AfD
Porträt von Mathias Weiser
Foto: Mathias Weiser/ AfD-Bundestagsfraktion
13 Vermerkeca. 921 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Seit der Bundestagswahl sind elf Monate vergangen, und es ist festzustellen, dass Sie beim Bürokratieabbau keine nennenswerten Fortschritte erreicht haben. Dabei war der Bürokratieabbau eines der zentralen Themen im Wahlkampf 2025. Keine Diskussionsrunde ohne die Frage, wie die Parteien die Wirtschaft in diesem Bereich entlasten wollen. Und bei diesem wichtigen Thema haben Sie keinerlei spürbare Verbesserung für die deutsche Wirtschaft erreicht. Die Bundesregierung scheitert beim Bürokratieabbau.

Beifallbei der AfD

Ich möchte gleich auf den Punkt kommen, warum sie scheitert: Echter Bürokratieabbau bedeutet, dass in Deutschland Gesetze gestrichen und Behörden sowie Ministerien abgeschafft werden. Davon ist in diesem Gesetzentwurf und den vorherigen keine Spur. Sie verlieren sich im Klein-Klein der Regulierungen, anstatt die Wirtschaft spürbar zu entlasten und unseren Staat grundlegend zu reformieren.

Beifallbei der AfD

Ihre eigene Bilanz von Soll und Ist beim Bürokratieabbau zeigt das ganze Ausmaß dieses Trauerspiels. Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, die Bürokratiekosten um ein Viertel zu senken; das macht 16 Milliarden Euro an Erfüllungsaufwand aus. Und was haben Sie davon bereits erreicht? Laut Bericht der Bundesregierung vom November 2025 haben Sie mit den bisher umgesetzten Maßnahmen 780 Millionen Euro an Erfüllungsaufwand eingespart. Damit hat die Bundesregierung fast ein Jahr nach der Bundestagswahl gerade einmal 5 Prozent des versprochenen Bürokratieabbaus erreicht. Das ist kein kontinuierlicher Prozess, das ist einfach nur erbärmlich.

Beifallbei der AfD

Während in Argentinien die Bürokratie mit der Kettensäge innerhalb kürzester Zeit beseitigt wird, greift diese Regierung zur Nagelfeile und bewegt sie in Zeitlupe. Das ist die Realität.

Im Übrigen werden die heute vorgelegten Gesetzentwürfe nichts an diesem bedauernswerten Versagen der Bundesregierung ändern. Der Entfall des Energielabels an älteren Heizungen und der Entfall einer Weiterbildungspflicht für Immobilienmakler ist nicht der große Wurf, auf den die deutschen Unternehmen warten. Die 47 Millionen Euro an eingespartem Erfüllungsaufwand sind löblich, aber nur ein kleiner Tropfen auf einen viel zu großen heißen Stein.

Beifallbei der AfD

Der größte Kritikpunkt am Handeln der Bundesregierung ist jedoch die fehlende Einsicht, was tatsächlicher Bürokratieabbau bedeutet – Herr Koller, Sie haben das gerade perfekt gezeigt –; denn diese Einsicht ist kein Geheimnis, die kannten schon die alten Römer. Ich zitiere den Geschichtsschreiber Tacitus: Je verdorbener der Staat, desto mehr Gesetze hat er. – Ich übersetze das gerne für Sie ins 21. Jahrhundert für Deutschland:

Aber in einfacher Sprache!

Je verdorbener die Bundesrepublik Deutschland, desto mehr Gesetze, Ministerien und Behörden und NGOs hat sie.

Beifallbei der AfD

Sie hassen dieses Land!

Das ist das grundlegende Problem in Deutschland: zu viel Staat und zu viele Gesetze.

Das beste Beispiel ist die Debatte in der letzten Sitzungswoche über die Mittelstandspolitik. Aus den Reihen der CDU-Fraktion wurde es als Erfolg vermarktet, dass man doch Dutzende neue Gesetze erlassen hat. Das ist doch genau die falsche Denkweise. Es ist eher das Problem, was Sie uns deutlich machen. Parteien, die sich mit dem Erlassen neuer Gesetze brüsten, meinen es nicht ernst mit dem Bürokratieabbau, sie machen genau das Gegenteil.

Selbst zur Abschaffung eines Gesetzes brauchen Sie ein Gesetz! Wissen Sie das?

Seit 2016 haben die Bundesregierungen vier Bürokratieentlastungsgesetze beschlossen. Das Ergebnis: 2026 mehr Bürokratie als 2016. Und was ist die Reaktion der Bundesregierung auf diesen gescheiterten Bürokratieabbau? Sie tut das, was kein vernünftig denkender Mensch tun würde: Sie gründet ein zusätzliches Ministerium, um die Bürokratie endlich unter Kontrolle zu bekommen. Mehr Bürokratie und mehr Beamte, um Bürokratie abzubauen. Das versteht niemand.

Beifallbei der AfD

Mit Verlaub: Das ist Realsatire für viele Bürger und Unternehmen, was Sie tun. Sie wollen die Wirtschaft nicht entlasten. Sie beschäftigen sich lieber mit sich selbst und verschwenden Steuergelder, als die tatsächlichen Probleme in Deutschland zu lösen.

Meine Damen und Herren, wie würde die Alternative für Deutschland für einen wirksamen Bürokratieabbau sorgen? Wir würden das einzig Richtige tun: Gesetze umfangreich und gründlich streichen. Die Liste ist sehr lang: Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz,

Wie streicht man denn Gesetze? Erklären Sie mir das mal!

Datenschutz-Grundverordnung, Antidiskriminierungsgesetz, Netzwerkdurchsetzungsgesetz, Erneuerbare-Energien-Gesetz, Gebäudeenergiegesetz, Brennstoffemissionshandelsgesetz – alles Gesetze, vor deren Einführung Deutschland wunderbar funktioniert hat und deren Streichung für unsere Unternehmen in allen Bereichen ein Segen sein wird.

Beifallbei der AfD

Es muss klar sein: Deutschland wird ohne diese umfangreiche Deregulierung am Weltmarkt nicht bestehen können. Nehmen wir das Beispiel „künstliche Intelligenz“, eine Zukunftstechnologie, die sich in den Vereinigten Staaten rasant entwickelt. Und was machen die Politiker in Deutschland und der Europäischen Union? Wir regulieren, bevor überhaupt Unternehmen innovative Produkte entwickelt haben und die erfolgreich am Markt etabliert haben. Das ist genau das, was wir nicht brauchen. Deutschland und die Europäische Union verlieren damit den internationalen Anschluss.

An diesem Fallbeispiel wird deutlich, dass die Bürokratie in Deutschland nur erfolgreich abgebaut werden kann, wenn das Bürokratiemonster Europäische Union grundlegend reformiert wird. Es ist dringend notwendig, dass wir für mehr nationalstaatliche Souveränität sorgen und unsere deutsche Volkswirtschaft vor den übergriffigen Vorgaben aus Brüssel schützen.

Beifallbei der AfD

Darüber hinaus wird es für den Bürokratieabbau unvermeidlich sein, eine grundlegende Verschlankung des Staates umzusetzen. Allen voran wird es dabei unsere Aufgabe sein, dass wir die Anzahl von Ministerien und Behörden deutlich senken. So würde wahrer Bürokratieabbau aussehen.

Was Sie heute vorgelegt haben, meine Damen und Herren, ist zwar ein Schritt in die richtige Richtung, aber angesichts der desolaten Lage unserer Volkswirtschaft einfach nur ein Armutszeugnis.

Beifallbei der AfD

Für die SPD-Fraktion darf ich Daniel Bettermann das Wort erteilen.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU
Porträt von Daniel Bettermann
Foto: Daniel Bettermann / Thorsten Eschstruth
3 Vermerkeca. 749 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Gäste! Es gibt Gesetze, deren Wirkmächtigkeit von vornherein ersichtlich ist, die groß und bedeutsam erscheinen, die schon unmittelbar durch ihre Namen beweisen, dass sie es in sich haben. Und dann gibt es die Art von Gesetzen, die auf den ersten Blick kleinteilig und punktuell wirken, lediglich für einen begrenzten Kreis an Betroffenen Wirkung entfalten – zumindest offenkundig. Es sind Gesetze, deren Einfluss auf richtungsweisende Politikwechsel und deren Wirkung sich erst im Zeitverlauf wirklich erschließt.

Der heute in erster Lesung zu beratende Gesetzentwurf mit seinen Plänen zu umzuschreibenden, wegzustreichenden Paragrafen und in Verordnungen vorzusehenden Vereinfachungen gehört definitiv zur zweiten Kategorie. Er wirkt vom Namen her sperrig, komplex, vielleicht auch unverständlich, und dennoch bin ich bereits heute Fan des nun in die parlamentarische Befassung geschickten Gesetzesinhalts.

Konkret geht es hier um erwartete Entlastungswirkungen in Höhe von insgesamt fast 60 Millionen Euro für bestimmte Unternehmen und Berufe, darunter die Immobilienmaklerin und der Bezirksschornsteinfeger. Es geht um freiwerdendes Potenzial und steigende Wertschöpfung. Es geht darum, positive Effekte sicherzustellen, um damit unser Wirtschaftswachstum zu unterstützen. Von dem Gesetz wird insbesondere der Mittelstand profitieren, also die ganz vielen kleinen und mittelgroßen Unternehmen, die in Deutschland 99 Prozent aller Firmen ausmachen. In diesen Unternehmen ist mehr als die Hälfte aller Beschäftigten tätig. Damit sichern diese Unternehmen wichtige Einkommen. Auch für Bund und Länder werden Vereinfachungen geschaffen, die Verwaltungen werden entlastet.

Aber mehr noch: So klein seine einzelnen Bausteine heute auch wirken mögen, so groß wird das, was am Ende mit diesem Gesetz einhergeht. Seine übergeordnete Bedeutung wird sichtbar werden. Das Gesetz mit diesem holprigen und etwas dröge anmutenden Namen wird sich in eine lange Liste an Entscheidungen einreihen, mit denen die Bundesregierung unseren Staat einfacher, schneller und digitaler macht, mit denen Bürgerinnen und Bürger sowie die Wirtschaft von heute noch bestehenden, nicht selten überfordernden, zu oft auch nicht zwingend erforderlichen Vorschriften und regulatorischen Hemmnissen befreit werden. Mit diesem Gesetz ist ein Anfang, ein weiterer Schritt gemacht worden, um sie von diesen Hemmnissen zu befreien.

Wo besteht Ineffizienz? Wo ist der Aufwand zu hoch? Stehen investierte Arbeitskraft, Kosten und personelle Kapazität nicht im Verhältnis zum erkennbaren Nutzen? Welche Mehrbelastungen können, müssen wir als Politik streichen, um unserem Land die Möglichkeit zu geben, sich wieder auf das wirklich Wichtige zu konzentrieren? Wie keine andere Regierung zuvor räumt Schwarz-Rot jetzt auf, stellt Gesetze auf den Prüfstand und schafft Überflüssiges ab. Das schafft Freiraum, dient der Wettbewerbsfähigkeit und sichert langfristigen Wohlstand.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir werden in den kommenden Wochen und Monaten noch über viele weitere, durchaus auch ähnliche, auf den ersten Blick vielleicht klein wirkende Gesetze reden, die vom Namen her wenig spannend sind. Aber rückblickend werden wir sagen können: Das waren viele Puzzlesteine des großen Ganzen. Diese Koalition hat es sich zur Kernaufgabe gemacht, unser Land von unnötigen bürokratischen Regularien zu befreien. Das ist zum alles andere überlagernden Ziel geworden, zur Gemeinschaftsmission der Regierung und aller Ministerien. Das ist das erste Mal, dass das in dieser Form geschieht. Der Abbau von Bürokratiekosten um insgesamt 25 Prozent und die damit einhergehende Senkung des anfallenden Aufwands für Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen führt zu Entlastungen von bis zu 16 Milliarden Euro. Das wird ganz schnell deutlich sichtbar werden. Es ist ein ambitioniertes Vorhaben, das die Bundesregierung durch kontinuierliches und nun immer schneller werdendes Agieren zum Erfolg führen wird.

Der heute in erster Lesung zu beratende Gesetzentwurf wird hierzu seinen Teil beitragen. Vielleicht ist diese Sorte von Gesetzen am Ende sogar die besonders bedeutende; denn diese Form von Gesetz beweist, dass die Politik lernfähig ist und bei Bedarf nachsteuert. Mit guter Intention wird gehandelt, werden Veränderungsbedarfe erkannt, wird eingegriffen und werden Verbesserungen deutlich hervorgehoben. Man könnte sagen, sie sind auch Ausdruck einer gesunden Fehlerkultur.

Ausdruck einer Politik der späten Einsicht!

Das ist übrigens gleichzeitig Kernmerkmal und Grundvoraussetzung einer funktionierenden Demokratie. Unsere Demokratie, unsere Staatsform ist lernfähig, und sie zeigt, dass sie anpackt. Nur die Fähigkeit zur kontinuierlichen Weiterentwicklung macht es möglich, dass der Staat immer besser, immer einfacher, immer digitaler und effizienter wird, das Leben der Bürgerinnen und Bürger besser wird und die harte Arbeit, die unsere Unternehmer jeden Tag leisten, einfacher wird. Dem trägt dieses Gesetz Rechnung. Die Koalition liefert. Das ist effizient, das ist ergebnisorientiert, und das ist gut für unser Land.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Für Bündnis 90/Die Grünen darf ich Sandra Stein das Wort erteilen.

Porträt von Sandra Stein
Foto: Milena Radatz
8 Vermerkeca. 581 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Heute beraten wir über Maßnahmen zum Bürokratieabbau. Ich will vorweg sagen: Viele der angeführten Punkte sind für sich genommen erst mal in Ordnung. Aber wir müssen auch ehrlich sein: Teilweise wird hier Etikettenschwindel betrieben. Wenn Regelungen nämlich beendet werden, die sowieso ausgelaufen wären, wie zum Beispiel das nationale Heizungslabel, dann ist das kein mutiger Bürokratieabbau, sondern eher ein formaler Abschluss. Kann man ja machen, aber man sollte es nicht als etwas Größeres verkaufen, als es ist.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken

Gleichzeitig gibt es aber auch Maßnahmen, die aus unserer Sicht in die falsche Richtung gehen. Ein Beispiel ist die geplante Abschaffung der Pflicht zur regelmäßigen Weiterbildung von Immobilienmaklern. Hier teilen wir ausdrücklich die Sorge von vielen Branchenverbänden. Wenn hier Qualifikationsanforderungen abgesenkt werden, drohen mittelfristig mehr Rechtsstreitigkeiten. Bürokratie abbauen, indem man Standards senkt, ist nämlich kein Fortschritt, sondern eine Problemverschiebung von der Verwaltung zu den Gerichten.

Ich könnte jetzt Maßnahme für Maßnahme durchgehen. Aber genau darin liegt ja das eigentliche Problem: Die Bundesregierung verliert sich im Klein-Klein. Der Handlungsdruck ist aber enorm. Unternehmerinnen und Unternehmer verbringen immer weniger Zeit mit ihren Kernaufgaben und immer mehr Zeit mit Formularen, Nachweisen und Berichtspflichten – das ist alles richtig –: fast ein Viertel der Arbeitszeit nicht für Innovation, nicht für Wachstum, sondern für Verwaltung. Das ist tatsächlich ein echter Standortnachteil.

Darauf reagieren Sie ja auch mit der Modernisierungsagenda. Darin finden sich viele richtige und gute Schritte. Aber Einzelmaßnahmen alleine reichen eben nicht aus; denn Bürokratie entsteht nicht einfach nur durch Gesetze, sondern durch komplizierte Abläufe, durch unklare Zuständigkeiten und ein System, das häufig auf Absicherung statt Ermöglichung setzt. Deshalb müssen wir Verwaltung grundsätzlich anders denken: als Dienstleisterin für Bürger/-innen und Unternehmen.

Andere Länder zeigen, was möglich ist. Wir reden über das Ziel, die Bürokratiekosten für die Wirtschaft um 25 Prozent zu senken. Das wären rund 16 Milliarden Euro Entlastung für Unternehmen. Natürlich ist das superwichtig, das ist eine Entlastung für Unternehmen und Bürger; aber es ist eben nicht ambitioniert genug. Eine Studie des ifo-Instituts im Auftrag der IHK für München und Oberbayern von 2024 zeigt: Wenn Deutschland bei der Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung auf das Niveau von Dänemark käme, könnten wir jährlich rund 96 Milliarden Euro mehr Wirtschaftsleistung erzielen;

Hört! Hört!

96 Milliarden Euro durch effizientere Verfahren, weniger Reibungsverluste, weniger Bürokratie. Das zeigt doch: Ein riesiges Potenzial liegt nicht einfach im Streichen einzelner Berichtspflichten, sondern im grundlegenden Umbau unserer Verwaltung: digital von Anfang bis Ende, einheitlich, verständlich und schnell.

Wir fordern deshalb zum Beispiel die Einführung einer Deutschland-App, in der alle Verwaltungsdienstleistungen zugänglich sind.

So ist es!

Wir wollen eine Ausweitung des von uns eingeführten Praxischecks, und zwar so, dass kleine und Kleinstunternehmen der Maßstab sind. Und wir wollen eine konsequente Anwendung des Once-Only-Prinzips, damit Betriebe eben nur einmal all ihre Daten übermitteln müssen.

Wenn die Modernisierungsagenda mehr sein soll als eine Sammlung gut gemeinter Einzelmaßnahmen, dann braucht sie den Mut, genau diesen Perspektivwechsel zu vollziehen. Bürokratieabbau heißt dann nicht „weniger Staat“; sondern Bürokratieabbau heißt: besserer Staat.

Vielen Dank.

Für die Fraktion Die Linke darf ich Jörg Cezanne das Wort erteilen.

Beifallbei der Linken
Porträt von Jörg Cezanne
Foto: Jörg Cezanne / Maik Brückner
6 Vermerkeca. 379 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Ich will gerne anerkennen, dass die Kollegen Koller und Bettermann tapfer versucht haben, diesen Gesetzentwurf hier sympathisch einzubringen.

Heiterkeitbei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD

Aber man muss doch wirklich noch mal ein bisschen darüber reden, was Sie eigentlich hier machen.

Der Kanzler bläst die Backen ganz dick auf: „Dieses Land ist zu träge, zu langsam und zu bürokratisch.“ Im Koalitionsvertrag stecken Sie sich das Ziel, Bürokratiekosten und Erfüllungsaufwand um insgesamt 26 Milliarden Euro zu reduzieren, und dann legen Sie uns hier einen so dürren Gesetzentwurf mit fünf Maßnahmen vor. Sie selber behaupten – ich kann das nur schwer nachvollziehen –, damit sollen 60 Millionen Euro eingespart werden. Ich bitte Sie: Wenn Sie in dem Tempo weitermachen, dann brauchen Sie nur noch etwa 499 Gesetzentwürfe von diesem Niveau, um Ihre Ziele in dieser Legislaturperiode zu erreichen. Das ist armselig.

Beifallbei der Linken

Aber es wird ja noch viel schlimmer.

Erstens. Sie wollen den Bericht über die Tätigkeiten der Industrie- und Handelskammern und der Außenhandelskammern an den Deutschen Bundestag abschaffen. Hut ab! Der wird weiterhin geschrieben werden; er kriegt nur keine Bundestagsdrucksachennummer mehr. Was ist denn das bitte für eine armselige Maßnahme?

Sie wollen, zweitens, das Energieeffizienzlabel für alte Heizungen abschaffen, wohlgemerkt: für alte Heizungen. Das ist durchgelaufen. Da muss auch kein Schornsteinfeger mehr tätig werden. Da ist überhaupt kein Bürokratieabbau dahinter.

Besonders grotesk wird es, wenn diejenigen, die Sie von Bürokratie entlasten wollen, sagen: „Das wollen wir gar nicht, weil wir nämlich befürchten, dass das die Qualität unserer Dienstleistungen beeinträchtigt“, wie das bei den Hausverwaltungsunternehmen, Immobilienverwaltern, Immobilienmaklern der Fall ist, die jetzt in seltener Einmütigkeit mit Verbraucherschützern und Mieterbund darum ringen, dass die Weiterbildungspflicht nicht abgeschafft wird.

Beifallbei Abgeordneten der Linken

Übrigens sagt in den Verbänden aus diesem Bereich fast die Hälfte der Unternehmen, sie wollen die Weiterbildungspflicht ausweiten und verstärken. Also, bitte schön, lassen Sie die Finger davon, und machen Sie das nicht!

Beifallbei der Linken

Nur um es noch mal zu sagen: Sie blasen die Backen ganz dick auf; aber Sie vergessen, zu pusten. Das hier ist noch nicht mal heiße Luft.

Beifallbei der Linken

Für die CDU/CSU-Fraktion hat jetzt das Wort Dr. Saskia Ludwig.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Saskia Ludwig
Foto: Laurence Chaperon
3 Vermerkeca. 508 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kollegen! Herr Präsident, mit Ihrer Erlaubnis würde ich gerne ein Zitat vortragen:

„Von allen Plagen, mit denen Gott der Herr unser Wirtschaftsleben heimsucht, ist die Bürokratie die weitaus schlimmste.“

Das ist viele Jahre alt. Sie haben noch ältere Zitate gebracht. Wir wissen: Da, wo Staat ist, befindet sich auch Bürokratie, und man muss zusehen, dass sie nicht immer weiter ausufert.

Ich bin froh, dass das Bürokratieentlastungskabinett ein Signal des Willens sendet, lähmende, unnötige Bürokratie abzubauen. Denn die Bürokratie ist nicht etwa ein notwendiges Übel, sondern sie wird sehr leicht zum selbstständigen Übel. Das passiert nicht von heute auf morgen, das passiert sehr langfristig. Aber wenn man sich die letzten Jahre anguckt, die Jahre zwischen 2020 und 2024, die Coronajahre, dann merkt man schon, dass die Kurve nicht normal nach oben ging, sondern ganz steil.

Ihre Kollegin Frau Beck ist gerade nicht anwesend. Sie sprach davon, dass das, was der Mittelstand braucht, Einwanderung sei. Ich würde gerne mal über die Zahl der Arbeitnehmer reden, die zwischen 2020 und 2024 aus der Privatwirtschaft in die Verwaltung abgewandert sind. Ich glaube, man traut seinen Ohren kaum, wenn man die Zahl 400 000 hört. 400 000 Personen sind aus der Privatwirtschaft in die Verwaltung abgewandert.

Das hat gleichzeitig zwei Effekte. Uns fehlen qualifizierte Arbeitskräfte in der Privatwirtschaft, und wir wundern uns, wo die hin sind. Auf der anderen Seite ist es so, dass, wenn ich in der Verwaltung zusätzliche Stellen habe, in dem Fall 400 000, auch zusätzliche Bürokratie produziert wird. Das ist ein völlig normaler Kreislauf. Darüber müssen wir reden.

Ein starker Staat ist nicht ein Staat mit möglichst vielen Beamten, sondern ein Staat, der sich auf das Wesentliche beschränkt. Da bin ich sehr froh, dass im Jahreswirtschaftsbericht das Thema Ordnungspolitik wieder aufgegriffen wurde. Wenn wir sehen, welche Debatte es allein zu diesem Wort „Ordnungspolitik“ gab, was ja nichts anderes bedeutet, als sich auf das Wesentliche zu beschränken, dann wissen wir, worüber wir reden. Ich bin der Bundeswirtschaftsministerin und ihrem Ministerium sehr dankbar, dass sie dies nicht nur verstanden haben, sondern auch umsetzen wollen.

Beifallbei der CDU/CSU

Herr Weiser, ich habe vernommen, wie Sie sich insgesamt dazu geäußert haben. Sie haben auch gesagt, es ist ein Schritt in die richtige Richtung. Wir leben in Deutschland und nicht in Argentinien. Hier ticken die Uhren nun mal anders. Deswegen bin ich sehr froh, dass wir mit dem vorliegenden Gesetzentwurf zum Bürokratieabbau in der Gewerbeordnung dem Anspruch gerecht werden, schnell bürokratische Vorschriften aufzuheben, und der Vorgabe des Entlastungskabinetts aus dem Dezember Rechnung tragen. Dies ist die erste Lesung, und wir alle hoffen sehr, dass nach diesem Auftakt bald ein großer Wurf vorliegt.

Um mit Ludwig Erhard zu schließen: Nicht der Staat schafft Wohlstand, sondern die Freiheit des Bürgers, zu handeln, zu investieren und zu arbeiten.

In diesem Sinne: Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU

Als letzte Stimme in der Aussprache hören wir Vanessa Zobel für die CDU/CSU.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Vanessa Zobel
Foto: DBT/ Inga Haar
3 Vermerkeca. 444 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Um es direkt vorwegzunehmen und mich da meinen Vorrednern anzuschließen: Dieses Gesetz ist kein Paukenschlag, aber es ist Teil eines größeren Projektes; denn der Bürokratieabbau ist nun einmal kein Sprint – das haben wir alle mitbekommen –, sondern ein Marathon. Seien wir doch mal ehrlich: Ich bin froh über jede Entschlackung, die stattfindet. Denn viele Vorschriften aus der Vergangenheit waren einfach gut gemeint; aber irgendwann wurde der Dschungel so dicht, dass kaum noch einer durchblickte.

Mit dieser Koalition beginnen wir nun, diesen Dschungel zu lichten. Das Bürokratierückbaugesetz, das wir heute in erster Lesung beraten, zeigt: Bürokratieabbau gelingt dann, wenn wir strukturiert vorgehen, also Gesetz für Gesetz und Paragraf für Paragraf, und vor allem gemeinsam mit denen, die nun auch die Folgen spüren, also mit unseren Unternehmen, unseren Kommunen und unseren Bürgerinnen und Bürgern.

Was steht denn im vorliegenden Gesetzentwurf konkret drin?

Erstens. Wir werden die Übertragungsnetzbetreiber entlasten. Die Pflicht zu jährlichen Berichten an die Bundesnetzagentur über technische Machbarkeiten, Wirtschaftlichkeit und Umweltauswirkungen bestimmter Anlagen entfällt. Das spart Zeit und Geld und stärkt die Konzentration auf das Wesentliche, nämlich auf unseren Netzausbau.

Zweitens. Wir streichen die überholten Berichtspflichten. Dazu gehört die Pflicht des Bundeswirtschaftsministeriums, zur Mitte jeder Legislatur einen Bericht über die Industrie- und Handelskammern vorzulegen.

Drittens. Ja, wir haben es gehört, auch die Schornsteinfeger befreien wir von überflüssigen Verwaltungsakten. Das entlastet die Verwaltung um rund 10 Millionen Euro jährlich und die Schornsteinfeger selbst von überflüssiger Büroarbeit.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich verkaufe Ihnen das heute nicht als den großen Wurf. Es kann nur der Anfang sein, und das ist er auch. Wir von der Koalition arbeiten bereits an weiteren umfassenden Bürokratieentlastungsgesetzen, mit denen wir zum Beispiel die Schwellenwerte für Berichtspflichten anheben, die Verfahrensdauer in der Verwaltung verkürzen und das Lieferkettengesetz europarechtskonform entschlacken wollen. Mit dem Reallabore-Gesetz steht zum Glück ein weiteres Gesetz in den Startlöchern, das experimentierfreudigen Unternehmen die nötige Freiheit gibt, auch mal Sachen auszuprobieren, und das, ohne dass sie an Verwaltungsvorschriften scheitern. Unser Ziel ist klar: Weg mit den überflüssigen Dokumentationspflichten und kollektivem Misstrauen gegenüber unseren Unternehmen und stattdessen mehr Eigenverantwortung und Vertrauen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Liebe Kolleginnen und Kollegen, der Staat darf kein Selbstzweck sein. Er muss ermöglichen und darf nicht blockieren. Damit das gelingt, braucht es auch solche vergleichsweise kleinen Gesetze. Also lassen Sie uns weiter dranbleiben für eine Verwaltung, die mitdenkt, für eine Wirtschaft, die durchstarten kann, und für ein Land, das wieder schneller wird!

Vielen lieben Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Maik Brückner
Foto: Maik Brückner/ Jannis Hutt
3 Vermerkeca. 391 WörterReaktionswert: niedrig
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Herr Präsident! Ich möchte meine Rede mit einem Zitat der Holocaustüberlebenden Margot Heumann beginnen:

„Wir wussten nichts über unsere Zukunft und ich entschied mich, dass, wenn Dita ins Gas ginge, ich mit ihr gehen würde. Ich habe niemanden je so geliebt wie Dita.“

Als junges Mädchen lernte Margot die gleichaltrige Edith „Dita“ Neumann kennen und verliebte sich in sie. Sowohl Margot als auch Edith wurden im Mai 1944 nach Auschwitz deportiert. Beide überlebten dieses und andere Todeslager. Margot Heumann ist die erste lesbische Holocaustüberlebende, die von ihren Erfahrungen berichtete.

Die historische Forschung hat zuletzt bedeutende Fortschritte gemacht in Bezug auf die Geschichte von lesbischen oder Transpersonen im Nationalsozialismus. „Totgeschlagen – totgeschwiegen“: Das steht auf der Gedenktafel für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus am Nollendorfplatz in Berlin.

Auch das offizielle Gedenken in Deutschland hatte lange Zeit einen blinden Fleck, weil die Verfolgung und Diskriminierung queerer Menschen in Deutschland, in beiden deutschen Staaten, nach 1945 weiterging. Der Deutsche Bundestag hat der queeren NS-Opfer erst 2023 offiziell gedacht. Ohne den unermüdlichen und hartnäckigen Einsatz des Historikers Lutz van Dijk und von vielen weiteren Engagierten wäre es womöglich gar nicht dazu gekommen; die Widerstände dagegen waren enorm. Und eine Bitte des Parlaments um Verzeihung fehlt bis heute. Ich finde, es wird höchste Zeit.

Beifallbei der Linken und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Es ist gut und richtig, dass sich das staatliche Gedenken öffnet. Dass dies erst so spät stattgefunden hat, ist eine Schande, der sich dieses Haus erst noch stellen muss. Die Community hält die Erinnerung an diejenigen wach, die verfolgt, gefoltert oder ermordet wurden, weil sie queer waren, unter anderem durch das jährliche Gedenken am Mahnmal im Tiergarten für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen, an dem ich und viele andere heute auch teilgenommen haben.

„Erinnern heißt handeln“: Diese Losung bringt es doch auf den Punkt. Mit unserem Antrag unterbreiten wir konkrete Vorschläge, wie dieses Handeln aussehen könnte. Freiheit, Vielfalt und Demokratie stehen aber auch heute wieder unter Druck und müssen verteidigt werden. „Erinnern heißt handeln“: Das bedeutet für mich auch, dass wir endlich das AfD-Verbot prüfen müssen.

Beifallbei der Linken und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Für die CDU/CSU-Fraktion darf ich Ansgar Heveling das Wort erteilen.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD
Porträt von Ansgar Heveling
Foto: Ansgar Heveling/ Tobias Koch
2 Vermerkeca. 419 WörterReaktionswert: ruhig
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Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Verfolgung homosexueller Menschen, transgeschlechtlicher Menschen und all jener, die nicht in das Weltbild der Nationalsozialisten passten, war furchtbares Unrecht. Wer heute über die Verfolgung queerer Menschen im Nationalsozialismus spricht, spricht über die Frage der Menschenwürde – und über ein Unrecht, das sich nicht nur in den Jahren 1933 bis 1945 ereignete, sondern in Teilen auch in der Nachkriegszeit fortwirkte: durch fortgesetzte Kriminalisierung und Diskriminierung, durch Schweigen, durch fehlende Anerkennung.

Heute ist für uns klar: Niemand darf wegen seiner Identität entwürdigt, ausgegrenzt oder zum Opfer staatlicher Willkür gemacht werden. Gerade deshalb schulden wir den Verfolgten aus der Zeit des Nationalsozialismus Respekt, Erinnerung und eine Sprache, die nicht stigmatisiert, sondern aufrichtet.

Der Antrag der Linksfraktion benennt vieles, was historisch zutrifft und was auch uns beschämt. Er erinnert an zerstörte Biografien, an Haft, an Entrechtung, an die Menschenverachtung der Nationalsozialisten, aber auch an die oft bittere Erfahrung, nach 1945 erneut nicht gehört worden zu sein.

Der Deutsche Bundestag hat jedoch in den vergangenen Jahrzehnten bereits wesentliche Schritte unternommen. Er hat im Jahr 2000 sein Bedauern über die Fortgeltung des § 175 ausgedrückt. 2002 wurden die Urteile gegen homosexuelle Männer aus der NS-Zeit aufgehoben. 2017 haben wir das Strafrechtliche Rehabilitierungsgesetz beschlossen und damit auch die Verfolgten der Nachkriegszeit rehabilitiert. Bundespräsident Steinmeier hat 2018 um Vergebung gebeten. Und ja, erst 2023, aber eben 2023 hat dieses Haus in einer bewegenden Gedenkstunde explizit der queeren NS-Opfer gedacht. Es ist also keineswegs so, dass die Anerkennung fehlt. Sie ist erfolgt: auf höchster staatlicher Ebene, im Parlament und durch unser Staatsoberhaupt.

Darum sagen wir ebenso klar: Der Antrag mag gut gemeint sein. Er geht aber von falschen Prämissen aus und ist für uns in seiner konkreten Form nicht erforderlich. Symbolische Akte dürfen nicht den Eindruck erwecken, als habe der Bundestag bislang geschwiegen oder als müsse Erinnerungspolitik immer neue Institutionen hervorbringen, um ernst gemeint zu sein. Wir sollten stattdessen auf das setzen, was jetzt schon geschieht: Förderungen bestehender Gedenkorte, die Unterstützung guter historischer Forschung, die Einbindung queerer Opferperspektiven in die Bildungsarbeit und eine klare Haltung gegen Hass, Gewalt und Diskriminierung.

Meine Damen und Herren, wir erkennen das Leid an – ohne Relativierung. Aber wir lehnen diesen Antrag ab, weil seine Anliegen bereits aufgegriffen sind und weil wir die Verantwortung nicht in neue Symbolpolitik verlagern sollten, sondern bei verlässlichem, wirksamem Handeln bleiben sollten.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD

Für die AfD-Fraktion darf ich Nicole Hess das Wort erteilen.

Beifallbei der AfD
Porträt von Nicole Hess
Foto: Nicole Hess / Karl-Heinz Schiffer
9 Vermerkeca. 715 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Wenn wir heute über die Opfer der NS-Diktatur sprechen, dann schulden wir ihnen vor allem eines: Wahrhaftigkeit – nicht bunte Symbolik, nicht billige Schlagworte, nicht politische Selbstvergewisserung, sondern eine Sprache, die der historischen Realität gerecht wird und den Menschen, um die es geht, Erinnerung und Würde zugesteht.

Der Antrag spricht von „queeren Opfern“ und meint damit sehr unterschiedliche Gruppen: schwule Männer, bisexuelle Menschen, transgeschlechtliche Menschen, lesbische Frauen, intergeschlechtliche Menschen. Das klingt zunächst alles wahnsinnig inklusiv; aber ein Begriff, der alles umfassen will, der erklärt am Ende nichts mehr. Er fördert nicht Klarheit, sondern Beliebigkeit. Im NS-Staat wurden Menschen jedoch nicht verfolgt, entrechtet, gequält oder ermordet, weil sie in ihrer Lebensweise oder in ihrer Sexualität beliebig gewesen wären. Im Gegenteil! Sie lebten sehr konkret: als Homosexuelle, als Juden, als Künstler. Und sie wurden auch sehr konkret verfolgt: nach konkreten, ihnen vorgeworfenen Tatbeständen, nach Stigmata, über rasse-ideologische Raster, durch Denunziation.

Wer Erinnerungen ernst meint, der sollte also zuerst fragen: „Welche Menschen wurden wie verfolgt und warum?“, nicht: Welche moderne Identität stülpen wir ihnen heute über?

Beifallbei der AfD

Wer hat denn die Rede geschrieben?

Wer das tut, der vollzieht moralische Übergriffigkeit im Gewand des Gedenkens. Man meint, für die Opfer zu sprechen; aber man hört ihnen nicht zu. Man nimmt ihnen sogar noch die letzte verbliebene Freiheit: die eigene Selbstbeschreibung.

Mit Ihrem Antrag versuchen Sie, den Opfern ein Gegenwartslabel aufzukleben, welches sie weder kannten noch wahrscheinlich gewählt hätten. Denn die entscheidende Frage lautet doch: Was ist „queer“ eigentlich konkret? Wo beginnt es? Wo endet es? Wer gehört dazu und wer nicht? Und wer entscheidet, ob morgen nicht auch Einhörner und Füchse dazugehören?

Besser keine Rede als so eine Rede im Deutschen Bundestag! Eine Unverschämtheit!

Ein Sammelbegriff, der ständig wächst, sich ständig verändert, der ist politisch natürlich praktisch, weil er immer neue Ansprüche legitimieren kann. Aber gerade deshalb ist er eben auch brandgefährlich. Wer die Definition in der Hand hält, der hält die Deutung in der Hand – und damit am Ende eben auch die moralische Waffe.

Die Würde des Menschen ist unantastbar!

Manchmal ist es besser, einfach nichts zu sagen als so was!

Noch gravierender: „Queer“ beansprucht ja nicht nur Historie, sondern auch Repräsentation. Und ich sage es ganz klar: Viele Homosexuelle fühlen sich diesem Label gerade nicht zugehörig.

Sind Sie Sprecherin dieser Gruppe?

Für sie können Sie sprechen, oder was?

Sie wollen als Bürger leben, als Männer und als Frauen und eben nicht als Teil eines Szeneprojekts, das sich über Provokation, Symbolpolitik und ständig neue Identitätsabzeichen definiert.

Beifallbei der AfD

Wenn man zu so einem Thema schon reden will, dann sollte man sich ernsthaft damit befassen!

Für viele ist „queer“ nicht Befreiung, sondern Fremdzuschreibung, ein aufgesetztes „Wir“, das ihnen erklärt, was sie zu sein und wie sie zu sprechen haben. Und wenn man ehrlich ist, wirkt das auf nicht wenige wie ein Übergriff – der Versuch einer Fremdsteuerung hinein in einen Kulturkampf, der nicht der eigene ist.

Das Kernproblem dieses Antrages ist nicht, dass er erinnern will; erinnern müssen wir. Das Kernproblem ist, dass er mit einem schwammigen politischen Dachbegriff arbeitet und daraus handfeste Ansprüche ableitet – symbolisch, finanziell und institutionell.

Sie drehen es sich so, wie es Ihnen passt!

So entsteht eine Sonderstellung – nicht für konkrete Opfergruppen mit klarer historischer Verfolgungslage, sondern für eine Gegenwartskategorie, die sich jeder klaren Abgrenzung entzieht.

Wie schwer ist es denn, festzustellen, dass sie genau deswegen verfolgt wurden? Meine Güte!

Sagen Sie mal was zu den Opfern!

Darum mein Fazit: Ja zu würdigem Gedenken, Ja zur Aufarbeitung konkreten Unrechts – auch und gerade dort, wo nach 1945 Anerkennung und Entschädigung verweigert wurden. Aber ein klares Nein zu einer Sprache, die die Opfer beliebig macht. Wer so spricht, der ehrt die Opfer nicht, der benutzt sie.

Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

Beifallbei der AfD

Was für eine ideologische, schreckliche Rede!

Für die SPD-Fraktion darf ich Carmen Wegge das Wort erteilen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Carmen Wegge
Foto: Carmen Wegge/ Photothek Media Lab
4 Vermerkeca. 521 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen!

„Deutsche demokratische Altfraktionen“ heißt das!

Sehr geehrte Damen und Herren! Sie wollte leben. Sie wollte lieben. Henny Schermann! Ich möchte Ihnen ihre Geschichte erzählen:

Henny Schermann wurde 1912 in Frankfurt am Main geboren. Sie arbeitete im Schuhgeschäft ihrer Familie, hatte Freundinnen und Freunde, Hoffnungen und Pläne. Sie führte ein ganz normales Leben. Und sie liebte Frauen. Im nationalsozialistischen Deutschland reichte das aus für Ausgrenzung, Misshandlung und für den Tod. Henny Schermann war Jüdin. Und sie war lesbisch. Beides machte sie zur Zielscheibe eines Regimes, das entschied, wessen Leben Wert hatte und wessen nicht.

Sie weigerte sich, den Zwangsnamen „Sara“ anzunehmen. Sie weigerte sich, sich zu verstecken. 1940 wurde sie verhaftet – nicht wegen einer Tat, sondern wegen ihrer Identität. Im Konzentrationslager Ravensbrück notierte ein Lagerarzt auf ihrem Häftlingsfoto zwei Worte: „Lustige Lesbe“, zwei Worte, die zeigen, wie tief die Entmenschlichung reichte. – Und da hat gerade, glaube ich, jemand gelacht. – 1942 wurde Henny Schermann in der Tötungsanstalt Bernburg ermordet. Sie war 30 Jahre alt.

Henny Schermann steht stellvertretend für viele – für queere Menschen, die im Nationalsozialismus verfolgt, entrechtet und ermordet wurden und deren Leid auch nach 1945 lange keinen Platz hatte. Denn das Unrecht endete nicht mit der Befreiung. Für schwule Männer galt der § 175 StGB weiter – ein Paragraf, der im Nationalsozialismus verschärft wurde und der in der Bundesrepublik noch Jahrzehnte Bestand hatte: bis 1969 in seiner NS-Fassung, vollständig abgeschafft erst 1994. Während andere Opfergruppen schrittweise Anerkennung erfuhren, wurden queere Menschen auch nach dem Ende des NS-Regimes weiter kriminalisiert. Viele schwiegen aus Angst, viele beantragten keine Entschädigung, viele blieben unsichtbar.

Das ist das zweite Unrecht, über das wir heute sprechen. Der vorliegende Antrag erinnert an diese verdrängte Geschichte. Er benennt zu Recht, dass queere NS-Opfer über Jahrzehnte ausgeschlossen wurden von Anerkennung, Entschädigung und Sichtbarkeit. Diese Feststellung teilen wir ausdrücklich.

Als Sozialdemokratinnen und -demokraten in diesem Hohen Haus haben wir in der Vergangenheit in dieser Sache deswegen immer Verantwortung übernommen. Unsere fantastische Bundestagspräsidentin Bärbel Bas hat in der letzten Legislatur tatsächlich dafür gesorgt, dass es die Gedenkstunde hier im Deutschen Bundestag zum ersten Mal auch zu Ehren von queeren Opfern im Nationalsozialismus gegeben hat.

Beifallbei der SPD sowie des Abg. Sven Lehmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Und wir haben staatliches Unrecht benannt. Wir haben 2002 – ja, viel zu spät – die Urteile der NS-Zeit aufgehoben. Viele weitere Dinge, die wir hier gemacht haben, wurden schon benannt.

Ich möchte auch etwas in Richtung der Fraktion sagen, die hier ganz rechts sitzt: Was Sie hier täglich mit Ihrer Rhetorik betreiben, ist kein legitimer Ausdruck einer Meinungsverschiedenheit. Es ist eine Politik der Abwertung von Menschen in diesem Land. Das ist für uns inakzeptabel.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der Linken sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Zurufevon der AfD

Kolleginnen und Kollegen, die AfD-Fraktion hat mich gebeten, zur Kenntnis zu geben, dass in der AfD-Fraktion niemand gelacht hat.

Ich darf für Bündnis 90/Die Grünen Kollegin Marlene Schönberger das Wort erteilen.

Porträt von Marlene Schönberger
Foto: Marlene Schönberger/Elias Keilhauer
8 Vermerkeca. 545 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen!

Deutsche demokratische Altfraktionen!

„Nichts hatte sich geändert, außer dass Homosexuelle nicht mehr in ein Konzentrationslager eingewiesen werden konnten“: So beschreiben Ulf Bollmann, Gottfried Lorenz und Bernhard Rosenkranz die Situation schwuler und bisexueller Männer in der Nachkriegszeit. Die Verfolgung endete 1945 nicht. Sie ging unter dem durch die Nazis verschärften Paragrafen nahtlos weiter.

Homosexuelle Männer, die Konzentrationslager überlebt hatten, wurden in Gefängnisse gesperrt, um ihre NS-Haft zu Ende zu verbüßen – trotz Grundgesetz. Dieselben Richter, die noch kurz zuvor Homosexualität als den Volkskörper gefährdende Seuche ausrotten wollten, verurteilten auch nach 1945 homosexuelle Männer zu jahrelanger Haft. Und während Richter/-innen des Bundesverfassungsgerichts 1957 darin keinen Verstoß gegen das Grundgesetz erkennen konnten, führte die Polizei in der Bundesrepublik die Rosa Listen der Nazis bis in die 1980er-Jahre fort.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, gegen welche NS-Kontinuitäten die queere Community Grundrechte und Erinnerungskultur erkämpfen musste, ist eine Schande. Ihr Kampf verdient unseren tiefsten Respekt!

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der Linken und des Abg. Dr. Konrad Körner [CDU/CSU]

Auch Rehabilitierung und Entschädigung mussten erstritten werden. Sie kamen spät und unzureichend: 2002 und 2017 – wenige Tausend Euro für zerstörte Biografien, für soziale Ächtung, für lebenslange Traumata. Für verfolgte lesbische und bisexuelle Frauen sowie für Transpersonen kam Entschädigung in der Regel gar nicht – keine Entschädigung für diese Gruppen, die als sogenannte Asoziale und Arbeitsscheue in Konzentrationslagern misshandelt, zwangssterilisiert oder zur Prostitution gezwungen wurden.

Während die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit Queerfeindlichkeit als Teil der NS-Ideologie bis heute fehlt, eskaliert aus der extremen Rechten die Gewalt. Aber auch bis in die Mitte hinein wird Queerfeindlichkeit normalisiert: Regenbogenflaggen werden verboten, vom Zirkuszelt wird gesprochen, von Listen mit Transpersonen wird geträumt. Nichts davon, liebe Kolleginnen und Kollegen, werden wir als queere Community akzeptieren.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der Linken

Fast alle Opfergruppen des Nationalsozialismus sind durch Artikel 3 des Grundgesetzes geschützt, queere Menschen nicht. Das muss sich ändern. Und nein, wir müssen nicht begründen, warum „sexuelle Identität“ in Artikel 3 gehört. Begründungsbedürftig ist, warum sie dort bis heute fehlt.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken

So ist es!

Während rechtsextreme Täter/-innen immer jünger werden, will die Bundesregierung nicht nur politisch-historische Bildung eindampfen, sie diskreditiert auch genau die Zivilgesellschaft, die diese Demokratie trägt.

Doch aus der Geschichte lernen heißt: Demokratie leben stärken. Endlich ein Demokratiefördergesetz!

Aus der Geschichte lernen heißt: Abschiebestopp queerer Geflüchteter, denen in den Herkunftsländern Folter und Tod drohen. Es heißt: Endlich Anerkennung und Entschädigung aller Betroffenen staatlicher, queerfeindlicher Gewalt – und selbstverständlich auch derjenigen, die unter dem menschenverachtenden Transsexuellengesetz jahrzehntelang gelitten haben.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken

Aus der Geschichte lernen heißt: Den Aktionsplan „Queer leben“ umsetzen – bis zur letzten Maßnahme.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, aus der Geschichte lernen bedeutet, eine einfache Tatsache anzuerkennen: Queere Rechte sind Menschenrechte.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken

Für die CDU/CSU-Fraktion erteile ich Dr. Martin Plum das Wort.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Martin Plum
Foto: Martin Plum/Gebhard Bücker Fotografie
4 Vermerkeca. 436 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir haben gestern und auch heute hier im Deutschen Bundestag der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Die Nationalsozialisten haben Menschen entrechtet, verfolgt, gequält und ermordet – wegen ihrer Abstammung, ihrer Herkunft, ihres Glaubens, ihrer Überzeugungen, ihres Körpers oder ihrer Sexualität.

Im Deutschen Bundestag erinnern wir immer wieder an die unterschiedlichen Opfergruppen dieses beispiellosen Unrechts: an Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma, Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, politisch Verfolgte, Menschen mit Behinderung und, wie in dieser Debatte, auch an Menschen, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität zu Opfern des Nationalsozialismus wurden. Zwischen 1933 und 1945 mussten auch sie in unserem Land Unmenschlichkeit in ihrer grausamsten Form erleiden. Sie wurden ausgegrenzt, verfolgt, inhaftiert, deportiert, misshandelt, sterilisiert, kastriert und ermordet.

Die Befreiung vom Nationalsozialismus 1945 bedeutete für viele Überlebende kein Ende des Unrechts. In beiden deutschen Staaten wurde Menschen lange verwehrt, ihre Geschlechtlichkeit und ihre Sexualität frei zu leben. Homosexualität blieb in der DDR über 40 Jahre, in der Bundesrepublik fast 50 Jahre lang strafbar. Weitere Jahre vergingen, bis Urteile aufgehoben und Opfer entschädigt wurden. Erst in den vergangenen zehn Jahren ist es selbstverständlich geworden, an Tagen wie gestern und heute auch an diese Opfergruppe zu erinnern. Gut, dass es das heute ist!

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Diese Erinnerung ist allerdings kein Selbstzweck. Sie ist notwendig, um aus dem Gestern heute die richtigen Entscheidungen für morgen zu treffen. Erinnerung muss sich deshalb verbinden mit Erkennen, Ermahnen und Ermutigen. Wir müssen erkennen, dass Recht und Freiheit nicht selbstverständlich sind. Diese Erkenntnis muss uns ermahnen, jeden Tag genau dafür, für Recht und Freiheit, einzutreten, und sie muss uns ermutigen, diese Verantwortung entschlossen wahrzunehmen.

Diese Verantwortung bedeutet vor allem, dass wir wachsendem Hass und wachsender Gewalt entschieden entgegentreten. Dass Menschen in unserem Land immer noch und leider wieder häufiger aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität zu Opfern werden, dürfen wir nicht hinnehmen. „Nie wieder!“ beginnt mit „Wehret den Anfängen!“, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD

Lassen Sie mich an Tova Friedmans Worte anknüpfen: Wir sind nicht verantwortlich für das, was unsere Vorfahren getan haben. Aber wir sind verantwortlich für das, was heute getan wird, damit Menschen nicht wieder zu Opfern werden. Lassen Sie uns diese Verantwortung gemeinsam wahrnehmen! Sie ist unsere bleibende Verpflichtung als Staat, als Gesellschaft und auch als Parlament.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD

Für die AfD-Fraktion darf ich Stephan Brandner das Wort erteilen.

Beifallbei der AfD
Porträt von Stephan Brandner
Foto: Stephan Brandner/Vadim Derksen
11 Vermerkeca. 631 WörterReaktionswert: hoch
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Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Die Linken widmen ihren Antrag den „‚vergessenen‘ queeren Opfern“ des Nationalsozialismus und fordern, dass dieser Bundestag sich für das vor über 80 Jahren zweifellos begangene Unrecht entschuldigen soll. Im Gegensatz zur letzten Version Ihres Antrags aus dem Jahr 2023 – offenbar wird so was bei Ihnen alle paar Jahre auf Wiedervorlage gelegt –

Das machen Sie ja überhaupt nicht!

wurde das Portfolio Ihrer Forderungen allerdings noch um ein weiteres, zusammenhangloses Sammelsurium erweitert. Zusätzlich werden nun etwa ein Institut für Sexualwissenschaften – unter dem Motto! – und die Vergabe von Forschungsaufträgen gefordert, um queere Menschen besser zu verstehen.

Meine Damen und Herren, damit wir uns nicht falsch verstehen, stelle ich mal voran, dass die Alternative für Deutschland dazu steht, allen Opfern von Verfolgungen und Vertreibungen die gleiche Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Es gibt für uns keine guten und keine schlechten Opfer.

Beifallbei der AfD

Und genau deshalb irritiert uns Ihr Antrag: weil er davon spricht, dass es auch andere Opfergruppen gebe als die von Ihnen hier bezeichneten, aber keine einzige benennt. Auch bleibt völlig offen, was dieser Deutsche Bundestag im Jahr 2026 damit zu tun haben soll und wofür wir uns, die wir hier sitzen, entschuldigen sollen. Das begründen Sie mit keiner einzigen Silbe.

Unter anderem für diese Rede sollten wir uns entschuldigen!

Zurufder Abg. Saskia Esken [SPD]

Man sieht – man könnte es so sagen –: Ideologie frisst Hirn. Sie verhöhnen die Opfer, Sie schwurbeln Ihr wokes Einerlei, und sogar Anne Frank wird von Ihnen vor den queeren Karren gespannt. Also, widerlicher geht es nach meiner Ansicht nicht.

Beifallbei der AfD

Dass dieser Antrag ausgerechnet von der Linken kommt – rechtsidentisch mit der menschenverachtenden und mordenden SED in der Gott sei Dank untergegangenen DDR –, ist an Geschichtsvergessenheit kaum zu überbieten. Denn diese Linke, die SED, hat in der DDR 40 Jahre lang diktatorisch regiert, hatte 40 Jahre lang Zeit, mit 100-Prozent-Mehrheiten in der Volkskammer genau das umzusetzen, was Sie jetzt hier fordern. Und es passierte: gar nichts.

Zurufdes Abg. Maik Brückner [Die Linke]

Sie erwähnen das mit einem Halbsatz in Ihrem Antrag: „In der DDR gab es keine Möglichkeit auf Entschädigung.“ Ganz lapidar schreiben Sie es da hin, ohne jegliches Unrechtsbewusstsein.

Haben Sie nicht gewusst, was Sie sagen sollen, und jetzt reden Sie so einen Stuss daher?

Der Gipfel dieser Anträge, die in diese Richtung gehen, ist dann immer Magnus Hirschfeld, offenbar eine Ikone des links-woken Queer-Unsinns; der taucht immer wieder auf.

Zurufder Abg. Saskia Esken [SPD]

Da lohnt es sich, mal genau hinzugucken, wer dieser Magnus Hirschfeld eigentlich war: ein Eugeniker und Sozialdarwinist mit widerlichen Fantasien und Plänen zu Menschenexperimenten, Kastrationen und Genitalverstümmelungen.

Reden Sie doch mal zum Thema! Meine Güte! Das ist doch unerträglich!

– Hören Sie zu! – Dieser Magnus Hirschfeld war tatsächlich der Meinung, Erbgesundheitslehre und Menschenzüchtung wären angezeigt,

Sie beweisen jedes Mal aufs Neue, warum Sie als Ausschussvorsitzender abgewählt worden sind!

um eine bessere Menschheit zu schaffen. So einen Typen machen Sie quasi zur Frontfigur Ihres Antrags. Er wollte – Zitat – „die Ausjätung schlechter Menschenkeime“ und ist trotzdem eine Art Kronzeuge und Kronjuwel Ihres Antrags. Also, eine solche Geschichtsvergessenheit und Blindheit für die Fakten habe ich selten gesehen.

Mit einfachen Worten – für Sie –: Ihr Antrag hat den falschen Antragsteller, die falsche Begründung, den falschen historischen Kontext, stützt sich auf eine falsche Person, auf einen komischen Typen, der diese Art von Perversionen verbreitet hat, und kann daher von jedem, der auch nur ein bisschen bei Verstand ist, –

Herr Abgeordneter.

Rednerwechsel

– nur abgelehnt werden.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD

Für die SPD-Fraktion darf ich Helge Lindh das Wort erteilen.

Beifallbei der SPD
Porträt von Helge Lindh
Foto: Photothek Media Lab
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Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Lieber Herr Lindh!

Ich wollte Bezug nehmen auf die Rede von Herrn Brandner und die Unsäglichkeiten damals. Der Witz ist: Sie haben sie jetzt einfach plagiiert und reproduziert – deshalb kann ich auch auf beide gleichzeitig Bezug nehmen –,

Genau! Ist ja auch der gleiche Antrag!

indem Sie doch tatsächlich eben gesagt haben – angesichts des heutigen Tages –, dass Sie nicht wüssten, was der Bundestag damit zu tun haben sollte und wofür wir uns jetzt, in diesem Jahr, genauso wie Sie es 2023 gesagt haben, entschuldigen sollten. Das ist unsäglich! Das ist ein starkes Stück!

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der Linken sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Ich gebe Ihnen aber die Antwort: Wir haben uns zu entschuldigen und damit zu befassen, weil – so wie wir hier sitzen, im Jahre 2026 – im Wahlprogrammentwurf der AfD Sachsen-Anhalt steht – ich zitiere –, „dass sexuelle Abweichungen und nicht-reproduktive Lebensweisen mittlerweile mehr Akzeptanz genießen […] als die normale Familie aus Mann und Frau, aus der Kinder hervorgehen“. – Ende des Zitates.

Ich erkenne da jetzt kein Skandalpotenzial, Herr Lindh!

Diese Sprache entstammt direkt dem Wörterbuch, dem Jargon des Unmenschen von vor 1945 und hat dieses Wörterbuch leider überdauert. Und genau das ist der Grund, weshalb wir uns damit zu befassen haben. Das ist die unerträgliche Form eines Kreuzzugs gegen selbstbestimmtes queeres Leben und übrigens auch gegen die Selbstbestimmung der Frau, den Sie führen. Gerade deswegen haben wir heute über diesen Antrag richtigerweise zu sprechen, ist dieser Antrag berechtigt und haben wir daraus Schlussfolgerungen zu ziehen.

Was Sie hier tun – und das muss man sich klarmachen – angesichts der Erinnerung an Menschen, die verfolgt wurden, ermordet wurden, denen die Freiheit genommen wurde, zu leben und zu lieben, wie sie möchten, die Freiheit der Selbstbestimmung,

Darum geht es den Antragstellern doch gar nicht!

ist, ihnen dieses Recht abzusprechen und daraus etwas runterzuziehen, als handele es sich um perverses Handeln, als hätten wir es hier mit einem woken Irrtum zu tun. Was Sie tun, ist eine Missachtung der Opfer des Nationalsozialismus, eine Missachtung aller queeren Opfer.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der Linken sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Schämen Sie sich! Wenn Sie letztlich so hämisch darüber lachen, wie Menschen für ihre Freiheit kämpfen,

Wer lacht denn hier? Hier lacht doch keiner! Sie schreien, und ich höre Ihnen zu!

dann soll Ihnen dieses Lachen im Halse stecken bleiben!

Ich sage Ihnen mit Worten von Bertolt Brecht aus „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ auch: „Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem dies kroch!“ – Und das ist so.

Diese Rede, die Sie hier vor wenigen Momenten gehalten haben, ist eine Schande. Deshalb sind wir als Demokratinnen und Demokraten aufgefordert, aufzustehen.

Zurufdes Abg. Stephan Brandner [AfD]

Denn bei der Verteidigung queeren Lebens – bi, trans, schwul, lesbisch, inter – geht es auch um unser Selbstverständnis, um unsere Freiheit, um eine Gesellschaft, für die eben nicht Furcht und Angst und Hass, den Sie auf den Straßen gegenüber queeren Menschen schüren, im Vordergrund stehen, sondern Selbstakzeptanz und Selbstwert.

Herr Kollege.

Rednerwechsel

Deshalb ist auch die Debatte über die Präzisierung von Artikel 3 berechtigt: weil es um das Grundgesetz geht –

Herr Kollege!

Rednerwechsel

– und darum, dass wir endlich dem Anspruch, dass die Würde des Menschen nicht antastbar ist, gerecht werden. Aber nicht mit solchen Reden, nicht mit Ihnen!

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der Linken sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Als letzte Stimme in dieser Aussprache hören wir Dr. Konrad Körner von der CDU/CSU.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Konrad Körner
Foto: Dr. Konrad Körner/ Julia Durmann
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Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Heute haben wir im Bundestag der Opfer des Nationalsozialismus gedacht – ein Moment, in dem wir innegehalten haben angesichts eines Leids, das kaum in Worte zu fassen ist. Und es wird immer schwerer, es weiterhin zu fassen.

Bevor ich auf den vorliegenden Antrag eingehe, möchte ich an diejenigen erinnern, um die es hier gehen soll: an homosexuelle Menschen, an Menschen anderer sexueller Orientierung, die im Nationalsozialismus verfolgt, entrechtet und ermordet wurden. Sie wurden verhaftet, misshandelt, Experimente wurden an ihnen durchgeführt, sie wurden zwangskastriert und zwangssterilisiert.

Zurufdes Abg. Stephan Brandner [AfD]

Wer aus der Haft entlassen wurde, hatte meist alles verloren: Arbeit, Wohnung und Würde. Über 50 000 Männer verurteilte die NS-Justiz wegen Homosexualität. Zwischen 10 000 und 15 000 schwule Männer wurden in Konzentrationslager deportiert, Tausende überlebten nicht.

Hinter jeder dieser Zahlen steckt ein Mensch, ein Name, eine Geschichte. Zum Beispiel Franz Joseph Koch, geboren 1916, Postangestellter, nach Einberufung in die Wehrmacht mehrfach wegen Homosexualität verurteilt. Er kam in ein Strafbataillon, wurde 1943 dann an der Ostfront in Russland ermordet. Oder Friedrich Paul von Groszheim: Er überlebte und schwieg mehr als 50 Jahre. Er begann erst 1991 zu berichten, starb dann 2006 in Hamburg, fast 100-jährig. Seine Worte bleiben und sollten für uns Mahnung sein:

„Ich bin nie von der Schuld überzeugt gewesen […]. Es ist ja so widersinnig wie irgendwas, dass man für Liebe bestraft werden sollte.“

Erinnerung: Sie kam spät, aber sie kam. Das Leid von Menschen mit anderer sexueller Orientierung in der NS-Zeit wurde am 27. Januar 2023 in der Gedenkstunde zum Holocaustgedenktag hier in diesem Hohen Hause gewürdigt. Auch die geforderte Entschuldigung ist erfolgt: Der Herr Bundespräsident sprach sie 2018 offiziell aus.

Deshalb möchte ich zum Antrag sagen: Ein wiederkehrendes Merkmal dieser Anträge ist es anscheinend, so zu tun, als würde nichts geschehen. Dabei ist vieles bereits erreicht worden. Auch ein Institut für Sexualwissenschaft wurde bereits 1996 an der Charité institutionell verankert. Und bekanntermaßen gibt es sogar über 100 Professuren im Bereich der Gender Studies.

Ungefähr 100 zu viel!

Wenn das zu einer würdigen Erinnerung beitragen kann, wäre das, glaube ich, ein Mehrwert.

Zur Erinnerungskultur. Es existieren über 25 Denkmäler für homosexuelle Opfer des Nationalsozialismus, auch in den Gedenkstätten Dachau, Ravensbrück und Neuengamme. Eine Ausstellung war selbst im Bundestag zu sehen. Das alles sind wir den Opfern schuldig.

Ob die Wiederholung weitestgehend überholter Anträge der Sache dient, das kann man sich überlegen.

Herr Abgeordneter.

Und ob politische Agitation an diesem Tag passt, das auch.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD