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102. Sitzung
Freitag, 17. Mai 201919. Wahlperiode, 102. SitzungEuropol zu einem europäischen Kriminalamt aufwerten
12 VermerkeReaktionswert: hoch346 Wörter Im Protokoll lesen

Ich bedanke mich für die Frage, Herr Kollege. – Die Vorratsdatenspeicherung ist aus unserer Sicht unverzichtbar, und zwar nicht nur aus unserer Sicht – das ist relativ unerheblich –, sondern auch aus Sicht aller entscheidenden Behörden, die mit dem Thema zu tun haben,

Warum legen Sie es dann nicht vor, verfassungsgemäß?

Um Gottes willen, warum tun Sie dann nichts? Das ist ja schrecklich!

wie der Bund Deutscher Kriminalbeamter, der sich öffentlich dafür ausgesprochen hat, dass wir das benötigen. Ich erinnere auch an das Bundeskriminalamt.

Seit 14 Jahren in der Verantwortung, und Sie tun nichts!

– Jetzt bin ich dran, Herr Kollege Notz. Ich stehe am Mikrofon; da bin ich per se etwas lauter als Sie. – Das Bundeskriminalamt beispielsweise hat im Kontext von Ermittlungen gegen die Mafia erklärt,

Warum legen Sie keine verfassungsgemäße Version vor?

dass wir faktisch eine kaum umsetzbare Form der Vorratsdatenspeicherung haben.

Ja, warum tun Sie denn nichts, Herr Irmer? Warum tun Sie denn nichts?

Deshalb brauchen wir eine entsprechende Gesetzesänderung.

Wann kommt die?

Dazu braucht man parlamentarische Mehrheiten, und da wäre es schön, wenn Sie dabei sind. Wir laden Sie zu einer Gesetzesinitiative ein.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Sie haben es bisher doch immer abgelehnt.

Verfassungsgemäß, Herr Kollege!

Sie haben doch gesagt, Sie wollen die Vorratsdatenspeicherung abschaffen. Sie sind der Ungeeignete, uns in dieser Frage Ratschläge zu geben.

Beifallbei der CDU/CSU

Sie sind nicht in der Lage, ein verfassungskonformes Gesetz zu präsentieren! Ein Armutszeugnis!

Meine Damen und Herren, der geschätzte Kollege Kubicki, den ich jetzt virtuell in der Reihe vor mir sehe,

Heiterkeitbei der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Zuruf: Der sitzt hinter Ihnen!

hat vor wenigen Tagen erklärt: Wir brauchen mehr Zusammenarbeit, nicht mehr Überwachung. Wir brauchen mehr Menschen, die analysieren. – Lieber Herr Kollege Kubicki, bei aller wirklich großen Wertschätzung: Was will ich mit netter, kollegialer Zusammenarbeit, wenn ich keine Informationen habe, die ich analysieren kann? Das ist doch der springende Punkt.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Wir haben keine Kenntnisse von Vernetzungen, keine Kenntnisse von Strukturen; das ist aber genau das, was wir brauchen.

Meine Damen und Herren, ich akzeptiere nicht, dass in diesem Staate de facto – zumindest partiell – der Datenschutz zum Täterschutz mutiert. Das ist die falsche Richtung. Deshalb müssen wir hier eine entsprechende gesetzliche Änderung hinbekommen.

Abschließend: Ich habe bei Ihnen wirklich den Eindruck, dass unsere Sicherheitsbehörden für Sie das größere Problem sind als die Kriminellen.

Woraus lesen Sie das denn?

Ich habe vor unseren Sicherheitsbehörden inklusive Europol und Interpol keinerlei Sorge. Sie machen eine hervorragende Arbeit.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Gar keine Rechtsgrundlage!

Aber dazu gehört der optimale Datenaustausch. Vor unseren Sicherheitsbehörden habe ich deshalb keine Angst, weil ich überzeugt bin, dass sie bei aller individuellen Unzulänglichkeit des Einzelnen hervorragende Arbeit machen, seriös, verantwortungsbewusst und professionell arbeiten.